In der Coronakrise, die zur Schließung vieler Bibliotheken führte, hat das
Internet Archive eine "National Emergency Library" gegründet und die Ausleihe eingescannter Bücher erleichtert. Dagegen klagen nun einige amerikanische Verlage, darunter Randomhouse, Hachette und HarperCollins,
schreibt Julia Barthel in
Netzpolitik. Internet-Archive-Gründer Brewster Kahle begründet seine Initiative in einem
Blogpost so: "
Als Bibliothek erwirbt das Internet-Archiv Bücher und leiht sie aus, wie es Bibliotheken schon immer getan haben." Aber mit der Klage der vier Verlage hat sich diese Situation nun verändert, so Barthel: "'Trotz des Spitznamens
Open Library gehen die Handlungen des Internet Archives weit über die legitimen Bibliotheksdienste hinaus, verletzen das Urheberrechtsgesetz und stellen
vorsätzliche digitale Piraterie im industriellen Maßstab dar',
schreiben die Kläger. Damit werde nicht nur das temporäre Projekt der National Emergency Library, sondern die
digitale Bücherleihe grundsätzlich angegriffen, antwortet das Internet Archive in einem
Blogpost mit der abschließenden Aufforderung: 'Lasst uns ein digitales System bauen, das
funktioniert.'"
Trotz einiger Fortschritte beim Breitbandausbau steht
Deutschland in der Digitalisierung allenfalls mittelmäßig da,
schreibt Jörg Hunke in der
Berliner Zeitung nach Lektüre einer EU-Studie zum Thema: "Besonders schlecht sieht es .. bei der Digitalisierung der
öffentlichen Verwaltung aus. Hier steht Deutschland nur auf Rang 21... Und das machte sich auch in der
Coronakrise bemerkbar, als bundesweit die Gesundheitsbehörden mit den neuen Herausforderungen bei der Erfassung von Infizierten und Erkrankten an ihre Grenzen kamen, weil sie noch
auf Faxgeräte angewiesen sind." Im Kommentar
erklärt Hunke den Lesern nochmal, dass
das Internet nicht wieder weggehen wird.
Der in Mode gekommene Videokonferenzendienst
Zoom beugt sich (anders als Twitter) der chinesischen Regierung und lässt Menschenrechtler nicht konferieren - ein schwerer Fehler,
meint Sebastian Christ im
Tagesspiegel: "Offene Kommunikation im Netz ist nur dann möglich, wenn die dazu genutzten Kanäle
allen Menschen gleich zur Verfügung stehen. Ein expandierendes Unternehmen wie Zoom lebt davon, möglichst viele Menschen mittels Videokonferenzen zu verbinden. Der Opportunismus, den Zoom gegenüber der chinesischen Regierung nun an den Tag gelegt hat, könnte das Unternehmen
am Ende teuer zu stehen kommen."
Twitter ist in China verboten. Aber die chinesische Regierung nutzt Twitter für ihre Propaganda. Twitter hat jetzt zurückgeschlagen und Tausende Konten aus Russland, der Türkei und eben China gelöscht,
berichtet Deniz Yücel in der
Welt: "Betroffen sind 1152 Accounts aus Russland, 7340 aus der Türkei und
23.
750 aus China. Zusätzlich zu diesen 'hochaktiven' Konten habe man, so teilte das US-Unternehmen am Donnerstagabend mit, rund
150.000 weitere chinesische Accounts gesperrt, die als Verstärker gedient haben sollen."
Außerdem: In der
FAZ stellt Wolfgang Kleinwächter eine Initiative der Vereinten Nationen für ein "
weltweit freies Internet" vor (
mehr dazu hier).