Die Diskussion um die Sammlerin
Julia Stoschek hat es nun in die
New York Times gebracht, und dürfte das Leben der einst so umworbenen Sammlerin, die auch in amerikanischen Museen in vielen Gremien sitzt, nicht angenehmer machen. Die Diskussion um Stoschek entbrannte in Deutschland unter anderem, weil sie von zwei Aktivisten in einem Instagram-Video als "Mensch mit 'Nazihintergrund'" angegriffen wurde (unser
Resümee). In der
Times schreibt jetzt der in Berlin lebende Journalist Thomas Rogers und spürt den Selbstrechtfertigungen Stoscheks nach, die als Sammlerin von Medienkunst großen Einfluss in der Kunstszene genießt. Da nützt es ihr auch nichts, dass sie in der aktuellen "Worldbuilding"-
Ausstellung in Düsseldorf "fast zur Hälfte Werke von
Frauen oder nicht-binären Menschen" zeigt. Rogers überprüft eine Biografie
Max Broses, des Großvaters von Stoschek, die die Familie in Auftrag gegeben hatte, um den Nazi-Vorwurf aufzuarbeiten. Brose hatte als Lieferant der Wehrmacht Millionen gescheffelt und dafür natürlich auch
Zwangsarbeiter eingesetzt. Die bei
Gregor Schöllgen in Auftrag gegebene Biografie erweist sich bei näherem Hinsehen als recht mild, so Rogers: "Abschnitte, in denen die großzügige Behandlung von Zwangsarbeitern durch das Unternehmen beschrieben wird, gehen auf Aussagen
von Brose selbst zurück. Das Buch erwähnt kaum ein Dutzend Zeugenaussagen von Brose-Arbeitern, die in anderen Prozessdokumenten enthalten sind, die die
Times in den bayerischen Staatsarchiven einsehen konnte. In diesen Berichten wird die
Misshandlung von Zwangsarbeitern beschrieben, darunter in einigen Fällen tägliche Schläge und chronische Unterernährung." Brose hatte seine Biografie vor einigen Jahren in der
SZ gerechtfertigt.
Außerdem: Benno Stieber
berichtet in der
taz über die Restitution von
Benin-Bronzen durch das Stuttgarter Linden-Museum.