9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

Überwachung

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.04.2014 - Überwachung

Die Website Venturebeat meldet, dass Google plant, seinen Emaildienst Gmail mit dem Verschlüsselungsprogramm PGP ("Pretty Good Privacy") zu verzahnen. Auf Zeit digital macht sich Eike Kühl Gedanken, wie das technisch funktionieren könnte, und meldet leise Zweifel an, ob Google überhaupt ein Interesse daran hat, nicht mehr auf die Emails zugreifen zu können: "Ausgerechnet die Inhalte von E-Mails sind ein wichtiger Bestandteil des personalisierten Anzeigengeschäfts von Google. Erst vergangene Woche hatte das Unternehmen mittels einer Änderung in den AGBs bestätigt, was ohnehin längst bekannt war: Dass man die E-Mails der Nutzer automatisch scanne. Wörtlich heißt es in den AGBs nun: 'Unser automatisches System analysiert Ihre Inhalte (inklusive E-Mails), um Ihnen relevante Funktionen wie auf Sie zugeschnittene Suchergebnisse, Werbung sowie Spam- und Schadsoftwareerkennung zur Verfügung zu stellen.'"
Stichwörter: Gmail, Google

9punkt - Die Debattenrundschau vom 23.04.2014 - Überwachung

Auch angesichts des "informationellen Totalitarismus" von Facebook, Google und NSA rät der Nachhaltigkeitstheoretiker Harald Welzer in der FAZ zu Jute statt Plastik: "In der Konsequenz würde das bedeuten, dass sich ein zunehmender Teil der Bevölkerung eben nicht mehr den scheinbar naturwüchsigen Vorgaben des staatlich-industriellen Überwachungskomplexes unterwirft, sondern andere Formen der Kommunikation entwickelt. Was konkret zum Beispiel hieße, für alles das, was man für wichtig hält, künftig weder das Internet noch Telekommunikation zu nutzen - warum sollte das nicht möglich sein?"

9punkt - Die Debattenrundschau vom 22.04.2014 - Überwachung

(Via techdirt) Edward Snowdens Auftritt in Putins Propaganda-Fernsehshow hat weltweit für Irritation gesorgt . Im Guardian äußerte sich Snowden schon am Freitag zur Kritik und unterstreicht, dass er die Frage an Putin nicht nur ernst gemeint, sondern so gestellt hat, dass Putin gar nicht anders konnte als zu lügen: "Ich war überrascht, dass Leute, die gesehen haben, dass ich mein Leben riskiere, um Überwachungspraktiken anzuprangern, nicht glauben können, dass ich auch die Überwachungspolitik Russlands kritisieren würde... Ich bedaure, dass meine Frage fehlinterpretiert werde konnte und dass sie viele dazu verleitete, die Substanz der Frage - und Putins ausweichende Antwort - zu ignorieren, um statt dessen in wilde und falsche Spekulationen über meine Motive zu verfallen." Snowden hofft, dass Putins Antwort (die ihn an Obamas erste Reaktion auf ähnliche Fragen erinnert), Journalisten ermuntert, ihm auf den Zahn zu fühlen.

Eli Lake zitiert in The Daily Beast den russischen Journalisten Andrei Soldatov, der die Überwachungspraktiken des russischen Geheimdienstes FSB angeprangert hat: "Soldatov hofft, dass Snowdens Frage in Russland ein Gespräch über die staatlichen Überwachungsverbot anregt, wider ein De-Facto-Verbot, darüber zu sprechen. 'Vor dieser Frage haben sich sowohl Snowden als auch Greenwald geweigert, über Überwachung in Russland zu sprechen', sagt er, 'Nun können wir Greenwald darüber befragen. Wir können die Debatte eröffnen.'"

Tim Cushing kommt in Techdirt auf Putins "lachhafte Antwort" zurück und erinnert an die Überwachungspraktiken in der Sowjetunion: "Seitdem hat sich nicht viel geändert, auch wenn Russland nominell ein 'freies' Land ist. Der russische 'Föderale Dienst zur Telekom-Beaufsichtigung' (Roskomnazdor) dehnt seine Versuche zur Internetzensur immer weiter aus, und russische Geheimdienste haben ihre Überwachungspläne öffentlich verlautbart, etwa die Sammlung sämtlicher ausländischer Kommunikationen während der Spiele von Sotschi."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.04.2014 - Überwachung

Pawel Durow, der Gründer des russischen Facebook-Cones Vkontakte wurde vom russischen Geheimdienst FSB aufgefordert, Daten ukrainischer Oppositioneller herauszugeben und hat sich geweigert, weil Ukrainer nicht unter das russische Gesetz fallen, so schreibt er in einem Post auf seinem Dienst. Mashable (hier) und The Verge (hier) berichten. in Durows Statement heißt es: "In the process I had to sacrifice a lot, including my shares in VKontakte," he wrote. "But I do not regret anything - protection of the personal data of people is worth it and much more. Since December 2013 I have not had property, but I still had something more important - a clean conscience and ideals that I am willing to defend."
Stichwörter: Durow, Pawel, FSB, Russland, Ukraine

9punkt - Die Debattenrundschau vom 16.04.2014 - Überwachung

Svenja Bednarczyk wirft für die taz einen Blick auf die gruselige Voyeuristen-Plattform Opentopia, wo man sich Videos nicht geschützter Überwachungskameras ansehen kann: "Um das Heim oder auch nur die Garageneinfahrt immer im Blick zu haben, verbinden ihre Besitzer die Kameras mit dem Internet. Doch nicht alle - wissentlich oder nicht - sichern diesen Stream durch ein Passwort. Währenddessen surfen die Google-Roboter das Internet ab. Die Kamerastreams lassen die Roboter dabei nicht aus. So können Tausende offene Cams mit den richtigen Stichworten gefunden werden. Ein Großteil der Kameras zeigen Straßenzüge oder Landschaften, ähnlich dem Ausblick einer Wetterstation. Doch mit etwas Glück findet man ebenfalls Einblicke in Büros und Privatwohnungen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.04.2014 - Überwachung

Das Wall Street Journal berichtet, dass Google den Drohnen-Hersteller Titan Aerospace gekauft hat, hinter dem auch Facebook her war, bis es sich mit dem britischen Pendant Ascenta zufrieden gab. Bei Techcrunch versucht sich Darrell Etherington einen Reim auf das Geschäft zu machen: "According to the WSJ, Google will be using Titan Aerospace's expertise and tech to contribute to Project Loon, the balloon-based remote Internet delivery project it's currently working on along these lines. That's not all the Titan drones can help Google with, however. The company's robots also take high-quality images in real-time that could help with Maps initiatives, as well as contribute to things like 'disaster relief' and addressing 'deforestation', a Google spokesperson tells WSJ. The main goal, however, is likely spreading the potential reach of Google and its network, which is Facebook's aim, too. When you saturate your market and you're among the world's most wealthy companies, you don't go into maintenance mode; you build new ones."

In Zeit online unterhalten sich Patrick Beuth und Lisa Caspari ausführlich mit Glenn Greenwald, dessen Enthüllungen im Guardian über den NSA-Skandal soeben mit dem Pulitzer Prize prämiert wurden. Greenwald bekundet Interesse, vor dem deutschen NSA-Untersuchungsausschuss als Zeuge aufzutreten: "Ich würde vor dem NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages aussagen, solange meine Rechte als Journalist berücksichtigt werden. Über das, was ich berichtet habe, kann ich sprechen. Über das Material, das mir meine Quelle gegeben hat und worüber ich noch nicht berichtet habe, aber nicht. Das Beste, was die Bundesregierung oder das Parlament tun könnten, wäre, Snowden Asyl zu gewähren und in Deutschland zu befragen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 14.04.2014 - Überwachung

Der Guardian hat in der Nähe des britischen Geheimdiensts GCHQ ein neues Graffito entdeckt, das sehr nach Banksy aussieht:




"Völlig unverantwortlich" und "unentschuldbar" wäre es für Glenn Greenwald, wenn der NSA-Untersuchungsausschuss des Bundestages Edward Snowden nicht als Zeugen vorladen würde. Im Gespräch mit Harald Schumann und Christian Tretbar im Tagesspiegel versichert der Enthüllungsjournalist, dass Snowden durchaus Substanzielles beizutragen hat: "Was wir bisher veröffentlicht haben, ist ja nur ein kleiner Teil der Unterlagen, die Snowden uns überlassen hat. Da ist ein ganzes Universum von Informationen, das die deutschen Ermittler noch nicht kennen. Außerdem sagt die US-Regierung, dass Snowden noch zahlreiche Dokumente hat, die er uns Journalisten gar nicht gezeigt hat. Der Mann war fast zehn Jahre als hochrangiger Mitarbeiter mit allen Formen der Überwachung befasst."

Stefan Schulz kann in der FAZ in Sachen Heartbleed noch immer nicht glauben, wie umstandslos sich ein Sicherheitscode in eine Waffe umfunktionieren lässt: "Die Administratoren solcher Systeme haben aber ganz andere Fragen: 'Wenn wir nicht einmal einen Herzschlag einbauen können, wie können wir überhaupt irgendetwas einbauen?' Das fragt Dan Kaminsky, einer der führenden Experten auf dem Gebiet der Computersicherheit, in seinem Blog."

Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt ist Opfer einer koordinierten Spionageattacke geworden, meldet der Spiegel. Wer hinter dem Angriff steckt, ist bislang unklar: "Die Ermittler haben bisher lediglich Indizien, die in Richtung China deuten. IT-Forensiker des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) entdeckten im Code einiger Trojaner chinesische Schriftzeichen und wiederkehrende Tippfehler, die auf Angreifer aus Fernost hindeuten. 'Es könnte sich aber auch um eine simple Tarnung handeln', sagt ein Insider, der einen Angriff aus dem Westen, etwa durch den US-Geheimdienst NSA, nicht völlig ausschließen mag. Die Bundesregierung stuft den Fall als äußerst ernst ein, weil er unter anderem auf Rüstung und Raketentechnologien zielt."

"Ganz ohne Datenspeicherung geht es nicht", mahnt Peter von Becker im Tagesspiegel nach dem Urteil des Europäischen Gerichtshofs: "Denn beispielsweise die Bekämpfung des Organisierten Verbrechens - vulgo: Mafia - ist ohne die mögliche Überprüfung der telekommunikativen Kontakte heute kaum noch möglich."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 12.04.2014 - Überwachung

Tja, wieder einmal stellt sich zur Bestürzung aller aufgeklärten Freunde der Demokratie heraus, dass in Geheimdienstaffären die Verschwörungstheoretiker offenbar richtiger liegen. Die SZ meldet heute (wie die meisten anderen Online-Medien) in ihrem Online-Aufmacher: "Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf zwei 'mit der Angelegenheit vertraute Personen' berichtet, wusste die NSA seit mindestens zwei Jahren von der Schwachstelle. Anstatt diese jedoch zu melden und damit die Internet-Sicherheit zu verbessern, habe man Heartbleed zur Sammlung von Daten im Rahmen von Geheimdienstoperationen verwendet. Über das Ausmaß der Aktionen ist nichts bekannt." Die NSA hat laut Techcrunch dementiert.

Christian Stöcker denkt unterdessen in Spiegel Online über die Frage nach, ob das Internet überhaupt noch benutzbar ist: "Mit Passwörtern ist es ein bisschen wie mit Fahrradhelmtragen oder häufigem Händewaschen in der Erkältungszeit: Man weiß, dass es eigentlich wichtig wäre, lässt es dann aber doch."

Immerhin schreibt Casey Newton in The Verge: "Heute Nacht hat der Netzdienstleister Cloudfare in seinem Blog all jenen ein wenig Hoffnung gemacht, die von der Sicherheitslücke betroffen sein könnten. Nach zweiwöchigen Tests, so Cloudfare in seinem Blog, ist es den Technikern nicht gelungen, die Lücke auszunutzen um private SSL-Schlüssel zu stehlen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.04.2014 - Überwachung

"Auf der Gruselskala bis 10 ist es die 11", schlägt Zeit online Alarm über die gravierende Sicherheitslücke in der Verschlüsselungssoftware "OpenSSL". Mashable veröffentlicht eine erste Liste der betroffenen Seiten, deren Nutzer schleunigst ihre Passwörter ändern sollten. Andere forschen längst nach den Ursachen für die "Heartbleed" genannte Schwachstelle und vor allem die Frage, ob es sich um eine "Backdoor" handelt, also eine absichtliche eingebaute Hintertür, etwa zur Ausspähung durch Geheimdienste. "Aus meiner Sicht riecht das wie eine Backdoor, es schmeckt wie eine Backdoor, es hat die Konsistenz einer Backdoor, und es sieht aus wie eine Backdoor", schreibt der Hacker Felix von Leitner in seinem verschwörungstheoretisch ausgerichteten Blog. In einem Gastbeitrag in der FAZ äußert er sich zurückhaltender: "In Zeiten des Spähskandals liegt bei einem solchen Vorkommnis die Frage nahe, ob es sich um eine von den Geheimdiensten herbeigeführte Sabotage-Aktion handelt." Autor des betreffenden Codes ist ein deutscher Programmierer, der mittlerweile für die Telekom arbeitet. Gegenüber dem Sidney Morning Herald verwahrt er sich gegen den Verdacht der Sabotage, gibt aber zu, dass die Lücke in den letzten Jahren von Geheimdiensten genutzt worden sein könnte: "Das ist eine Möglichkeit, und in Sicherheitsfragen ist es immer besser, vom schlimmsten und nicht vom besten Fall auszugehen. Aber weil ich von diesem Fehler bis jetzt nichts wusste und mit keinem Geheimdienst in Verbindung stehe, kann ich darüber nur spekulieren."

Die Vorsitzende der Grünen, Karin Göring-Eckardt, kritisiert in der FAZ-Debatte über Snowden und die Folgen einen zu staatszentrierten Blick Martin Schulz' auf das Netz und will ihren Optimismus nicht ganz aufgeben: "Die Mittel der Kontrolle und Überwachung sind zugleich die Mittel der Freiheit. Es gibt nicht die eine große Verschwörung, denn die Macht muss nicht bei einer Gruppe liegen, sie muss weder oben noch unten konzentriert sein. Sie ist immer in Bewegung, wenn wir sie in Bewegung bringen. Diese Verflüssigung ist die große Möglichkeit an den neuen digitalen Verhältnissen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 10.04.2014 - Überwachung

Nach nicht einmal einer Woche hat Clemens Binninger den Vorsitz des NSA-Untersuchungsausschusses hingeschmissen. Als Begründung gibt er an, er habe die Kompromissbereitschaft der Opposition überschätzt, die nicht von ihrer Forderung abzurücken bereit ist, Edward Snowden als Zeugen vorzuladen. In der Welt verwahrt sich Binninger gegen den Verdacht, er sei seitens der Regierung unter Druck gesetzt worden: "Es gab von niemandem Druck. Ich habe diese Entscheidung definitiv alleine getroffen." Astrid Geisler bringt in der taz Verständnis für Binningers Entscheidung auf, sich nicht zwischen den Fronten zerreiben zu lassen: "Hier die Kanzlerin und deren Sorge um die transatlantische Partnerschaft, die Geheimdienste mit ihrem Informationsbedarf aus den USA - und dort die Opposition, die ihn im Zweifelsfall zum Dank noch als Blockierer vorgeführt hätte. Verständlich, dass Binninger darauf wenig scharf war. Unverständlich, wieso er den Posten als Ausschusschef dann überhaupt übernahm."