Im StandardsprichtKennethBranagh über seinen neuen, autobiografisch grundierten Film "Belfast", für den er das Jahr 1969 seiner vom Nordirlandkonflikt heimgesuchten Heimatstadt rekonstruiert hat (unsere Kritik). Warum er dazu nicht vor Ort, sondern vor Kulissen auf einem Studiogelände gedreht hat, möchte Dominik Kamalzadeh von dem Regisseur wissen. "Ein Wort: Covid. Wir musste ja die Stadt von 1969 darstellen, und das hätte geheißen, sehr vieles ändern zu müssen. Ich wäre gern zurück auf die Straßen gegangen, auf denen ich aufgewachsen bin, aber meine Hälfte ist ohnehin abgerissen worden. Die Geschichte flüsterte mir zu: 'Bau es auf! Find den Mythos, kümmer dich nicht um das Wörtliche.'"
Der US-Schauspieler SeanPenn ist vor Ort in Kiew und dreht einen Dokumentarfilm über die russischeInvasion, meldet Christian Schröder im Tagesspiegel.
Besprochen werden KaoutherBenHanias "Der Mann, der seine Haut verkaufte" (Filmdienst, SZ), der Sportfilm "King Richard" mit WillSmith (FAZ), Kenneth Branaghs "Belfast" (Freitag, Filmdienst, unsere Kritik hier), ChristianSchäfers "Trübe Wolken" (Filmdienst), Carl Schenkels auf BluRay wiederveröffentlicher 80s-Thriller "Abwärts" mit GötzGeorge (critic.de) und die auf Disney+ gezeigte Serie "Dopesick" (Jungle World).
In den letzten Jahren wird in der Filmbranche immer häufiger auch mal vor Gericht gestritten, wenn es um Nachzahlungen zu besonders erfolgreichen Filmen geht. Im klassischen Hollywood hätte man über sowas nur müde gelächelt, schreibt Tobias Kniebe in der SZ in seinem Abriss über die Geschichte der Verhandlungen, was den Vertragswert von Schauspielern betrifft. Wer grundsätzlich Gewinnbeteiligungen will, sollte vielleicht auch über grundsätzliche Verlustbeteiligungen nachdenken, meint er. Früher galt immerhin für alle, die hoch hinaus wollten, "eine beinah sprichwörtliche Grundregel: Richtig Geld macht man nie mit dem ersten großen Hit. Es ist immer erst der nächste Film, bei dem in den Vertragsverhandlungen die Kasse klingelt, und das Angenehme dabei ist, dass dieser nächste Film auch floppen kann. So wenig, wie man als Filmschaffender am ersten Erfolg finanziell beteiligt war, so wenig wurde man für den Flop, der irgendwann folgen konnte, abgestraft. Das war, ungefähr seit Erfindung des Kinematografen, der 'Deal'."
Außerdem: Matthias Lerf spricht im Tagesanzeiger mit KennethBranagh über dessen neuen Film "Belfast", der auch heute breit besprochen wird (Zeit, FAZ, SZ, Welt, unsere Kritik hier).
Besprochen werden Josephine Deckers "Über mir der Himmel" (Tsp, unsere Kritik hier), Andrey Arnolds dokumentarischer Essayfilm "Cow" (Freitag), das Sportdrama "King Richard" mit WillSmith (Welt), die auf Artegezeigte Prostitutionsserie "Red Light" (FAZ), Kaouther Ben Hanias "Der Mann, der seine Haut verkaufte" (Standard), Christian Schäfers "Trübe Wolken" (Tsp), NadavLapids "Aheds Knie" (Standard) und die Neuausgabe der "Fraggles" (Freitag),
Gute Laune im Nordirlandkonflikt: Kenneth Branaghs "Belfast" Ein Neunjähriger in den Wirren des NordirlandkonfliktsderSechziger: Mit seinem Schwarzweißfilm "Belfast" legt KennethBranagh, der sich zuletzt eher auf gemütliche Agatha-Christie-Knobeleien und Disney-Blockbuster verlegt hatte, endlich wieder einmal Filmkunst- und Oscar-Ambitionen an den Tag, schreibtPerlentaucherin Thekla Danneberg. Der Film ist autobiografisch grundiert, aber "eher Hommage an das Kino und die Kindheit, mal elegisch, mal sentimental, immernostalgisch. ... Die Plünderung eines Supermarkts geht über in die Duell-Szene aus 'Zwölf Uhr mittags', Familienglück gibt's am Sonntagnachmittag zu 'Chitty Chitty Bang Bang' und schließlich gönnt Branagh Buddys Eltern - bei der Beerdigung des Großvaters - einen Bombast-Auftritt zu 'Everlasting Love'. Nichts gegen Spaß auf der Beerdigung, aber die gute Laune, die Kenneth Branagh hier seinem Film aufdrückt, widerlegt seine eigene Geschichte." Marion Löhndorf in der NZZ wiederum schreibt, dass Branagh mit diesem Film "ein unerwartetesMeisterwerk" gelungen ist, "das daran erinnert, dass er vor dreißig Jahren einmal als Genie gehandelt wurde". In der tazführt Ralf Sotschek durch den Film, erläutert historische Hintergründe und verweist auf Interviews mit dem Filmmacher, mit dem heute auch ein Gespräch in der Welt zu finden ist.
Seit vielen Jahren fordert der Kameramann JostVacano in einem Rechtsstreit von der Bavaria und Eurovideo eine höhere Tantiemenbeteiligung am Klassiker "Das Boot". Kamen nun die Meldungen (etwa hier noch gestern Abend in der FAZ), dass die Sache nun durch die Summe von einer halben Million Euro außergerichtlich beigelegt worden sei, zu früh? Der Kläger behaupte jedenfalls, in nichts dergleichen eingewilligt zu haben, berichtet Tobias Kniebe in der SZ. "'Wir rätseln noch immer', sagt Anwalt Nikolaus Reber." Nun "müsse das Gericht entscheiden, ob das Schreiben etwa als Anerkenntnis der Beklagten zu werten sei. ... Von dem frohgemut verkündeten Ende der 'gerichtlichen Auseinandersetzung' kann jedenfalls keine Rede sein." Bei den Angeklagen "könnte der Wunsch erkennbar sein, ein rechtskräftiges Urteil auf jeden Fall zu vermeiden. Beide Unternehmen fürchten, einen PräzedenzfallfürNachhonorierungen zu schaffen."
Im SZ-Interview plaudert PedroAlmodóvar nur am Rande über seinen neuen Film "Parallele Mütter", eine Auseinandersetzung mit der historischen Erfahrung der Franco-Diktatur, aber umso mehr aus dem Nähkästchen. Zum Beispiel, wie er als junger Mann mal PatriciaHighsmith traf, die er bekniete, doch bitte "Das Zittern des Fälschers" verfilmen zu dürfen, woraus letzten Endes nichts wurde. "Sie war es gewohnt, dass die berühmtesten Filmemacher der Welt hinter ihren Büchern her waren - aber ausgerechnet nach diesem Roman hatte sie noch nie jemand gefragt." Und "sie hat geschimpft wie ein Rohrspatz! WimWenders ging ihr besonders auf die Nerven. Auch ClaudeChabrol. Selbst an AlfredHitchcock ließ sie kein gutes Haar. Da musste ich ganz schön schlucken. Ich wollte ihr Buch - und sie redet über all diese großen Namen, als seien sie die letzten Idioten."
Außerdem: Für die Jungle Worldwirft Friedemann Melcher einen Blick nach Paris, wo dem 2019 besetzten, kollektiv betriebenen Kino "LaClef" die Räumung droht. Besprochen werden das Sportdrama "King Richard" mit WillSmith (ZeitOnline, NZZ, FR, taz), MartínFarinas Dokumentarfilm "El Fulgor" über Gauchos und Karnevalstänze in Argentinien (Perlentaucher, epdFilm), "Swan Song" mit UdoKier (NZZ), Kaouther Ben Hanias "Der Mann, der seine Haut verkaufte" (taz), und Christian Schäfers "Trübe Wolken" (SZ). Außerdem erklären uns die Kritikerinnen und Kritiker, welche Filme sich diese Woche lohnen.
Besprochen werden der von BettySchiel und MaxaZoller herausgegebene Band "Was wir filmten" über Filme von ostdeutschen Regisseurinnen nach 1990 (taz), Reinaldo Marcus Greens Sportdrama "King Richard" mit WillSmith (SZ), DarioArgentos neuer, auf der Berlinale gezeigter Film "Dark Glasses" ("die dunkle Einöde wird zum Spiegel tiefer Verlorenheit", muss Michael Kienzl im Filmdienstfeststellen), Torsten KörnersArte-Dokumentarfilm "Angela Merkel - Im Lauf der Zeit" (ZeitOnline, mehr dazu bereits hier), HarryMacQueens "Supernova" (Intellectures)
In der FAZärgert sich Michael Hanfeld über die Arte-Doku "Angela Merkel - Im Lauf der Zeit" von Torsten Körner, der seinen privilegierten Zugriff lediglich nutzt, um eine schmeichelnde Hagiografie vorzulegen, in der die frühere Bundeskanzlerin, umgeben von Menschen, die "wie Deppen wirken", stets das Richtige tut. Dieser Film "bezeugt die Sicht auf eine Welt, deren Dreh- und Angelpunkt die Blase Berlin ist und sonst nichts. Da gibt es kein Afghanistan, kein China, keinen Wladimir Putin. Schon klar, dass der russische Zar mit dem Angriff auf die Ukraine gewartet hat, bis Merkel weg war. Aber vorbereitet hat er ihn seit langem." Tsp-Kritiker Jan Freitag staunt hingegen darüber, dass der Filmemacher Körner, dem "selbst berühmteste Protagonisten zufliegen wie Wespen dem Bienenstich", in diesem Film "trotz zweier Exklusivinterviews, trotz Gesprächspartnern vom Kaliber Barack Obamas, trotz sperrangelweit offener Türen in diverse Entscheidungszentren, es 90 Minuten lang schafft, mittendrin Distanz zu wahren und doch empathisch zu bleiben."
Besprochen werden BazLuhrmanns Biopic über Elvis (Tsp), TobiasWiemanns "Der Pfad" (SZ), das Sportdrama "King Richard" mit WillSmith (Standard) und die Netflix-Serie "Inventing Anna" (NZZ).
Von Musik affiziert: Grace Kaufman in "Über mir der Himmel" Seine helle Freude hatPerlentaucher Lukas Foerster an "Über mir der Himmel" von JosephineDecker. Ihre Verfilmung des gleichnamigen Romans von JandyNelson "realisiert ein erstaunliches Maß an sinnlicher Freiheit. Licht, Musik, Text, Körper: Alles ist zuallererst Bewegungsmoment. Musik insbesondere ist immer schon gelebte, vielstimmige Entgrenzung, entspringt Körpern und affiziert sie gleichzeitig." Wobei es nicht einmal die verschrobenen Michel-Gondry-Momente sind, die hier beglücken, sondern toll ist der Film "immer dann, wenn er sich der Hauptdarstellerin, GraceKaufman, gleich macht. Eine Symbiose: Jede kleinste Erregung des Mädchens - und das Mädchen ist, auf komplett unaffektierte Art und Weise, ganz Erregung - wird von der Kamera aufgegriffen, unmittelbar übersetzt in Bewegung."
Die Berlinale könnte einen Kulissenwechsel gut vertragen, meint Christiane Peitz im Tagesspiegel, nachdem der sowieso schon nicht sonderlich charmante PostdamerPlatz in diesem Jahr wegen zig Bauzäunen noch einmal ganz besonders trist gewesen ist: "Wenn der Potsdamer Platz nicht in absehbarer Zeit wieder attraktiv wird, muss eine neue Hauptspielstätte her." Und in seinem Berlinale-Fazit auf Artechockversteht Rüdiger Suchsland zumindest die Welt der Filmkritiker nicht mehr, die zwar jeden Film von HongSang-soo als Offenbarung feiern, ihrem Lesepublikum aber überhaupt nicht vermitteln können, warum.
Außerdem: Daniel Kothenschulte (FR) und Bert Rebhandl (FAZ) gratulieren der Filmemacherin MargarethevonTrotta zum 80. Geburtstag. Besprochen werden JensMeurers Dokumentarfilm "An Impossible Project" über der Rettung von Polaroid (Standard), Simon Brückners auf der Berlinale gezeigter Dokumentarfilm "Eine deutsche Partei" über die AfD (NZZ), David Blue Garcias auf Netflix gezeigte Fortsetzung zum "Texas Chainsaw Massacre" (Perlentaucher) und die auf Disney+ gezeigte Serie "Pam & Tommy" über den Sextape-Skandal um PamelaAnderson und TommyLee in den Neunzigern (NZZ).
Der coronabedingte lange Nachhall der Berlinale - seit ein paar Tagen werden nur noch Wiederholungen fürs Publikum gezeigt - gibt den Filmkritikern viel Zeit, auch über die Preisverleihung hinaus über das Festival nachzudenken. Wurde mit CarlaSimóns "Alcarràs" tatsächlich der stärkste Film ausgezeichnet, fragt sich Tim Caspar Boehme in der taz. Eindeutige Favoriten stachen aus dem Wettbewerb zwar nicht hervor, "doch gab es durchaus Filme, die interessanter, vielschichtiger, raffinierter waren. 'The Novelist's Film' des Koreaners HongSang-soo gelang mit nicht minder einfachen Mitteln eine komplexere und dichtere Erzählung. Und der spanische Filmemacher IsakiLacuesta ging in 'Un año, una noche' mutig der Frage nach, wie jemand den Anschlag auf den Pariser Club Bataclan erlebt und das Trauma hinterher verarbeitet."
Bert Rebhandl resümiert in der FAZ die russischen und ukrainischen Filme des Festivals: Auffallend ist, dass hier "jene Asymmetrie zum Tragen kommt, die das Verhältnis zwischen einem imperial auftretenden und einem auf Unabhängigkeit pochenden kleineren Staat charakterisiert. Russland kümmert sich um die Ukraine filmisch nur am Rande oder implizit, während umgekehrt der Krieg im Donbass und der ungeklärte Status der einstigen Herzregion im Osten das ukrainische Kino zutiefstbeschäftigen."
Weiteres zum Festival: Silvia Hallensleben wirft für den Tsp einen Blick auf Naturfilme im Forum. Jan Küveler sieht für die Welt Filme über "sterbendeOrte". Die Corona-Schutzmaßnahmen begünstigten einen erstaunlich entspannten Festivalverlauf, resümiert Dunja Bialas auf Artechock. Besprochen wird außerdem TylerTaorminas im Forum gezeigter Thriller "Happer's Comet" (Tsp).
Abseits des Festivalprogramms besprochen werden "Das Mädchen mit den goldenen Händen" mit CorinnaHarfouch (SZ) und die bei Disney+ gezeigte Serie "Pam & Tommy" (Jungle World).
Die Kunst, das Leben - alles beiläufig: Hong Sang-soos "The Novelist's Film" Die Bären wurden zwar gestern schon erlegt und verteilt (unser Resümee), doch bis zum Sonntag geht die Berlinale noch weiter - mit Vorführungen für das Publikum und Nachlesen in den Feuilletons. Tazler Tim Caspar Boehme braucht keinen zweiten Präsenzjahrgang unter Pandemie-Erschwernissen: Die Rahmenbedingungen und Schutzmaßnahmen verliehen dem Festival "etwas notgedrungen Wattiertes und Steriles, eine Berlinale auf Abstand. Bei den Filmen dieses Wettbewerbs hielten die meisten Regisseure ebenso Abstand zur Pandemie, gaben in ihren Geschichten von diesem Aspekt der Gegenwart nichts zu erkennen. Mit zwei Ausnahmen: Die französische Filmemacherin ClaireDenis, die zum ersten Mal für einen Goldenen Bären angetreten war, und ihr südkoreanischer Kollege HongSang-soo ließen als einzige ihre Hauptdarsteller mit Masken vor der Kamera auftreten."
Hong Sang-soo erhielt für seinen Film den Großen Preis der Jury. Das Kino des Koreaners kreist um eine überschaubare Zahl an Motiven und Figurenkonstellationen - meist sind es Figuren, die mit Kunst zu tun haben, in schwierigen Beziehungen stecken und sich irgendwann betrinken, schreibt Till Kadritzke im Tagesspiegel. So "kreisen in 'The Novelist's Film' die Gespräche des Figurenensembles immer wieder um das Verhältnis von Kunst und Leben, und reflektieren damit auch Hongs Kino selbst. ... Auch die Pandemie bekommt Hong ganz mühelos in sein Kino eingeflochten. Der Moment, wenn sich zwei Figuren wiedererkennen, erfährt durch den Mund-Nasenschutz einen spannende Verzögerung. Und das verlegene Zurechtrücken der Maske ist für das Porträtieren sozialer Unbeholfenheit ein echtes Geschenk. Auch dieses Mal wird man erst gegen Ende allmählich gewahr, was da vor dem eigenen Auge ganz beiläufig entstanden ist."
Wenn er einem in die Augen blickt, ist das Kino ganz bei sich: Godard in "Á Vendredi Robinson" Christiane Peitz resümiert im Tagesspiegel den Nebenwettbewerb "Encounters". Dort hatte sie ihre helle Freude an MitraFarahanis von "feinem Humor" durchzogenem Porträtfilm "Á vendredi Robinson", für den sich die beiden hochbetagten Filmemacher Jean-LucGodard und EbrahimGolestan E-Mails schreiben - und zwar jede Woche am Freitag. "Ob er noch an das Kino glaubt, fragt Golestan ihn. Godard entschuldigt sich, das sei ein bisschen eine Polizeiverhörfrage. Er trägt keine Sonnenbrille in dieser Robinsonade. Als er am Ende am Küchentisch sitzt und seinen Rotwein mit Wasser verdünnt, schaut er direkt in die Kamera. Ein milder, freundlicher, ein wenig verlegener Blick. Godard schaut einem direkt in die Augen. Und das Kino ist ganz bei sich."
Der Wettbewerb war zwar insgesamt durchwachsen, meintFR-Kritiker Daniel Kothenschulte, doch die Jury hat die Stärken herausgeholt. Und es zeige sich ein neues Alleinstellungsmerkmal: "Anders als in Cannes und Venedig spielen weibliche Filmschaffende hier keine Nebenrollen. Sie spielen die Hauptrollen und setzen Maßstäbe." Das "war sicherlich nicht die glanzvollste Berlinale", resümiert Soja Zekri in der SZ, aber "wenn man bedenkt, dass die Berlinale im Pandemie-Tief begann, aber pünktlich zur Preisverleihung eine 'Fastnormalität' in Aussicht gestellt wurde, dann wird man sich an diese Festspiele vielleicht eines Tages erinnern als die Berlinale, die der Anfang vom Ende der Einschränkungen war."
Mehr vom Festival: Carolin Ströbele freut sich auf ZeitOnline für die deutsche TV-Komikerin MeltemKaptan, die ihre für ihre Rolle als MuratKurnaz' Mutter in AndreasDresens "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" (unser Resümee) mit dem Silbernen Bären ausgezeichnet wurde: Kaptan "war ein Lichtblick in den düsteren Familienkonstellationen, die dieser Wettbewerb sonst hervorgebracht hat". Für den Standardporträtiert Dominik Kamalzadeh die österreichische Filmemacherin KurdwinAyub, die mit ihrem Film "Sonne" für den besten Debütfilm des Festivals ausgezeichnet wurde. Andreas Scheiner freut sich in der NZZ über den starken SchweizerAuftritt auf dem Festival.
Aus dem Festivalprogramm besprochen werden CemKayas Dokumentarfilm "Liebe, D-Mark und Tod" über die Popmusik der türkischen Gastarbeiter (Tsp, mehr dazu hier) und Ran Tals Dokumentarfilm "1341 Frames of Love and War" über den Kriegsfotografen MichaBar-Am (Tsp).
Abseits der Berlinale: Im Tagesanzeigerporträtiert Matthias Lerf UdoKier, der als ewiger Nebendarsteller mit "Swang Song" endlich einmal eine Hauptrolle bekommen hat. In ihrem 54books-Essay über "And Just Like That..." zeigt sich Isabella Caldart sehr enttäuscht über das "Sex and the City"-Revival. Besprochen werden StevenSoderberghs Thriller "Kimi" (SZ), RobertGuédiguians "Gloria Mundi" (Standard), TobiasWiemanns "Der Pfad" (FAZ), Uwe Bolls "Hanau" (ZeitOnline) und die auf Sky gezeigte Serie "The Fear Index" (FAZ).
Sensationelle Kinder: "Alcarràs" von Carla Simón Der GoldeneBär der in diesem Jahr mit ihrem Hauptprogramm frühzeitig zu Ende gegangenen Berlinale geht an "Alcarràs" von CarlaSimón (hier alle Auszeichnungen auf einen Blick). Der Film handelt von einer Familie, die in Südkatalonien eine Pfirsichplantage bewirtschaftet und sich gegen deren eigentliche Eigentümer behaupten muss. "Ein bisschen wie an die Leine genommen", fühlt sich Till Kadritzke (critic.de) von diesem Film, doch "die Kinder in diesem Wettbewerbsbeitrag sind eine Sensation", schreibt Janick Nolting in einer Notiz auf Artechock. Zugängliches Kino, das wohl vor allem deshalb und wegen seiner Thematik ausgezeichnet wurde, findet Katja Nicodemus auf ZeitOnline. Doch immerhin zugute halten muss man der Jury, dass sie mit ihren Entscheidungen "die verschiedenstenÄsthetiken, Tonlagen, Formen, HaltungendesKinos gewürdigt" habe, darunter auch den Koreaner HongSang-soo und ClaireDenis. Nicodemus' Fazit des Jahrgangs: "Es war ein Wettbewerb wie ein netter Schulausflug, bei dem sich die Außenseiter, Eigenbrötler und interessanten Nervensägen rar machten. Womöglich hätte man aus dem Gesamtprogramm mehr Zumutungen im besten Sinne finden und im Bärenrennen platzieren können."
Generell ist die Berlinale in der Krise, lässt sich fast allen Betrachtungen zum Festival entnehmen. Nicht nur wegen der Pandemie, die ihr nun schon zweimal zugesetzt hat, auch wenn sie sich "mit Blessuren, Verlustenan AuraundBedeutung" behauptet hat, schreibt Andreas Kilb in der FAZ. "Das Weltkino, zumal jenes aus Amerika und Fernost, ist kein selbstverständlicher Gast mehr in Berlin. Auch die Streamingdienste, die einen immer größeren Teil des Marktes beherrschen, zeigen ihre besten Produktionen nicht auf der Berlinale. Die Geschäftsführerin Mariette Rissenbeek und der Programmleiter Carlo Chatrian sind jetzt seit drei Jahren im Amt. Sie werden die Filmfestspiele bald neu aufstellen müssen, um ihre Position unter den Festivals zu halten."
So viel (zumindest annähernde) Genderparität wie in diesem Jahr war wohl noch auf keinem der großen A-Festivals, resümiert Hanns-Georg Rodek in der Welt: 41 Prozent aller Filme waren von Frauen, die Zahl der weiblichen Hauptfiguren überwiegt sogar und bei der Abschlussgala wurden deutlich mehr Frauen als Männer ausgezeichnet. Vieles im Programm war preisverdächtig, warum aber Claire Denis und Hong Sang-soo mit Silbernen Bären bedacht wurden, versteht er nicht: "Beide sind nicht wirklich herausragend im Kanon dieser Regisseure, sondern eherFingerübungen." FR-Kritiker Daniel Kothenschulte attestiert Hong Sang-Soos Filmen immerhin eine "therapeutischeKraft".
Überhaupt: Frauen, Alter, Sexualität. Die Filme mit EmmaThompson, SophieRois, ValeriaBruniTedeschi und IsabelleHuppertzeigenWelt-Kritiker Elmar Krekeler: "Die Berlinale des Jahres 2022 ist die Geschichte eines ganz neuen Coming-of-Age", denn "von Alterdiskriminierung kann keine Rede sein." Zu erleben ist auf diesem Festival "die Geschichte der Frauen, die das Lieben neu lernen, wenn sie es gar nicht mehr erwarteten. Die immer noch gern tabuisierte Geschichte von Frauen mit jungen Männern. Die Geschichte einer Liebesumkehr gewissermaßen." Dazu passend wirft Dunja Bialas von Artechock einen Blick auf die unterschiedlichenKonstellationendesBegehrens, die in diesem Festival zu sehen waren.
Mehr vom Festival: Thomas Abeltshauser resümiert im Freitag die deutschsprachigenBerlinalefilme. Valerie Dirk denkt im Standard darüber nach, wie sinnvoll es ist, geschlechtsspezifischeAuszeichnungen abzuschaffen. Im FreitagsprichtUlrichSeidl über seinen Wettbewerbsfilm "Rimini" (mehr dazu hier). Susanne Kippenberger spricht für den Tagesspiegel mit der Schauspielerin DaleDickey, die in "A Love Song" mit 60 Jahren ihre erste Hauptrolle hat. Anke Sterneborg berichtet in der SZ von der Verleihung des Goldenen Ehrenbären an IsabelleHuppert, die wegen einer Coronainfektion allerdings nicht teilnehmen konnte.
Aus dem Festivalprogramm besprochen werden IsabelleStevers "Grand Jeté" (taz), Paolo Tavianis "Leonora addio" (Tsp), NataliaSinelnikovas "Wir könnten genauso gut tot sein" (Tsp), Simon Brückners Dokumentarfilm "Eine deutsche Partei" über die AfD (ZeitOnline) sowie Andrew Dominiks Dokumentarfilm "This Much I Know To Be True" über NickCave und WarrenEllis (Tsp),
Abseits der Berlinale: Martina Knoben spricht in der SZ mit der Filmemacherin MargarethevonTrotta, die kommenden Montag 80 Jahre alt wird. Auch das Paramount-Studio will jetzt mit einem eigenen Dienst ins Streaminggeschäft einsteigen, meldet Christian Meier in der Welt. In der FAZgratuliert Michael Hanfeld dem Fernsehregisseur HeinrichBreloer zum 80. Geburtstag. Besprochen werden "Nowhere Special" mit JamesNorton (Presse) und die fünfte Staffel der Sky-Serie "Gomorrha" (FAZ). Außerdem verrät uns die SZ, welche Filme sich diese Woche lohnen und welche nicht.
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