Die
Buchfilialisten expandieren - nach kurzer Verschnaufpause in den beiden vergangenen Jahren - weiter. Das ist eines der hervorstechendsten Ergebnisse, die der vom
Buchreport ausgearbeitete "Filialatlas" enthält. Insgesamt wurden in 2005
25 Filialen eröffnet. Mit 102 Filialen hat sich
Thalia die Spitzenposition gesichert und plant schon jetzt für 2006 sechs weitere Neueröffnungen in Deutschland. Allein in den letzten zehn Jahren drängten im Zuge der Filialisierung 200 Vollbuchhandlungen auf den Markt, damit entwickelt sich der Sortimentsbuchhandel zum zweiten Mal nach 1945. An ihre Grenzen stößt die Expansion der Buchketten im übrigen in
Großstädten, bildlich gesehen ist Düsseldorf der letzte weiße Fleck auf der Landkarte.
Bei
Weltbild sind nicht alle guten Dinge drei: Neben den Billigketten
Weltbild plus,
Jokers und
Wohlthat'sche will das Augsburger Unternehmen eine
Kette mit Vollsortiment etablieren. Bis 2006 sollen unter der Marke
Weltbild! sieben solcher Flächen am Markt mitmischen. In Gießen hat sich Konzern-Chef
Carel Halff mit drei verschiedenen Filialtypen nebeneinander ein Versuchsfeld angeordnet. Schon vor einem Jahr hatte Halff der
FAZ angedeutet, das Angebot im stationären Handel erweitern zu müssen, um dem Internet Paroli zu bieten. Dem
Buchreport erzählte er von dem Vorhaben, die Weltbild plus-Filialen soweit wie möglich durch die größere Variante Weltbild! zu ersetzen. Das Expansionstempo der Weltbild plus-Filialen möchte er dessen ungeachtet nicht drosseln.
Messe-Rückschau: "Auffällig unauffällig" fand der
Buchreport diesmal die
Frankfurter Buchmesse. "Der Saisonhöhepunkt hat weniger Schlagzeilen gemacht, dafür paradoxerweise jedoch
mehr Besucher angelockt und
fast einhellig Lob geerntet", schreibt das Magazin. Um - unter anderem nach dem Rücktritt des Börsenvereinsvorstehers (siehe
Archiv) - erst mal Ruhe zu schaffen, sei es von Vorteil gewesen, dass die diesjährige Messe
kein zentrales Thema gehabt hätte, erklärte der neue Buchmessedirektor,
Juergen Boos, und kündigte an: Im kommenden Jahr wird die Messe durch einen zweiten inhaltlichen Schwerpunkt neben dem Gastlandauftritt
stärker polarisieren.
Der Wettbewerb um die
Volltextsuchen wird immer enger.
Amazons "Search inside the Book" und
Googles deutscher Ableger
"Google Print" sind bereits online,
Holtzbrinck hat in Frankfurt "BookStore" angekündigt. Auf dieser Plattform will der Konzern zunächst eigene Titel (eine fünfstellige Zahl) elektronisch verfügbar machen, die Dienstleistung dann aber auch Dritten anbieten. Eine Kooperation mit der Initiative des
Börsenvereins schließt Holtzbrinck nicht aus. Zum Kostenvoranschlag des Börsenvereins-Projekts hat der
Buchreport auf der Messe einige kritische Stimmen eingefangen: Verlage seien nicht bereit, 10.000 Euro für Server und Datenkonvertierung zu investieren, wenn es das Angebot bei Amazon gratis gebe.
Vertreter von
Amazon wurden übrigens auf der Messe vermisst. Der Online-Buchhändler, der sich mit seinen Bilanzen bedeckt hält, ließ Konkurrenz und Journalisten orakeln, ob er nach dem geschätzten 900 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr diesmal die 1-Milliarde-Euro-Umsatzhürde überspringt.
Buch.de (schätzungsweise 40 Millionen Umsatz in diesem Jahr) hat zur Aufholjagd auf Amazon ausgeholt und für die kommenden Monate Investitionen angekündigt: in die Einrichtung eines
Marketplaces (der bei Amazon schätzungsweise zu über 20 Prozent des Gesamtumsatzes beiträgt) und die
Erforschung des Kundenverhaltens zur Verbesserung der Buchempfehlungen.
Sorgenkind der Messe war das
Festival "Leseland Hessen". "Glanzlos", urteilt der
Buchreport und "ein finanzielles Problem", gibt Messe-Chef
Juergen Boos zu. Sollten sich keine neuen Geldgeber finden, wird das Lesefest gestrichen. Bislang finanzieren es die Buchmesse und das hessische Kulturministerium.
Die Preisträger des
50. Deutschen Jugendliteraturpreises wurden bekanntgegeben. In der
Kategorie Jugendbuch gewann Dorota Maslowskas "
Schneeweiß und Russenrot" (KiWi), den
Preis der Jugendjury ging an Graham Gardners "
Im Schatten der Wächter" (Verlag Freies Geistesleben), der
Sonderpreis Gesamtwerk des Übersetzers an
Harry Rowohlt.Zum Schluss ein paar Zahlen von der
Rekord-Messe: Die Besucherzahl stieg auf 284.383 (+6,3 Prozent), 7.223 Branchenteilnehmer (Vorjahr: 6691) stellten 380.655 Titel (Vorjahr: 350.000) aus, 25.000 Besucher interessierten sich für den koreanischen Gastlandauftritt. Der mit dem
Deutschen Buchpreis ausgezeichnete
Roman von
Arno Geiger soll das meistgeklaute Buch der Messe gewesen sein.
Meldungen: Die S. Fischer-Autorin
Elisabeth Zöllner erhält für ihr Buch "Anton oder die Zeit des unwerten Lebens" den
Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher. Bei
rund 19 Millionen Euro liegen die Forderungen nach der dritten Gläubigerversammlung im
Zanolli-Insolvenzverfahren, davon sind erst 4,67 Millionen Euro als berechtigt festgestellt worden. Und: die
Bestsellerlisten.