
Die als Tochter eines Ghanaers und einer Nigerianerin in London geborene, und in Boston aufgewachsene
Taiye Selasi, deren Roman
"Diese Dinge geschehen nicht einfach so" gerade auch auf Deutsch veröffentlicht wurde,
erzählt, wie schwierig es für sie ist, die einfache Frage "
Wo kommst du her?" zu beanworten. "Ich war leidenschaftlich interessiert an Afrika, aber ich war nicht stolz darauf. Das konnte ich nicht. Meine Verbindung zu Afrika, zu meinem afrikanischen Vater, stand im Weg. Ileane hatte recht. Was ich in Jamaika fühlte, war
Scham über meine Familiengeschichte: die Armut, Polygamie, eine Stereotyp afrikanischer Dysfunktion nach dem anderen. Es schien immer eine Sache schlichter Höflichkeit zu sein, diese Dinge Fremden gegenüber unerwähnt zu lassen, die fragten, woher ich kam. Aber offenbar war dabei auch etwas anderes im Spiel: ein Bedürfnis zu verschleiern woher und von wem ich abstamme. Intellektuell betrachte ich mich als Produkt des
modernen Westafrikas. Emotional sehe ich mich als die Tochter eines
westafrikanischen Polygamisten. Ich musste mich auf andere Art und Weise als Afrikanerin wahrnehmen lernen, nicht nur als Erbin der Kränkungen meiner Eltern."
Auch der pakistanische
Autor Mohsin Hamid ist ein Wanderer zwischen den Welten. In den USA, wo er erstmals im Alter von drei bis neun Jahren lebte, lernte er mit dem
Online-Rollenspiel "Dungeons and Dragons" die Grundlagen seines literarischen Handwerks,
erzählt er: "Als ich mit der Arbeit an meinem
dritten Roman anfing, war ich überzeugt, dass
Romane keine passive Form der Unterhaltung sind. Romane waren nicht nur für den Autor, sondern auch für den Leser eine Möglichkeit, etwas zu erfinden. Romane waren anders als Film oder Fernsehen, weil Leser den
Quellcode sehen - wir nennen die abstrakten Symbole Buchstaben und Wörter - und mehr von der Geschichte selbst zusammenfügen können. Romane haben keine Soundtracks und keine Besetzungsbüros. Ich dachte mir, mein neuer Roman sollte diese Natur der Autor-Leser-Beziehung deutlich machen, dass man als Leser gleichzeitig
Publikum,
Protagonist und Erzähler ist. Ich verstand immer mehr, dass eine Art Selbstdarstellung (und Selbst-Transzendenz und sogar Selbsthilfe) zentral ist für das, was Literatur dem Autor wie auch seinen Lesern ermöglicht."
Außerdem: Robin Yassin-Kassab
stellt "The Iraqi Christ", den neuen Erzählband des in Finnland lebenden irakischen
Autors Hassan Blasim vor. Anlässlich der
Moore-Rodin-Ausstellung, die ab 29. März in der
Henry Moore Foundation gezeigt wird, druckt der
Guardian ein
Interview mit
Henry Moore aus dem Jahr 1970, das der künftige Direktor der Tate Gallery Alan Bowness mit ihm über
Rodin führte.