Die Buchmacher

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Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
13.12.2005. Heute: Warum das Weihnachtsgeschäft verrückt spielt. Und wie Aldi jetzt auch auf dem Hörbuchmarkt die Schnäppchenjagd einleitet. Von Sandra Evertz

buchreport.express

"Das Weihnachtsgeschäft spielt verrückt", wundert sich buchreport und versucht den Umsatzeinbruch in der ersten der vier Weihnachtswochen (ein Minus von rund 7,2 Prozent im Vergleich zur Vorjahreswoche) zu erklären. Eine durch die "Bücherschwemme" der Billig-Bibliotheken ausgelöste Überversorgung, ein fehlender Weihnachts-Favorit (Harry Potter VI und die "Dan Browns" seien schon zu lang im Handel) und die Verlagerung der Vertriebswege könnten für die Flaute bei den Sortimentern verantwortlich sein. Die Buchhändler zwischen Bangen und Hoffen? Würde sich der Trend im Laufe der verbleibenden Verkaufstage bis Heiligabend nicht wenden, bedeutete dies: Das übers Jahr bis Ende November aufgeblasene Umsatzpolster fällt zum Jahresende in sich zusammen.

An der aktuellen Auswertung der Umsätze nach Warengruppen - die Daten beziehen sich auf November - lassen sich zwar mehr erfreuliche als unerfreuliche Zahlen ablesen, dennoch: Es gibt sie, die Verlierer. Die Warengruppen Sachbuch, Taschenbuch, Schulbuch und Ratgeber schließen den November 2005, verglichen mit dem Vorjahresmonat, negativ ab. Während das Taschenbuch sich aber zum Beispiel für die ersten elf Monate ein kumuliertes Plus von 2,9 Prozent in die Statistik schreiben darf, bleibt das Sachbuch bei minus 3,3 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Gewinner sowohl des Monats- als auch des Jahresvergleichs sind Belletristik und Hörbuch: Übers Jahr verteilt konnte die Schöne Literatur um 13,8 Prozent zulegen, die gesprochene um 13 Prozent.

Im Jubel der Branche über den Erhalt des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Bücher sind elektronische Verlagsprodukte wie E-Books und Hörbücher scheinbar vergessen worden. Der schon heute erhobene normale Mehrwertsteuersatz für digitale Verlagserzeugnisse wird um den im Koalitionsvertrag festgehaltenen Aufschlag nicht herumkommen. "Das könnte sich negativ auswirken, weil der Markt im Aufbau steckt und Verleger wie Händler bei der Preisfindung noch kein Patentrezept entwickelt haben", erläutert buchreport. Uneins sind sich die Multimedia- und Hörbuch-Verlage, ob sie die Mehrwertsteuererhöhung - zumindest teilweise - an den Endkunden weiterreichen werden.

Neue Regeln sollen die Qualität der in Verruf gekommenen Wikipedia (siehe Perlentaucher-Archiv) verbessern - allerdings nur im englischsprachigen Raum. Dort muss sich ab sofort jeder Schreiber, der einen neuen Artikel in der Enzyklopädie anlegen will, registrieren lassen. Für Wikipedia-Sprecher Mathias Schindler ist das Vorgehen "ein Experiment". Für das deutschsprachige Portal solle die Registrierungspflicht vorerst nicht eingeführt werden, denn jede Art der Verschärfung stelle eine Hürde für die Nutzer dar. Schindler betonte im buchreport-Gespräch, dass ja auch nur ein kleiner Teil der Artikel gegen Qualitätskriterien verstoße.

Buch & Kunst kündigt seine erste süddeutsche Filiale an und Online-Händler Lesen.de zieht seine erste Bilanz. Mehr.

Meldungen: Milo Dor und Hanns Dieter Hüsch sind vergangene Woche gestorben. Regisseur und Autor Heinrich Breloer ("Die Manns") arbeitet an einer Verfilmung der "Buddenbrooks". Suhrkamp-Autor Ralf Rothmann ist in Köln mit dem mit 20.000 Euro dotierten Heinrich-Böll-Preis ausgezeichnet worden. Und: die Bestsellerlisten.
Stichwörter: Suhrkamp, Wikipedia

Börsenblatt

Aldi heizt seit letzter Woche die Schnäppchenjagd an. Für einen Verkaufspreis von gerade mal 12,95 Euro haben die 1.600 Aldi Süd-Filialen Hörbuchpakete (Krimis und Weltliteratur) mit jeweils zwölf CDs geschnürt. Für den Discounter exklusiv produziert hat sie der Tandem Verlag. Mit der Aldi-Kooperation wolle Tandem-Geschäftsführer Herbert Ullmann "die Zielgruppe erweitern", schreibt das Börsenblatt. Die Buchhändler sind - zumal mitten im Weihnachtsgeschäft - sauer. Bei solch einem Preisdumping können sie nicht mithalten.

Bei den Verlagen sitzt das Geld bekanntermaßen nicht locker und von hohen Vorschüssen können heutzutage nur noch Autoren träumen, die wirklich Rang und Namen haben. Oder hatten. Die angekündigten Memoiren des Altkanzlers sollen nach Insider-Einschätzungen bis zu 1 Million Euro wert sein. Um welche Summen es bei den Verhandlungen um das Schröder-Honorar tatsächlich geht, ist noch nicht durchgesickert, nur soviel, dass Random House und Hoffmann und Campe mit von der Bieter-Partie sind. Stellvertretend für Gerhard Schröder, der zwar noch keine Zeile zu Papier gebracht hat, mit seinem Marktwert aber zufrieden sein sollte, führt der Hamburger Medienanwalt Matthias Prinz die Gespräche mit den Verlagen.

Vor wenigen Wochen noch gab der zum Douglas-Konzern gehörende Buch-Filialist Thalia den Branchenmagazinen ausführlich Auskunft über seine Expansionspläne. Mit finanzieller Beihilfe der Verlage plante der Branchenprimus die Eröffnung weiterer Läden. Dass eine Berliner Thalia-Filiale (im Ring Center I) kurz vor der Schließung steht, bestätigte die Douglas-Tochter dem Börsenblatt weniger auskunftsfreudig und ohne die Nennung von Gründen.

Jahr für Jahr führt die Logistikumfrage des Ausschusses für den Zwischenbuchhandel (im Börsenverein) vor Augen, dass die Rationalisierungspotenziale in der Branche nicht ausgeschöpft werden. Das Börsenblatt hat von einer Tagung der Auslieferer VVA und VM Verbesserungsvorschläge mitgebracht: So sollten die Verlage beispielsweise über ihre Konditionenmodelle nachdenken, die Buchhändler über die konsequentere Nutzung elektronischer Bestellwege und die Bündelung von Bestellungen. Den Auslieferern würde die Lagerung der Titel nach Drehzahl (nicht nach Verlagen) eine Ersparnis bringen. Zwar gibt es in allen Disziplinen Vorreiter, doch für das Gros der Branchenteilnehmer gilt: Die alten Zöpfe müssen radikal ab.

Welche Warengruppen dem Sortiment im neuen Jahr Aufwind geben werden, fragte das Börsenblatt in seinem wöchentlichen Rundruf bei Sortimentern nach. Bei aller Unterschiedlichkeit der Einschätzungen räumte die Mehrzahl der Buchhändler dem Kinder- und Jugendbuch große Chancen ein.

Deutsche Bücher sollen in der Schweiz billiger werden. Zurzeit liegen dort die Franken-Preise der aus der Bundesrepublik importierten Bücher bis zu 14 Prozent über dem Euro-Umrechnungskurs. Der Schweizerische Buchhändler- und Verlegerverband einigte sich mit Preisüberwacher Rudolf Strahm darauf, dass die Schweizer Sortimente die Preise für Bücher aus Deutschland in einem ersten Schritt um durchschnittlich zwei Prozent senken (ab Juli 2006) und in einem zweiten Schritt um nochmal zwei Prozent (ab Juli 2007). Die jetzt gefundene Regelung liege zwischen den beiden Extremen "vollständige Preisbindung" und "vollständige Preisliberalisierung", zitiert das Börsenblatt Verhandlungsführer Strahm.

Meldungen: Reclam bricht die Zelte in seiner Gründungsstadt Leipzig ab und veröffentlicht nur noch von Ditzingen aus - das Label Reclam Leipzig soll beibehalten werden. Der Hörverlag schreibt erstmals den Prix Hörverlag, einen Preis für das Format Original-Hörspiel, aus. Audibleblog.de bietet kostenlos zum Download einen Crash-Kurs zum Thema "Hörbuch" an.
Archiv: Börsenblatt