In
Belgien hat der Kulturbetrieb gegen Coronamaßnahmen protestiert und
verordnete Schließungen einfach verweigert. Die Politik knickte ein. Eine gute Sache,
meint Eric Bonse in der
taz: "Mit ihrem erfolgreichen Widerstand setzen die Kulturschaffenden ein Zeichen, das
weit über die Grenzen Belgiens hinaus Wirkung zeigen dürfte. Auch in Deutschland, Frankreich und anderen EU-Ländern wird die Kultur immer wieder unsinnigen oder unverhältnismäßigen Coronamaßnahmen geopfert. Damit muss Schluss sein. Viele Kultureinrichtungen haben mit kostspieligen und
wirksamen Hygienekonzepten Vorsorge getroffen."
Hier Bonses Bericht zum belgischen Protest.
Die SPD hat wieder nach "
Gutsherrenart" entschieden, ärgert sich der Architekt
Matthias Sauerbruch im
Welt-Gespräch mit Marcus Woeller über die Ernennung von
Petra Kahlfeldt zur Berliner Senatsbaudirektorin, die er bereits in einem
offenen Brief kritisiert hatte. (
Unsere Resümees) Kahlfeldt habe keinerlei städteplanerische Erfahrung, sie denke "nicht im großen städtischen Maßstab, sondern eher im
Maßstab einzelner Häuser. Die schwierigen Themen, die Berlin in den nächsten Dekaden beschäftigen, also der Massenwohnungsbau, die intensive Nachverdichtung, die Fragen des
Klimawandels oder der Verkehrswende tauchen in ihrem Portfolio nicht auf." Zudem sei Kahlfeldts Position von der ihres Vorvorgängers
Hans Stimmann praktisch nicht zu unterscheiden. "Diese Diskussionen, ob man
historische Stile zum Einsatz bringt oder modern baut, sind in den zwanziger Jahren des 21. Jahrhunderts völlig deplatziert. Daran haben wir uns alle
lange abgearbeitet. Das hat furchtbar viel Energie beansprucht, aber nicht zu wahnsinnig viel geführt."
Vor das
Bibelspruchband am
Humboldt Forum soll mit Hilfe der Initiative Leuchtturm Berlin ein
Netz von Leuchtdioden angebracht werden, das bei Einbruch der Dunkelheit Auszüge aus
Grundgesetz und
Menschenrechtserklärung erscheinen lässt. In der
Welt hat der evangelische Theologe
Richard Schröder dafür kein Verständnis: "Der interkulturelle Dialog werde durch das Kreuz und die Bibelzitate behindert, da sie christliche Herrschaftsansprüche ausdrücken. Das lässt sich zwar bestreiten, aber nehmen wir einmal an, es sei so. Wie wollen wir, die Gastgeber solcher Dialoge, denn auftreten? So wie wir sind, mitsamt unserer auch belastenden Geschichte - oder als Unschuldsengel und unbeschriebene Blätter, die sich von ihrer Geschichte losgesagt haben? Auch der
Waschzwang ist zwanghaft. Alle, die zu uns kommen, wissen, dass sie in eine
postchristliche und zum Beispiel nicht in eine postmuslimische Gesellschaft kommen."
"Der christlich verbrämte imperiale Herrschaftsanspruch in der Inschrift der Kuppel ('dass im Namen Jesu sich beugen soll all derer Knie…') wäre
unter Roth (…)
nicht durchgegangen,
meint indes Kia Vahland in der
SZ und hofft, dass die neue Kulturstaatsministerin es insgesamt nicht nur bei "
Symbolpolitik" belässt: "In der Pandemie gelten Gastronomie, Einzelhandel, Friseurläden der Politik allemal mehr als Konzertsäle, Opern- und Ausstellungshäuser, die man scheinbar nach Belieben öffnen und schließen kann. Kultureinrichtungen in Deutschland sind, auch wenn sie staatlich und kommunal betrieben sind, ernsthaft
gefährdet auszubluten, die freie Szene ist es sowieso. Claudia Roth wird daran gemessen werden, ob sie diese auch monetäre Missachtung stoppen und Künstlerinnen und Künstlern und ihren Institutionen zu ihrem Recht und ihrem Rang verhelfen kann. Es geht nicht um
Sektempfänge für eine kleine Elite."
Das Festjahr "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland" geht zu Ende.
FAZ-Redakteur Thomas Jansen zieht entgegen mancher Kritik an der Veranstaltung ein positives Resümee, denn es sei "nur selten versucht worden,
ein positives Bild des jüdischen Lebens im heutigen Deutschland zu vermitteln. Dabei geht es nicht allein um Bildung, es geht um Prävention. Es ist eine Binse, dass sich Antisemitismus nur dann wirksam einhegen lässt, wenn Juden
nicht als fremd wahrgenommen werden und keine abstrakte Größe bleiben."