Szene aus "Planet B". Bild: Stefan Di Buduo Lange hat Christine Wahl (Tsp) im Theater nicht mehr so gelacht wie bei "Planet B", dem neuen Stück von Yael Ronen und Itai Reicher am Berliner Maxim Gorki Theater, das sich nicht weniger als das Massenartensterben vorknöpft. Nur fünf Prozent aller Arten haben das Wüten des Homo Sapiens überlebt - und müssen sich nun gegen Aliens zur Wehr setzen, resümiert Wahl: "Auch diesmal gibt es, verpackt in hochtourigesPointen-Pingpong, jede Menge Debattenstoff. Der Survival-Show-Cast gibt sich als Fabeltiergrüppchen mit Humanspiegelbildfunktion zu erkennen: Orit Nahmias brilliert als aktivistisches Huhn und Aysima Ergün als kollektivistische Ameise. Alexandra Sinelnikova lässt als sexpositive Influencer-Füchsin keinen Zweifel daran, dass sie den urbanen Raum längst unter Kontrolle hat. Maryam Abu Khaled verströmt als Panda aus jeder Fellfalte die Depression, die eine Dauerdegradierung zum Kuscheltier zeitigt."
Alles wirkt "frisch und originell, weil die Charakterzüge - eine Verneigung vor der Fabel - auf allen Ebenen fein auf die tierischen Eigenschaften abgestimmt sind. Amit Epstein hat ihnen hinreißende Kostüme auf den Leib geschneidert, mehr menschliche Charakterhüllen als Tierhäute", kommentiertNachtkritiker Georg Kasch. Und in der Berliner Zeitungamüsiert sich Doris Meierhenrich über "eine hintersinnig witzige SciFi-Komödie".
Besprochen werden Roger Vontobels "Macbeth" in einer Fassung von Elisabeth Bronfen bei den Ruhrfestspielen Recklinghausen (SZ, nachtkritik), Elfriede Jelineks "Ein Sportstück" in der Inszenierung von fünf Regiestudierenden der Berliner Hochschule für Schauspielkunst "Ernst Busch" und RambaZamba-Intendant Jacob Höhne am Berliner RambaZamba Theater (nachtkritik) und das Musical "Bis keiner weint", eine der Neuköllner Oper mit dem Musical-Studiengang der UdK (Tsp).
Außerdem: Dem Frankfurter English Theatre, das größte seiner Art im kontinentalen Europa, droht eine Räumungsklage der Commerzbank, meldet die FR. Besprochen werden: Die Inszenierungen "Onkel Wanja" von Tomi Janežič und "La Obra" von Mario Pensotti (FAZ), "Song of the Shank" von George Lewis, "Contes et légendes" von Joel Pommerat und "Extinction" von Julien Gosselin (alle drei Standard), die bei den Wiener Festwochen aufgeführt werden.
Besprochen werden die Komödie "Einszweiundzwanzig vor dem Ende" von Matthieu Delaporte am Renaissance-Theater Berlin in der Inszenierung von Sebastian Sommer (BlZ) und die Adaption von Delphine de Vigans Autofiktion "Nichts widersetzt sich der Nacht" am Deutschen Theater Göttingen in der Inszenierung von Schirin Khodadadian (taz).
Joachim Meyerhoff als Platonow. Foto: Armin Smailovic / Kammerspiele Jette Steckel hat an den Münchner KammerspielenTschechows Stück "Platonow" als "Die Vaterlosen" inszeniert. Zeit-Kritiker Christian Gampert liebt das Stück über diesen gescheiterten Mann, der als Dorfschullehrer in seine Heimat zurückkehrt. Auch wenn der Kritiker nicht mit allem einverstanden ist, sieht er am Ende - vor allem dank Joachim Meyerhoff - Momente heller Wahrheit und des Theaterglücks aufleuchten: "Die grandiosen Schauspieler der Kammerspiele agieren diskurstheatermäßig vor sich hin, aber sie gehen auch in die Zonen, wo es wehtut. Die Regisseurin Jette Steckel wiederum weiß nicht so genau, wo man an diesem vierstündigen Abend dringend kürzen müsste (und will es wohl auch gar nicht wissen). Aber gerade aus dem Überflüssigen, aus dem Geschwätz entsteht jener merkwürdige Sog selbstquälerischer komischer Traurigkeit, der die Aufführung nah an uns heranrückt..." Auch in der FAZ lobt Christian Gohlke Steckels gekonnt zwischen Komik und Tragik changierende Inszenierung, die ihm eine sinnentleerte Gesellschaft vor Augen führt, die geradezu erschreckend modern auf ihn wirkt.
Weiteres: Im Standardberichtet Laurin Lorenz, dass die Leiterin des Wiener Max-Reinhardt-Seminars Maria Happel zurücktritt. Studenten hatten Lorenz zufolge mehrfach Missstände angeprangt, worauf Happel nicht hinreichend reagiert haben soll. Im Tagesspiegelblickt Sandra Luzina auf den Tanz im August voraus, dessen Programm der neue festivalleiter Ricardo Carmona vorgestellt hat.
Besprochen wird Franz Schrekers selten gespielte Oper "Der singende Teufel" in Bonn (FR).
In der Berliner Zeitunginterviewt Aleksander Polozov den russisch-israelischen Regisseur Artur Solomonow, dessen Stück "Wie wir Josef Stalin beerdigten" jetzt auch im Berliner Theater im Palais gezeigt wird. Es geht darin um eine Theatertruppe, die verzweifelt versucht, ihr Anti-Stalin-Stück vor den Eingriffen des Präsidenten zu retten. In Moskau hatte es zu Kriegsbeginn Premiere, wie Solomonow erzählt: "Alle Beteiligten - die Schauspieler, der Regisseur, die Theaterleitung - waren schockiert, deprimiert, verwirrt. In diesem Moment war nicht klar, ob es moralisch richtig wäre, die Premiere stattfinden zu lassen. Wir entschieden uns, zu spielen. Am Tag der Premiere war der Saal gefüllt mit dem traurigsten Publikum, das ich je gesehen habe. Als die Aufführung zu Ende war, sprachen Zuschauer die Schauspieler an und sagten, sie seien schockiert gewesen, als sie von der Bühne hörten: 'Der Staat braucht Leichen! Er will die Toten! Der Mensch ist nichts, der Staat ist alles!' - Diese Sätze waren nicht die wichtigsten im Stück, als wir mit den Proben begannen. Aber das Leben selbst hat diese schrecklichen Akzente gesetzt."
Weiteres: Beglückt berichtet Jan Brachmann in der FAZ, dass ein Berliner Antiquar auf acht bisher unbekannte frühe Arien des Komponisten Christoph Willibald Gluck gestoßen ist. In der Nachtkritikerkundet Dorte Lena Eilers, Professorin für Kulturjournalismus, die Lage an den Münchner Kammerspielen und beantwortet jede Aussage von Intendantin Barbara Mundel zu stadtpolitischen Interventionen, Diversity und Klassismus mit einer Frage. "Dennoch scheint es, als würden sich die Kammerspiele in den Widersprüchen derzeit eher noch verhaken, anstatt sie auf die Bühne zu bringen. In die Konfrontation, sagt Mundel, könne man ja nur gehen, wenn man ganz genau wisse, worin sie besteht. Muss man es so genau wissen? Oder lässt es nicht gerade das Theater zu, Beobachtungen, Haltungen, Diskurse offen zu lassen?"
Besprochen werden die Bühnenfassung von Nino Haratischwilis Variation "Phädra, in Flammen" am Berliner Ensemble (die zum Ärger von FAZ-Kritikerin Irene Bazinger Euripides' Drama zur Geschichte einer privilegierten Frau in der Midlife-Crisis vereinfache), von Hengameh Yaghoobifarahs Roman "Ministerium der Träume" am Staatstheater Kassel (FR), Ewelina Marciniaks "Tove-Projekt am Frankfurter Schauspiel (das SZ-Kritiker Egbert Tholl zufolge Tove Ditlevsens Autobiografie verheerend glättet), René Polleschs Bühnensause "Mein Gott, Herr Pfarrer!" an der Berliner Volksbühne (taz) und Auftritte unter anderem von Lise Davidsen bei den Festspielen in Bergen (FAZ).
Kyle Abrahams" Mixed Repertoire". Foto: Christopher Duggan / Kampnagel Alles Wichtige über schwarze Kultur und schwarze Geschichte sieht FAZ-Kritikerin Wiebke Hüster von Kyle Abraham und seiner New Yorker Tanzkompanie A.I.M. verhandelt. Aber der Abend "Mixed Repertoire" auf Hamburgs Kampnagel öffnete ihr auch in anderer Hinsicht die Augen: "Zwei Mitglieder des ausschließlich schwarzen Ensembles definieren sich als non-binär, und auch darin ist dieser Tanz auf poetische und unideologische Weise politisch. Es wird nämlich deutlich, dass Abrahams Tänze, die im wechselseitigen künstlerischen Vertrauen mit den Tänzern entstehen, jeden ihrer Körper in seinem ganz eigenen, besonderen Körpergefühl tanzen lassen. Was noch lange auch im zeitgenössischen Tanz klar aufgeteilt war - hier die Männer, athletischer, größer, stärker, hilfreich haltend, hebend und tragend, und dort die Frauen, zarter, elegischer, schmaler, elfenhafter und anschmiegsamer -, das ist hier auf eine Weise individualisiert, die keine Fragen aufkommen lässt. Plötzlich ist klar: Diese Entwicklung ist nur folgerichtig und natürlich. Alle können so sein, wie sie möchten. Verblüffend, dass das je anders war im sogenannten modernen Tanz!"
Besprochen werden René Polleschs Spektakel "Mein Gott, Herr Pfarrer" mit Sophie Rois an der Berliner Volksbühne (das Nachtkritikerin Stephanie Drees als "Gaga-Komödie der Extraklasse" würdigt, SZ), das "Das Tove-Projekt" am Schauspiel Frankfurt (FR), Jette Steckels Inszenierung von Tschechows "Die Vaterlosen", auch als "Platonow" bekannt, an den Münchner Kammerspielen (SZ, Nachtkritik) und Aufführungen bei den Wiener Festwochen (Standard).
Besprochen werden Tilo Nests "mitreißende" Adaption von Anthony Burgess' Roman "Clockwork Orange" am Berliner Ensemble, mit Maeve Metelka in der Rolle des vergewaltigenden und mordenden Alex ("zeitlos gut", schwärmt in der FR Marc Hairapetian, der sich für seinen Artikel mit Nest, Kubricks Nachlassverwalter Jan Harlan und dem Film-Alex Malcolm McDowell unterhalten hat), Milo Raus Inszenierung von "Antigone in the Amazon" im Frankfurter Mousonturm (FR) und die Uraufführung von Salvatore Sciarrinos neuer Oper "Venere e Adone" in Hamburg (FAZ-Kritiker Jürgen Kesting hört ein "glänzend vorbereitetes Orchester unter Kent Nagano, das "feinste Klanggespinste" produziert, "bei denen selbst Anblasgeräusche einen Eigenwert bekommen".
Eine virtuose, so abstrakte wie atmosphärisch dichte Uraufführung von Salvatore Sciarrinos Oper "Venere e Adone", inszeniert von Georges Delnon und dirigiert von Kent Nagano, erlebte SZ-Kritiker Wolfgang Schreiber an der Staatsoper Hamburg, "eine Tonwelt des unaufhörlich Leisen, Stockenden, jeden musikalischen Fluss Aufbrechenden am Rande des Schweigens. Um sich, mit seinen Worten, dem 'Prinzip der variierenden Wiederholung einzelner klar definierter Elemente' auszuliefern. Der Ökonomie radikal begrenzter, um sich kreisender Klänge und Klangbewegungen. Auch in der Venus-Adonis-Oper also: Pochende, an- und abschwellende Tongebilde, entwickelt aus ummantelten Einzeltönen im Vokalen und Instrumentalen, graben sich ein ins Ohr, entfalten ein hermetisch 'eintöniges' Gewebe, den irrlichternden Sog der Reduktion. Und erzwingen die höchste Anspannung des Hörens, der Beobachtung. Das ist nicht minimal music, Sciarrinos Musik meint etwas Anderes: 'Poco succede, quasi niente' - Wenig geschieht, fast nichts." Auch Florian Zinnecker nimmt diese Oper in der Zeit als große Kompositionsleistung wahr und ergänzt, die Erzählperspektive gebe ein Wildschwein: "Im Moment von Adonis' Tod tauschen Mensch und Kreatur dann auch noch ihre Seelen, Venus beweint das Tier im Menschenleib, während Adonis, ungeliebt, im Schweinsgalopp davonjagt."
Ein wenig spöttelnd beobachtet Jakob Hayner für die Welt Iris Laufenbergs erste Pressekonferenz als neue Intendantindes Deutschen Theaters: "Das Spielzeitheft im Neunziger-Look bietet das Gimmick, dass man sich wie beim Rubbellos die Füllwörter zum neongrün auf violett leuchtenden 'Theater' freirubbeln kann. Zum Beispiel: dynamisches, drahtloses, duftes, denkwürdiges Deutsches Theater. Eine Variation in D-Dur mit einem Anflug von Beliebigkeit?" Beeindruckt ist er aber dann doch von der Ankündigung einer Rainald-Goetz-Uraufführung Ende September - "ein Coup. Angekündigt wird 'Baracke' vielversprechend als Stück über den NSU, die RAF, den Osten, den Westen und die Faszination des Bösen. Mit der großen Goetz-Überraschung unterstreicht Laufenberg zudem ihren Anspruch, der Gegenwartsdramatik eine Bühne zu geben." Ob das reicht für ein interessantes Programm? Hayner bleibt skeptisch, da Laufenberg ansonsten vor allem auf die "Generation der Halbetablierten" und Beständigkeit setze. "Es ist schon eine Mischung aus Risiko und Sicherheit, die sich da ankündigt", meint auch Rüdiger Schaper im Im Tagesspiegel.
Außerdem: Im Interview mit der SZ spricht Sophie Rois, die demnächst an der Volksbühne in einem Pollesch-Stück mit dem Titel "Mein Gott, Herr Pfarrer!" zu sehen ist, über ihren Glauben und den Katholizismus als großes Theater.
Die Repressionen gegen Theaterschaffendein Russland werden immer extremer, erfahren wir von Nachtkritikerin Alla Shenderova: Jüngst wurden die Regisseurin Schenja Berkowitsch und die Dramatikerin Swetlana Petrijtschuk verhaftet. Das Regime geht mit bizarren Begründungen gegen das Theater vor. Das war vorhersehbar, meint Shenderova, allerdings herrsche auch unter den Zuschauern eine "florierende Praxis der Denunziation": "Kürzlich gefiel einem Zuschauer im St. Petersburger Alexandrinsky Theater die Inszenierung 'Cyrano de Bergerac' nach Edmond Rostand nicht. Er sah darin einen Versuch, die russischen Streitkräfte zu diskreditieren, und legte Beschwerde ein. Die Inszenierung wurde vom Spielplan genommen."
Im Interview mit der SZ spricht Iris Laufenberg, die als erste Frau die Intendanz am Deutschen Theater Berlin übernehmen wird, über ihre Pläne für die kommende Spielzeit, ihr Selbstverständnis als Vorsitzende und den Begriff "feministisches Theater", den sie zu plakativ findet: "Ich persönlich bin feministisch geschult. Die Gleichberechtigung steht im Gesetz. Die erst mal zu verstehen und zu leben, ist das eine. Der andere Aspekt ist: Welche Geschichten erzählen wir und welche nicht mehr? Die alten Heldengeschichten sind noch fest in unserer DNA. Wie bricht man das auf? Das Matriarchat ist vielleicht auch keine Lösung. Ich glaube an das Miteinander. Nicht an das einzelne Genie. Wir schaffen das Bestmögliche, wenn jede, jeder das beisteuert, was sie oder er richtig gut kann." Weitere Artikel: taz-Kritikerin Dorothea Marcus berichtet über das "Theatrium"-Festival in Litauen. In der FAZ zieht Reinhard Karger Bilanz zum bisherigen Verlauf der Wiener Festwochen. Sein Fazit: Zu viel Politisierung, zu wenig künstlerische Qualität: "Nicht alles, was auf dem Papier interessant erscheint, löst ästhetisch ein, was es verspricht. Das lässt sich leider bereits zur Halbzeit des Festivals konstatieren, dessen Produktionen auf unterschiedlichen Irrwegen scheitern." In der NZZerzählen die Intendantinnen des Züricher Neumarkttheaters Hayat Erdogan, Tine Milz und Julia Reichert, wie sie sich zu dritt die Intendanz teilen. Und Ueli Bernays teilt Eindrücke aus dem aktuellen Programm.
Besprochen werden Georges Delnons Inszenierung von Salvatore Sciarrinos Oper "Venere et Adone" an der Hamburger Staatsoper (Zeit, nmz), Christof Loys Inszenierung von Christoph Willibald Glucks Oper "Orfeo ed Euridice" bei den Salzburger Pfingstfestspielen (Zeit), Franz Schuberts "Schöne Millerin" in der Inszenierung von Nikolaus Habjan an der Staatsoper Berlin (Zeit), Herbert Fritschs Stück "Vergeigt!" am Theater Basel (Zeit), Kirill Serebrennikows Stück "Barocco" am Thalia Theater in Hamburg (Zeit), Axel Ranischs Inszenierung vom szenischen Händel-Oratorium "Saul" an der Komischen Oper Berlin (taz), Martin Grubers Stück "Morbus Hysteria" in Kooperation mit dem Aktionstheater Ensemble im Werk X in Wien (Standard) und der Auftakt der Potsdamer Tanztage mit Mette Ingvartsens Choreografie "Moving in Concert" (tsp).
Peter Simonischek in seiner berühmtesten Rolle. Mit Sandra Hülle in Maren Ades Film "Toni Erdmann". Der große Peter Simonischek ist in Wien im Alter von 76 Jahren gestorben. International berühmt wurde er durch seine Rolle in Maren Ades "Toni Erdmann", doch war er vor allem Theaterschauspieler, wie die Kritiker in ihren Nachrufen betonen: "Ein Bild von einem Mann und ein Schwergewicht von einem Schauspieler, im Theater einer der großen, vielseitigen Charakterdarsteller", seufzt Christine Dössel in der SZ: "So bärenstark er wirkte mit seinen Einsneunzig und der vollen Silbermähne, ein Kraftlackl, Macho und Hoppla-hier-komm-ich-Spieler war Simonischek nicht. Er hatte immer etwas Weiches, Sensibles, Gefühlsdurchlässiges." Ähnlich sieht das Peter von Becker im Tagesspiegel: "Da war immer seine Mischung aus Grandiosität und Grazie, aus Pathos und subtiler Ironie." Simon Strauss preist ihn in der FAZ als "wunderbaren Wandelschauspieler". Er war ein durch und durch ein Burgschauspieler, wie Margarete Affenzeller im Standardbeteuert: "Simonischek gehörte zu jenen eher raren Schauspielern, die sich auch selber gern ins Parkett begeben, um denen auf der Bühne zuzusehen und damit den Kolleginnen und Kollegen Respekt zu zollen. Ein schöner Zug." Aber natürlich war er in "Toni Erdmann" einfach umwerfend, schwärmt Paul Jandl in der NZZ: "In seiner berühmtesten Rolle mutiert er vom einsam alternden Musiklehrer zum Virtuosen der Peinlichkeit. Falschgebiss, Perücke, Zottelfell und dumme Sprüche. Da macht sich ein deutscher Altachtundsechziger ausgerechnet zum Affen, weil er die ins internationale Karrieremilieu der Consultingfirmen abgerutschte Tochter für sich zurückgewinnen möchte." In der FRschreibt Harry Nutt.
Weiteres: In der tazresümiert Katrin Bettina Müller das Berliner Theatertreffen eigentlich ganz positiv: Sie hat erzählstarkes Theater und großartige Ensemble-Leistungen erlebt, und besonders imponiert hat ihr Lucia Bihlers Wiener Inszenierung "Die Eingeborenen von Maria Blut". Auf der Abschlussdiskussion musste sich die Jury viel Kritik von AktivistInnen anhören, denen die Auswahl zu unpolitisch oder zu undivers war und den Klimawandel nicht genug in Rechnung stellte. In der Welt winkt Jakob Hayner müde ab: "Dass das Politische in der Kunst als ästhetische Frage erscheint, ist dem Aktivismus fremd. Der Einwand der Jury, dass Statements weder Kunstfertigkeit ersetzen noch eine Einladung rechtfertigen, scheint nicht anzukommen.
Besprochen werden Cecilia Bartolis Auftritte in den Rollen von Orpheus und Eurydike bei den Salzburger Pfingstfestspielen (NZZ) und ein Duo von Marco Goecke am Hessischen Staatsballett in Wiesbaden (FR).
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