Arno Widmann
schildert in der
FR seine Silvesternacht in Berlin-Mitte. Das
aggressive Böllern in der Stadt überblendet sich für ihn mit den explodierenden Raketen in Kiew. Er kann trotz aller Neujahrswünsche nicht glauben, dass 25 besser wird als 24. Und ihm stellt sich eine unheimliche Frage: "
Wann begann der dritte Weltkrieg? Er hat noch nicht begonnen. Es gibt Kriege überall auf der Welt. Zu den großen mit mehr als 10.000 Toten im Jahr zählen der zweite äthiopische Bürgerkrieg, der Krieg im Sudan, Drogenkrieg in Mexiko, der Krieg Russlands gegen die Ukraine, der Gaza-Krieg. Das sind alles Kriege, die
wenig miteinander zu tun haben. Aber würde sich der Nahost-Konflikt verbinden mit dem in der Ukraine - wie Putin es in Syrien vorhatte - wir wären
fast schon drin. Es wird auf die Perspektive der Historiker in zwanzig Jahren ankommen, was als der Beginn des dritten Weltkrieges angesehen werden könnte: Chinas Annektion Taiwans? Der Einsatz amerikanischer Truppen gegen Russland? Der Einsatz nordkoreanischer Soldaten an der Seite Russlands gegen die Ukraine? Südkoreas Panzerlieferungen an Polen?"
Serena Bilancer
begleitet für die
taz Ammar al-Selmo von den "
Weißhelmen", einer privaten Hilfsorganisation, bei der Suche nach
Massengräbern in Syrien: "Sednaya war nicht das einzige Militärgefängnis. Von mehr als
100.000 Gefangenen im ganzen Land ist das Schicksal unklar, weitere Menschen sind sogenannten enforced disappearances, dem gewaltsamen Verschwindenlassen, zum Opfer gefallen.
Insgesamt 150.000 werden laut Schätzungen verschiedener NGOs vermisst." Die Lage ist komplex: Es gibt sozusagen militärisch geordnete Massengräber mit nummerierten Leichensäcken und einfache Massengräber, in denen die Opfer nur verscharrt wurden: Und "
nicht nur das Regime habe Leichen verschwinden lassen, sondern auch die Milizen, sagt al-Selmo. Niemand weiß so richtig, wie viele Grabstätten und wie viele Leichen sich noch unter der syrischen Erde verstecken. 'Es sind viele. Bis jetzt sind wir am Dokumentieren und Verhandeln', sagt al-Selmo. Er hofft, dass eine nationale Untersuchungskommission ins Leben gerufen wird. Bis dahin appellieren die Weißhelme an die Bevölkerung, die Massengräber nicht zu öffnen. '
Es ist nicht gesund.'"
Ziemlich zornig
reagiert Ahmad Mansour bei
Twitter auf
Annalena Baerbocks Besuch in Syrien und greift jenen
Moment auf, der natürlich gleich in den sozialen Medien viral ging: Der neue starke Mann Syriens, Mohammed al-Dscholani (bürgerlich Ahmed al-Scharaa), verweigerte ihr
den Handschlag, während er dem ebenfalls anwesenden
französischen Außenminister durchaus die Hand geschüttelt hatte: "Natürlich hat feministische Außenpolitik auch mit einem einfachen Handschlag zu tun. Wer Frauen allein deshalb nicht die Hand gibt, weil sie Frauen sind, reduziert sie auf sexuelle Objekte - ein Verhalten, das den
Grundsätzen der Gleichberechtigung widerspricht. Und genau hier zeigt sich, ob Prinzipien
tatsächlich gelebt werden oder ob sie nur auf internationalen Bühnen als PR-Instrument dienen. Einen Islamisten zu treffen, der im Irak wegen Terrorismus zum Tode verurteilt wurde und der aktuell Minderheiten unterdrückt, ist ein Affront gegen alles, wofür feministische Außenpolitik stehen sollte. Fragen Sie einmal die Kurden in Syrien, wie sie solche Treffen bewerten würden. Der Kontrast könnte kaum schärfer sein."
SZ-Redakteur Ronen Steinke sieht das mit
Elon Musks Plädoyer für die AfD in der
Welt eher gelassen: "Kürzlich schrieb Musk auch noch: 'Olaf Scholz ist ein Narr.'
Ja, mei.
Soll er ruhig." Auch deutsche Politiker haben im amerikanischen Wahlkampf interveniert, auch wenn das kaum solche Erregung ausgelöst haben dürfte. Und dann ist da noch "einer, der die Psychologie solcher Interventionen vielleicht besser kapiert hat als viele andere", nämlich
Wladimir Putin. "Im US-Wahlkampf überraschte Putin, indem er behauptete, er drücke Joe Biden die Daumen. Unschön für Biden. Schön für Trump, der damit als der taffere Kandidat dastand. Umgekehrte Psychologie. Aber immerhin, in alldem steckt vielleicht auch eine tröstliche Erkenntnis. Wahlkampf ist Wahlkampf, das merken die Leute schon selbst."
In der
FR schreibt Claus Leggewie einen fiktiven
Brief Musks an Alice Weidel, in dem er schon die Regierungsmannschaft unter ihr als Kanzlerin zusammenstellt: "Als Vizekanzlerin und Außenministerin wäre aus unserer Sicht die
BSW-Vorsitzende Sahra Wagenknecht vorzusehen; gemeinsam mit dem AfD-Politiker und designierten Staatsminister Petr Bystrom wird sie sich um eine Verständigung mit Russland und China bemühen."
Die
FAZ bringt nochmal eine ganze Medienseite über Musk und die
Welt. Auf der Seite der
BBC zeichnet Sam Francis unerdessen die Reaktionen der
britischen Politik auf Musks Interventionen zu den "
Grooming Gang Scandals" nach: Musk sei falsch informiert, hat der Gesundheitsminister Wes Streeting gesagt, während die Tories nun Untersuchungen auf nationaler Ebene fordern.