Die Buchmacher - Archiv

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281 Presseschau-Absätze - Seite 12 von 29

Die Buchmacher vom 10.01.2006 - buchreport.express

Die Sortimenter können gestärkt ins neue Jahr durchstarten: 2005 haben sie - wie auch das Jahr zuvor - mit einem Umsatzplus abgeschlossen. Der Zuwachs beläuft sich laut buchreport-Analyse sogar auf 1,9 Prozent, was durch dreierlei Umstände überraschen mag: Der Einzelhandel insgesamt musste einen leichten Rückgang verschmerzen, die Buchpreise waren im Durchschnitt gesenkt, nicht etwa erhöht worden und der Boom des Online-Buchhandels hat dem stationären Sortiment nichts anhaben können.

Das Weihnachtsgeschäft 2005 (siehe auch Börsenblatt) war eine Berg- und Talfahrt, aber immerhin verwandelte sich das bis zum vierten Advent aufgelaufene Minus von 1,2 Prozent in den Buchhandelskassen (im Vergleich zu den Zahlen des Vorjahres) bis zum Monatsende in ein Plus von 0,5 Prozent. Entscheidend sei die letzte Woche vor den Feiertagen gewesen, in denen die Buchhändler, begünstigt durch einen zusätzlichen Verkaufstag, rund zwölf Prozent mehr (verglichen mit 2004) umsetzen konnten, schreibt buchreport. 0,5 Prozent - für die Online-Buchhändler sind das Peanuts. Großhändler Libri, Hauptlieferant des Internetbuchhandels, bescheinigte den Onlinern Zuwächse von rund 20 Prozent.

Dass die zum Douglas-Konzern gehörende Thalia-Buchkette genauso schnell wie bisher weiter expandieren will, wenn nicht noch schneller, ist für buchreport eine klare Sache. Auch mit der Übernahme der 26 Gondrom-Filialen (siehe "Buchmacher"-Archiv von letzter Woche) sei die vom Kartellamt gesetzte kritische Grenze von circa 30 Prozent Marktanteil längst nicht erreicht, hat das Branchenmagazin errechnet und stellt fest: "Der Buchmarkt erweist sich für Douglas als attraktive Wachstumssparte, weil Preisbindung und kleinteilige Konkurrenz paradiesische Voraussetzungen schaffen."

Der Club Bertelsmann bricht nach Ansicht des Börsenvereins wiederholt die Regeln der Buchbranche. "Im aktuellen Quartalskatalog offeriert die Buchgemeinschaft ihren Mitgliedern beim Kauf eines Titels zum Club-Preis einen weiteren 'Treue'-Titel mit Nachlässen - je nach Dauer der Mitgliedschaft von bis zu 25 Prozent", fasst buchreport das neue Bonussystem zusammen. Die Kritik des Branchenverbands: Nach den Kriterien des Preisbindungsgesetzes dürfe ein Titel in gleicher Ausstattung nicht zu unterschiedlichen Preisen abgegeben werden, auch Mengenrabatte beim Kauf eines zweiten Buches sehe das Gesetz nicht vor.

Nicht nur durch Potter: Im letzten Jahr ist die Nachfrage nach Buchausgaben im englischsprachigen Original gestiegen. Zum einen sei die Absicht, die Sprache zu trainieren, ein Kaufgrund gewesen, zum anderen habe der Preis eine Rolle gespielt, erklärt buchreport. Zahlreiche Titel sind auf Englisch mittlerweise preiswerter zu haben. Englischsprachige Taschenbücher würden sogar nirgends in Europa so günstig gekauft wie in Deutschland, erläutert Martin Brüninghaus vom Petersen Buchimport.

Eine Schlappe für Börsenverein, nationale und internationale Verlage, die im Rechtsstreit mit Subito, Betreiber des Dokumentlieferdienstes der deutschen Bibliotheken, unterlagen: Das Landgericht München urteilte in einem Musterprozess, dass der E-Mail-Versand von Dokumenten innerhalb von Deutschland auch ohne Genehmigung der Verlage zulässig sei, unabhängig davon, ob der Besteller die Texte kommerziell oder nicht kommerziell nutze. "In Folge können auch Firmen Fachliteratur zu Tiefstpreisen beziehen. Der Börsenverein fürchtet, dass sie ihre Abos abbestellen", beschreibt buchreport das Dilemma. Die Klage durch weitere Instanzen ist wahrscheinlich.

Meldungen: Die Berliner Schriftstellerin Jenny Erpenbeck wird Sylter Inselschreiberin, heißt: Sie erhält ein mit 5.000 Euro dotiertes Schreibstipendium und acht Wochen Wohnmöglichkeit auf Sylt. Die Carl-Zuckmayer-Medaille des Landes Rheinland Pfalz wird am 18. Januar an den Schauspieler, Regisseur und Autor Armin Mueller-Stahl verliehen. Und: ein Blick auf die Spiegel- und Gong-Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 19.12.2005 - buchreport.express

Die Buchhändler können durchatmen. Nach einem katastrophalen Start ins Weihnachtsgeschäft haben sich die Umsätze in der zweiten Adventswoche knapp unter das Vorjahresniveau gemausert (nur noch minus 0,5 Prozent). Einen Rekordumsatz fuhren die Sortimenter am ersten Montag im Dezember ein ("Der 5. Dezember 2005 ist mit seinen Umsatzzahlen in die Geschichte des Buchhandels eingegangen", verkündet buchreport euphorisch). Das Besondere des besagten Montags: Er war der erste, der mehr Umsatz als der folgende Samstag brachte und der erste Montag, der mit einem 20,45 Prozent-Anteil am Wochenumsatz die 20-Prozent-Marke übersprungen hat. Buchreport vermutet, dass am Wochenende "ausgesucht" und nach dem Wochenende "gezielt gekauft" wurde und freut sich mit den Buchhändlern über diese "willkommene Entzerrung des Weihnachtsgeschäfts".
Die drei meistverkauften Bücher im bisherigen Weihnachtsgeschäft sind nach buchreport-Recherchen "Harry Potter VI" sowie die Taschenbuch-Ausgaben von Frank Schätzings "Schwarm" und Charlotte Links "Am Ende des Schweigens". Hier das wöchentliche Verkaufsbarometer, die Spiegel- und Gong-Bestsellerlisten.

Hingegen: Die Sondereditionen der Pressehäuser haben in diesem Weihnachtsgeschäft an Strahlkraft verloren, nimmt buchreport an.

Während die Sortimenter noch den Umsatz-Schock der ersten Adventswoche verdauen müssen, lassen die Online-Buchhändler schon die Sektkorken knallen. Vergleichsweise vorsichtig rechnet der Bundesverband der Versandbuchhändler für dieses Weihnachtsgschäft mit einem Plus von zehn Prozent unterm Strich. Großzügiger in ihren Schätzungen sind Weltbild.de ("plus 25 Prozent") und Libri.de ("20 bis 30 Prozent"). Amazon prahlt damit, seit November 90 Millionen Artikel über seine Portale verkauft zu haben.

Friedlich existieren die Hörbuch-Downloadportale bislang nebeneinander. Und: "Es ist sogar noch Platz für weitere Portale", behauptet Thierry Rohmer, Verkaufsleiter bei Diadopo.de, im buchreport-Interview. Wie groß die XL-Portale schon sind, verdeutlicht die Bilanz von Download-Pionier Audible.de: Nach zwölf Monaten verweist das Unternehmen auf über 100.000 Downloads und einen Umsatz im siebenstelligen Euro-Bereich. Gut möglich ist, dass es mit Amazon am Markt - derzeit in Vorbereitung - mit der Harmonie vorbei ist. Buchreport: "Kleine Portale könnten durch Amazon unter Druck geraten."

Personalien: Mark Wössner ist aus dem Aufsichtsrat der Berliner Dussmann-Gruppe ausgeschieden, hier wurde ein neues Betätigungsfeld für Ex-Wirtschaftsminister Wolfgang Clement geschaffen.

Meldungen: Sergio Pitol erhält den mit 90.000 Euro dotierten Cervantes-Preis. Der Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in der spanischsprachigen Welt. Der Whitbread Konzern will keine Literatur mehr fördern: In 2006 verleiht das Unternehmen den insgesamt 50.000 Pfund schweren Whitbread Book of the Year Award, neben dem Man Booker Prize der renommierteste britische Literaturpreis, zum letzten Mal. Das bundesweit erste "virtuelle Literaturhaus" geht in Bremen an den Start. Der Umsatz mit Zeitungen und Zeitschriften ist, nach Angaben des Bundesverbands Presse-Grosso, in den ersten drei Quartalen 2005 um 3,25 Prozent (verglichen mit dem Vorjahr) zurückgegangen, der Verband hofft auf einen Stimmungswechsel durch die Fußball-WM.

Die Buchmacher vom 13.12.2005 - buchreport.express

"Das Weihnachtsgeschäft spielt verrückt", wundert sich buchreport und versucht den Umsatzeinbruch in der ersten der vier Weihnachtswochen (ein Minus von rund 7,2 Prozent im Vergleich zur Vorjahreswoche) zu erklären. Eine durch die "Bücherschwemme" der Billig-Bibliotheken ausgelöste Überversorgung, ein fehlender Weihnachts-Favorit (Harry Potter VI und die "Dan Browns" seien schon zu lang im Handel) und die Verlagerung der Vertriebswege könnten für die Flaute bei den Sortimentern verantwortlich sein. Die Buchhändler zwischen Bangen und Hoffen? Würde sich der Trend im Laufe der verbleibenden Verkaufstage bis Heiligabend nicht wenden, bedeutete dies: Das übers Jahr bis Ende November aufgeblasene Umsatzpolster fällt zum Jahresende in sich zusammen.

An der aktuellen Auswertung der Umsätze nach Warengruppen - die Daten beziehen sich auf November - lassen sich zwar mehr erfreuliche als unerfreuliche Zahlen ablesen, dennoch: Es gibt sie, die Verlierer. Die Warengruppen Sachbuch, Taschenbuch, Schulbuch und Ratgeber schließen den November 2005, verglichen mit dem Vorjahresmonat, negativ ab. Während das Taschenbuch sich aber zum Beispiel für die ersten elf Monate ein kumuliertes Plus von 2,9 Prozent in die Statistik schreiben darf, bleibt das Sachbuch bei minus 3,3 Prozent hinter dem Vorjahresergebnis zurück. Gewinner sowohl des Monats- als auch des Jahresvergleichs sind Belletristik und Hörbuch: Übers Jahr verteilt konnte die Schöne Literatur um 13,8 Prozent zulegen, die gesprochene um 13 Prozent.

Im Jubel der Branche über den Erhalt des reduzierten Mehrwertsteuersatzes für Bücher sind elektronische Verlagsprodukte wie E-Books und Hörbücher scheinbar vergessen worden. Der schon heute erhobene normale Mehrwertsteuersatz für digitale Verlagserzeugnisse wird um den im Koalitionsvertrag festgehaltenen Aufschlag nicht herumkommen. "Das könnte sich negativ auswirken, weil der Markt im Aufbau steckt und Verleger wie Händler bei der Preisfindung noch kein Patentrezept entwickelt haben", erläutert buchreport. Uneins sind sich die Multimedia- und Hörbuch-Verlage, ob sie die Mehrwertsteuererhöhung - zumindest teilweise - an den Endkunden weiterreichen werden.

Neue Regeln sollen die Qualität der in Verruf gekommenen Wikipedia (siehe Perlentaucher-Archiv) verbessern - allerdings nur im englischsprachigen Raum. Dort muss sich ab sofort jeder Schreiber, der einen neuen Artikel in der Enzyklopädie anlegen will, registrieren lassen. Für Wikipedia-Sprecher Mathias Schindler ist das Vorgehen "ein Experiment". Für das deutschsprachige Portal solle die Registrierungspflicht vorerst nicht eingeführt werden, denn jede Art der Verschärfung stelle eine Hürde für die Nutzer dar. Schindler betonte im buchreport-Gespräch, dass ja auch nur ein kleiner Teil der Artikel gegen Qualitätskriterien verstoße.

Buch & Kunst kündigt seine erste süddeutsche Filiale an und Online-Händler Lesen.de zieht seine erste Bilanz. Mehr.

Meldungen: Milo Dor und Hanns Dieter Hüsch sind vergangene Woche gestorben. Regisseur und Autor Heinrich Breloer ("Die Manns") arbeitet an einer Verfilmung der "Buddenbrooks". Suhrkamp-Autor Ralf Rothmann ist in Köln mit dem mit 20.000 Euro dotierten Heinrich-Böll-Preis ausgezeichnet worden. Und: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 06.12.2005 - buchreport.express

Nach einer schwachen Vor-Adventswoche haben der erste Adventssamstag sowie der in 200 Städten verkaufsoffene Sonntag die Buchhändler wieder versöhnlich gestimmt. Trotz Wetterkapriolen und Verkehrsbehinderungen - vor allem im bevölkerungsreichen Nordrhein-Westfalen - fanden die Leser am ersten Adventswochenende den Weg in die Buchhandlungen und zu ihren Büchern. Das Umatzminus von neun Prozent zum Wochenbeginn konnte zum Wochenende fast ausgeglichen werden (es blieb ein kleines Minus von 1,6 Prozent), erläutert buchreport nach der elektronischen Befragung von 350 - repräsentativ nach Umsätzen und Regionen ausgewählten - Buchhandlungen. Ein Blick in die USA und nach Großbritannien bietet ein ähnliches Bild: Auch dort ist das Weihnachtsgeschäft der Buchhändler, nach bisher enttäuschendem Jahresverlauf, solide bis gut angelaufen.

Der erste Schuss fällt im Norden, prognostiziert buchreport, denn die letzte Woche gestartete Krimi-Bibliothek des Magazins stern ist der Konkurrenz von der Süddeutschen Zeitung um sechs Wochen voraus. Wieso die beiden Reihen vermutlich trotz inhaltlicher Nähe koexistieren können und wieso beide Herausgeber nicht all ihre Wunschtitel veröffentlichen, hier.

Weltbild
und Bild-Zeitung haben das Sortiment mit ihrem Gemeinschaftsprojekt "Goldbibel" verärgert. Dass die Augsburger Verlagsgruppe per Werbekampagne zur Bestellung der limitierten Bibel-Ausgabe aufforderte, während diese bereits vergriffen war (und zwar schon vor dem offiziellen Verkaufsstart 3. Dezember), konnten die Buchhändler vielerorts nicht nachvollziehen. Weltbild-Chef Carel Halff hält in buchreport an der Fairness des Verteilungsschlüssels für die unterschiedlichen Vertriebswege fest und erklärt diplomatisch: "Wir haben keinen benachteiligt, sondern leider nicht alle Wünsche gleichermaßen erfüllen können." Mehr als 50 Prozent der gedruckten Auflage ist laut Halff an den Buchhandel gegangen. Der große Rest wird vermutlich direkt vom Konzern, etwa über die Shops, abgesetzt. Genaue Zahlen hält Weltbild hinter dem Berg.

Das Literaturfestival lit.Cologne wächst. Mit zusätzlichen vier Tagen wollen die Organisatoren in 2006 (genaues Datum: 10. bis 18. März) für eine Entzerrung des rheinischen Lesefests sorgen, nachdem in diesem Jahr bereits 95 Prozent der Tickets im Vorverkauf weggegangen waren und der Veranstalter sich eine durchschnittliche Auslastung der Lesungen von 92,5 Prozent auf die Fahnen schreiben kann. Auch nächstes Jahr überschneidet sich die Kölner Veranstaltung mit der Leipziger Buchmesse und deren Festival "Leipzig liest". Lit.Cologne-Geschäftsführer Werner Köhler sieht darin keinen Nachteil und glaubt: "Die Marketingleute in den Verlagen dürften begeistert sein. Sie haben die einmalige Gelegenheit, ihre Autoren innerhalb von einer Woche auf zwei deutschen Großveranstaltungen zu präsentieren."

Mit der Angst um ihren Berufsstand zu tun bekommen es die Bibliothekare angesichts der Weiterentwicklung der digitalen Volltextsuchen. "Zwar kann Google nicht alle Bücher der Welt scannen. Die Leute werden aber davon ausgehen, dass alles digital zu finden ist. Was nicht aufgenommen wird, gerät komplett in Vergessenheit", hat buchreport bei der "Semantics Conference" letzte Woche in Wien herausgehört. Was die Bibliothekare außerdem beunruhigt, sind die vor der Konferenz bekannt gewordenen Pläne von Google, ein Vertriebsmodell für digitale Bücher zu testen: Die Kalifornier wollen die digitalen Pendants von Novitäten gegen eine Gebühr kopiergeschützt für sieben Tage verleihen.

Google Print beziehungsweise Google Book Search präsentiert sich derweil noch als Baustelle. Unter Berufung auf einen Test der Zeitschrift Berlinerliteraturkritik.de schreibt buchreport: "Um die Schlagwortsuche überhaupt erst möglich zu machen, werden die Buchseiten nicht nur abfotografiert, sondern auch durch eine Texterkennungsroutine gejagt. Die funktioniert zwar ganz gut, produziert aber manchmal auch Stilblüten." Enttäuscht wurden die Berliner zum Beispiel bei der Suche nach "des Pudels Kern". Zwar lieferte die Google-Volltextsuche 114 Ergebnisseiten, Goethes "Faust" - er sollte als gemeinfreier Text vorrangig erfasst werden - war jedoch nicht dabei.

Meldungen: Am 3. Februar 2006 will das ZDF aus Anlass des 150. Todestags von Heinrich Heine eine Extra-Ausgabe des "Literarischen Quartetts" ausstrahlen. Marcel Reich-Ranicki, Iris Radisch und Hellmuth Karasek haben ihre Teilnahme zugesagt. Buchketten machen sich breit: Nach einer Kemper's Studie ist der filialisierte Buchhandel mit einem Flächenanteil von neun Prozent die drittstärkste Mietergruppe in 1A-Lagen. Und: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 28.11.2005 - buchreport.express

Die Sortimenter gehen vorsichtig optimistisch ins Weihnachtsgeschäft. Dass die Branche das Jahr 2004 mit einem Mini-Umsatzplus von knapp einem Prozent abgeschlossen hat und sie dieses Jahr mit einem Umsatz von +2,3 Prozent (Ende Oktober) in die Zielgerade einbiegt, lässt die Buchhändler mit ihren Prognosen nicht übermütig werden. Das Gros der von buchreport befragten Händler rechnet mit Zuwächsen von einem bis zwei Prozent im Weihnachtsgeschäft. "Nicht wenige Sortimenter beginnen aber auch, sich mit einer Nullrunde im Advent anzufreunden", schreibt das Magazin. Da der Dezember-Umsatz rund 18 Prozent vom Jahresumsatz ausmacht, kann die Jahresbilanz erst im Januar gezogen werden.

Mit positiven Erwartungen starteten die Onlinebuchhändler in die umsatzstärkste Zeit des Jahres. Anlass zur Freude gab die Einschätzung des Bundesverbands des Deutschen Versandhandels: 6,1 Milliarden Euro werden die Versandhandels-Unternehmen demnach mit Internetverkäufen machen - etwa ein Viertel mehr als im Vorjahr. Aktuelle Zahlen scheinen den Prognosen Recht zu geben. Am 20. November vermeldete Weltbild.de mit über einer Million Euro einen Tagesumatz-Rekord.

Die deutschen Verlage laufen sich für die Fußball-WM warm. Vor allem Bertelsmann setzt mit seinen Tochterunternehmen und dem Buchclub auf die Vermarktung des Großereignisses und bietet neben einem Turnierführer und der Bilanz zum Ende der WM Lexika, Sach- und Kinderbücher, Puzzles, CDs und Kalender an. Buchreport zweifelt noch am Erfolg. "Skepsis kommt auf, weil die Fußballweltmeisterschaft in erster Linie ein TV-Ereignis ist. Ob die Fans des runden Leders wirklich massenhaft zu den Begleitbüchern greifen werden, ist ebenso unsicher wie der Titelgewinn der deutschen Mannschaft", kommentiert das Magazin.

Schwierig gestaltet sich voraussichtlich die Nachfolger-Suche für Börsenvereins-Vorsteher Dieter Schormann. Verleger Wolf D. von Lucius sieht für die Besetzung dieses Ehrenamts ganz schwarz: "Wir können froh sein, wenn wir bis 2007 jemanden haben." Mehr als einen Anwärter werde es kaum geben, vermutet von Lucius, der sich selbst zweimal zur Wahl gestellt hat, diesmal aber "definitiv nicht" antreten will. Rufe nach einem Kandidaten mittleren Alters aus den Verlegerreihen werden laut. Nach dem Abtritt Schormanns im Januar wird sein Stellvertreter, der Noch-Verleger Gottfried Honnefelder, das Amt kommissarisch weiterführen.

Meldungen: Verfilmungen von Jugendbüchern - gern zur Winterzeit ins Kino gebracht - kommen auch der Buchbranche zugute. Der Roman "Harry Potter und der Feuerkelch" kletterte nach dem Start des Kinofilms auf der Spiegel-Bestenliste fünf Plätze nach oben. Mehr.

Die Buchmacher vom 21.11.2005 - buchreport.express

Dass die Medienhäuser mit ihren Bucheditionen keine kurzweilige Erscheinung, sondern dauerhafte Teilnehmer auf dem Buchmarkt sind, soviel steht für buchreport fest. Immerhin habe der Sortimentsbuchhandel 1 Prozent seines bisherigen Jahresumsatzes (das entspricht circa 50 Millionen Euro) mit niedrigpreisigen Büchern, DVDs und Hörbüchern erwirtschaftet, so das Magazin. Die Frage sei, ob der Buchhandel weiterhin mit diesen Extra-Umsätzen rechnen könne. Die Vielzahl der Anbieter und ähnliche Konzepte zwingen die Medienhäuser nämlich, ihre Zielgruppen differenziert anzusprechen und eigene Vertriebswege zu forcieren. So hat Die Zeit zum Beispiel von ihrer Lexikonreihe 65 Prozent am Buchhandel vorbei, im Direktverkauf, abgesetzt.

Taschenbücher werden im kommenden Monat billiger - durchschnittlich um satte 5,8 Prozent. Altruismus? fragt sich buchreport. Oder tun den Taschenbuchverlagen die Konsumenten, die bald die Mehrwertsteuererhöhung im Portemonnaie zu spüren bekommen, leid? Wahrscheinlicher ist, dass den Herstellern von Taschenbüchern der Konkurrenzdruck der Billigeditionen zu schaffen macht. Neben den heruntergefahrenen Ladenpreisen fällt die vergleichsweise niedrige Novitätenanzahl ins Auge: 412 Taschenbuch-Neuerscheinungen im Dezember bedeuten ein Minus von 10 Prozent gegenüber dem Weihnachtsmonat 2004. Die Verlage kalkulieren also vorsichtig, die Leser können sich über etwas mehr Licht im Novitäten-Dschungel freuen.

In Zeile 3355 des Koalitionsvertrags hat buchreport den Passus zum Erhalt des ermäßigten Mehrwertsteuersatzes für Bücher gefunden. Die Buchbranche atmet auf. Für den Börsenverein ist die erfolgreiche Verteidigung des 7-Prozent-Satzes aber kein Grund, sich entspannt zurückzulehnen. "Angesichts der finanzpolitischen Fantasie der Politiker müssen wir am Ball bleiben und täglich auf die Notwendigkeit des ermäßigten Steuersatzes für Bücher hinweisen", erklärte der Hauptgeschäftsführer des Verbands, Alexander Skipis. Er forderte Verleger und Buchhändler auf, die Besonderheiten der Branche offensiver zu artikulieren.

Der Münchener Filialist Hugendubel expandiert Richtung Norden und übernimmt die insolvente Hannoveraner Traditionsbuchhandlung Schmorl & v. Seefeld. Warum die zwischenzeitlich als Retter gehandelte Thalia-Kette dann doch nicht den Zuschlag bekam und warum Schmorl trotz Hugendubel Schmorl bleibt, hier.

Das zweite Mal in Folge unterlag ein Verlag im Rechtsstreit mit seinen Übersetzern: Vom eigentlich als verlegerfreundlich geltenden Münchener Landgericht bekamen zwei Random House-Übersetzer mit einem aktuellen Urteil insoweit den Rücken gestärkt, dass sie neben einem 25-prozentigen Anteil an den Nebenrechtserlösen (beispielsweise Club-, Taschenbuchausgaben, Theateraufführungen) eine rückwirkende Absatzvergütung ab dem ersten verkauften Exemplar - nicht verrechenbar mit dem bereits gezahlten Normseitenhonorar - einfordern können. "Eine Reihe von Übersetzern wird jetzt aufwachen", prophezeite der Münchener Anwalt Peter Beisler. Fordern die Übersetzer für alle Verträge rückwirkend eine Absatzbeteiligung ein, dann hat das für die Verlage fatale Folgen, überlegt Börsenvereins-Justiziar Christian Sprang.

Ein Schreckensszenario malt sich buchreport zur Zukunft des Börsenvereins aus. Der - größtenteils durch die Konzentration bedingte - Mitgliederschwund führe in 2006 zu Beitragsausfällen von 300.000 Euro (im Vergleich zu 2005), rechnet das Magazin vor. Würden keine Strategien zum Stopfen der finanziellen Löcher entwickelt, drohe dem Verband bis 2010 eine 1,3-Millionen-Euro-Lücke, womit er quasi handlungsunfähig wäre.

Personalien: Susanne Ziemer, Leiterin der Geschäftsstelle Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (ajv), wird zum 1. Januar Referentin des Börsenvereins-Hauptgeschäftsführers Alexander Skipis.

Meldungen: Der Börsenverein hat sich für freie Preise bei E-Books und Hörbüchern (sowohl für Lesungen als auch für Hörspiele) ausgesprochen. Alle sechs "Harry Potter"-Bände konnten sich diese Woche in der Spiegel-Bestsellerliste Belletristik platzieren. Mehr.

Die Buchmacher vom 14.11.2005 - buchreport.express

Solange der Koalitionsvertrag noch nicht besiegelt ist, sorgt sich buchreport um eine Mehrwertsteuer-Erhöhung auch für Bücher. Würde der bisher ermäßigte Steuersatz von sieben Prozent gestrichen, käme dies einer Katastrophe gleich, urteilten Verleger und Buchhändler übereinstimmend in einer Umfrage des Magazins. Die Preissteigerung kann vermutlich nicht von den Branchenteilnehmern aufgefangen werden. Praktisch heißt das: Die Verlage müssten - wegen der Buchpreisbindung - für jeden einzelnen Titel den Preis neu festlegen. Vor dem Stichtag der Preisumstellung würden die Buchhändler ihre Lager soweit wie möglich schrumpfen lassen, um den Aufwand für die Umzeichnung gering zu halten. Und zu allen damit verbundenen Kosten kommt hinzu, dass die Kunden auf teurere Bücher wahrscheinlich mit Kaufzurückhaltung reagieren.

Schon jetzt rangiert Deutschland mit seinen "sieben Prozent auf Bücher" im europäischen Mehrwertsteuer-Vergleich ziemlich weit hinten. Während in Großbritannien oder Irland zum Beispiel gar keine Steuer auf Bücher erhoben wird und die meisten Länder um die fünf Prozent aufschlagen, liegt Deutschland an sechstletzter Position (einsames Schlusslicht ist Dänemark mit einem einheitlichen Mehrwertsteuersatz von 25 Prozent). Setzt man den Bücher-Mehrwertsteuersatz in Relation zum Standard-Mehrwertsteuersatz, fällt Deutschland mit einem 56-prozentigen Anteil sogar auf den viertletzten Platz zurück.

Die Warengruppe Belletristik verdankt Harry Potter ein Oktober-Umsatzplus von knapp 59 Prozent (verglichen mit dem Vorjahresmonat). In welche Richtung der buchreport-Umsatztrend weist, sollte klar sein. Mehr.

Aus einer aktuellen Studie der Gesellschaft für Konsumforschung gehen die "Top 10" der Filialisten als Gewinner der kommenden fünf Jahre hervor. Stimmt die Prognose, dann bauen die Ketten bis 2010 ihren Marktanteil von 19 auf 30 Prozent aus. Zuwächse (von neun auf 16 Prozent) erwartet die GfK auch für die Onlinebuchhändler. Gleichzeitig soll der Anteil der kleinen und mittelständischen Unternehmen um zehn Punkte auf 25 Prozent sinken. Buchreport relativiert die Zahlen insofern, dass das institutionelle Geschäft (Bibliotheken, Schulen) sowie Non-Books bei den Berechnungen außer Acht gelassen wurden. "Bei einer Analyse des gesamten Marktes würde das Sortiment weitaus besser abschneiden", schreibt das Magazin.

Meldungen: Den Prix Goncourt, Frankreichs ältesten und prestigeträchtigsten Literaturpreis, erhält in diesem Jahr Francois Weyergans für seinen Roman "Trois jours chez ma mere". Die kanadische Mutterfirma von Abebooks Europe, Abebooks Inc., hat im Zuge des boomenden US-Gebrauchtbuchhandels (Wachstum um 38 Prozent gegenüber dem Vorjahr) die Büchersuchmaschine Bookfinder.com gekauft. Und: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 07.11.2005 - buchreport.express

Es ist erst wenige Monate her, dass der finanziell angeschlagene Karstadt-Konzern die Verlage zur Rettung seiner Buchsparte zur Kasse gebeten hat. Erwartungsgemäß ohne Erfolg (siehe Archiv). Spannender könnte die Reaktion der Verlage auf den gerade ausgesprochenen Wunsch des Branchenprimus Thalia ausfallen: Das Hamburger Unternehmen will Beihilfe zur Expansion und hat in Briefen an die wichtigsten Publikumsverlage um Prämien - in einer Größenordnung bis zu 5.000 Euro - für jede neu eröffnete Filiale gebeten. Außerdem hätte Thalia gern den ersten Zugriff auf Reste und Autoren-Veranstaltungen sowie eine höhere Beteiligung an den Werbekosten. "Spielen die Verlage mit, könnten sich die Zuschüsse rasch zum siebenstelligen Thalia-Unterstützungsfonds summieren", rechnet der Buchreport vor. Aber: Spontan haben sich die Vertriebsleiter der angeschriebenen Verlage eine Ablehnung des Thalia-Vorstoßes zugesichert.

Was die deutschen Verleger aktuell in Aufregung versetzt, ist seit Jahren Usus in den USA und Großbritannien. "Dort lassen sich die führenden Buchhändler nicht nur ihre Werbung zu großen Teilen von Random House & Co. bezahlen", weiß der Buchreport. Freundliche Zuschüsse, nicht unbedingt in bar, sondern in Form von Sonderkonditionen, verlängerten Zahlungszielen und Preisnachlässen selbst auf Kleinstbestellungen würden in diesen Ländern von den Lieferanten vorausgesetzt. Wie viel Geld auf diese Weise von Verlagsseite in die Buchhandelskassen fließt, bleibt unter dem Deckmantel der Verschwiegenheit.

Die drei von Random House Deutschland einverleibten FAZ-Verlage DVA, Manesse und Kösel sollen programmverantwortlich autark und mit eigener Ergebnisverantwortung agieren. Das erklärte Random House-Geschäftsführungsmitglied Klaus Eck im Buchreport-Interview. Die neuen Verlage müssten sich auch gegenüber den Hausmarken im Wettbewerb verantworten, sagte Eck. Der Wink geht in Richtung DVA, die sich aufgrund der thematischen Nähe vom Sachbuchprogramm der älteren Verlagsschwester Siedler abgrenzen muss. Aber, gab sich Eck überzeugt, Konkurrenz belebt das Geschäft.

Die Verwirrung um die digitalen Volltextsuchen (siehe auch Börsenblatt) ist komplett. Jede Woche, so scheint es, springen neue Anbieter auf den fahrenden Zug auf. Diesmal kündigen die Verlagsauslieferung Prolit und die Brockhaus Commission ein eigenes Angebot an, bei der Open Content Alliance (u.a. Yahoo) steigt Microsoft ein und Random House in München informiert vage, dass möglicherweise die New Yorker Zentrale an einer Lösung für alle Bertelsmann-Buchverlage arbeite. Und während die einen noch überlegen und planen, profitieren die anderen schon von ihrer Weitsicht und dem Mut, vor der Konkurrenz mit einer Online-Volltextsuche am Markt gewesen zu sein. Von Amazon-Geschäftsführer Ralf Kleber hat der Buchreport erfahren, dass der Absatz von Titeln mit Amazons "Search inside!"-Funktion um durchschnittlich acht Prozent gesteigert werden konnte.

Personalien: Der Buchreport spekuliert über den Wechsel von DVA-Geschäftsführer Jürgen Horbach zur Kölner Verlags- und Mediengesellschaft AG (VEMAG).

Meldungen: Wer mit der Endsilbe "-ix" einen Markennamen kreiert, schädigt nicht unweigerlich die "Asterix"-Familie, urteilte der Europäische Gerichtshof - geklagt und verloren hatten "Asterix"-Vater Albert Uderzo und sein französischer Hausverlag Albert Rene gegen die dänische Handymarke "Mobilix" (nicht zu verwechseln mit "Obelix"). Billigbuch.de, das ehemalige Zanolli-Internetportal, geht unter neuer Geschäftsführung und mit den im September gekündigten Mitarbeitern wieder online. Die Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen (avj) wird künftig einen festen Geschäftssitz beim Börsenverein in Frankfurt bekommen und einen Geschäftsführer einstellen. Der Piper Verlag startet im kommenden Frühjahr eine Reihe mit Schwerpunkt auf nordischen Literaturen. Zum Schluss: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 31.10.2005 - buchreport.express

Die Buchfilialisten expandieren - nach kurzer Verschnaufpause in den beiden vergangenen Jahren - weiter. Das ist eines der hervorstechendsten Ergebnisse, die der vom Buchreport ausgearbeitete "Filialatlas" enthält. Insgesamt wurden in 2005 25 Filialen eröffnet. Mit 102 Filialen hat sich Thalia die Spitzenposition gesichert und plant schon jetzt für 2006 sechs weitere Neueröffnungen in Deutschland. Allein in den letzten zehn Jahren drängten im Zuge der Filialisierung 200 Vollbuchhandlungen auf den Markt, damit entwickelt sich der Sortimentsbuchhandel zum zweiten Mal nach 1945. An ihre Grenzen stößt die Expansion der Buchketten im übrigen in Großstädten, bildlich gesehen ist Düsseldorf der letzte weiße Fleck auf der Landkarte.

Bei Weltbild sind nicht alle guten Dinge drei: Neben den Billigketten Weltbild plus, Jokers und Wohlthat'sche will das Augsburger Unternehmen eine Kette mit Vollsortiment etablieren. Bis 2006 sollen unter der Marke Weltbild! sieben solcher Flächen am Markt mitmischen. In Gießen hat sich Konzern-Chef Carel Halff mit drei verschiedenen Filialtypen nebeneinander ein Versuchsfeld angeordnet. Schon vor einem Jahr hatte Halff der FAZ angedeutet, das Angebot im stationären Handel erweitern zu müssen, um dem Internet Paroli zu bieten. Dem Buchreport erzählte er von dem Vorhaben, die Weltbild plus-Filialen soweit wie möglich durch die größere Variante Weltbild! zu ersetzen. Das Expansionstempo der Weltbild plus-Filialen möchte er dessen ungeachtet nicht drosseln.

Messe-Rückschau: "Auffällig unauffällig" fand der Buchreport diesmal die Frankfurter Buchmesse. "Der Saisonhöhepunkt hat weniger Schlagzeilen gemacht, dafür paradoxerweise jedoch mehr Besucher angelockt und fast einhellig Lob geerntet", schreibt das Magazin. Um - unter anderem nach dem Rücktritt des Börsenvereinsvorstehers (siehe Archiv) - erst mal Ruhe zu schaffen, sei es von Vorteil gewesen, dass die diesjährige Messe kein zentrales Thema gehabt hätte, erklärte der neue Buchmessedirektor, Juergen Boos, und kündigte an: Im kommenden Jahr wird die Messe durch einen zweiten inhaltlichen Schwerpunkt neben dem Gastlandauftritt stärker polarisieren.

Der Wettbewerb um die Volltextsuchen wird immer enger. Amazons "Search inside the Book" und Googles deutscher Ableger "Google Print" sind bereits online, Holtzbrinck hat in Frankfurt "BookStore" angekündigt. Auf dieser Plattform will der Konzern zunächst eigene Titel (eine fünfstellige Zahl) elektronisch verfügbar machen, die Dienstleistung dann aber auch Dritten anbieten. Eine Kooperation mit der Initiative des Börsenvereins schließt Holtzbrinck nicht aus. Zum Kostenvoranschlag des Börsenvereins-Projekts hat der Buchreport auf der Messe einige kritische Stimmen eingefangen: Verlage seien nicht bereit, 10.000 Euro für Server und Datenkonvertierung zu investieren, wenn es das Angebot bei Amazon gratis gebe.

Vertreter von Amazon wurden übrigens auf der Messe vermisst. Der Online-Buchhändler, der sich mit seinen Bilanzen bedeckt hält, ließ Konkurrenz und Journalisten orakeln, ob er nach dem geschätzten 900 Millionen Euro Umsatz im vergangenen Jahr diesmal die 1-Milliarde-Euro-Umsatzhürde überspringt. Buch.de (schätzungsweise 40 Millionen Umsatz in diesem Jahr) hat zur Aufholjagd auf Amazon ausgeholt und für die kommenden Monate Investitionen angekündigt: in die Einrichtung eines Marketplaces (der bei Amazon schätzungsweise zu über 20 Prozent des Gesamtumsatzes beiträgt) und die Erforschung des Kundenverhaltens zur Verbesserung der Buchempfehlungen.

Sorgenkind der Messe war das Festival "Leseland Hessen". "Glanzlos", urteilt der Buchreport und "ein finanzielles Problem", gibt Messe-Chef Juergen Boos zu. Sollten sich keine neuen Geldgeber finden, wird das Lesefest gestrichen. Bislang finanzieren es die Buchmesse und das hessische Kulturministerium.

Die Preisträger des 50. Deutschen Jugendliteraturpreises wurden bekanntgegeben. In der Kategorie Jugendbuch gewann Dorota Maslowskas "Schneeweiß und Russenrot" (KiWi), den Preis der Jugendjury ging an Graham Gardners "Im Schatten der Wächter" (Verlag Freies Geistesleben), der Sonderpreis Gesamtwerk des Übersetzers an Harry Rowohlt.

Zum Schluss ein paar Zahlen von der Rekord-Messe: Die Besucherzahl stieg auf 284.383 (+6,3 Prozent), 7.223 Branchenteilnehmer (Vorjahr: 6691) stellten 380.655 Titel (Vorjahr: 350.000) aus, 25.000 Besucher interessierten sich für den koreanischen Gastlandauftritt. Der mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Roman von Arno Geiger soll das meistgeklaute Buch der Messe gewesen sein.

Meldungen: Die S. Fischer-Autorin Elisabeth Zöllner erhält für ihr Buch "Anton oder die Zeit des unwerten Lebens" den Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendbücher. Bei rund 19 Millionen Euro liegen die Forderungen nach der dritten Gläubigerversammlung im Zanolli-Insolvenzverfahren, davon sind erst 4,67 Millionen Euro als berechtigt festgestellt worden. Und: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 24.10.2005 - buchreport.express

Zu Beginn der Frankfurter Buchmesse sah der Buchreport die Branche zwischen "Bangen und Hoffen". Zum einen vertiefe die Konzentration den Graben zwischen mittelständischen und kleinen Unternehmen gegenüber den Konzernen (dass das Kartellamt grünes Licht für den Verkauf der FAZ-Verlage DVA, Kösel und Manesse an die Bertelsmann-Buchtochter Random House gegeben hat, war nochmal ein deutliches Zeichen). Zum anderen erforderten die mit Niedrigpreisen auf den Markt drängenden Buchserien der Medienkonzerne, die zunehmende Bedeutung der elektronischen Medien und die sich verändernden Vertriebswege (Filialisten, Onlinebuchhandel, Direktgeschäft) neue Strategien.

Deutsche Kleinverleger könnten sich von ihren britischen Kollegen eine Scheibe abschneiden. Auf der Insel wird die Liste kleiner Verlage mit großen Ambitionen immer länger - genauso die Liste mit deren Erfolgen, die sich zum Beispiel an Literaturpreisen festmachen lassen. "Dass die kleinen Verlage zielgenau punkten, ist kein Zufall", glaubt der Buchreport. Mit ihren schlanken Strukturen, engagierten Teams und eklektischen Programmen hätten sich die kleinen Marktteilnehmer in Nischen etabliert und könnten schneller als die unbeweglichen Konglomerate auf Trends und Themen reagieren. Oft stünden auch erfahrene Verlagsprofis hinter den "Davids". Was sie im Konzernverbund nicht gedurft hätten, lebten sie nun auf eigene Kosten aus.

Von langer Hand plant Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkewicz die Schließung einer Marktlücke. Um auf "wachsendes Interesse an Fragen der Religion und Naturwissenschaften" zu reagieren, will die Frankfurterin die Verlagslandschaft zum übernächsten Herbst, also zur Frankfurter Buchmesse 2007, um den Verlag der Weltreligionen bereichern. Daneben startet sie die interdisziplinäre Reihe "edition unseld", die laut Konzept neueste Erkenntnisse der Naturwissenschaften zu den Geistes- und Kulturwissenschaften in Beziehung setzen soll (mit der Option, auf gesellschaftliche Fragen einzugehen). Ein Teil der Marketingstrategie steht auch schon fest: Der Buchreport weiß von einer Kooperations-Verabredung mit Spiegel Online.

Die Zeitungskonzerne verschärfen mit ihren Sondereditionen den Wettbewerb untereinander und üben unvermindert Preisdruck auf die Buchbranche aus. Auf die im Weihnachtsgeschäft beginnende "Krimi-Bibliothek" des Sterns antwortet die Süddeutsche Zeitung schon im Januar mit der "Süddeutsche Kriminal-Bibliothek". Während der Stern 24 Bände zu je 6,95 Euro ins Rennen schickt (21 Lizenzen lieferte Bertelsmann und damit der eigene Konzern), nimmt die SZ sich die bewährten 50 Titel vor, 4,90 Euro pro Buch sind wahrscheinlich. Die Filmreihe "Cinemathek" der "Süddeutschen" scheint die Erwartungen der Marketingstrategen in München bestens zu erfüllen: Im Februar will man nahtlos 50 weitere Filme - unter anderem von Woody Allen, John Ford, Francis Ford Copolla und Wong Kar Wai - an die erste Reihe anschließen.

Meldungen: Den mit 7.500 Euro dotierten "aspekte-Literaturpreis 2005" hat der Münchener Autor Jens Petersen für seinen Debütroman "Die Haushälterin" (DVA) erhalten. Warner Brothers plant die Verfilmung der Lebensgeschichte Ian Flemings, geistiger Vater der "James Bond"-Figur. Die Publikumsveranstaltung "Buch!Berlin" (25. bis 27. November) wurde wegen Teilnehmermangel abgesagt. Und: keine Überraschungen auf den Bestsellerlisten.