Die Bundesregierung hat sich geweigert,
Edward Snowden für eine Befragung durch den Untersuchungsausschuss nach Deutschland einzuladen: Er könne auch
in Russland vernommen werden. In der
taz hält Christian Rath das für unwahrscheinlich, weil "Russland das einjährige Asyl für Snowden nur unter der Bedingung gewährt hat, dass dieser
den USA nicht schadet. Selbst wenn Russland also eine Vernehmung Snowdens in Moskau genehmigt, könnte dieser dort gar nicht frei reden. Von Snowden kann nur dann eine umfassende Aussage erwartet werden, wenn er ein
sicheres Aufenthaltsrecht in Deutschland - oder einem anderen westlichen Land - erhält und zugesichert wird, dass der Whistleblower nicht an die USA ausgeliefert wird. Das allerdings wäre theoretisch möglich."
Constanze Kurz bezweifelt auf der Medienseite der
FAZ, dass die deutsche
Verhandlungsdelegationen, die nach den Enthüllungen in die USA geschickt wurden, um zu erreichen, dass die Deutschen von der NSA
wie die Briten behandelt werden, auch nur das geringste erreicht haben: "Bevor die Bundeskanzlerin jetzt nach Washington aufbrach, wurde das '
No-Spy-Abkommen'
schnell begraben und das leidige Thema der Snowden-Vernehmung abgeräumt. Schon vor Beginn der Gespräche stand so fest, dass Merkel an der Aufklärung der Geheimdienstmachenschaften
nichts gelegen ist".
Und der große alte Liberale
Gerhart Baum hält vor der USA-Reise der Kanzlerin in der
FAZ fest: "Die
Ausspähung ist bislang nicht bestritten worden und hat nicht nachgelassen. Merkwürdig ist, dass das Thema an öffentlicher
Aufmerksamkeit verloren hat, ausgenommen die Bespitzelung der Kanzlerin."
In den
USA hat man derweil einen Bericht des Regierungsberaters John D. Podesta veröffentlicht, der empfiehlt, die
Datensammelei der großen Internetfirmen zu regulieren. Der Report spricht sechs Empfehlungen für die Politik aus, wozu auch die Ausweitung des Datenschutzes für
Nicht-US-Bürger gehört. Das wichtigste Ergebnis des Berichts,
schreiben David E. Sanger und Steve Lohrmay in der
New York Times, sei jedoch die Erkenntnis, dass "Daten auf subtile Art zu verschiedenen Formen der
Diskriminierung führen können, etwa indem - manchmal fehlerhafte - Voraussagen getroffen werden, wer zur Arbeit erscheinen, seine Schulden pünktlich bezahlen oder teure Behandlungen beanspruchen wird. Der Report hält fest, dass dieselbe Technologie, die oft so nützlich dabei ist, Fluten vorherzusagen oder schwer zu diagnostizierende Krankheiten bei Kindern zu finden, auch das Potenzial hat, seit langem errungende
Datenschutzrechte auszulöschen, die regeln, wie persönliche Informationen beim Hauskauf, der Kreditvergabe, am Arbeitsplatz, im Gesundheits- und Erziehungswesen genutzt werden dürfen."