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Im Kino

Sphärisch flirrende Akkorde

Die Filmkolumne. Von Lukas Foerster, Friederike Horstmann
14.08.2014. Kelly Reichardt macht in ihrem Ökoterrorismus-Thriller "Night Moves" Störungen des Sehens sichtbar. Eine kleine Werkschau erlaubt einen Einblick in die Körperschauplätze der Filme von Peter Kern.


Wiederholt hat Kelly Reichardt in ihren Filmen US-amerikanische Topographien insistierend ins Bild gesetzt. Auch "Night Moves" zeigt eine spezifische Verbindung zu seinen Schauplätzen. Mit dokumentarischer Beobachtungsgabe werden karge Landstriche, Kiefernwälder in Hügellandschaften und Wasserreservate mit Stauanlagen präzis kartographiert. In den surrealen Seelandschaften Oregons ragen abgestorbene Baumstämme aus dem Wasser - im Gegenlicht formen sich deren scharfkantigen Konturen. Autofahrten durch die wenig besiedelten Gebiete verbinden periphere (Nicht-)Orte: Biobauernhöfe, Parkplätze, Raststätten, Lagerhallen, Funktionskleidungsläden. Das dabei im Vorbeifahren gesehene Oregon zeigt sich herbstlich und verlassen.

In ihrer Bildgestaltung haben sich Reichardt und ihr Kameramann Chris Blauvelt von den düster deliranten Aquarellen des US-amerikanischen Landschaftsmalers Charles Burchfield inspirieren lassen. Wie die diaphan zerfließenden Wasserfarbschichten in Burchfields Bildern sind auch Reichardts Filmfarben blass entfärbt. Das spärlich fahle Herbstlicht und der oftmals verhangene Himmel bewirken eine dumpf getrübte Farbintensität. Insgesamt überwiegen stumpfe und erdige Grün-, Grau- und Brauntöne. Selten strahlen herbstliche Gelbtöne. Ausnahmslos ist auch die Kleidung der Darsteller verwaschen, das hat Gründe, denn man will sich optisch tarnen.

Neben der Schauplatzgeschichte konzentriert sich Reichardt auf die Geschichte dreier Leute, die ökologisch motiviert einen Anschlag auf einen Staudamm planen. Vorbereitungen und Realisierung geraten immer wieder in Stockungen und werden in ihrer Inszenierung extrem zerdehnt. Obgleich sich erst allmählich eine Geschichte erschließt, herrscht von Anfang an eine poröse Stimmung: Ständig scheint ein Misslingen möglich. Etwa wenn der für den Sprengsatz fehlende Ammoniumnitratdünger besorgt werden soll und der Verkäufer auf Vorschriften insistiert oder man in eine Polizeikontrolle gerät oder sich unter der Oberfläche die Beziehungslinien untereinander verschieben. Auch in den wortkargen, spärlich eingesetzten Dialogen artikuliert sich ein wechselseitiges Misstrauen, ein besorgtes Verständigen über ein gelingendes Fortkommen.



Nur vereinzelt kommen Hinweise zum Vorschein, die Rückschlüsse auf die Motivationen und die Vergangenheit von Josh, Dena und Harmon erlauben: Der verschlossene Josh arbeitet auf einer Ökokommune, die blassgesichtige Dena hat einen reichen Vater und finanziert die Aktionen, der stämmige Harmon hat eine Vergangenheit als Marine und im Gefängnis. Der beharrliche Blick Reichardts lässt die Festigkeit der undurchdringlichen Gesichter transparent werden. Physiognomien werden abgetastet, Aufmerksamkeiten geschärft und Minimaldynamiken der Mimik und Gestik wahrnehmbar: Nervöses Kratzen, verspannte Gesichtsausdrücke, scheue Streifblicke.

Nicht nur die progressiv politische Aktion scheint aus den Fugen geraten. Während der vielen filmischen Nachtaufnahmen wird das Sehen prekär und zu einer physiologischen Überforderung. Wenn sich die überzeugten Umweltaktivisten ihren Weg durch einen scheinbar endlosen Nationalpark bahnen, werden die Bilder ständig an den Rand der Auflösung getrieben. Im dunkeln Dickicht des Waldes sind kaum Konturen zu entdecken, Nähe und Ferne werden ununterscheidbar, und während das Auge im Dunkeln nach Zusammenhängen und Gestalten tappt, wird es immer wieder durch flackernde Lichtflecken geblendet. Dieses unruhig, jäh auflodernde Licht, das sofort wieder ins Schwarz abtaumelt, löst die kohärente Wahrnehmung zugunsten eines unkalkulierbaren Raumes auf. Reichardt führt damit das Sehen immer wieder an seine eigenen Bedingungen und Grenzen. Störungen des Sehens werden sichtbar, aber keineswegs beherrschbar.

Eine düstere Stimmung wird auch durch den Ton erzeugt. Zwar ist ein großer Teil der Einstellungen mit Originaltönen unterlegt, mit Vogelstimmen, Wind- und Wassergeräuschen, doch werden diese Naturklänge durchbrochen: Nicht nur durchstreifen Motorengeräusche immer wieder die Landschaftsidylle, auch perforieren Reichardt und ihr Komponist Jeff Grace die Tonspur mit sphärisch flirrenden Akkorde, deren launenhaft langsame Klänge eine bedrohliche Atmosphäre formen. Der entscheidende Wendepunkt wird von Reichardt visuell ausgespart, die Detonation ist nur auf der Tonspur zu hören. Nach der Sprengung wird aufgrund eines unvorhergesehenen Unfalls alles anders werden. Auch dramaturgisch nimmt "Night Moves" insofern eine Wendung, als Konflikte nicht mehr im Ambivalenten und Unbestimmten verbleiben. Wie in üblichen Geschichten, in denen es keine losen Enden geben darf, wird zu viel abgedichtet und ausbuchstabiert, so dass die mehrsinningen Möglichkeitsräume, die der Film zuvor bewundernswert weit aufspannte, ein wenig geschlossen werden.

Friederike Horstmann


Night Moves - USA 2013 - Regie: Kelly Reichardt - Darsteller: Jesse Eisenberg, Dakota Fanning, Peter Sarsgaard, Alia Shawkat, Logan Miller - Laufzeit 112 Minuten.

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"Schauplatz Körper": So ist eine kleine Reihe zum Werk des Regisseurs und Schauspielers Peter Kern überschrieben, die das Kino Arsenal vom 15. - 18.8. anlässlich des 65. Geburtstags dieses ewigen enfant terrible des deutschen wie des österreichischen Kinos programmiert hat. Der perlentaucher hat sich bei dieser Gelegenheit zwei frühe Regiearbeiten Kerns noch einmal angeschaut.



Schwungvoll, gelegentlich sprunghaft, oftmals hysterisch wechseln in der Nachtbar "Pulverfass" derbe Artikulationen mit rührend geschwätzigen Sehnsuchtssentenzen. "Crazy Boys - Eine Handvoll Vergnügen" ist ein rotlichtbeschienener Reeperbahnfilm, zotig und zart, turbulent und tragikomisch. Um ein marodes Erotik-Etablissement vor seinem Bankrott zu bewahren, beschließen die Betreiber Gigolos zu engagieren. Zu stampfenden 80er Synthie-Beats wird im rosaroten Interieur mit glitzernder Lichterdecke ein Casting veranstaltet. Die im Scheinwerferlicht grell ausgeleuchteten Männer tanzen und tändeln, posieren und strippen. In langen Unterhosen, mit dicken Bäuchen, zu orientalischer Musik. Eine Frauenjury wählt aus einer Vielzahl von Bewerbern, "um den Mann der Träume zu finden". Obwohl es den, wie eine der Frauen weiß "Gar nicht gibt. Das kommt nur im Kopf vor und da soll"s auch bleiben."

Den schablonenhaften Kiezgestalten wird wenig Geschichte angedichtet, sie werden vor allem durch ihren Körper charakterisiert, durch ihre großmäuligen Miljöhgesten belebt. Ihre Sprache ist reduziert auf Sprüche, aufgeplustert, aufgesagt wie in Sprechblasen. Lose bewegt sie sich an der Grenze des guten Geschmacks. An die kalauernden und rotzfrechen Pointen schmiegen sich auch Vorurteile und Konventionen demolierende Zweideutigkeiten: "Ausländer: Außen hui, innen fui", sagt eine farbige Soulsängerin des Nachtclubs. In der schonungslosen Inszenierung zeigt Peter Kern immer wieder Körperbilder von Männern mit potenzprotzenden Unterwäschen, eine Kostümparade in Pagenuniformen, die die livrierten Jungs zu Dienern depraviert, ihre Körper ökonomisiert. Die Kamera macht Streifzüge entlang der mit Bewerbern voll besetzten Theke, sie schlendert durch die Bar, rückt den Boys auf die Pelle, fokussiert ihre Bewegungen und Blicke. Blickbegegnungen verflüssigen sich, geraten in Fahrt, erstarren. "Crazy Boys" ist nicht nur eine Revue physischer Nacktheiten. Vielmehr werden Begehrensregulierungen entsichert und Innerlichkeit nach Außen gekehrt: "Der hat ja so eine weite Hose an, da sieht man ja gar nicht, was er denkt!"

Marianne Sägebrecht hat einen ihrer ersten Filmauftritte als Tierhandlungsmitarbeiterin, die sich in einen viel jüngeren türkischen Tänzer verliebt. Nachts führt sie ihm mit ihrem breiten Odaliskengesicht einen Bauchtanz vor. Ihre Art das Wort "Striptease" zu artikulieren, ist mehr als originell: mit bayrischem Akzent werden die Konsonanten hart und rollend moduliert, wohingegen ihre Stimme bei den Vokalen Purzelbäume macht. Ihre Allianz mit dem jungen Arbeitsmigranten erinnert entfernt an Fassbinders "Angst essen Seele auf". Als sie ihr Gebiss nachts aus dem Mund nimmt, sagt ihr junger Liebhaber: "Deine Zähne sind wie Sterne, nachts kommen sie raus." Als er abgeschoben werden soll, geht er eine Scheinehe ein. Neben den schrillen Tanzeskapaden wird auch bundesrepublikanische Geschichte konturiert.

Peter Kerns Film ist weit mehr als ein Porträt hanseatischer Gigologestalten, in dem die Grenze zwischen Kino und Leben porös wird und zu flimmern beginnt. Er ist auch ein Archiv für BRD-Moden, eine Wunderkammer, die Sprachen, Gesten und Frisuren aus dem Leben in den 80er Jahren konserviert: trendbewusste Tigerlegging, oversized Ornamentpullover, pfiffig Hochtoupiertes - zerzauster Minipli am und im Kopf. Auch in Aufnahmen von Originalschauplätzen werden alte Ansichten von Hamburg bewahrt. Zwischen Autoschotthalde, Zoohandlung, Stripperbar und Schaschlikkaschemme wirken die vorgefundenen Orte allesamt verschwenderisch.

In seiner akustischen Gestaltung verfährt der Film ebenso explosiv und eklektizistisch, kokettiert mit Songs aus "West Side Story", mit Westernmusik. Vor allem im Nachtclub breiten sich blubbernd die schwärmenden Synthesizer-Scores aus, auf deren Klangteppichen sich die Boys bewegen. Hier ist die Musik dem Film nicht einfach unterlegt, sie gibt ihm seinen Rhythmus. Auch der Einbruch von Zärtlichkeiten in die kommerzialisierte Erotik wird vielfach durch die Musik bewirkt. In der emanzipatorischen Kiezkomödie reißen sich die Effekte voneinander los und buhlen um Aufmerksamkeit, alles steht an der Rampe, die Sprücheklopferei und Schwärmerei, die Schauplätze, Situationen und Stimmungen. Dabei herrscht keine Unterscheidung mehr zwischen Pathos und Kitsch, zwischen Melodram und Komödie.

Friederike Horstmann

Crazy Boys - Deutschland 1987 - Regie: Peter Kern - Darsteller: Barbara Fenner, Udo Schenk, Mehmed Yandirer, Zacharias Preen, Axel Tudsen - Laufzeit: 90 Minuten.



1954 wurde Deutschland zum ersten Mal Fußballweltmeister. Im Verlauf der 1980er Jahre gelangte Domenica Niehoff durch zahlreiche Medienauftritte zu einiger Prominenz, als Vorkämpferin für die Rechte von Prostituierten. 1989 wurde Deutschland wiedervereinigt, und 1990 zum dritten Mal Fußballweltmeister. 1992 setzte ein Nazimob in Rostock-Lichterhagen ein Asylbewerberheim in Brand. 1993 drehte Peter einen Film "basierend auf Motiven aus Erzählungen" Niehoffs. Dass dabei kein brav heruntererzähltes Biopic mitsamt "against all odds"-Dramaturgie herauskommen würde, war von Anfang an klar. Ganz und gar nicht klar war dagegen, dass Kern in seinem vielleicht ambitioniertesten und durchgeknalltesten Film entlang Niehoffs Biografie die gesamte Geschichte der Bundesrepublik aufrollen würde.

Der Film beginnt dokumentarisch, mit einem Auftritt der Protagonistin, die selbst in ihre als Rückblende gerahmte fiktionalisierte Lebensgeschichte einführt. Wobei es schon "Rückblende" nicht trifft, weil eine solche eine behauptete Zeitdifferenz voraussetzt. Kerns Erzählung springt zwar in die 1950er zurück, der Film macht jedoch keinerlei Anstalten, eine kinokonforme Vergangenheit herzustellen. Die Autos sind die Autos der frühen Neunziger, die Arschlöcher, die sie fahren, sind die Archschlöcher der frühen Neunziger (mitsamt entsprechender Mode und Frisuren). Während die junge Domenica mitsamt Mutter und Bruder versucht, an eines dieser BMW-Arschlöcher einen Teppich zu verkaufen, hört man im Hintergrund Herbert Zimmermanns berühmtes "Tooor! Tooor! Tooor!"-Gebrüll. Das Wunder von Bern. Derart niederschmetternd hat nicht einmal Kerns Lehrer Fassbinder diese langlebigste nationale Allegorie der bundesrepublikanischen Erfolgsgeschichte desavouiert.

Und das ist erst der Anfang. Später wird auf Fließen gepisst und in Vorgärten gekackt, dass es eine Art hat, nicht nur im SM-Bordell wird von oben eingesteckt und nach unten ausgeteilt, der tote Papst taugt plötzlich zum Fetischobjekt, und in der aberwitzigsten Szene hüpft eine Nonne (ohne jede narrative Rechtfertigung) manisch vor der jugendlichen Domenica auf und ab - die wird von Nicolette Krebitz gespielt, auch Jürgen Vogel schaut vorbei und gibt einen angemessen widerwärtiger Vergewaltiger. Selbst den sonst so braven Jungstars des deutschen Neunzigerjahrekinos konnte Kern alle Hemmungen austreiben...

2014 wird Deutschland zum vierten Mal Weltmeister. Joachim Gauck möchte endlich wieder deutsche Soldaten auf die Welt loslassen, auf den einheimischen Straßen werden Juden attackiert. Höchste Zeit, dass Peter Kern wieder einmal ein Film über dieses Land dreht.

Lukas Foerster

Domenica - Deutschland 1993 - Regie: Peter Kern - Darsteller: Nicolette Krebitz, Andrea Fereol, Domenica Niehoff, Max Kellermann, Christoph Schlingensief, Jürgen Vogel - Laufzeit: 92 Minuten.

Archiv: Im Kino

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