Magazinrundschau - Archiv

L'Express

109 Presseschau-Absätze - Seite 9 von 11

Magazinrundschau vom 18.11.2002 - Express

Als Titelgeschichte der heutigen Ausgabe - eine skandalöse Story: Seine "unglaublichen Enthüllungen" packt Jean-Marie Messier, der ehemalige Chef der Unternehmensgruppe Vivendi Universal in ein Buch und gibt ihm den Titel "Mon vrai Journal". Alle sind schuld am Untergang von Vivendi, außer ihm selbst natürlich. Willkomen im französisch-amerikanischen Dallas der Wirtschaft, schreibt Denis Jeambar in einem Begleittext. Doch das Ganze ist noch schlimmer, denn Ziel der Anschuldigungen ist auch die französische Presse, genauer Le Monde. Jean-Marie Messier behauptet, Le Monde habe eine Kampagne gegen ihn geführt. Warum? Da er den Express nicht an das Unternehmen Le Monde verkaufen wollte und noch dazu den Chef von Canal Plus, der im Verwaltungsrat der Zeitung saß, vor die Tür setzte. Über die unlauteren Praktiken der Journalisten schreibt Messier in seinem Buch: "Zehn mal innerhalb von zwei Jahren wurde ich von Le Monde gemobbt. Davon sieben mal innerhalb von achtzig Tagen, um genau zu sein, zwischen dem 16. April und 3. Juli 2002. Die Krönung davon waren sechs Karikaturen von Plantu, davon drei in Folge am 17., 18. und 19. April 2002. Ein Rekord! Das Mobbing war permanent." Plantu ist Frankreichs bekanntester Karikaturist, und in Paris gilt bekanntlich die Devise: Le ridicule tue.

Außerdem: Christoph Carriere hat mit Catherine Deneuve anlässlich ihres neuen Films "Au plus pres du paradis" unter der Regie von Tonie Marshall gesprochen. (Mehr dazu auf der Seite toussurdeneuve.) Was sie für den größten Irrtum hält? "Es ist geradezu pervers zu glauben, man muss Filme so machen, dass sie einem großen Publikum gefallen. Denn die Zuschauer sind beeinflussbar, man kann sie dazu bringen, Neues zu entdecken."

Magazinrundschau vom 04.11.2002 - Express

Dominique Lagarde stellt eine Studie des Historiker Benjamin Stora (mehr hier) vor, der die Entwicklung von Algerien und Marokko seit der Unabhängigkeit beider Länder vergleicht und zu dem Ergebnis kommt, dass "in beiden Staaten trotz aller Unterschiede Zivilgesellschaften entstanden sind, die sich einerseits nicht mehr durch die herrschende politische Klasse repräsentiert fühlen und andererseits nach mehr Modernität streben". So suchen die jüngeren Generationen nach Alternativen, sei es in "Form eines wachsenden Islamismus, dem Wiedererstarken einer Berber-Bewegung oder einer 'globalisierten' Modernität, die sich auf Menschenrechte und Demokratie stützt".

Dazu lesen Sie ein Interview mit M'hammed Yazid, einer der historischen Figuren des Befreiungskampfes in Algerien. Yazid sieht im Rückblick als Auslöser für die Entscheidung zu sozialistischen Reformen nach der algerischen Unabhängigkeit "eine Anzahl von Militärs, die, statt zu fragen, was aus diesem Land wird, damit beschäftigt waren, wer die Macht in diesem Land ausüben würde". Heute würden die damals geschaffenen Institutionen in Frage gestellt: "Es bräuchte eine klare Vorstellung von der Macht, nicht nur in Worten, sondern auch wie diese konkret aussehen soll."

Weitere Artikel: Besprochen wird der Roman "Dernier Royaume" von Pascal Quignard., der mit dem Prix Goncourt ausgezeichnet wurde. Der Autor ist kein geringerer als der ehemalige Generalsekretär von Gallimard. Zwölf Jahre in einer Schublade geblieben ist der Roman "Music Hall!" von Gaetan Soucy aus Quebec, bevor er nun endlich auf den Markt kam. Trotzdem "hors norme", schreibt Francois Busnel anerkennend. Einen Auszug lesen Sie hier. Jean-Marc Biais ist begeistert von den komischen, zuweilen angsteinflößenden Kurzgeschichten von Bernard Werber. Sie schauen alle in die Zukunft. Der Autor stellt sich beispielsweise vor, wie eines Tages ein verirrter Meteorit in den Jardin du Luxembourg einschlagen wird. Mitten ins Zentrum des Universums, wie die Franzosen gerne glauben. Mehr Visionäres von Bernard Werber finden Sie hier und einen Auszug lesen Sie hier.

Magazinrundschau vom 21.10.2002 - Express

Ein Francophonie-Spezial in der heutigen Ausgabe: "Wir haben bereits auf einem Treffen im Jahr 2000 zu dem Thema 'Frankreich und die arabische Welt' feststellen müssen, dass es eine große Ungleichheit gibt, denn es wird in sehr wenigen französischen Schulen arabisch unterrichtet, wohingegen die Mehrzahl der Schulen in der arabischen Welt französisch unterrichten. Das gleiche gilt auch für Bücher: Es gibt wenige arabische Bücher, die ins Französische übersetzt werden, aber viele französische Bücher, die ins Arabische übersetzt werden", sagt Boutros Boutros-Ghali in einem Interview mit dem Express anlässlich des Francophonie-Gipfels, der das erste mal in einer Stadt im Nahen Osten, in Beirut, abgehalten wird. Organisiert wird der Gipfel von der "Organisation internationale de la francophonie". Im Zuge der Globalisierung solle das Französische nicht nur zum kulturellen Austausch, sondern auch zur Erhaltung der nationalen Identität dienen. Ah bon, das haben wir uns fast gedacht.

Weitere Artikel blicken nach Quebec: Isabelle Gregoire schildert in einer Reportage, wie es Einwanderern in Quebec ergeht, die dort noch einmal die Schulbank drücken. Auch wenn sie nicht das Französisch von Moliere lernen, sieht es in diesem Einwanderungsland für die französische Sprache rosig aus. In einem Gespräch bekennt sich der kanadische Sänger Gilles Vigneault, der 74jährige Patriarch der Francophonie, wie Jean Michel Demetz schreibt, zum schönsten Wort im Französischen: "Femme nue".

Um französische Staatsangehörige an der Elfenbeinküste vor dem bewaffneten Aufständen im Norden des Landes zu schützen, interveniert Frankreich in der ehemaligen Kolonie, berichtet Vincent Hugeux. Tiken Jah Fakoly, ein Reagge-Sänger aus Westafrika, fordert in einem Gespräch mit dem Express Neuwahlen. Zur Haltung Frankreichs sagt er: "Ich habe in der französischen Präsenz in Afrika schon immer eine Gefahr für die Unabhängigkeit gesehen. Frankreich hat seine Staatsangehörigen evakuiert. Das ist passiert. Frankreich soll seine Rolle als Vermittler spielen, aber das keineswegs in Uniform.

Außerdem: Die "Titeufmania" ist ausgebrochen. Laurence Liban lobt Stephane Braunschweig, dass er Heinrich von Kleist für die französische Bühne entdeckt hat. Noch zu sehen im TNS: "Die Familie Schroffenstein" und "Paradis verouille" frei nach Aufsätzen von Kleist. Buchbesprechungen beschäftigen sich Woche vor allem mit amerikanischen Romanen.

Magazinrundschau vom 07.10.2002 - Express

"Für mich ist Berlin eine Art wilder Westen, wo alles möglich ist, auch die Erwartungen der Zuhörer zu verändern", sagt Sir Simon Rattle in einem langen Gespräch mit dem Express anlässlich seines Amtsantritts als künstlerischer Leiter der Berliner Philharmonie. Er erklärt in dem Gespräch ein weiteres Mal seine Liebe zu Mahler und seine Gründe, ihn fortan seltener zu spielen: " Wir müssen zugeben, dass dieses Orchester sehr viel mehr laute als leise Stücke gespielt hat. Aber forte und pianissimo sind nicht unvereinbar. Bestimmte Aspekte des Repertoirs wurden vernachlässigt: wenig Bach, Haydn, Mozart, noch weniger französische Musik und eine sehr selektive Moderne (Nono, aber nicht Adams; Ligeti, aber nicht Lindberg). Ich bin gegen die Ghettos. Ich möchte die Werke und Komponisten entschieden mischen."

In dieser Ausgabe versammelt der Express außerdem eine Reihe von politischen Büchern: Christian Makarian hat mit Stephane Courtois über die Gründe gesprochen, weshalb er "Das Schwarzbuch des Kommunismus" durch einen weiteren Band mit dem Titel "Du passe faisons table rase!" (Auszug) ergänzt hat. Courtois macht auf die Besonderheiten Frankreichs aufmerksam, wo der kommunistische Ideologie bis heute salonfähig sei: "Es gibt eine Reihe von Mythen, die in der Linken bis heute lebendig sind, die Kommune, die Volksfront, und das alles wurde 1968 wiederbelebt. Meiner Meinung nach liegt der Hauptgrund in unserer revolutionären Vergangenheit. Die Französische Revolution ist schließlich das Herz unserer Identität, sowohl in politischer, aber auch in gesellschaftlicher Hinsicht. Viele Leute kommen davon nicht los. Es ist erstaunlich genug, dass immer noch eine Parallele zwischen 1789 und 1917 gezogen wird: Robespierre-Lenin oder gar Robespierre-Stalin. Aber der eine hat mit dem anderen nichts zu tun. Bei Robespierre mag es protototalitäre Züge gegeben haben, aber die Zeit des Schreckens war begrenzt... Und schließlich bedeutet 1789 doch vor allem die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte."

Magazinrundschau vom 30.09.2002 - Express

"Es war die Zeit der ersten Ausgaben von 'Inrocks', des 200. Geburtstags der Revolution. Jeder glaubte, der Geschichte mehr oder weniger entkommen zu sein", so beschreibt Daniel Rondeau das Frankreich der siebziger Jahre. Nichts schwieriger als das in einem Roman zu schildern, findet er. In Frankreich sind nun gleich zwei Bücher über die Zeit nach 68 erschienen, "Tigre en papier" von Olivier Rolin (einen Auszug lesen Sie hier) und "Exhibition" von Michka Assayas.

In der Bücherschau freut sich Olivier Le Naire desweiteren, dass der Roman "Leur histoire" von Dominique Mainard, ganz und gar nichts mit realistischem Trash gemeinsam habe. Einen Auszug aus dem modernen Märchen, das die Geschichte der 6jährigen Anna erzählt, lesen Sie hier.

Der Express berichtet außerdem vom Ausgang der Wahlen in Deutschland: "La drole de victoire de Schröder", so der Titel von Blandine Milcents Kommentar zu dem Ergebnis der Bundestagswahlen. Die SPD - eine Partei "en panne d'idees", stellt sie fest. Bernard Guetta erklärt, warum Deutschland ein wenig französischer und Frankreich ein wenig deutscher geworden ist.

Weitere Artikel: Thierry Gandillot hat Schamanen auf dem Festival d?Automne in Paris gesehen, das in diesem Jahr den Schwerpunkt Korea hat. Laurence Liban porträtiert den Schauspieler Fabrice Luchini. Er ist derzeit in "Knock" im Theatre de l?Athenee zu sehen. Steven Spielberg erzählt in einem langen Interview, warum er nach 33 Jahren seiner Karriere noch ein Diplom im Fach Film abgelegt hat. Und Eric Conan hat sich durch verschiedene Weinführer gelesen: Es gibt ihn nun endlich, den Petit Larousse des vins.

Magazinrundschau vom 23.09.2002 - Express

Pünktlich zu den Wahlen bringt der Express ein Deutschland Spezial. In einem Interview beleuchtet der Wissenschaftler Alfred Grosser Deutschlands Vergangenheit, die Wiedervereinigung und Deutschlands Rolle in Europa. In jedem Fall lasse sich Deutschland nicht auf Hitler oder Schumacher reduzieren. Helmut Kohl hätte mal besser die französische Geschichte, insbesondere die Ludwigs des XVIII studieren sollen, meint er. Aber mit Habermas ist er sich einig: Es sei wichig, die Staatsbürgerschaft als moralische Haltung zu begreifen und nicht als nationale Haltung. Da sollten sich die anderen europäischen Länder mal ein Beispiel an Deutschland nehmen, insbesondere Frankreich, ein Land, aus dem der Nationalismus noch nicht verschwunden sei. Nachzulesen ist das alles in Alfred Grossers Buch "L?Allemagne de Berlin, differente et semblable".

Weitere Artikel: Blauweiß ist die Farbe des Paradieses und des Geldes, schreibt Michel Faure in seinem Porträt von München, der Stoiber-Stadt. Blauweiß ist auch die Fahne Bayerns, "blau wie ein Sommerhimmel und weiß wie hübsche nackte Frauen in der Sonne". So schwelgt er in Vergleichen. Deutschland ist 'en panne', konstatiert dagegen Blandine Milcent in einer Reportage mit dem Blick auf Deutschlands Osten. Ein kafkaeskes Land, resümiert sie.

In der Bücherschau stellt Francois Busnel junge französische Autoren vor: Nicolas Fargues, Yann Moix, Charles Pepin und Christoph Ono-dit-Biot. Selbst für einen Auftritt im Fernsehen sind sie sich nicht zu schade. Warum? Weil man von dem angezogen wird, was man eigentlich abstoßend findet, so die Antwort. Ausführlich bespricht Francois Busnel Nicolas Fargues Roman "One Man Show", eine beißende Satire auf das Pariser Verlagsmilieu (einen Auszug lesen Sie hier).

Magazinrundschau vom 16.09.2002 - Express

Der 11. September - ein Jahr danach, ein wenig verspätet denkt auch der Express über die Folgen nach. In einem langen Gespräch erklärt Arthur Miller, warum er die Ereignisse noch nicht literarisch verarbeiten kann. Zu dem geplanten Einsatz im Irak sagt er: "Diejenigen die sich in der Frage einer militärischen Intervention im Irak gegen Bush wenden, machen das nicht aus reiner Menschlichkeit, sondern aus Angst bei den nächsten Wahlen zu verlieren. Die wahre Debatte in Amerika beginnt erst jetzt. Sie ist weniger ideologisch, vielmehr pragmatisch und betrifft Themen wie die beunruhigend hohe Arbeitslosigkeit, die Affairen, die Korruption, all das, was beginnt die Meinung der Leute zu ändern. Das heißt wir müssen dafür beten, dass es nicht zu einem solchen Einsatz kommt, denn sobald die US-Force in irgendeinen Einsatz verwickelt ist, werden alle Grundrechte verschwinden, das Land wird sich hinter seinen Präsidenten stellen und aufhören zu denken."

Weitere Artikel zum 11. September: 18 amerikanische Schriftsteller hat Francois Busnel in New York getroffen und zu den Ereignissen des 11. September befragt. Welche Haltung sollen die westlichen, postreligiösen Gesellschaften gegenüber dem Islam einnehmen? Diese heikle Frage hat sich Eric Conan gestellt und dazu einiges an Lesestoff gewälzt. Darunter "Qu?est-ce qu?il passe? L?Islam, l?Occident et la modernite" von Bernard Lewis. (Einen Auszug lesen Sie hier.) Der pakistanische Schriftsteller Ziauddin Sardar hat sich in seinem neuen Buch Gedanken darüber gemacht, warum die Amerikaner keiner mehr ausstehen kann. Er nimmt sie in Schutz, wenn er anmerkt: "Die Eliten in der Dritten Welt - insbesondere in den islamischen Ländern - haben ihren eigenen Anteil an der Armut, die in den Ländern herrscht. Sie instrumentalisieren den Antiamerikanismus und benutzen Amerika als Sündenbock."

Außerdem in der Bücherschau: Michel Grisolia lobt die Familiengeschichte "Numero Six" von Veronique Olmi. Jacques Attali faselt mal wieder was über eine abwesende Anwesende, im Grunde genommen meint er seine geheime Obsession: die Frau. Nur ein klein wenig 'macho' ist der Titel seines neuen Buches: "Nouv?elles". Besprochen werden "Amants" von Catherine Guillebaud (die Besprechung finden Sie hier und einen Auszug lesen Sie hier), "Chair" von Yves Bichet (hier) und "La tache" von Philipp Roth (die Besprechung finden Sie hier und einen Auszug lesen Sie hier).

Und: Das Centre Pompidou zeigt eine Hommage an Max Beckmann, der in Frankreich größtenteils unbekannt geblieben ist.

Magazinrundschau vom 09.09.2002 - Express

Als "unverwundbares Medientier", als "einen zur Polizei übergelaufener Ganove", als "alten Angeber", als "Hyäne der Schreibmaschine", als einen "professionellen Falschspieler" beschimpft man Philipp Sollers gerne. Er ist Autor und Verleger bei Gallimard. Mit dem Buch seines Freundes Jacques Schuhl "Ingrid Caven" gelang es ihm, den Prix Goncourt 2001 abzuräumen. Sein neuer Roman "Etoile des amants" gilt in Frankreich als preisverdächtig (eine Besprechung lesen Sie hier). Sollers hat überall seine Hände mit im Spiel. Mit Lionel Jospin ist er befreundet, auch darum, weil beide Nachbarn auf der Ferieninsel "Ile de Re" sind. Der letzte Urlaub war jedoch enttäuschend, klagt Sollers gegenüber dem Express: "Wir haben uns im Sommer nur einmal gesehen. Jospin war sehr entspannt, wir spielten zwei Stunden Tennis und haben uns so gut wie gar nicht über Politik unterhalten." Mehr über Sollers, der mit Julia Kristeva verheiratet war und in den 60er Jahren Derrida, Lacan, Althusser und Debord Nahe stand, lesen Sie hier.

Besprochen werden neue Romane von Anny Duperey, von Yasmina Khadra (einen Auszug lesen Sie hier) und "Le journal de Louise B" von Jean Vautrin. Ferner lesen wir, dass der in Frankreich produzierte Episodenfilm "11 09 01", in den USA als antiamerikanisch angesehen wird, was die Franzosen nicht verstehen, weil sie die Amerikaner ja wirklich für so böse halten.

Und schließlich feiern Les Rita Mitsouko zwanzig Jahre ihrer Karriere mit dem neuen Album "La Femme trombone". Das soll so etwas wie "la femme trop bonne" bedeuten. Ah bon. Damit wollen sie Bilanz aus dem Feminismus ziehen. Das Ergebnis hören Sie hier.

Magazinrundschau vom 02.09.2002 - Express

Laetitia Masson, Paul Otchakovski Laurens, Frederic Beigbeder heißen die Protagonisten aus Christine Angots neuem Buch "Pourquoi le Bresil?", das von einer unglücklichen Liebe erzählt. Wie immer nimmt Angot, Autorin des Romans "Inzest", kein Blatt vor den Mund. Sie selbst ist in die Rolle einer Schriftstellerin geschlüpft, deren Werke von der Kritik verrissen, aber vom Publikum gefeiert werden. Daniel Rondeau feiert ihn auch, ihren neuen Roman: "Pourquoi le Bresil?" ist ein Seelenstriptease mit kleinen sadomasochistischen Spitzen. Das Ganze ist eingebettet in einen romantischen Rahmen. Man kann dieses Buch lesen wie einen banale und zugleich grausame Chronik des heutigen Lebens."

Außerdem in der Bücherschau: Abbas, ein iranischer Fotoreporter, der für die Agentur Magnum arbeitet, hat sein Fototagebuch veröffentlicht. Er nimmt die Geschichte der letzten 30 Jahre seines Heimatlandes in den Blick. Francois Busnel porträtiert Jose Freches, den ehemaligen Direktor des Musee Guimet. Scheiben aus Jade, die den Ursprung der Welt, Himmel und Erde symbolisieren, hätten ihn dazu inspiriert ein Buch zu schreiben. Das Werk sei so überzeugend, dass sich der Leser ins China des 3. Jahrhunderts versetzt fühlt.

Anlässlich des amerikanischen Filmfestivals in Deauville stellt Jacques Attali fest, dass das amerikanische Kino "auch eine strategische Waffe ist, um die Stellung der Amerikaner als Weltmacht zu sichern und zwar durch den Dollar." Das Filmfestival zeigt, dass es die weniger kommerziellen Hollywood-Filme mal wieder schwer haben sich durchzusetzen, berichtet der Korrespondent Denis Rossano.

Magazinrundschau vom 19.08.2002 - Express

Pascal Bruckner erzählt Dominique Simonnet in einem langen Gespräch von der Liebe in den Sechzigern. Er erklärt, was "Erection" mit "Insurrection" zu tun hat und warum ein Orgasmus seinerzeit durchaus ein politischer Akt sein konnte. "Trotz allem ist die Bilanz positiv" resümiert er. "Die sexuelle Revolution, die wir angezettelt haben, wird für viele Länder in der Welt ein außerordentliches Ideal bleiben. Die Frauen haben hier unleugbar Rechte gewonnen... Aber wenn sich das Individuum seit dem Mittelalter nach und nach von feudaler, bürokratischer, sozialer und sexueller Bevormundung befreit hat, so entdecken wir heute im Westen, dass diese Freiheit auch eine Kehrseite hat: die Verantwortung und die Einsamkeit. Die Sexualität mag frei sein, aber sie ist mit Angst verbunden. Sind wir gute Liebhaber? Gute Gatten? Gute Eltern?"

"Elvis lebt!", da sind sich in diesen Tagen mal wieder alle Journalisten einig. Aber ob er deshalb gleich ein Messias ist? Einer des Rock n' Roll allemal. Pascal Dupont begibt sich auf die Spuren der Legende und hat dafür auch das Internet durchsucht. Virtuelles ist bei dem Suchwort Elvis schnell auch Spirituelles. In solchen Sphären bewegen sich zumindest Seiten wie die Presleytarian Church of Elvis the Divine, The Elvis Shrine, Not Elvis, Sacred Heart Elvis oder Ask the King. Elvis antwortet auf alle Fragen des Lebens garantiert. Um weitere Antworten zu finden, besuchen Sie auch "Elvis My Happiness" in Paris oder lesen Sie einfach unsere Post aus New York.

Die Bücherschau gibt sich in dieser Woche politisch: Romain Rosso bespricht ein politisches Pamphlet von Philippe Maniere, der darin kurzen Prozess mit den französischen Eliten macht, welche die Ursache für das Erdbeben "Le Pen" seien. Claude Allegre nimmt die Globalisierung in den Blick und hat dazu ein Werk des amerikanischen Ökonomen Joseph E. Stiglitz und anderes gelesen.

Und: Ein wenig hochommerlicher ist die Reportage über Hossegor an der französischen Atlantikküste, wo sich Anfang des Jahrhunderts nicht Surfer, sondern ein kleiner Kreis von Künstlern in der "Association litteraires des amis du lac d'Hossegor" trafen. Passend dazu legt Actes Sud eine kleine Geschichte des Schwimmens vor. Quel plaisir!