
Für das
New York Times Magazine begibt sich Arthur Lubow nach Leipzig, um "the hottest thing on earth" zu studieren: die Maler der
Leipziger Schule. Lubow
trifft auch
Gerd Harry Lybke, den Galeristen von Neo Rauch, der eigentlich Kosmonaut werden wollte und mit Kunst nur als
Nacktmodell der Leipziger Akademie in Berührung kam. "Lybkes Karriere als Kunsthändler begann 1983, als er in seiner WG die einzige private Galerie in Leipzig eröffnete. '
Eigen + Art' war ein Spaß, kein Geschäft (
jetzt schon). 'Ich habe die Galerie nackt eröffnet', erzählt Lybke. 'Ich hatte echte Dreadlocks, weil ich meine Haare nicht wusch, und
drei Vogeleier im Haar. Nach dieser Eröffnung hatte ich mit einigen gutaussehenden Mädchen zu tun, und ich fragte mich 'Warum nicht noch einmal?'"
Weiteres: Jonathan Mahler
erzählt die Geschichte von
Salim Hamdan, der zu einem Erfolg oder Desaster des Anti-Terror-Feldzugs werden könnte, je nachdem, ob er Terrorist oder doch nur
Osama bin Ladens Chauffeur ist. Noah Feldmann
fordert den
Kongress dazu auf, den Präsidenten zu kontrollieren.

Literatur, die das Internet schreibt: Die Sache mit
Ana Marie Cox' erstem Roman
"Dog Days" ist zwar zunächst verwirrend, aber sehr lohnend,
verspricht Christopher Buckley in der
Book Review. Ana Marie Cox (
Kurzporträt) betreibt den
politischen Klatschblog Wonkette ('Politik für Leute mit schmutzigen Gedanken'). Ihr größter Erfolg war 2004 die
Identifizierung von Jessica Cutler, die ihre sexuellen Eskapaden in der politischen Welt Washingtons ebenfalls in einem Internet-Tagebuch (
hier eine Replika) veröffentlicht hatte. In dem "
flotten,
schlauen,
schmutzigen, informierten und sehr gut geschriebenen Roman wiederum lenkt nun die 28-jährige Protagonistin Melanie Thorton, Mitarbeiterin bei der Kampagne für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten, das Medieninteresse von den politischen Problemen ihres Kandiaten - und ihrem eigenen Liebeskummer - ab, indem sie einen
fiktiven Blog entwirft, der angeblich von einer lokalen Freidenkerin geschrieben wird, die sich selbst
Capitolette nennt. (Ja, das reimt sich auf Toilette.)" Es gibt sogar schon wieder eine Trittbrettfahrerin, die offensichtlich einen echten
Blog unter dem Pseudonym aus dem Roman veröffentlichen wollte.
Liesl Schillinger
möchte die boshaftesten Stellen in den drei (!)
Bänden der gesammelten Rezensionen des
New-York-Magazine-Kritikers
John Simon am liebsten rot anstreichen, nur des grausamen Vergnügens wegen. Über
Liza Minelli etwa lästerte Simon: "Ihre Nase ist immer auf halbem Weg, ein Rüssel zu werden, ihre
Blubberlippen können der Gravitation nichts entgegensetzen und ihr Kinn versucht immer sein Äußerstes, sich
in den Hals zurückzuziehen".
Weitere Besprechungen: Die Anthologie
"Journalistas" mit
Texten von Journalistinnen aus den vergangenen 100 Jahren hat den zunächst skeptischen Jill Abramson vollauf überzeugt, der die Stücke "
wunderbar" und die Auswahl "hervorragend"
findet.
Tommie Shelbys "glänzende" Gedanken zur Identität und den Problemen der
Schwarzen in den USA "we who are dark" übertreffen alles bisher dagewesene,
schwärmt der Harvard-Soziologe Orlando Patterson. Mit gemischten Gefühlen dagegen
begegnet Walter Kirn dem neuesten Streich von
Paul Auster,
"The Brooklyn Follies".
Rachel Donadio
salutiert M. H. Abrams, der 1962 die ehrwürdige "
Norton Anthology of English Literature" (
mehr), den bekanntesten Kanon englischsprachiger Literatur, gegründet hat und nun die Geschäfte abgibt. Dazu gibt es zum Vergleichen die Inhaltsverzeichnisse der ersten (Teil
1 und
2) und der jüngsten Version (Teil
1 und
2) .