Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
10.01.2006. In dieser Woche: Warum gerade die großen Ketten von der Buchpreisbindung profitieren. Und warum die Sortimenter nach dem Weihnachgeschäft dennoch selbstbewusst bleiben. Von Sandra Evertz

buchreport.express

Die Sortimenter können gestärkt ins neue Jahr durchstarten: 2005 haben sie - wie auch das Jahr zuvor - mit einem Umsatzplus abgeschlossen. Der Zuwachs beläuft sich laut buchreport-Analyse sogar auf 1,9 Prozent, was durch dreierlei Umstände überraschen mag: Der Einzelhandel insgesamt musste einen leichten Rückgang verschmerzen, die Buchpreise waren im Durchschnitt gesenkt, nicht etwa erhöht worden und der Boom des Online-Buchhandels hat dem stationären Sortiment nichts anhaben können.

Das Weihnachtsgeschäft 2005 (siehe auch Börsenblatt) war eine Berg- und Talfahrt, aber immerhin verwandelte sich das bis zum vierten Advent aufgelaufene Minus von 1,2 Prozent in den Buchhandelskassen (im Vergleich zu den Zahlen des Vorjahres) bis zum Monatsende in ein Plus von 0,5 Prozent. Entscheidend sei die letzte Woche vor den Feiertagen gewesen, in denen die Buchhändler, begünstigt durch einen zusätzlichen Verkaufstag, rund zwölf Prozent mehr (verglichen mit 2004) umsetzen konnten, schreibt buchreport. 0,5 Prozent - für die Online-Buchhändler sind das Peanuts. Großhändler Libri, Hauptlieferant des Internetbuchhandels, bescheinigte den Onlinern Zuwächse von rund 20 Prozent.

Dass die zum Douglas-Konzern gehörende Thalia-Buchkette genauso schnell wie bisher weiter expandieren will, wenn nicht noch schneller, ist für buchreport eine klare Sache. Auch mit der Übernahme der 26 Gondrom-Filialen (siehe "Buchmacher"-Archiv von letzter Woche) sei die vom Kartellamt gesetzte kritische Grenze von circa 30 Prozent Marktanteil längst nicht erreicht, hat das Branchenmagazin errechnet und stellt fest: "Der Buchmarkt erweist sich für Douglas als attraktive Wachstumssparte, weil Preisbindung und kleinteilige Konkurrenz paradiesische Voraussetzungen schaffen."

Der Club Bertelsmann bricht nach Ansicht des Börsenvereins wiederholt die Regeln der Buchbranche. "Im aktuellen Quartalskatalog offeriert die Buchgemeinschaft ihren Mitgliedern beim Kauf eines Titels zum Club-Preis einen weiteren 'Treue'-Titel mit Nachlässen - je nach Dauer der Mitgliedschaft von bis zu 25 Prozent", fasst buchreport das neue Bonussystem zusammen. Die Kritik des Branchenverbands: Nach den Kriterien des Preisbindungsgesetzes dürfe ein Titel in gleicher Ausstattung nicht zu unterschiedlichen Preisen abgegeben werden, auch Mengenrabatte beim Kauf eines zweiten Buches sehe das Gesetz nicht vor.

Nicht nur durch Potter: Im letzten Jahr ist die Nachfrage nach Buchausgaben im englischsprachigen Original gestiegen. Zum einen sei die Absicht, die Sprache zu trainieren, ein Kaufgrund gewesen, zum anderen habe der Preis eine Rolle gespielt, erklärt buchreport. Zahlreiche Titel sind auf Englisch mittlerweise preiswerter zu haben. Englischsprachige Taschenbücher würden sogar nirgends in Europa so günstig gekauft wie in Deutschland, erläutert Martin Brüninghaus vom Petersen Buchimport.

Eine Schlappe für Börsenverein, nationale und internationale Verlage, die im Rechtsstreit mit Subito, Betreiber des Dokumentlieferdienstes der deutschen Bibliotheken, unterlagen: Das Landgericht München urteilte in einem Musterprozess, dass der E-Mail-Versand von Dokumenten innerhalb von Deutschland auch ohne Genehmigung der Verlage zulässig sei, unabhängig davon, ob der Besteller die Texte kommerziell oder nicht kommerziell nutze. "In Folge können auch Firmen Fachliteratur zu Tiefstpreisen beziehen. Der Börsenverein fürchtet, dass sie ihre Abos abbestellen", beschreibt buchreport das Dilemma. Die Klage durch weitere Instanzen ist wahrscheinlich.

Meldungen: Die Berliner Schriftstellerin Jenny Erpenbeck wird Sylter Inselschreiberin, heißt: Sie erhält ein mit 5.000 Euro dotiertes Schreibstipendium und acht Wochen Wohnmöglichkeit auf Sylt. Die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland Pfalz wird am 18. Januar an den Schauspieler, Regisseur und Autor Armin Mueller-Stahl verliehen. Und: ein Blick auf die Spiegel- und Gong-Bestsellerlisten.
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Geld zurück-Forderungen im großen Stil sind den Buchhändlern zwischen den Jahren erspart geblieben und auch sonst fanden die wenigsten Sortimenter bei einer stichprobenartigen Umfrage des Börsenblatts Anlass zum Klagen. Wohl unter anderem auf Grund der wenigen Spitzentitel, die im Weihnachtsgeschäft aus der Masse herausragt waren, lagen zahlreich Büchergutscheine unter dem Christbaum. Eingelöst wurden sie zum großen Teil zeitnah, was den Buchhändlern auf der Zielgeraden des alten Jahres "zufriedenstellende Umsätze" bescherte. Bücher hätten - neben Parfümerieartikeln und Wintermode - zu den Gewinnern im Dezember gehört, zitiert das Börsenblatt den Hauptverband des Deutschen Einzelhandels.

Selbstbewusst stellen sich Buchhändler und Verlage nach dem Verkauf von Gondrom an Thalia auf. Tom Kirsch, Geschäftsführer der Kette Buch & Kunst, wertete die Übernahme nicht als Niedergang des mittelständischen Buchhandels. Es handle sich, wie bei der Schließung der Ferber'schen in Gießen, um eine "Einzelfallentscheidung". Alle vom Börsenblatt befragten Marktteilnehmer gingen von einem Andauern des Konzentrationsprozesses im Sortiment aus. Dtv-Chef Wolfgang Balk sah die Konzentration im Buchhandel als Teil eines größeren Prozesses - hin zu einer Ent-Individualisierung. Diese Entwicklung könne man bedauern, sagte Balk, aufzuhalten sei sie allerdings nicht.

Profis, die Ebay oder den Amazon-Marketplace nutzen, halten die Spielregeln des festen Ladenpreises größtenteils ein, freut sich das Börsenblatt. Dennoch sind letztes Jahr von der Kanzlei des Preisbindungstreuhänders mehr als 300 "schwarze Schafe" ausfindig gemacht worden. Vor allem vorgeblich "private Anbieter", die wegen der hohen Verkaufszahlen der Preisbindung unterliegen, haben versucht, die Ladenpreise zu unterwandern.

Für diejenigen, die sich im Rahmen der WM auch auf geistiger Ebene mit Fußball beschäftigen möchten, halten die Buchhändler viele, viele Fußballtitel bereit. Das Barsortiment Umbreit habe seit Juli 2005 rund 1.500 Bücher zum Thema ans Lager genommen, versucht das Börsenblatt eine Größenordnung herzuleiten. Auch der Onlinedienst des Branchenmagazins läuft sich für das Sportereignis des Jahres warm. Die Redaktion will ab sofort das "Fußball-Buch des Tages" vorstellen.

Gleich zu Beginn des neuen Jahres beschäftigt sich das Parlament mit Büchern, genauer: mit dem Preisbindungsgesetz. Für den 19. Januar ist die erste Lesung des Entwurfs angesetzt, der unter anderem Änderungen bei den Schulbuchnachlässen vorsieht. Die FDP will dazu die Modernisierung des Urheberrechts (so genannter zweiter Korb) forcieren. In einem Antrag hat die Oppositionspartei eine Dokumentation über die Veränderungen des Urhebervertragsrechts seit 2002 gefordert. Die Liberalen möchten Änderungen im Hinblick auf Praxisauswirkung und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Kultur- und Medienwirtschaft bewertet wissen.

Verleger Jochen Jung will die Feste nicht nur feiern, wie sie fallen, sondern mehr.

Schließlich die Meldungen: Der Kookbooks Verlag bekommt in Berlin ein neues Domizil mit eigenem Ladenlokal: Unter dem Namen "Sonnenstudio" verkauft Verlegerin Daniela Seel ab Mitte Januar Kookbooks, Musik-CDs und Hörbücher von Suppose. Der Schriftsteller Habib Bektas und der Übersetzer und Autor Yüksel Pazarkaya haben in Erlangen den Sardes Verlag gegründet, neben zeitgenössischer türkischer Literatur sollen bei Sardes Werke deutsch-türkischer Autoren erscheinen. Rüdiger Safranski wird im Juni mit dem mit 12.500 Euro dotierten Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg ausgezeichnet.
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