
Die
taz wartet schon heute mit einem Dossier zu
30 Jahren Mauerfall auf. Die westdeutsche Linke empfand den 9. November ein Affront,
erinnert Stefan Reinecke an ein ziemlich peinliches "
geistiges Kleingärtnertum": Revolten gegen Autokraten mochte diese Linke gern, aber bitte keine Revolution vor der eigenen Haustür, und schon gar nicht für Parlamentarismus und Kapitalismus: "Vor allem Jüngere empfanden die Vereinigung als
ästhetische Zumutung, als Störung und narzisstische Kränkung. Man fand die Verwandten aus dem Osten mit ihren stonewashed Jeans, den kuriosen Frisuren, dem
kindlichen Glauben an die Marktwirtschaft und den stinkenden Trabis peinlich. Ihre grauen Städte ohne Migranten, denen man die Kriegsschäden noch ansah, erinnerten uns an das, was wir hinter uns gelassen hatte: unsere Kindheit. Die Gier, mit der sie sich auf die Konsumgüter stürzten, war
uncool. Sie erinnerte an die Fress-, Kauf- und Reisewellen der 50er Jahre. Die DDR-Intellektuellen erschienen uns teutonisch ernst. Der
popkulturelle Hedonismus und das ironische Spiel mit den Zeichen, das die Westdeutschen als Abstandhalter zwischen sich und der Welt benutzten, waren dem Osten fremd."
Weiteres: Katrin Gottschalk
erzählt am Beispiel des Frauen*bildungszentrums Dresden, gegen welche Widerstände und Anfeindungen sich die
ostdeutsche Frauenbewegung behaupten musste. Zumindest der literatrische Feminismus werde aber gerade auch von Jüngeren wiederentdeckt: "Der
AK.Unbehagen hat
Christa Wolf gelesen, ihre Formung von weiblicher Subjektivität analysiert. Die Leipziger Schauspielerin Elisa Ueberschär liest regelmäßig aus 'Franziska Linkerhand' von
Brigitte Reimann vor, aus der Geschichte einer jungen Architektin, die Wohnungen für den neuen Menschen bauen will. Sie knallt hart gegen die real existierenden Plattenbauten." Johannes Nichelmann, Autor des Buches
"Nachwendekinder",
tastet sich in anhaltende familiäre Konfliktkonstellationen vor. Simone Schramm
zeichnet Erfahrungen von Vertragsarbeitern auf.