Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

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Magazinrundschau vom 20.06.2017 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des New Yorker erklärt Emily Nussbaum, warum die neue, auf dem Briefroman der amerikanischen Autorin Chris Kraus basierende Amazon-Serie "I Love Dick" in feministischer Hinsicht ein Fortschritt ist: "Die Wahrheit ist, dass der Charakter der Fernseh-Chris keine Konventionen mehr brechen muss. Im Fernsehen existiert eine wachsende Gemeinschaft weiblicher Figuren, die keine Angst mehr davor hat, hässlich auszusehen oder geil zu sein, eine humoristische Tradition seit 'Girls', die mittlerweile auch große Serien wie 'Crazy Ex-Girlfriend', 'Chewing Gum', 'Broad City', 'You're the Worst' und 'Fleabag' mit einschließt. Viele ihrer Protagonistinnen stellen Männern nach; häufig beziehen sie ihren Humor aus der Erniedrigung, Witze über ihre Periode usw. Aus der weiblichen Begierde machen sie derben Slapstick. Einige dieser Serien machen aus der Erniedrigung ein Werkzeug der Befreiung: In einer Komödie, die du selbst in der Hand hast, ist die Freiheit, Witze auf Kosten der Figur zu machen, eine Form der Macht. Wie der suchtkranke Antiheld sich ins ambitionierte Fernsehen geschlichen hat, so die schlampige Antiheldin. Für so eine Rolle weniger revolutionär auszusehen? Das nenne ich Fortschritt."

Außerdem: Jennifer Gonnerman besucht die Immigranten in New Yorks Little Pakistan. Nick Paumgarten porträtiert den Indie-Rocker Father John Misty. Jiayang Fan berichtet über Genderungleichheit in China. Und Bill McKibben schreibt über amerikanische Startups, die sich um die Solar-Elektrifizierung Afrikas zanken (anstatt Solarenergie zu Hause in Kalifornien populärer zu machen).

Magazinrundschau vom 13.06.2017 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des New Yorker erklärt uns Stephen Greenblatt, wie Augustinus den Sex erfand: "Wie seltsam, dass wir diesen wichtigen Körperteil nicht kontrollieren können, dachte Augustinus. Wir sind erregt und die Erregung ist in uns; sie ist in diesem Sinne ganz wir selbst und doch ist sie jenseits unserer Willenskräfte. Augustinus spricht hier augenscheinlich vom männlichen Körper, wohl wissend, dass Frauen eine ähnliche Erfahrung machen, nicht sichtbar, doch im Grunde gleich. Daher fühlten beide, der erste Mann wie die erste Frau, im Sog der Sünde Scham und bedeckten sich. Augustinus kehrte wieder und wieder zu den selben Fragen zurück: Wem gehört der Leib? Woher kommt das Verlangen? Wieso kann ich meinen Pimmel nicht beherrschen? … Die Erkenntnis, dass die Erregung unausweichlich ist, nicht nur während des ehelichen Verkehrs, sondern auch in Augenblicken des Leids, im Schlaf und sogar bei den Züchtigen, formte Augustinus' bedeutendste Idee, diejenige welche die Geschichte von Adam und Eva verwandelte und als einer der Eckpfeiler des orthodoxen Christentums auf den folgenden Jahrhunderte lastete: die Erbsünde."

Außerdem: Rachel Aviv berichtet über Menschen, die sich zum Mörder stilisieren. David Sedaris erzählt aus seinem Leben mit einer alkoholabhängigen Mutter. Und Zadie Smith stellt die britisch-ghanaische Künstlerin Lynette Yiadom-Boakye vor.

Magazinrundschau vom 30.05.2017 - New Yorker

Die neue Doppelausgabe des New Yorker ist der Fiktion gewidmet. Philip Roth erzählt, wie er der Schriftsteller wurde, der er ist: "Man ist nicht immer begeistert von dieser Nation und ihrem Talent, Herzlosigkeit, Gier, Sektierertum und diese grauenhafte Waffenvernarrtheit zu fördern. Die Liste ist lang. Doch die Sache ist die: Ich habe mich nie auch nur für die Länge eines Satzes als amerikanisch-jüdischer oder jüdisch-amerikanischer Autor gesehen, nicht mehr als Dreiser, Hemingway oder Cheever sich als amerikanisch-christliche, christlich-amerikanische oder nur christliche Autoren sahen. Als Romanautor habe ich mich von Anfang an als freier Amerikaner gefühlt und, obgleich ich die Vorurteile, die gegen meinesgleichen in diesem Land bis vor nicht allzu langer Zeit existierten, nicht vergessen habe, als unbestreitbar amerikanisch, durch die Spanne meines Lebens gebunden an den amerikanischen Augenblick, unter dem Bann der Vergangenheit dieses Landes, an seinem Drama und seinem Schicksal teilhabend und die reiche Muttersprache schreibend, von der ich erfüllt bin."

Außerdem: Richard Ford erinnert sich an einen Teenager-Job im Jahr 1967. Jennifer Egan weiß, wie es ist, einer Gräfin zu dienen. Toni Morrison erzählt von dem Glück, seinen Eltern wichtig zu sein. Margaret Talbot berichtet über ein großes Drogenproblem im Staat West Virginia. James Wood erkundet die humoristische Seite von W. G. Sebald. Joan Acocella bespricht den neuen Roman von Arundhati Roy, der sich mit Indiens jüngster Geschichte befasst. Und Jill Lepore verkündet eine goldene Ära literarischer Dystopien.

Magazinrundschau vom 23.05.2017 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des New Yorker stellt David Owen mit Schrecken fest, dass uns langsam der Sand ausgeht. Kein Wunder, findet er doch unter anderem als Schotter im Beton Verwendung: "Chinas rasantes Wachstum hat in den vergangenen vier Jahren mehr Sand verbraucht als die USA im gesamten letzten Jahrhundert. In Indien ist kommerziell genutzter Sand bereits so rar, dass der Markt von 'Sand Mafias' beherrscht wird, kriminellen Unternehmen, die illegal aus Flüssen und anderen Quellen stammendes Material verkaufen und dafür auch töten. In den USA wird Sand neuerdings vor allem zum Küstenschutz benutzt, ein Umweltproblem, das wie so oft ein neues Umweltproblem auslöst … Für einige Anwendungen gibt es Surrogatstoffe, doch die Möglichkeiten sind begrenzt. Anstrengungen, den Verbrauch einzuschränken werden durch die Tatsache kompliziert, dass viele umweltfreundliche Produkte und Aktivitäten genauso vom Schotter abhängen wie umweltschädliche: Solarpanelen bestehen aus Kieselerde und Silizium; Windturbinen werden mit Formsand hergestellt; elektrische Fahrzeuge benötigen Straßen."

Außerdem: Joshua Yaffa geht Putins Mammut-Projekt einer Brücke auf die Krim auf den Grund. Anthony Lane ist zutiefst unglücklich über Ridley Scotts "Alien: Covenant". Peter Schjeldahl schreibt anlässlich der Ausstellung "Robert Rauschenberg: Among Friends" im Museum of Modern Art über den Maler, der für seine Größe "bemerkenswert wenig gute Kunst" gemacht hat. Adam Kirsch las Andrzej Franaszeks Czeslaw-Milosz-Biografie. Carrie Battan hört HipHop von Lil Yachty. Lesen dürfen wir außerdem Samanta Schweblins Erzählung "The Size of Things".

Magazinrundschau vom 16.05.2017 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des New Yorker schwelgt Rebecca Mead in der stoischen Perfektion des Verlegers Gerhard Steidl: "Jeder Steidl-Titel ist einzigartig, gedruckt in einer maßgeschneiderten Kombination aus Farben und Papier. Aber für das kundige Auge und die kundige Hand ist ein Steidl-Buch so charakteristisch wie eine Fotografie von Eggleston. Anders als ein anderer deutscher Kunstbuch-Verleger, Taschen, der dafür bekannt ist, gewagte Fotos von der Art Helmut Newtons in enormen Formaten zu reproduzieren, unter denen jeder coffee table zusammenbrechen muss, macht Steidl Bücher, die gehalten und gelesen werden wollen. Steidl zieht unbeschichtetes Papier dem glänzenden vor, auch wenn es länger trocknet und den Druck teurer macht. Er ist für Understatement selbst bei Projekten, bei denen andere protzen würden. Einen Porträtband des Rocksängers und Fotografen Bryan Adams band er in blaues Leinen, ohne Coverbild; er sieht aus wie aus einer Uni-Bibliothek. Steidl möchte, dass seine Erzeugnisse alle Sinne beglücken. Öffnet er ein Buch, hält er es sich unter die Nase und riecht daran wie ein Sommelier. Hochwertige Papiersorten und Tinten riechen organisch, nicht chemisch, meint er. Für den Unkundigen riecht ein Steidl-Buch wie eine frisch geöffnete Schachtel Malkreiden."

Außerdem: Fred Kaplan begegnet mit Cécile McLorin Salvant einer exzeptionellen Jazzsängerin. Jonathan Blitzer berichtet über ein Underground-College für illegale Einwanderer. Und Alex Ross erkennt in der Aufregung um die Elbphilharmonie etwas Positives: Klassische Musik hat noch immer einen Ehrenplatz in Deutschland.

Magazinrundschau vom 09.05.2017 - New Yorker

Die neue Ausgabe des New Yorker ist der Innovation gewidmet. Nathan Heller fragt in einem Beitrag, ob das von vielen Liberalen begrüßte, auf Freiberuflern basierende Wirtschaftsmodell funktioniert: "Normalerweise hat jede Wirschaftsleistung Gewinner und Verlierer. Eine Dienstleistung wie Uber bringt dem Kunden einen günstigeren Tarif, dem Anbieter jedoch ein instabileres Einkommen. Airbnb hat Reisen für viele erschwinglicher gemacht, zugleich aber die Einnahmen von Vollzeitkräften wie Hotelarbeitern reduziert … Anstatt den Wohlstand einfach zu verringern, leitet das Freiberufler-Modell das Einkommen des traditionellen Arbeiters in die Taschen von Privilegierteren um. Es verdrängt die Menschen, die davon abhängig sind. Dieser Destillationsspiralen-Effekt, der Reichtum langsam nach oben zieht, ist weitgehend unsichtbar … Die Absage an den New Deal und den Slogan 'Frag nicht, was dein Land für dich tun kann' führte zu individuellen Lebenswegen, heroischem Unternehmertum und wahrscheinlich auch Instagram. Willkommen in der Politik des Einzelnen."

Außerdem: Nicola Twilley berichtet über die Möglichkeit, künftig mit der Zunge zu sehen. Matthew Trammell stellt das etwas andere Musiklabel XL Recordings vor. Und William Finnegan trifft die amerikanische Anwältin Zainab Ahmad, die mehr internationale Terroristen vor Gericht gebracht hat als jeder andere.

Magazinrundschau vom 02.05.2017 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des New Yorker erwägt Evan Osnos die Möglichkeiten eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Trump wegen psychischer Untauglichkeit und stößt auf erschreckende Fakten: "Eine Studie von Psychologen der Duke Universität im 'Journal of Nervous and Mental Disease' von 2006 macht eine erstaunliche Feststellung: Die Hälfte aller amerikanischen Präsidenten litt irgendwann unter einer psychischen Erkrankung. Untersucht wurden die Biografien und Anamnesen von 37 Präsidenten, von Washington bis Nixon, mit dem Ergebnis, dass 49 Prozent in ihrem Leben Anzeichen einer psychischen Erkrankung zeigten, meist Depression, Angstzustände und Medikamentenmissbrauch. Zehn Präsidenten zeigten während ihrer Amtszeit Symptome, die höchstwahrscheinlich ihre Leistungsfähigkeit einschränkten. Jahre nach Lyndon B. Johnsons Tod kam heraus, dass er während der intensiven Phase des Vietnamkrieges Symptome einer ausgeprägten Paranoia aufwies, die zwei seiner Assistenten psychologischen Rat suchen ließen."

Außerdem: Lauren Collins taucht in die Gefolgschaften von Le Pen und Macron. Andrew Marantz schreibt über den aus Pakistan stammenden Comedian Kumail Nanjiani und dessen Sicht auf das Leben säkularer Muslime in den USA. Und Michael Grabell berichtet von Hühnerfarmen, auf denen Immigranten aus Guatemala Arbeit verrichten, die kein Amerikaner machen möchte.

Magazinrundschau vom 25.04.2017 - New Yorker

Für die neue Ausgabe des New Yorker trifft John Lee Anderson den FARC-Kommandanten Carlos Antonio Lozada, der versucht, seine ehemaligen Kämpfer wieder in die kolumbianische Gesellschaft einzugliedern: "Lozada hatte die jungen Kämpfer angewiesen, sich auf den Frieden einzustellen … Viele von ihnen leben schon lange als Flüchtlinge im eigenen Land und sehen sich nun damit konfrontiert, nach Jahren zu ihren Familien zurückzukehren. Die Möglichkeit, über Satellit und Facebook ihre Eltern zu finden, scheint vielen ungeheuerlich. An diesem Abend traf eine Mutter im Lager ein, deren Tochter vor zehn Jahren zu den FARC übergelaufen war. Als sie ihre Tochter endlich in die Arme schließen konnte, brach sie zusammen … Der Deal mit den FARC wird von Kolumbiens ehemaligem Präsidenten Álvaro Uribe bekämpft. Uribe sieht darin eine Belohnung für die Gewalt der FARC und warnt davor, ehemaligen Mördern und Entführern die Tür zur Politik zu öffnen. Auch wenn die Gewalt nachweislich von den FARC wie auch von der Regierung ausging, will Uribe, dass die Partisanen anders behandelt werden als die Regierungssoldaten (Gut möglich, dass Uribe Angst hat, selbst vor Gericht zu landen)."

Außerdem: Connie Bruck untersucht das vermeintlich erfolgreiche Vorleben von Trumps Ex-Chefstrategen Steve Bannon in Hollywood und stellt fest: alles heiße Luft. Joshua Rothman erfährt von dem orthodoxen Christen und Blogger Rod Dreher, dass das Christentum den Krieg der Kulturen längst verloren hat. Ariel Levy erkundet die literarische Landschaft der Schriftstellerin Elizabeth Strout: Maine. Und David Means steuert eine Kurzgeschichte bei: "Two Ruminations on a Homeless Brother".

Magazinrundschau vom 18.04.2017 - New Yorker

Die neue Ausgabe des New Yorker widmet sich dem Essen und dem Reisen. In einem Artikel des Dossiers erklärt Lauren Collins die politischen Implikationen des American Barbecue: "Es handelt sich um das wohl politischste aller Essen, und es war immer ein soziales Event, Entertainment für die Gemeinde … Ein ganzes Schwein macht hundert Leute satt. Barbecues, oft am vierten Juli abgehalten, bekamen im 19. Jahrhundert ihre politische Note. Wie es in Robert F. Moss' 'Barbecue, Geschichte einer amerikanischen Institution' heißt, waren sie demokratische öffentliche Feiern, auf denen Menschen aller sozialen Schichten sich ihrer bürgerlichen Werte versicherten. Der Ablauf war ritualisiert: Parade, Gebet, Lesung der Unabhängigkeitserklärung, Ansprachen und schließlich gemeinsames Essen an einem schattigen Ort in der Nähe einer Quelle, nach dem Honoratioren Trinksprüche aufgesagt hatten, viele davon mit patriotischen Themen, gefolgt von den Trinksprüchen der Bürger zum Tagesgeschehen. Oft uferte es aus. Wenn ein Vorkriegspolitiker vorgehabt hätte seine Leute für den Bau einer Mauer zu begeistern, hätte er es auf einem Barbecue getan."

Außerdem: Rachel Monroe berichtet von einer weiteren Vermarktung des gut gemeinten Versuchs, einfach zu leben: Vanlife. Lizzie Widdicombe probiert Gourmet-Haschkekse. Daniel Mendelsohn erzählt von einer Reise mit seinem Vater auf Odysseus' Spuren. Und Newsha Tavakolian stellt seine Heimat Iran als Reiseland vor.

Magazinrundschau vom 11.04.2017 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des New Yorker erkundet Rebecca Mead die prophetische Ader der kanadischen Schriftstellerin Margaret Atwood, die in ihren Texten die Dystopien geschildert hat, die uns derzeit ereilen: "Was sich in 'The Handmaid's Tale' (Der Report der Magd, 1985, d. Red.) vertraut anhört, ist die unverblümte Frauenfeindlichkeit der Gesellschaft, die Trumps Ablehnung von political correctness in die alltägliche Redeweise hat einfließen lassen. Trumps Herabwürdigung von Hillary Clinton, so glaubt Atwood, ist verständlicher mit der historischen Perspektive puritanischer Hexenjagden. 'Es gibt Websites, die behaupten, Clinton war eine Satanistin mit dämonischen Kräften', meint sie. 'Das ist so unfassbar 17. Jahrhundert. Es kommt direkt aus dem Unterbewussten, es muss nur aufgerufen werden.' Das Erbe der Hexenjagden und die Scham, die es erzeugt, seien ein bleibender amerikanischer Schandfleck, meint Atwood. 'Nur einer der verantwortlichen Richter der Hexenprozesse hat sich je entschuldigt, und nur einer der Denunzianten. Wann immer Tyrannei herrscht, muss gefragt werden, wem sie nützt.' … Jetzt sieht es so aus, als wenn die hart erkämpften Rechte der Frau nur provisorisch gewesen seien, findet Atwood."

Außerdem: Peter Hessler berichtet von seiner Erfahrung, während des Arabischen Frühlings Arabisch zu lernen. John Seabrook folgt dem Impresario Paul Tollett zu dem von ihm initiierten Musik-Festival ins kalifornische Coachella Valley. Und Kathryn Schulz stellt uns die vergessene Bürger- und Frauenrechtlerin Pauli Murray vor.