Seymour Hersh kann seine großen Geschichten nur noch in der
LRB bringen, die amerikanischen Medien schneiden ihn. Diesmal wartet er mit einem Scoop zu
Osama bin Laden auf. Vor allem die Geschichte seiner Aufspürung und die Rolle des
pakistanischen Geheimdienstes ISI stellen sich demnach ganz anders dar als von den amerikanischen Medien kolportiert. Hersh
behauptet: "Dass bin Laden in Abbottabad seit 2006
vom ISI gefangen gehalten wurde; dass (die beiden ISI-Generäle) Kayani und Pasha von dem Einsatz im Vorhinein wussten und sicherstellten, dass die beiden Hubschrauber mit den Seals den pakistanischen Luftraum durchqueren konnten, ohne Alarm auszulösen; dass die CIA nicht von bin Ladens Aufenthalt erfuhr, indem sie sich auf die
Spur seines Kuriers setzte, wie das Weiße Haus seit Mai 2011 behauptet, sondern von einem hohen pakistanischen Geheimdienstmann, der das Geheimnis für die von den USA ausgelobten
25 Millionen Dollar Belohnung verriet; dass Obama zwar den Einsatz tatsächlich anordnete und das Seal-Team ihn ausführte, aber viele andere Aspekte in der Darstellung der Regierung nicht stimmen."
Viele amerikanische Medien haben Hershs Bericht entweder ignoriert oder, wie das
Wall Street Journal, umgehend
von den CIA-Chefs dementieren lassen. In der
Columbia Journalism Review vermisst Trevor Timm eine dezidiert journalistische Antwort: "Statt den Einzelheiten der Geschichte nachzugehen oder seine Schlüsse durch eigene Recherchen zu widerlegen, versuchten viele Journalisten, den
Überbringer der Nachricht zu erledigen."
Mike Jay
liest Laure Murats politische
Geschichte des Wahnsinns "The Man Who Thought He Was Napoleon" und lernt, dass
Revolutionen auch der
geistigen Stabilität abträglich sind. So beschrieb bereits der Psychiater
Philippe Pinel 1790, dass durch die Französische Revolution zwar die nationale Psyche gestärkt worden sei, aber nicht die individuelle: "Einige von der Revolution in Mitleidenschaft Gezogenene waren Enthusiasten, deren anfängliche
Freude ins Delirium umschlug. Ein typischer Fall war der Mann, der sich der Nationalversammlung als Repräsentant des
Himmlischen Vaters vorstellte, um sie ihrer Aufgaben zu entheben und selbst Frankreich neue Gesetze zu geben. Andere waren ihre Opfer: Männer, deren Glück umschlug und die geistig verwirrt wurden aus Angst vor Beschlagnahmungen, staatlicher Verfolgung und
der Guillotine."
Weiteres: Außerdem
berichtet Gaith Abdul Arad aus
Sanaa von der Machtübernahme durch die
Houthi-Rebellen. Und Andrew O"Hagan
konstatiert, dass
Saul Bellow vielleicht einen "schlechten Charakter" hatte, aber mit
Zachary Leader einen viel "besseren Biografen" bekommen hat als Norman Mailer und John Updike.