Facebook richtet ein "Oversight-Board" ein, eine Art höchstes Gremium zur Überwachung der Community-Richtlinien, das sehr prominent besetzt ist und mit einem Budget von 130 Millionen Dollar ausgestattet wird. Das Gremium soll das letzte Wort bei Entscheidungen über
Streichungen von Beiträgen haben. Der prominenteste Name im Board ist der von
Alan Rusbriger,
schreibt Alexander Fanta in
Netzpolitik: Der ehemalige Chefredakteur des
Guardian "betont, er habe sich nach reiflicher Überlegung entschieden, Teil des Boards zu werden. Dieses stelle eine bessere Alternative zu
staatlichen Eingriffen dar. 'Staatliche Regulierung der Meinungsfreiheit ist fast immer problematisch', schreibt der Ex-Chefredakteur, der einem College an der Universität Oxford vorsteht. 'Die derzeitigen Regime in
Ungarn,
Russland,
Polen,
Pakistan,
Brasilien oder der
Türkei - um nur einige zu nennen - würden Facebook liebend gerne 'regulieren'. Wir können ahnen, was dabei verloren gehen würde.'" Fanta ist skeptisch: "Gremien wie Facebooks neues Verfassungsgericht, wie transparent es auch sein mag, fehlen die
demokratische Legitimation, die echte Gerichte von Rechtsstaaten haben."
Die
New York Times veröffentlicht heute eine aus Spendengeldern finanzierte
ganzseitige Anzeige, in der mehr als hundert
Ärzte, darunter
Christian Drosten, in einem offenen Brief die Social-Media-Konzerne auffordern, Falschmeldungen strikter zu bekämpfen, berichtet Max Muth in der
SZ: "Konkret fordern die Mediziner in ihrem Brief zwei Dinge:
Facebook soll Menschen, denen in dem Netzwerk Fehlinformationen angezeigt wurden, konkrete
Richtigstellungen von Faktencheckern zu den gesehenen Behauptungen anzeigen. Aktuell blendet Facebook nur allgemeine Hinweise ein, wo es verlässliche Informationen zum Coronavirus gibt - und das auch nur denjenigen Menschen, die auf Inhalte mit falschen Inhalten geklickt haben."