Beim von der Stadt finanziell unterstützten Leipziger Festival "globaLE" ist es zu tumultartigen Szenen gekommen, als Aktivisten die Vorführung von
Oliver Stones ausgesucht putinfreundlichem Dokumentarfilm "Ukraine on Fire" aus dem Jahr 2016 störten. Ulrike Nimz
liefert in der
SZ Hintergründe: "Flankiert werden sollte die Vorführung von 'Ukraine on fire' laut Programm durch das Gespräch mit einer Vertreterin des 'Aktionsbündnisses Zukunft Donbass', das humanitäre Hilfe in den Separatistengebieten im Osten der Ukraine leistet. Auf den Social-Media-Kanälen des Vereins findet sich
russische Kriegspropaganda. ... Mike Nagler, Organisator und Sprecher der 'GlobaLE', sieht kein Problem darin, in Zeiten, in denen Tausende geflüchtete Ukrainerinnen Schutz in Deutschland und Leipzig suchen, einen Film zu zeigen, der größtenteils
die Weltsicht des Kreml übernimmt. Man wolle vielmehr 'einen
Raum für kritischen Diskurs bieten'." Wie die Stadt auf die Vorführung reagierte, weiß Othmara Glas in der
FAZ: Sie "distanzierte sich am Donnerstagnachmittag von der Filmvorführung. 'Wir unterstützen die Ukraine und unsere Partnerstadt Kiew nach Kräften gegen die brutale russische Aggression', erklärte man über Twitter, schränkte aber ein: 'Gleichwohl achten wir
die Freiheit der Kunst und fördern diese. Im Unterschied zu einem autoritären Regime hält eine Demokratie das Zeigen eines Films zweifelhaften Inhalts aus.'"
Am 5. September wird
Werner Herzog 80 Jahre alt, am Montag erscheinen seine
Memoiren, in den Audiotheken findet sich bereits ein
aktuelles Radioporträt des
BR und ein vom
Dlf erneut online gestelltes Feature über ihn von 2012: Die Herzog-Festspiele sind eröffnet, nicht zuletzt durch Peters Kortes großes Gespräch mit dem Filmemacher, das morgen in der
FAS erscheint. Unter anderem geht es um
Herzogs Nichtangespasstsein - kann man einen Film wie "Lektionen in Finsternis" heute noch drehen? "Natürlich soll und kann man heute noch so einen Film machen. Kontrovers war damals, dass ich die brennenden Ölquellen in Kuwait, unterlegt mit Wagner-Musik, nicht als politisches Verbrechen dargestellt habe, sondern, fast wie Science-Fiction, als ein
Verbrechen gegen die Schöpfung, als eine Welt, die wir nicht mehr als unsere erkennen können, als wäre da ein fremder Planet. Darum ging es. Der Aufschrei auf der Berlinale war riesig. '
Ästhetisierung des Grauens' wurde gebrüllt. Ich sagte damals, das hat
Dante auch gemacht und
Goya und
Hieronymus Bosch. Dann wurde es nur umso wilder. Aber ich wusste,
sie haben alle unrecht. Die Vorwürfe lagen im Klima der Zeit, im Trend, und mit dem war ich
nie in Einklang, das war öfter ein Problem. Aber das hat mich
unbeirrt gelassen."

Daniele Dell'Agli
empfiehlt im
Perlentaucher Denis Newiaks Studie "Blackout", die sich ganz pragmatisch mit den
Katastrophenbeschreibungen dystopischer Filme und Serien befasst. Die meisten von ihnen überspitzen ihr Thema allerdings sosehr, dass Dell'Agli
eine Plausibilität vermisst, die Identifikatioen ermöglicht. Denkbar findet er aber, "dass dank zunehmender ökologischer (und energietechnischer) Alphabetisierung und unter dem Druck sich real verdichtender Krisen samt näherrückender tipping points
ein gesunder Alarmismus die Lust an der Weltuntergangsfolklore ablöst."
Besprochen werden der "Game of Thrones"-Ableger "House of the Dragon" (
Presse,
Welt,
FAZ), die deutsche
Netflix-Serie "Kleo" (
Welt) und die
Disney-Serie "She-Hulk" (
NZZ).