Magazinrundschau - Archiv

The Nation

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Magazinrundschau vom 12.07.2022 - The Nation

Die zwanziger Jahre des 21. Jahrhunderts sind schon genauso konformistisch wie die fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts, ächzt David Bromwich, in der rechtschaffenen Kunst unserer Tage werde nur noch saubere Wäsche gewaschen: "Jean-Luc Godards Film 'Außer Atem' handelt von einem jungen Ganoven und seiner Geliebten und dem Rausch von Betrug, Flucht und Verrat, den ihre Verliebtheit ihnen beschert. Nichts zwingt uns dazu, diese Menschen für bewundernswerte Exemplare der menschlichen Gattung zu halten. Wir verabscheuen sie aber auch nicht. Es genügt, dass sie interessant sind, und ihr oberflächlicher Glanz macht einen Großteil der Wirkung aus. In einer frühen Szene dreht sich der Held zur Kamera und spricht das Publikum frontal an: 'Wie bitte, Sie lieben das Meer nicht? Sie machen sich auch aus dem Gebirge nichts? Für Städte haben Sie auch nichts übrig? Da kann ich nur sagen: Sie können mich.' Wollte Godard damit sagen: "Entspannen Sie sich, es ist nur ein Film?' Der Moment schien eine schärfere Ermahnung zu vermitteln: 'Es ist mir egal, ob Sie das mögen, aber Sie werden dableiben. Es wird Sie interessieren - später können Sie sich fragen, warum.' Die Unverfrorenheit ging Hand in Hand mit einer eigentümlichen Freiheit und Unbekümmertheit. Sie überraschte den Wunsch des Zuschauers nach einer einstudierten Reaktion, nach dem Einrasten der Falle in der üblichen Handlung."

Ein Jahr nach den großen Protesten in Kuba umreißt William M. LeoGrande die Reaktion der Regierung: "Als die Proteste aufkamen, denunzierte Präsident Miguel Díaz-Canel sie als konterrevolutionär und rief seine Anhänger auf die Straße, um die Revolution zu verteidigen. Die Polizei verhaftete mehr als 1.300 Menschen. Einige Tage später milderte Díaz-Canel seinen Tonfall ab und räumt ein, dass die Demonstranten legitime Sorgen hätten. In  der Folge setzte die Politik einerseits auf ein hartes Vorgehen gegen Opponenten, andererseits auf Programme gegen die wirtschaftliche Not, die die Menschen auf die Straße getrieben hatte."
Stichwörter: Kuba, Godard, Jean-Luc, 1950er

Magazinrundschau vom 28.06.2022 - The Nation

Als Benjamin Moser aufwuchs, begriff er, dass er schwul war, er begriff auch, wie gefährlich, ja tödlich das sein konnte - Aids forderte bereits die ersten Opfer -, aber in gewisser Weise liebte er genau das, erzählt er. Wie aber konnte ein so aufregender Lebensstil plötzlich banal werden? "Ich liebte Schwulenpornos wegen der Handlung. Der Anreiz, die Spannung, die Ungezogenheit kamen von diesen verbotenen Blicken, von dem Moment, in dem ich mich fragte, wie das wohl ausgehen würde. Wenn man die Zeitschrift oder das Video in einem Laden wie Lobo kaufte, wusste man natürlich, wie es ausgehen würde. Aber man wusste auch, wie ein Jane-Austen-Roman ausgehen würde, und das machte das Buch nicht weniger spannend. Pornos waren nicht das wahre Leben. Es war eine Ästhetisierung - und wie alle erfolgreichen Ästhetisierungen realer als das wirkliche Leben. ... Der Liebesroman war wirksam, weil wir uns nach der perfekten Liebe sehnten. Und Schwulenpornos waren wirksam, weil jeder, der diese geheimen Veröffentlichungen kaufte, die Erfahrung verstand, nicht hinsehen zu dürfen, nicht hinzusehen, hinzusehen, und dann - schließlich, endlich - jemanden zu haben, der zurückschaut. Das war für Schwulenpornos das, was die Heiratsverschwörung für Jane Austen war. Als das Verbot des Hinsehens zu verschwinden begann, löste sich diese Handlung auf. Wie ihre heterosexuellen Gegenstücke wurden die schwulen Produktionen zu Feiern des schönen Körpers: Pornografie, aber, obwohl die Modelle alle Männer waren, nicht ganz das, was ich unter Schwulenpornografie verstand. ... Je älter ich wurde, desto eher ließ sich Homosexualität mit einer Karriere bei Morgan Stanley oder im Außenministerium vereinbaren. Es war eine Art Fortschritt, nehme ich an. Und das einzige Opfer, das es verlangte, war unsere besondere Art zu schauen: unsere Blicke."

Magazinrundschau vom 15.03.2022 - The Nation

Schon in den 1920er Jahre beschäftigte sich der deutsche Kunsthistoriker Alexander Dorner mit der Frage nach dem Sinn von Kunstmuseen, in einem 1938 veröffentlichten Essay mit dem Titel "Why Have Art Museums" warf er der Museumswelt vor, sich den Eliten anzudienen. Dorners Fragen bleiben aktuell, schreibt Barry Schwabsky. Museen und ihre Kuratoren müssen sich mehr denn je ihrer Verantwortung stellen: Peter-Klaus Schuster, ehemaliger Direktor der Staatlichen Museen zu Berlin, stellte in dem kürzlich erschienenen Buch "Living Museums: Conversations With Leading Museum Directors" des Kurators Donatien Grau vom Metropolitan Museum, fest, dass sich "Museen nicht mehr hinter einer Autorität verstecken können, nicht einmal hinter ihrer eigenen...' Er kommt zu dem Schluss, dass Museen 'in der Lage sein müssen, im Detail zu rechtfertigen, was wir tun und warum wir es tun'. Die Schwierigkeit, das zu tun, spiegelt sich vielleicht in der Tatsache wider, dass, wie Artnet kürzlich berichtete, 22 amerikanische Museen derzeit neue Direktoren suchen, aber laut der früheren Leiterin des Queens Museum, Laura Raicovich, stellten sie fest: 'Die Leute wollen im Moment wahrlich keine Direktoren sein, weil die Jobs emotional nicht aushaltbar sind.' Der Verlust an Autorität kann verschiedene Formen annehmen. Ich habe mich zwar hauptsächlich auf Museen für zeitgenössische und moderne Kunst konzentriert, aber die Krise geht weit darüber hinaus und betrifft auch Einrichtungen, die sich mit anderen Kunstepochen befassen, und vielleicht vor allem solche, die sich als 'enzyklopädische' Museen verstehen. Bei letzteren setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass ihre Sammlungen zu einem großen Teil mit Mitteln zusammengetragen wurden, die heute offensichtlich anrüchig, ja sogar kriminell sind - kurz gesagt, enstanden durch (manchmal legalisierte) Plünderung und Eroberung. (…) Wie spät oder wenig bisher auch immer restituiert wurde, Rückgaben können nur begrüßt werden. Ich würde mir wünschen, dass die ehemaligen Bewahrer der zurückgegebenen Objekte erkennen, dass sie von einer moralischen Last befreit wurden. Aber hier gibt es eine tiefere Konsequenz: Die europäischen und nordamerikanischen Institutionen sollten nicht länger nach ihrer lang gehegten Fantasie der Universalität streben."

Magazinrundschau vom 01.03.2022 - The Nation

Es gab mal eine Zeit, in der die Comicindustrie nicht alleine von Superhelden abhängig war, sondern alle möglichen Themen und Genres beackerte - solange sie in der einen oder anderen Hinsicht reinknallten, schreibt J. Hoberman in einer großen Besprechung von Paul S. Hirschs Buch "Pulp Empire: The Secret History of Comic Book Imperialism". Insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg waren Superhelden, die mit Zahnpasta-Grinsen auf Böse-Buben-Hatz gingen, sogar ziemlich abgemeldet - die Zeiten waren zu düster dafür geworden. "Im Hinblick auf Atomwaffen drückten Comics die ganze Bandbreite populärer Ambivalenz aus. Da sie im Verhältnis zu Filmen kaum zensiert wurden, entpuppten sich ironischerweise gerade Horrorcomics als besonders gut dafür geeignet, über die furchterregende Natur der Bombe zu meditieren. Die Darstellungen des Atomzeitalters boten das volle Programm - vom dümmlichem Gespött über fröhliches Verleugnen sowie Fantasien von radioaktiven Superhelden und Träumen einer unter einer Regierung geeinten Welt bis hin zu apokalyptischen Visionen eines in Schutt und Asche gelegten Planeten. ... Wie Hirsch schreibt, befassten sich solche EC Comcs wie Weird Science und Weird Fantasy in so gut wie jeder Ausgabe mit der Bombe. Gängigerweise zeigten sie sie 'als etwas, das zu groß und zu mächtig ist, als dass Menschen sie kontrollierten könnten'. In der Tat griffen EC Comics, wo mit Bernard Kriegsteins 'Master Race' (1955) mindestens eine Geschichte erschien, die sich explizit mit dem Holocaust beschäftigte, Facetten radikaler und dissidenter Kultur aufgriffen. So befassten sich ECs Two-Fisted Tales und Frontline Combat (beide vom späteren MAD-Erfinder Harvey Kurtzman redigiert) in der Hochphase des Koreakriegs mit der Sinnlosigkeit des Krieges und, was noch viel radikaler war, mit der Menschlichkeit des Feindes. Diese Comics waren nicht nur unpatriotisch, sondern sogar subversiv, nicht zuletzt darin, da sie auch ohne weiteres in Kasernen aufschlagen konnten."
Stichwörter: Comics, Atomwaffen, Fantasy, Asche, Race, Pulp

Magazinrundschau vom 16.11.2021 - The Nation

Gefährlicher als die Scharmützel an der belarussischen Grenze ist die Lage im Osten der Ukraine, glaubt Anatol Lieven und gibt der ukrainischen Regierung die Schuld am ungelösten Konflikt um die Donbass-Region: Dass die Ukraine dem Donbass keine Autonomie gewähren will, solange die Separatisten nicht entwaffnet sind, hält er für vorgeschoben: "Der Hauptgrund für diese Weigerung war neben dem allgemeinen Bestreben, die Zentralgewalt in Kiew zu behalten, die Überzeugung, dass eine dauerhafte Autonomie des Donbass die Ukraine am Beitritt zur Nato und zur Europäischen Union hindern würde, da die Region ihre verfassungsmäßige Stellung innerhalb der Ukraine nutzen könnte, um die Mitgliedschaft zu blockieren. Das offizielle Versprechen der USA für eine eventuelle ukrainische Nato-Mitgliedschaft - wie leer es in Wirklichkeit auch sein mag - hat verhindert, dass die Vereinigten Staaten eine positive Rolle bei der Lösung des Konflikts spielen. Diese ukrainischen und amerikanischen Argumente sind jedoch ein klassischer Fall eines Zirkelschlusses: Solange die Ukraine in einen Territorialkonflikt verwickelt ist, wird sie niemals der Nato und der EU beitreten können. Das sollte sie auch nicht. Selbst wenn eine US-Regierung bereit wäre, ein solches Risiko einzugehen, würden Deutschland und Frankreich mit Sicherheit ihr Veto einlegen. Und es gibt keine Möglichkeit, diesen Konflikt zu ukrainischen Bedingungen zu lösen, ohne einen Krieg gegen Russland zu gewinnen, was unmöglich ist. Realistisch betrachtet sind die grundlegenden Bedingungen von Minsk II - ein Ende des Krieges und Autonomie für den Donbass innerhalb der Ukraine - das beste Angebot, das die Ukraine jemals erhalten wird. Wenn die Vereinigten Staaten das aussichtslose Ziel einer Nato-Mitgliedschaft der Ukraine aufgeben, können sie die ukrainische Regierung und das ukrainische Parlament durch die glaubwürdige Androhung des Entzugs der US-Hilfe und politischen Unterstützung unter Druck setzen, einem 'Minsk III' zuzustimmen. Und sollte Moskau dieses Abkommen ablehnen, sabotieren oder den Donbass-Separatisten erlauben, dies zu tun, dann sollten alle bestehenden westlichen Sanktionen gegen Russland im Zusammenhang mit dem Donbass- und dem Krim-Konflikt nicht nur aufrechterhalten, sondern erheblich verschärft werden."

Magazinrundschau vom 02.11.2021 - The Nation

In neun amerikanischen Bundesstaaten wurde die Critical Race Theory (CRT) aus dem Lehrplan gestrichen. David Bromwich hat dafür vollstes Verständnis: Es waren oft Eltern "gemischtrassiger" Kinder, die sich dagegen gewehrt haben, nachdem sie während des Lockdowns beim Zoom-Unterricht erstmals begriffen, was da im Unterricht vermittelt wurde: "Professor Maimon Schwarzschild, ein bürgerlich-libertärer Rechtsgelehrter, der auf dem Forum der Schulbehörde von Orange County in Kalifornien am 27. Juli als Zeuge auftrat, erzählte mir, dass 'eine beträchtliche Anzahl der Eltern, die sich auf diesem Forum gegen CRT-basierte ethnische Studien in den öffentlichen Schulen aussprachen, gemischtrassige oder Immigrantenfamilien repräsentierten. Sie waren gut informiert und zutiefst und deutlich beunruhigt über das, was sie als spalterische und rassistische Indoktrination - und psychologische Manipulation - ihrer Kinder bezeichneten.' Eines dieser Elternteile fragte: 'Ist [mein Sohn] privilegiert, weil er halb weiß ist? Oder ist er ein Opfer, weil er halb Perser und eine Minderheit ist?'"

Magazinrundschau vom 10.08.2021 - The Nation

Fast alle MitstreiterInnen aus Alexej Nawalnys engerem Umreis sind verhaftet oder außer Landes geflohen. Vadim Nikitin porträtiert die homosexuelle russische Oppositionskandidatin Violetta Grudina, die - obwohl kerngesund - in ein Covid-Hospital eingewiesen wurde, weil sie es gewagt hatte, in Murmansk gegen Putins Partei 'Einiges Russland' anzutreten: "Es fällt schwer, in Grudina nicht einen Don Quijote oder eine Masochistin zu sehen. Zurückhaltung ist ihr fremd, sie geht so frontal und kompromisslos gegen ihren viel mächtigeren Gegner vor, dass sie eine disproportionale Reaktion zu provozieren scheint. Und tatsächlich gibt es einen langen und kraftvollen Strang von Märtyrern unter Russlands radikalen Politikern, der bis zur Zarenzeit zurückreicht. Grudina gibt zu, einen utopischen Zug zu besitzen, meint aber, dass Widerstände sie entschlossener machen: 'Vor fünf Jahren stand ich allein auf dem Platz, hielt Plakate hoch, und die Leute sagten, seht nur, wie sie gegen Windmühlen kämpft', erzählt sie. 'Aber wenn ich heute zu einer Protestversammlung aufrufe, kommen Tausend. Wir haben die Politik aus den Küchen geholt.' Trotzdem benutzt Grudina noch immer die Sprache der einsamen Kämpferin, wenn sie ihren modus operandi beschreibt: 'Für mich gibt es keine Komfort-Zone. Ich habe nichts zu verlieren.' In einem Porträt von Masha Gessen im New Yorker beschrieb sich auch Nawalnys Mitstreiterin Ljubow Sobol kürzlich frei heraus als eine Fanatikerin: 'Einer Fanatikerin kann man keine Angst machen', lässt sich Sobol zitieren, die einzige Bedrohung ist für ihn die Desillusionierung. Aber ich glaube an die Gerechtigkeit, und im Glauben an diese Idee kann ich nicht desillusioniert werden.'"

Magazinrundschau vom 24.11.2020 - The Nation

Im Interview mit Daniel Steinmetz-Jenkins bürstet Pankaj Mishra linksliberale Intellektuelle als generell rechts und vom großen Geld abhängig ab. Interessanter ist sein Blick auf die schwarzen Intellektuellen in den USA. Die BLM-Bewegung und Autoren wie Ta-Nehisi Coates finden zwar seine Zustimmung, aber es gibt auch Kritik am Provinzialismus vieler afroamerikanischer Intellektueller und Künstler: "Selbst ein sensibler und intelligenter Schriftsteller wie Coates bringt die afroamerikanische Erfahrung nicht mit der Geschichte Asiens und Afrikas in Verbindung. In der Vergangenheit waren afroamerikanische Führer und Künstler - W.E.B. Du Bois, Nina Simone, Richard Wright, der nach Bandung reiste und über Bandung schrieb, und viele andere - sehr daran interessiert, solidarische Beziehungen zu Völkern aufzubauen, die anderswo gegen ethnischen Rassismus kämpften. Viele Nichtamerikaner erwarten natürlich, dass die BLM-Bewegung, die in mancher Hinsicht wunderbar effektiv ist, eine solide internationalistische Ausrichtung hat, zumal sich die USA in den letzten Jahrzehnten noch tiefer und katastrophaler in die Angelegenheiten anderer Länder verstrickt haben. Ich frage mich, ob es hier einen Graben zwischen den Generationen gibt. Muhammad Ali hat sich geweigert, in Vietnam zu kämpfen, aber Spike Lees neuer Film über afroamerikanische Soldaten in Vietnam zum Beispiel enthält einige der schrecklichsten amerikanischen Klischees über die Vietnamesen und nicht-weiße Ausländer im Allgemeinen. Der Leiter des '1619 Project' der New York Times behauptete kürzlich in einem Tweet, dass Afroamerikaner 'im Ausland für Demokratie kämpfen'. Ein solch naiver Amerikanismus ist auffällig, nicht zuletzt wegen der außerordentlichen internationalen Solidarität für BLM, die leider nicht erwidert wird."

Magazinrundschau vom 06.10.2020 - The Nation

Wenn Bill Gates kritisiert wird, ist mindestens ebenso viel Vorsicht angesagt, wie wenn George Soros kritisiert wird. Tim Schwab macht aber deutlich, dass Gates' Rolle als der Zar der Corona-Impfstoffforschung zumindest kritisch begleitet werden muss. Denn Gates steckt zwar unbestritten über seine Stiftung Hunderte von Millionen Dollar in die Suche nach Impfstoffen, aber die Stiftung agiert dabei laut Schwab alles andere als transparent und reagiert nicht auf Fragen. Außerdem kritisiert Schwab Gates' industriefreundliche Politik. Er habe "eine Schlüsselrolle gespielt, um in der Pandemie die Pharmaindustrie nach vorne zu bringen, zum Beispiel indem er die Universität von Oxford dazu brachte, ihre führende Covid-19-Impfplattform in die Hände von Big Pharma zu geben. Die daraus resultierende Partnerschaft mit AstraZeneca hatte einen weiteren Effekt, wie Bloomberg und Kaiser Health News neulich berichteten, nämlich die Umwandlung des Vertriebsmodells der Universität von einem Open-License-Modell, das den Impfstoff für jeden Hersteller verfügbar machen sollte, zu einem Exklusivmodell, das von AstraZeneca kontrolliert wird." Auch hier wird gelobt, den Impfstoff universell zur Verfügung zu stellen, konzediert Schwab - allerdings eben unter anderen Vorzeichen.

Magazinrundschau vom 07.04.2020 - The Nation

Nicht nur in Deutschland, auch in den USA hat die Katholische Kirche ein eigenes Arbeitsrecht, was oft genug bedeutet, dass ihre Mitarbeiter schlechter behandelt werden als Leute in gleichwertigen Jobs bei anderen Arbeitgebern und damit gegen die eigene Soziallehre verstoßen wird, berichtet Amy Littlefield. Das betrifft zum Beispiel studentische Hilfskräfte am Boston College: "Während die Universität mit Gewerkschaften verhandelt hat, die die Polizei und die Angestellten der Einrichtungen vertreten, bestehen die Verwaltungsbeamten darauf, dass Pingree und ihre Kollegen Studenten und keine Arbeiter sind. Und indem sie sich deren Recht auf die Gründung einer Gewerkschaft widersetzt, hat sich die Schule auf ein juristisches Argument berufen, das bei den Bundesbehörden und Gerichten zunehmend Anklang findet: Die katholische Mission des Boston College stelle die Arbeiter außerhalb des Schutzes des Gesetzes - in diesem Fall außerhalb der Zuständigkeit der Nationalen Arbeitsbeziehungsbehörde (NLRB), die das Recht der Arbeiter im Privatsektor auf gewerkschaftliche Organisierung durchsetzt."

Die Behandlung von Woody Allens Memoiren - Verleger Hachette ließ sie fallen wie eine heiße Kartoffel nach ein bisschen öffentlich Druck - in den USA lässt sich nicht schön reden, schreibt JoAnn Wypijewski: Es ist Zensur. "Die bei Redaktionsschluss angekündigte Wiederauferstehung des Buches durch den Skyhorse-Verlag ändert daran nichts. Es sind absurde Zeiten, in denen sich die Zensoren als Gerechtigkeitskrieger verkleiden. Für sie ist der degenerierte Mann, wie Allen genannt wurde, das eigentliche Objekt der Auslöschung. ... Man muss sich keine Illusionen über die Gesellschaftsordnung oder den 'freien Marktplatz der Ideen' machen um zu verstehen, dass die Sackgasse immer dann erreicht ist, wenn jemand einem anderen befiehlt, den Mund zu halten. Das Problem der privaten Zensur unterscheidet sich nicht so sehr von dem Problem der Geheimhaltungsvereinbarung."