Vor einem Jahr diskutierte die Kultur- und Medienwelt, sofern sie sich traute, noch über das "
Weltoffen"-Papier der Indentanten großer Kulturinstitutionen, von denen die meisten durch den Bund finanziert sind. Die Intendanten kritisierten die
BDS-Resolution des Bundestags. Das nachgereichte
Künstlerpapier ging noch weiter als die Intendanten und forderte den Bundestag auf, die Resolution - eine mehrheitliche Meinungsäußerung der RepäsentantInnen des deutschen Volkes -
zurückzunehmen. Nun können all diese BDS-Ermöglicherinnen sich freuen,
schreibt Stefan Laurin bei den
Ruhrbaronen, denn die Ampelkoalition hat Schlüsselpositionen der Bundeskulturpolitik nun allesamt mit
AnhängerInnen dieser BDS-freundlichen Position besetzt. Sowohl
Claudia Roth, als auch die neu bestallte, für Kulturpolitik zuständige Staatsministerin im Außenministerium
Katja Keul (Grüne) hatten sich der BDS-Resolution ausdrücklich nicht angeschlossen. Und nach allem, was man hört, wird
Andreas Görgen (SPD) Claudia Roths Amtsleiter. Görgen war Leiter der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes und hat die "Initiative GG 5.3 Weltoffenheit" maßgeblich beraten. "Die Besetzung der Schlüsselpositionen im Kulturbereich durch Personen mit einem großen Verständnis für antiisraelische Haltungen sind ein Grund, für die BDS-Unterstützer im subventionierten Kulturbetrieb der Bundesrepublik die
Sektkorken knallen zu lassen: Was im Bundestag noch eine Minderheitenposition war, ist nun in der von SPD; Grünen und FDP getragenen Bundesregierung
Mainstream."
Transparenz in den Kunstsammlungen ist gut, im Prinzip, aber nicht immer, erklärt im
Interview mit der
taz Marion Ackermann, Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden: "Besonders bei unseren reichhaltigen ethnologischen Sammlungen, die oft einen kolonialen Hintergrund haben. Wir haben diskutiert, was wir nach einer digitalen Erfassung online stellen. Und ob es da
Grenzen gibt. Gilbert Lupfer, der jetzt Leiter des Zentrums für deutsche Kulturgutverluste ist, leitete bis Sommer 2021 unsere Forschungsabteilung. Da gibt es beispielsweise
viele Aktdarstellungen. Und die betreffenden Menschen sind damals nicht gefragt worden, ob man sie nackt fotografieren darf. Wir erwähnen in diesen Fällen nur den Titel,
zeigen aber das Bild nicht. Die Schwelle der Online-Freischaltung ist eine entscheidende, da verlassen wir Sachsen und sind weltweit präsent."
Die Hong Kong University hat das als "Säule der Schande" bekannte
Mahnmal für die Opfer auf dem Tiananmen-
Platz des Künstlers Jens Galschiøt bei Nacht und Nebel entfernen lassen. "Schockiert dieser Schritt? Kaum",
meint Cornelius Dieckmann im
Tagesspiegel. "Jede Diktatur ist
kunstfeindlich, die chinesische allemal. Aber er macht wütend. Wie soll man ein Pekinger Regime nennen, das selbst eine Skulptur nicht erträgt?
Unreif, vor allem. Ungeduldig,
bockig wie ein Kindkaiser. Eben noch war Hongkong Leuchtturm chinesischer Erinnerungskultur. Jährlich kamen am Abend des 4. Juni, des Jahrestages des Tiananmen-Blutbads, Zehntausende im Victoria Park zusammen und gedachten im Kerzenmeer der Toten. 2020 und 2021 wurde die Mahnwache untersagt, praktischerweise ließ sich als Grund Corona angeben."