
Für die aktuelle
Ausgabe des New Yorker
taucht Peter Hessler in
tiefstes Trumpland. Im Städtchen Grand Junction in Colorado begegnet er so vielen verschiedenen Trump-Anhänger, dass man anfängt zu begreifen, wie wenig dieses Phänomen tatsächlich noch verstanden wird.
Hass auf die Medien spielt eine Riesenrolle - deshalb lieben die Fans - darunter eine handvoll Hippies und Peace-Corps-Mitglieder - auch Trumps unmögliches Benehmen, über das sich die Zeitungen so gern aufregen: "Trumps negative Qualitäten, früher als Mittel zum Zweck beschrieben, haben jetzt einen ganz eigenen Wert. Es geht nicht mehr notwendigerweise darum, die Dinge zu verändern, es geht jetzt mehr darum, sich an den Medien und anderen Feinden
zu rächen. Das schien zwar immer ein Bestandteil von Trumps Anziehungskraft zu sein, aber die Leute haben es während des Wahlkampfs selten zugegeben. 'Für diejenigen unter uns, die die Presse schon lange für korrupt halten, ist es eine Gelegenheit, es ihr ordentlich heimzuzahlen', erklärt mir Karen Kulpa im April. 'Nur um
sie wütend zu machen." Wochen später sitzt Hessler mit dem Trump-Anhänger Patterson, einem ehemaligen Zauberer mit Universitätsabschluss, der heute PR gegen die Gewerkschaften macht, in einem Cafe zusammen. "Patterson trägt seinen Gothik-Look: Silberschmuck und dunkel lackierte Fingernägel: 'Ich war in meinem ganzen Leben noch nie so emotional bewegt von einem politischen Führer', sagt er. 'Je mehr sie ihn hassen, desto mehr möchte ich, dass er gewinnt. Denn was sie an ihm hassen,
hassen sie an mir.'"
Aber auch das gibt es in Colorado: Alex Ross
besucht einen alten Wasserturm in Rangely, dem der Komponist
Bruce Odland mit der offenen Nutzung als
Klangraum unerwartetes neues Leben eingehaucht hat: "Was Odland nicht wollte, war eine Kunstenklave ohne Kontakt zur Gemeinde. 'Es ist ein Anti-Marfa', meint er mit Hinweis auf die inzwischen komplett durchgentrifizierte Künstlerkolonie in Texas. In Rangely haben die Anwohner das freie Konzept sehr gut angenommen. Ein Zufahrtsweg wurde angelegt, eine Pipeline-Firma stellte Rohmaterial zur Verfügung, das als Perkussions-Instrumente Verwendung findet. Ein Gastronom hat eine spezielle Turm-Pizza entwickelt. Rangely ist eigentlich eine
konservative Gemeinde, Trump-Wähler überwiegen, aber avantgardistische Didgeridoo-Spieler sind jetzt willkommen, und einige der eifrigsten Klangtüftler, die sich im Turm ausprobieren, sind von hier. Ein Veteran zum Beispiel findet
Frieden beim Violinespiel im Turm. 'Die Leute empfinden eine aufrichtige Ehrfurcht', erklärt Odland. 'Sie schreiben es dem Turm zu, aber ich denke, es hat eher mit dem Erwachen der Ohren in einem visuellen Zeitalter zu tun. Unsere Ohren werden tagtäglich derart gemartert. Wir nutzen das Gehör nicht mehr wie es gedacht war, als Jäger und Sammler, die mit der Natur interagieren. Hier im Turm spürt man den Klang direkt auf der Haut, im Bauch. Was die Leute daran so umhaut, ist die wiedererlangte Fähigkeit, wieder
richtig zu hören.'"
Außerdem: Nathan Heller
überlegt, was die veröffentlichte
E-Mail-Korrespondenz des über seine schiefen Geschäfte gestrauchelten Energiekonzerns
Enron uns lehrt. Kelefa Sanneh
porträtiert den höchst erfolgreichen Countrymusiker
George Strait.