Die Buchmacher - Archiv

Börsenblatt

328 Presseschau-Absätze - Seite 22 von 33

Die Buchmacher vom 17.09.2003 - Börsenblatt

Die Zuschauer kommen Elke Heidenreichs Aufforderung "Lesen!" nach und kaufen kräftig - ja, viel mehr als erwartet - die in der ZDF-Sendung empfohlenen Bücher. "Die Buchbranche jubelt über diesen TV-Lichtblick", schreibt das Börsenblatt. Der Erfolg der ersten Sendungen habe sogar zur Folge gehabt, dass Buchhändler die "Lesen!"-Redaktion mit der frühzeitigen Anforderung von Bücherlisten unter Druck gesetzt hätten. Der Fernsehrat schaltete sich ein: Empfehlungslisten dürfen nunmehr frühestens sechs Tage vor der Sendung veröffentlicht werden. "Lesen!" heißt es wieder am 7. Oktober und am 9. November.

Dem vor 75 Jahren in München gegründeten Carl Hanser Verlag gratuliert das Börsenblatt zum Firmenjubiläum. Beständigkeit zieht sich wie ein roter Faden durch die Verlagsgeschichte: Seit jeher stehe das Unternehmen für die beiden Bereiche "Technisches Fachwissen" und "Schöne Literatur", seit jeher sei der Verlag in Familienbesitz, seit jeher weise er freundliche Übernahmeangebote freundlich zurück. "Legendär ist die Geschichte, als Carl Hanser zur Finanzierung eines Expansionsschritts zur Bank ging und ein Direktor in üblicher Manier und lange vor Basel II Hanser zurief: ,Na, dann lassen Sie mal die Hosen runter'. (...) Dem kultivierten Hanser verschlug es die Sprache (...) und er verließ umgehend den Ort des schmutzigen Geldes." Seitdem seien Banken bei Hanser kein Thema mehr.

Nachdem sich alle immer so sehr über die Frankfurter Hotelpreise zur Buchmesse aufregen, hat Peter J. Leitgeb mal öffentlich klargestellt, dass diese im europäischen Vergleich eher günstig sind. Mit durchschnittlich 129 Euro pro Nacht seien sie nach München (120 Euro) am preiswertesten zu haben, wird der Sprecher der Vereinigung der Fünf-Sterne-Hotels und Direktor des Frankfurter Hofs im Börsenblatt zitiert. "Zudem sind mit Messechef Volker Neumann zahlreiche Verbesserungen für die Buchmesseteilnehmer ausgehandelt worden." Welche, und ob die auch wirklich ziehen, dazu mehr hier.

Neu im Netz ist das Kinderbuchprojekt "Ollos Welt"."Das intergalaktische Tagebuch des zwölfjährigen Ollo verwandelt sich durch Bastelelemente zum Selbermachen nach und nach zu einem Pop-Up", erklärt das Börsenblatt. Eine der Ideengeberinnen, Antje von Stemm von der Firma Die Brillanten Töchter, beschreibt das interaktive Angebot, das sich an Kinder ab 9 Jahren richtet, im Interview als "'Unsere kleine Farm' auf Future". Das dazu gehörige Buch ist im Gerstenberg Verlag erschienen.

Meldungen: Für ein Literaturhaus in der Gutenberg-Stadt Mainz macht sich eine private Initiative stark - erste Gespräche mit potenziellen Partnern und der Stadt sollen schon bald geführt werden. Der Verlag Niggli hat den Zuschlag als neuer Eigentümer des defizitären Schweizer Kulturmagazins "du" erhalten.

Die Buchmacher vom 10.09.2003 - Börsenblatt

Nach Japan blickt Andre Schiffrin im "Thema der Woche" des Börsenblatts und ist beeindruckt. Der japanische Buchmarkt besteche durch die Vielfalt der Marktteilnehmer und des Angebots. Von den Aktivitäten der internationalen Medienkonzerne sei er noch relativ unberührt geblieben. "Es gibt sehr große Verlagshäuser (...), aber alles in allem stammt nur jedes vierte verkaufte Buch aus einem der drei größten Verlage, die den überwiegenden Teil ihres Umsatzes mit Zeitschriften und den allgegenwärtigen Mangas machen." Eine Sonderstellung, beruhend auf einer Tradition die in die 1920er zurückreicht, räumten die Japaner den französischen Autoren ein.

Der Hörbuchmarkt ist nach wie vor im Aufwärtstrend, und das bringt eine Verschärfung im Wettbewerb um die Lizenzen mit. "In den vergangenen beiden Jahren haben sich die Hörbuchrechte um ein Drittel verteuert", berichtete Annette Prassel vom Eichborn Verlag dem Börsenblatt. Für Bestsellerlizenzen bezahle man beim Eichborn-Hörbuchlabel Lido fünfstellige Summen. Viel? In den USA sollen laut Branchenmagazin "The Audiobookseller" für die Hörbuchlizenz eines Bestsellers eine Million Dollar geflossen sein.

Nicht nur Hörbücher, auch Bücher zur "Arbeit" boomen - in einer Zeit, in der Jobs Mangelware sind. "Und nicht einmal diejenigen, die Arbeit haben, schätzen sich in der Mehrzahl wirklich glücklich. Es ist Zeit, über die Arbeit, ihr Wesen und ihre Verteilung neu nachzudenken", erklärt das Börsenblatt. Die Auswahl an Neuerscheinungen ist vielfältig. "Weniger arbeiten, mehr leben" (Campus) könnte sich zwischen "Arbeit als Lebensstil" (Suhrkamp) und "Nie wieder Arbeit" (Droschl) bei den Herbstnovitäten im Regal finden lassen.

Ludger Claßen, dem Chef des Essener Klartext-Verlags, hat das Börsenblatt einen Besuch abgestattet. Im 20. Jubiläumsjahr des Verlags, den er seit 18 Jahren leitet, freut sich Claßen über "dicke schwarze Zahlen". "Der Buchhandel verkauft mehr Klartext-Bücher als je zuvor" heißt es im neuen Prospekt des größten Regionalverlags im Ruhrgebiet, der sich auf Geschichte, Sport und Industriekultur spezialisiert hat und selbst in einem ehemaligen Krupp-Gebäude ansässig ist. Eine besondere Affinität zu Büchern hatte der Verleger übrigens schon im Vorschulalter: Mit fünf sei er stolzer Besitzer einer kleinen, durchnummerierten Bibliothek gewesen. "Ich habe mir die Bücher vorlesen lassen, dann auswendig gelernt und wusste so, was auf jeder Seite stand", erzählte er.

Die britische Klatschzeitung The Sun hat das Geheimnis um die Titel der "Harry Potter"-Bände sechs und sieben gelüftet.

Meldungen: Elke Heidenreichs Büchersendung "Lesen!" (ZDF) ist für den Deutschen Fernsehpreis nominiert worden - am 16. September wird die dritte Folge, mit Studiogast Margarethe von Trotta, ausgestrahlt. Nachdem Deutschland seinen Gastlandauftritt bei der Internationalen Buchmesse in Havanna 2004 wegen der Menschenrechtsverletzungen abgesagt hatte, wollen die Kubaner diesmal auch nicht nach Frankfurt kommen.

Die Buchmacher vom 01.09.2003 - Börsenblatt

Preiselastizität oder Preisstabilität? Das Börsenblatt widmet sich dem Dauerthema "Buchpreisbindung". "Stabile Preise sind und bleiben ein Beitrag zur Kundenbindung." Diese These vertritt Marktpsychologe Stephan Grünewald in seinem "Standpunkt". Wenn nicht nur das Überangebot, sondern auch noch unterschiedliche Preise zu einer Konfusion beim Käufer beitragen, dann führe das, laut Grünewald, nicht zum Mehrkonsum, sondern zu Konsumblockaden: "Da der Verbraucher nicht mehr weiß, welches Angebot wirklich günstig ist, stagniert er in einem lauernden Abwarten auf die (...) ultimative Preissenkung."

Im Porträt ist Elisabeth Ruge. Die Tochter des Fernsehjournalisten Gerd Ruge war früher Lektorin beim S. Fischer Verlag, hat dann, 1994, zusammen mit ihrem Ehemann, Arnulf Conradi, und Veit Heinichen den Berlin Verlag aufgebaut. Der gehört seit 1. März dem britischen Verlag Bloomsbury ("Harry Potter") und Ruge ist jetzt verantwortlich für das deutsche Kinder- und Jugendbuchprogramm. Bloomsbury-Titel in englischer Sprache zu lesen - wohl kein Problem für Ruge, die in den USA aufwuchs und Amerikanistik/Anglistik studierte. Ohne Erfahrung im Bereich Kinder- und Jugendbuch zu prognostizieren, was in Deutschland laufen könnte? "Mit Leseerfahrung und Menschenverstand kann man auch im Jugendbuch eine ganze Menge vernünftig einschätzen", erklärte Ruge, Mutter einer fünf- und einer siebenjährigen Tochter, dem Börsenblatt.

In ungewöhnlicher Manier auf Lesetour gehen wird Uta Titz, nämlich mit dem Wohnwagen. Der Erstlingsroman der Konzertveranstalterin und Straßenmusikerin, "Stella Runaway", erscheint in Kürze im Schweizer Libelle Verlag. Titz hat darin ihre "Erfahrungen am Rande der Gesellschaft" verarbeitet. Die Idee kam ihr, nachdem sie ohne festen Wohnsitz "monatelang in Fußgängerunterführungen und Abrisshäusern in ein Leben abgetaucht war, das in der Literatur und in den Medien nur selten behandelt wird." Persönliche Erfahrung sei für sie eine Grundvoraussetzung des Schreibens, erzählte die Jungautorin dem Börsenblatt. Dass ihre Bekannten aus der Straßenszene das Buch lesen würden, glaubt sie im übrigen nicht.

Auf Abruf seinen persönlichen Reiseführer vom PC aus erstellen - möglich macht's der DuMont Reiseverlag. Über die Verlagshomepage werden verschiedene Musterlayouts angeboten, in die der User Anmerkungen, Kommentare und eigene digitale Urlaubsbilder einfügen kann. "Zusätzlich stehen redaktionelle Thementeile von derzeit 28 Reisezielen zur Verfügung. Sie basieren auf den Substanzen der DuMont Reiseführer", berichtet das Börsenblatt. 39,90 Euro (plus Versand) soll die billigste Variante kosten. Fragt sich nur, wer noch einen Reiseführer braucht, wenn er wieder aus dem Urlaub daheim ist.

Meldungen: Das Auswärtige Amt hat die deutsche Beteiligung bei der Internationalen Buchmesse in Havanna Anfang 2004 wegen der zunehmenden Verletzung der Menschenrechte auf Kuba abgesagt. Die Deutsche Grammophon legt das gesamte Rezitationswerk von Klaus Kinski erstmals vollständig auf. Die "English Language Bibliography - 1945 to the Present", herausgegeben vom K. G. Saur Verlag, verzeichnet in 7,5 Millionen Datensätzen alle englischsprachigen Bücher und Zeitschriften sowie Neuerscheinungen und Vorankündigungen - die Updates der Online-Version erfolgen wöchentlich.

Die Buchmacher vom 27.08.2003 - Börsenblatt

Das Börsenblatt gewährt Einblick ins Peter Suhrkamp-Archiv. Der erste Teil mit rund 250.000 Schriftsätzen steht der Frankfurter Universität seit Dezember 2002 als Dauerleihgabe zur Verfügung. Er umfasse neben Originalmanuskripten die private und verlegerische Korrespondenz Peter Suhrkamps von der Gründung des Verlags 1950 bis zu seinem Tod 1959. Weitere Tranchen überlasse die Peter Suhrkamp-Stiftung der Uni in Fünfjahresabschnitten. Der im Archiv gelagerte Briefwechsel zwischen Theodor W. Adorno und seinen beiden Verlegern, Suhrkamp und Unseld, erscheint im September, zum 100. Geburtstag des Sozialphilosophen, mit dem Titel "So müsste ich ein Engel sein und kein Autor" auch im Suhrkamp Verlag.

Der Hamburger Konkret Literatur Verlag wird 25. "Wer heute im Jubiläumsprogramm des kleinen linken Konkret Literatur Verlags blättert, der muss nach Literatur lange suchen", bemerkt das Börsenblatt. Man stehe für politische Sachbücher, sagt die Geschäftsführende Gesellschafterin Dorothee Gremliza (ihr Bruder, Hermann L. Gremliza, ist seit 1974 Chef des Monatsmagazins "Konkret"). Am Verlagsanfang habe das Ziel gestanden, Werke antifaschistischer deutscher Emigranten wieder zugänglich zu machen, in einer "Bibliothek der verbrannten Bücher". Eine wichtige Aufgabe, aber kein großer Erfolg, sodass die Bibliothek 1983 nach zehn Bänden eingestellt worden sei.

Besucht hat das Börsenblatt Veit Heinichen. Der Mitbegründer des Berlin Verlags zog vor vier Jahren nach Triest und schreibt dort Bücher. Nach drei Kriminalromanen ist sein aktuelles Projekt ein Triest-Buch, "Biographie einer Stadt" (soll 2004 bei Hanser erscheinen). Eine solche Kreativität hätte sich in seiner Verlegerzeit kaum entfalten können. Über seinen Abschied von der Spree erzählt Heinichen: "Es ist die schönste Niederlage meines Lebens. Ich war nicht mehr in der Lage, die Situation zu beherrschen, das heißt, Triest war stärker als ich."

Nach 18 Monaten wird das Insolvenzverfahren über den Könemann Verlag abgeschlossen: Tandem hat 80 Prozent der Bestände sowie den überwiegenden Teil der Rechte übernommen und führt die Marke fort. Verlagsgründer Ludwig Könemann werde den Aufbau unter Tandem begleiten und als Verlagsleiter Programm und Vertrieb betreuen, berichtet Tandem-Mitinhaber Herbert Ullmann dem Börsenblatt. Könemann sei nicht am Programm gescheitert, sondern an der Organisation - von der Produktion bis hin zur Lagerhaltung.

Personalien: Claus Wüstenhagen übernimmt die Aufgaben von Dietmar Salein, der den Geschäftsführungs-Posten bei der Vogel-Mediengruppe abgibt. Jörg Achim Zell ist zweiter Gesellschafter der im vergangenen Jahr von Oliver Gorus gegründeten Literaturagentur Gorus geworden.

Die Buchmacher vom 18.08.2003 - Börsenblatt

Ein Jahr nach der Jahrhundertflut hat das Börsenblatt die Orte der Katastrophe besucht und eine positive Bilanz gezogen: Keiner der 36 schwer geschädigten Sortimenter habe aufgegeben, und alle Lehrlinge hätten, zum Teil in neuen Firmen, ihre Ausbildung fortsetzen können.

Premiere für BuchTV. Das Online-TV-Format, eine Initiative der Arbeitsgemeinschaft Multimedia im Buchhandel, bietet ab sofort monatlich ein 15-minütiges Programm. Es ist "on demand" abrufbar. "Kinder- und Sachtitel werden ebenso berücksichtigt wie die Belletristik. Sendeplatz wird auch besonderen Buchhändler-Aktionen eingeräumt", schreibt das Börsenblatt. Das Projekt werde finanziell unterstützt von Telekom und Sony.

Uwe Johnson, Max Frisch, Günter Grass, Cees Nooteboom und Inka Parei haben alle mal im Keller gelesen, nämlich im Buchhändlerkeller, dem sich das Börsenblatt in seiner aktuellen Ausgabe ausführlich widmet. Er ist die "kleinste Lesebühne von Berlin", "genau genommen nur eine Türschwelle zwischen zwei geräumigen Wohnzimmern" und "dem Literaturbetrieb oft eine Nasenlänge voraus". Seit 35 Jahren (!) zeichnet K. P. Herbach für das Programm verantwortlich. Alle zehn Mitarbeiter der Underground-Bühne in Charlottenburg engagieren sich ehrenamtlich, 40 Lesungen stellen sie pro Jahr auf die Beine.

Porträtiert wird Annette Pehnt. Die Freiburgerin bekam für ihren ersten Roman "Ich muss los", die "Geschichte eines liebenswerten Sonderlings", vor zwei Jahren von der Kritik sehr viel Lob. In wenigen Tagen erscheint ihr neues Buch, "Insel 34". Der Roman um eine namenlose Heldin sei in gewisser Weise das Weiterspinnen des Vorgängers, findet das Börsenblatt. Schon vor dem Erscheinen erhielt Pehnt für einen Auszug aus "Insel 34" den Preis der Jury beim Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb 2002.

Interpretationen seines Werks gibt es viele, doch wer war der Mensch Theodor W. Adorno? Zu seinem 100. Geburtstag am 11. September kommen eine Reihe von Lebensdarstellungen des Denkers, allen voran Stefan Müller-Dohms 1000-Seiten-Wälzer "Adorno. Eine Biographie" heraus. Das Börsenblatt stellt eine Auswahl der Neuerscheinungen - von "Kindheit in Amorbach" (Insel) bis "Adorno in Frankfurt" (Suhrkamp) - vor.

Meldungen: Kiepenheuer & Witsch hat Maxim Billers Liebesroman "Esra" gemäß der Unterlassungsverpflichtungserklärung mit Auslassungen drucken lassen - in den 4000 Exemplaren des 214 Seiten umfassenden Buchs, die jetzt auf dem Markt sind, wurden 375 Textstellen "geweißt". Gastland der Frankfurter Buchmesse 2004 wird die Arabische Welt sein. Und: bei der diesjährigen Buchmesse mit dem Gast Russland lädt Wladimir Kaminer in Halle 7 zur "Russendisko" und zur Vorstellung seines neuesten Werks "Mein deutsches Dschungelbuch" ein, in dem Russen "so gut wie überhaupt nicht" vorkommen.

Die Buchmacher vom 12.08.2003 - Börsenblatt

Das macht den Profi-Verlegern Angst: Dass wissenschaftliches Publizieren auch ohne sie, schneller und billiger sogar, gehen könnte, wenn die Hochschulen in Eigenregie veröffentlichen. "Die Initiative GAP (German Academic Publishers) will den Aufbau und die Vernetzung solcher Universitätsverlage vorantreiben", berichtet das Börsenblatt. Es gibt sie bereits an sechs Standorten.

Die erste Ausgabe der Literaturrevue Wagnis hat die Innsbrucker Buchhändlerin Sabine Brenner herausgegeben. Zu Wort kommen "alle, die am Prozess des Schreibens und des Lesens beteiligt sind: Schriftsteller, Journalisten, Professoren, Buchhändler und Leser." Die Zeitschrift soll halbjährlich mit einer Auflage von 12.000 Exemplaren erscheinen. Im Interview mit dem Börsenblatt widerspricht Brenner der nahe liegenden Vermutung, dass es sich um ein PR-Produkt handle und definiert die Zeitschrift als "überregionale, nicht kommerzorientierte, politisch unabhängige Plattform für das Buch."

Porträtiert wird der Franzose Eric-Emmanuel Schmitt, der "innerhalb von zehn Jahren der weltweit meistgespielte Theaterautor wurde." Seine Prosa ("Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran", "Oskar und die Dame in Rosa", Ammann) findet sich auf den internationalen Bestsellerlisten wieder. Dem Börsenblatt verriet Schmitt, dass ihn all der Erfolg, der über ihn gekommen sei, manchmal eher beklommen als glücklich mache. Sein liebstes Buch werde gerade in die deutsche Sprache übersetzt: "Das Evangelium nach Pilatus". Das musste Schmitt sogar zwei Mal schreiben. Als er die erste Fassung fertig gehabt hätte, sei sein Computer gestohlen worden.

Auf der Meinungsseite schreibt Tanja Kinkel, die mit ihrem neuen Roman "Götterdämmerung" vom Verlagsriesen Random House zur kleinen aber feinen Frankfurter Verlagsanstalt wechselte, über die Qual der Verlagswahl. Ihr Fazit: "So lange es in den großen Verlagen nicht mehr Zeit füreinander und für den Inhalt der Bücher gibt, so lange glaube ich, dass Spitzenleistungen eher in der Partnerschaft mit kleinen möglich werden."

Personalien: Ralph Giordano erhält den mit 10.000 Euro dotierten Leo-Baeck-Preis 2003 des Zentralrats der Juden. Dr. Torsten-Jörn Klein übergibt die Geschäftsführung des Berliner Verlags an Ove Saffe, seinen bisherigen Stellvertreter. Und: Der Programmchef des Berliner Taschenbuchverlags, Peter Mathews, hat das Haus verlassen. Verleger Arnulf Conradi wird dessen Geschäfte zunächst weiterführen. Er verspricht eine Aufstockung der Titel, nicht zuletzt auch auf der Grundlage der Lizenzen des neuen Mutterhauses Bloomsbury.

Die Buchmacher vom 28.07.2003 - Börsenblatt

Die Buchmesse bleibt bis 2010 in Frankfurt am Main, meldet das Börsenblatt. Ausstellungs- und Messe-GmbH und Messe Frankfurt hätten vergangene Woche einen entsprechenden Vertrag unterzeichnet. Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth kommentierte: "Es ist ein harter Kampf gewesen." Und die Hotels dürfen uns jetzt sieben Jahre lang abzocken.

Das Hörbuch gewinnt als eines der wenigen Segmente am deutschen Buchmarkt. Der Bereich biete Raum für Wagnisse: opulente, vollständig gelesene Editionen auf der einen Seite, Stück für Stück veröffentlichte Lesungen auf der anderen. Eine "auffällig häufige Kooperation zwischen Buch- und Hörbuchverlagen", bemerkt das Börsenblatt, "wenn es um Neuerscheinungen geht, denen ein großes Potenzial zugetraut wird - immer mehr Texte erscheinen zeitgleich als gedruckte und gelesene Ausgaben." Auf die Spitze getrieben werde dieser Synergieeffekt der Marketing-Abteilungen vom Hörverlag beim parallel zum Filmstart ("Das Wunder von Bern" von Sönke Wortmann) publizierten Roman und dem Hörbuch als Dialogmitschnitt der Originalstimmen des Films.

Im Trend sind Benimmbücher, denn gute Manieren sollen beispielsweise die Chancen auf dem Arbeitsmarkt erhöhen. Die Verlage sind auf den Zug aufgesprungen und versprechen mit den zahlreichen Herbst-Novitäten "Stilsicherheit in allen Lebenslagen". Die Knigges für Manager, Individualisten, Schlampen, Schüler, Kinder usw. lassen hoffentlich keinen Fettnapf aus.

Konkurrenz für Abebooks, Amazon, Antbo, eBay und das ZVAB, die in der ein oder anderen Form Secondhand-Bücher anbieten: Knapp sechs Wochen nach dem Start der neuen Internetplattform für Gebrauchtbücher, buecherboerse.de, werden laut Betreiber Stefan Koehne bereits 100.000 Titel angeboten. Bis Ende September könnten auch professionelle Antiquare das Angebot kostenlos nutzen.

Priorität für die Leseförderung bei Kindern und Jugendlichen, fordert Ulrich Störiko-Blume, Verlagsleiter von Beltz und Gelberg in Weinheim, auf der Meinungsseite. Deutschland solle sich ein Beispiel an Schwedens Leichtigkeit im öffentlichen Umgang mit Kinder- und Jugendliteratur nehmen. Dass hierzulande Kulturpolitik Ländersache sei, gerate mehr und mehr zur Rechtfertigung von Untätigkeit, kritisiert Störiko-Blume. Er sieht raschen Handlungsbedarf seitens der Politik und prognostiziert ansonsten nicht nur "fatale Folgen für die Verbreitung der Lesekultur in der künftigen Generation", sondern auch die Existenzgefährdung vieler Buchhandlungen und Verlage.

Weitere Meldungen: Die Gesamtauflage von "Harry Potter" V für den US-Markt beträgt, nachdem zwei Mal nachgedruckt wurde, rekordverdächtige 9,3 Millionen Exemplare. AOL Time Warner und Bertelsmann wollen ihre Musiksparten Warner Music und BMG zusammenlegen. Immer mehr Fachgeschäfte für Noten und Instrumente müssen schließen - eine Chance für den Buchhandel. Special-Interest- und Fachverlage haben nach einer Verlagsumfrage des Eulenhof Instituts momentan die besten Chancen am Markt.

Die Buchmacher vom 21.07.2003 - Börsenblatt

Die Frage nach dem "Charakter des Konsumten" beschäftigte die Teilnehmer der Internationalen Verlegerkonferenz in München. "Wer weiß, wonach sich der Kunde sehnt und was er fürchtet, hält den Schlüssel zum Erfolg in den Händen - sofern er sein Wissen umsetzt", schreibt Hendrik Markgraf im Börsenblatt. Die heutige "Generation Kuschel" suche Halt in Bindungs- und Interessengeflechten. "Damit verknüpft ist der Trend zur Reduktion von Vielfalt: eine Suche nach verzichtloser Einfachheit, nach Sicherheit und Berechenbarkeit im Umgang mit Produkten und Marken." Händler, die dem Bedürfnis nach Überschaubarkeit und Berechenbarkeit entgegen kommen, wurden in diesem Zusammenhang in München gelobt: Aldi und Tchibo. Der Internet-Buchhändler Amazon mache sich als Meister der Orientierungshilfe verdient.

Mit einer Nullrunde beim Umsatz rechnet der Börsenverein des Deutschen Buchhandels für das laufende Jahr, berichtet das Börsenblatt von der Wirtschaftspressekonferenz in Frankfurt. "Die Hoffnungen ruhen auf der Übersetzung des fünften 'Harry Potter'-Bands, die am 8. November erscheint." Der Buchhandel stehe wesentlich besser da als andere Einzelhändler, wird Börsenvereins-Vorsteher Dieter Schormann zitiert. Eine positiv stimmende Nachricht: "Das Bücherlesen liegt in der Gunst der Deutschen ganz weit vorn; unter den 39 beliebtesten Freizeitbeschäftigungen nimmt es den achten Rang ein."

Künstler mit Tantiemen zu fördern, fordert der Salzburger Verlagsleiter Jochen Jung. Anlass seines Kommentars ist die vor der Sommerpause eingerichtete Enquetekommission des Bundestags, die eine Bestandsaufnahme der Kultur in Deutschland und ihrer Einrichtungen leisten soll. Nicht zuletzt werde es um die soziale Situation der Künstler gehen, sagt Jung. "Ein Blick ins Bücher- oder CD-Regal, ein Gang durchs Museum, und wir wissen, was uns die Kunst wert ist. Diesen Wert aber hat der produzierende Künstler in der Regel nie in barer Münze gesehen." Deshalb Jungs Appell in Bezug auf Bücher: Nicht das billigere, nicht das am meisten hochgejubelte, nicht das meistverkaufte Buch lesen, sondern einfach das bessere!

Auf zwei Seiten porträtiert wird der Autor Arthur Phillips, von Kritikern in seiner Heimat USA hochgelobt. Parallelen zu dessen Vorbild Vladimir Nabokov, etwa "Ironie am Rande der Unkenntlichkeit" und "psychologische Versteckspiele von verblüffender Reichweite", findet Uwe Ebbinghaus in Phillips erstem Roman "Prag", in Deutschland erschienen bei Schöffling.

Personalien: Katrin Gärtner, zurzeit Leiterin der Bertelsmann-Büros in Brüssel, wird ab September die Interessen ihres Konzerns in Berlin vertreten. Wolfgang Ferchl ist neuer Verleger von Piper in München und Bernd Busch neuer Geschäftsführer des Deutschen Literaturfonds in Darmstadt. Carla Meyer hat die Geschäftsführung des Verbands der Freien Lektorinnen und Lektoren in Frankfurt übernommen, Roland Neururer wurde als neuer zweiter Geschäftsführer des A. Korsch Verlags in Gliching berufen.

Weitere Meldungen: Der Bundesrat hat das Gesetz zur Regelung des Urheberrechts in der Informationsgesellschaft gebilligt, die neuen Vorschriften treten nach Verkündung (voraussichtlich im August) in Kraft. Mit Blick auf den Erfolg des Originals erhöhte Carlsen die Startauflage von "Harry Potter V", bis zu 1,6 Millionen Exemplare werden im Herbst ausgeliefert. Der für September geplante Relaunch der Schweizer Kulturzeitschrift "du" wird voraussichtlich unter neuer Flagge stattfinden: Die Tamedia-Gruppe will die defizitäre Monatszeitschrift verkaufen, machte aber bisher keine Angaben zu Interessenten und dem anvisierten Kaufpreis. Der Wiener Fachverlag Linde will in Deutschland und der Schweiz Fuß fassen und startet im Herbst das neue Segment Linde International, das sich in die Programmlinien Wirtschaftssachbuch, -fachbuch und -ratgeber gliedert. "Gerade jetzt, wenn der Wirtschaftswind rauer weht, ist kompetenter Rat besonders wichtig", begründet die Linde-Pressesprecherin den Vorstoß.

Die Buchmacher vom 07.07.2003 - Börsenblatt

Random House gründet ein neues Imprint: Random House Entertainment. Zum Auftakt legt das Label nur einen Titel vor: Die Autobiographie des 17-jährigen Superstars Daniel Küblböck erscheint pünktlich zur Buchmesse unter dem geistreichen Titel "Ich bin ich - Ich lebe meine Töne". Ansonsten sind jährlich fünf bis sechs Novitäten aus den Bereichen "Rock und Pop, Schauspielerei und aus dem Promi-Umfeld" geplant. Random House will das Label "für ein junges und freches Publikum" einsetzen, klischiert Verlagsleiter Klaus Eck.

Der Verlag Hoffmann und Campe hat den Buchhandlungen angeboten, sämtliche Exemplare von Ulla Ackermanns Buch "Mitten in Afrika" zurückzunehmen. "Die Autorin hatte zuletzt eingeräumt, weite Teile ihrer Lebensbeschreibungen frei erfunden zu haben. Das Rücktauschangebot gilt auch für die rund 25.000 bereits verkauften Exemplare." Bislang sei der Sturm empörter und getäuschter Kunden jedoch ausgeblieben. Kein Wunder: Ob erstunken oder erlogen, schwarz-weiße Holzschnitte im Stil von "Zu Hause zwischen Paradies und Hölle" (so der Untertitel des Buches) liest man doch immer wieder gern über Afrika. Nun hockt der Verlag auf 25.000 unverkauften Exemplaren, die sämtlich makuliert werden sollen. Geschieht dem Buch recht.

Vito von Eichborn, Chef des Europa Verlags, meint, die Debatte um die Übernahme von Ullstein Heyne List durch Random House laufe in Teilen an der Realität vorbei. "Denselben Autor mit demselben Inhalt in ständig neuer Verpackung durch fünf Taschenbuchverlage fünfmal neu anbieten zu können ist ein unglaublicher Wettbewerbsvorteil. Dies führt dazu, dass weniger neue Taschenbuchlizenzen von unabhängigen Verlagen eingekauft werden, weil die eigenen Substanzen länger mehrfach, viele quasi ewig 'halten'. (...) Eine 'Sommeraktion' hier, ein 'Paket für Leserinnen' da, dazu eine 'Bestseller-' und noch eine 'Sonderpreis-Kiste', schließlich eine 'limitierte Künstlerausstattung' (und das Gleiche alle paar Jahre erneut) - der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt: für dasselbe (!) inhaltliche Produkt. Das ist der eigentliche Verdrängungswettbewerb." Hinzu komme das Buchclub-Monopol. "Ich habe nie begriffen, dass das Kartellamt seinerzeit der Übernahme des Deutschen Bücherbunds durch Bertelsmann zugestimmt hat. Diese Verwertungsstufe kann bereits kein anderer Verlag bieten - nicht dem Autor, nicht dem Agenten und nicht dem Welt-Rechteinhaber."

Nach der Bouvier-Gonski-Insolvenz werden bei Verlagen Befürchtungen laut, schreibt Stefan Hauck, "das Beispiel Bouvier-Gonski könne signifikant für die Filialisten und den Buchhandel auf größerer Fläche sein. Die Lage der Großen werde von vielen Verlagen 'mit großer Sorge' betrachtet, sagt dtv-Marketingleiter Rudolf Frankl. Ihre Bedenken: Die auf Umsatzzuwachs angelegten, personalintensiven Großflächen könnten anfälliger sein als Buchhandlungen mittlerer Größe, wenn die Kundennachfrage zurückgeht." Jan Wiesemann, Verkaufsleiter bei Gräfe und Unzer, sieht diese Gefahr nicht: "Gutes Management mit einer angebotsorientierten Lagerhaltung und Verkaufspolitik wird auch künftig Großflächenschiffe auf Kurs halten." Ahoi.

Inka Parei hatte "im Grunde" Grundvertrauen in die Klagenfurter Juroren, sagt sie im Interview mit Uwe Ebbinghaus, aber "zwischendurch durchaus auch gemischte Gefühle - immer dann, wenn Urteile ohne vernünftige Begründung gefällt wurden". Sie freue sich über den Preis, "weil ich mein Roman-Vorhaben selbst die ganze Zeit über kritisch gesehen habe. Die Auszeichnung zeigt mir, dass sich der Kampf, den ich da führe, lohnt. Zum anderen bedeutet das Preisgeld für eine gewisse Zeit finanzielle Sicherheit." Ihr Roman erscheint im Herbst 2004 bei Schöffling.

Weitere Meldungen: Der Börsenverein lobt die Bundesregierung für ihr Vorhaben, die dritte Stufe der Steuerreform vorzuziehen. Die Vereinigung Evangelischer Buchhändler und Verleger hat ihren Vorstand ausgewechselt. Die öffentlichen Ausgaben für Lernmittel haben Ende 2002 mit 270 Millionen Euro einen Tiefstand erreicht und sollen 2003 noch einmal um zehn Prozent sinken. Die Messe Frankfurt hat zusammen mit dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband den jährlichen Hotelguide der Stadt entwickelt. Der Altberliner Verlag bringt zwar in diesem Jahr keine Novitäten mehr auf den Markt, macht zumindest vorerst jedoch weiter. "Über den Fortgang des vorläufigen Insolvenzverfahrens herrscht gegenwärtig Unklarheit."

Außerdem informiert Sybille Fuhrmann über den Streit um die Club-Ausgabe von Hillary Clintons Memoiren. Ute Kammerer, Leiterin der Personalentwicklung von BertelsmannSpringer, ist dafür, die Ausbildereignungsprüfung beizubehalten, Angelika Busch, Geschäftsführerin des Börsenverein-Landesverbands Niedersachsen, plädiert für die Abschaffung. Regine Meyer-Arlt widmet sich der betrieblichen Altersversorgung für Buchhändlerinnen und Buchhändler. Zum Auftakt einer Reihe über originelle Buchhändler-Aktionen stellt das Börsenblatt eine Idee des Buchhändlers Samy Wiltschek von der Ulmer Bücherstube Jastram vor, der nicht nur für seine Kunden eine fünftägige Reise nach Rom organisiert. Auf die Idee kam er bei der Lektüre von "Inseln in Rom" von Marco Lodoli. Michael Roesler-Graichen stellt eine ganze Reihe von Krimi-Neuerscheinungen vor. Ursula Escherig hat Katharina Wagenbach-Wolff besucht, die Verlegerin der Friedenauer Presse. "Dass Russland in diesem Jahr Gastland der Frankfurter Buchmesse ist, kommt Wagenbach-Wolff (...) nur entgegen: Sie kann auf eine stattliche Anzahl von Titeln verweisen, die in ihrem Verlag erschienen sind." Und schließlich berichtet Stefan Hauck vom Vorlesewettbewerb, der ihm offenbar großen Spaß gemacht hat.

Die Buchmacher vom 29.06.2003 - Börsenblatt

Das Börsenblatt berichtet vom Verkauf des neuen "Harry Potter". Hierzulande sorge ein bislang unbekannter Preiskampf für Aufregung. "Zunächst hatten Online-Anbieter wie Amazon.de und Booxtra mit immer neuen Tiefpreisen um die Kunden geworben, doch in letzter Sekunde schoss Hugendubel den Vogel ab: Mit dem Dumpingpreis von 14,80 Euro und einer bundesweiten Anzeigenkampagne sorgte der Filialist für Aufsehen und Unmut unter Kollegen." In der Anzeige hieß es: "Lieber zu Hugendubel als zu teuer!" "Peter Hinke (Connewitzer Verlagsbuchhandlung), der 'Harry' V in England eingekauft hatte und daher flexibler kalkulieren konnte, hängte noch am Samstag zähneknirschend die aus der Leipziger Volkszeitung ausgerissene Hugendubel-Anzeige mit modifiziertem Text ins Schaufenster: 'Lieber zu uns als zu Hugendubel'. Binnen weniger Stunden waren die 30 'Potter'-Exemplare der ersten Staffel zu 14 Euro (!) ausverkauft; so recht freuen konnten sich die Connewitzer darüber nicht."

Mit ihrem fünften "Harry Potter" habe Joanne K. Rowling es Zweiflern und Nörglern gezeigt, schreibt Nicola Bardola in einer Rezension. "Phantasie und Fabulierlust sind so ungezügelt und frisch wie ehedem. Trotzdem schießt Rowling nicht übers Ziel hinaus: Der bisher umfangreichste 'Potter' hat keine Längen, ist genau so sorgfältig strukturiert wie die Vorgänger und hält sich an den gewohnten Ablauf - von Ligusterweg-Qualen bis zum Showdown zwischen Lord Voldemort und Harry." Das Buch weise allerdings eine Eigentümlichkeit auf: "Harry ist nervöser, reizbarer, verzweifelter, ja jähzorniger" - eben in der Pubertät.

Russland schickt sich an, Rekorde zu brechen, meldet das Börsenblatt. "Rund 100 Autoren und 120 Verlage kommen (zur Buchmesse) nach Frankfurt. Die Russen präsentieren sich in verschiedenen Ausstellungen vom 8. bis 13. Oktober im Forum-Pavillon und haben zudem 2.500 Quadratmeter in Halle 5 gemietet. (...) Der Autor Viktor Jerofejew sprach von 'Landungstruppen', die zur Messe kommen. Jerofejew zufolge gibt es eine ganze Reihe 'russischer Literaturen'. Jede einzelne Richtung sei autonom, untereinander gebe es kaum Verbindungen."

Nach der Kooperation mit der Münchner Pinakothek nimmt DuMont nun auch die Zusammenarbeit mit den Staatlichen Museen zu Berlin (SMB). "Unter dem Namen SMB-DuMont werden die Partner künftig in geteilter Verantwortung sämtliche Publikationsobjekte gemeinsam erstellen und vertreiben. Die Bücher werden - wie auch beim Label Pinakothek-DuMont - in den Museen und im Buchhandel in gleicher Ausstattung und zum gleichen Preis angeboten."

Nach 14 Monaten Pause hat Oprah Winfrey ihren Bücherclub mit einem neuen Konzept wiederbelebt; sie empfiehlt nun keine Neuerscheinungen mehr, sondern Klassiker. In der Auftaktsendung ging es um "Jenseits von Eden" von John Steinbeck. "Nur wenige Stunden nach der Sendung war das Taschenbuch bei Amazon.com auf Verkaufsrang 10 geschnellt. Wie Publishers Weekly berichtet, hatte der Verlag Penguin vorab von der Empfehlung erfahren und 600.000 Exemplare nachdrucken lassen. Für gewöhnlich verkauft Penguin von dem Titel 40.000 bis 50.000 Exemplare pro Jahr."

Skonto bei preisgebundenen Schulbüchern ist unzulässig. Das entschied der Bundesgerichtshof in einem Grundsatzurteil zur Buchpreisbindung. "Die Richter haben damit der umstrittenen Praxis von Berliner Behörden, bei Aufträgen über preisgebundene Schulbücher Skonto zu beanspruchen, eine Absage erteilt". Geklagt hatten die Verlage Paetec und Cornelsen sowie die Bücherstube Marga Schoeller.

Weitere Meldungen: Elke Heidenreichs Büchersendung "Lesen!" beeinflusst auch die Bestsellerliste des Focus. Edith Karos verlässt den Börsenverein. Gemstar beendet nach dem Abzug aus Europa das Geschäft mit E-Book-Lesegeräten komplett; der Verkauf von Content läuft noch bis 16. Juli mit einem Rabatt von bis zu 40 Prozent. Die Bildungsmesse Didacta findet 2005 in Stuttgart statt. Klett entlässt die Geschäftsführer der ÖBV-Holding, Walter Amon und Robert Sedlaczek. Der Börsenverein weiß noch nicht, ob er umziehen will. Nach einer Untersuchung von Publishers Weekly kommen die fünf größten US-Verlagsgruppen auf einen Umsatz von 4,1 Mrd. Dollar - dies entspreche bei Kinderbüchern und allgemeiner Literatur für Erwachsene einem Marktanteil von 45 Prozent (die fünf Größten sind Random House, HarperCollins, Penguin Group, Simon & Schuster sowie AOL Time Warner). Und die französische Medienkette Fnac hat Umsatz und Verkaufsfläche gesteigert.

Außerdem liefert Christina Busse einen Lagebericht zum Lehrstellenmangel im Buchhandel: "An den Berufsschulen müssen bereits die ersten Fachklassen schließen. Dreht sich die Spirale weiter, fehlen der Branche bald gelernte Sortimenter." Stefan Brecht spricht mit Langenscheidt-Chef Rolf Müller über Wörterbücher für Schüler, E-Learning und die internationale Ausrichtung des Unternehmens. Sybille Fuhrmann berichtet von dem Plan, Ullstein Heyne List zu zerlegen und scheibchenweise der Verlagsgruppe Random House einzugliedern. Managementberater Klaus Doppler empfiehlt Unternehmen Anpassungsfähigkeit. Hardy Haimann beschäftigt sich mit Zwitter-Titeln - Bücher, die sich nicht eindeutig einer Warengruppe zuordnen lassen und daher in Buchhandlungen möglicherweise weniger erfolgreich sind; einfach, weil sie seltener entdeckt werden. Horst Cremer-Gast und Thomas Blume stellen vier Frankfurter Buchhandlungen vor, die gemeinsam 100 Jahre alt sind (Berger Bücherstube, Land in Sicht, Tatzelwurm, Ypsilon). Sybille Fuhrmann porträtiert den Zwischenbuchhändler Umbreit, der im Konzert der Großen hörbar mitspielen will. Uwe Ebbinghaus stellt Sachbücher aus den Herbst-Programmen vor (mal wieder ziemlich viel über die USA dabei). Nicola Bardola stellt Corinne Hofmann vor, "die weiße Massai", deren nächstes Buch am 17. August erscheint: "Zurück aus Afrika". Holger Heimann hat Lothar Wekel besucht, den Inhaber des MA-Verlags Fourier, Volkhard Bode schreibt über Elke Adam, Inhaberin der Berliner Buchhandlung Thaer, und Claudia Schülke über Karin Kintler, Chefin der Bad Nauheimer Antiquariatsbuchhandlung Deutsches Buch-Kontor. Ferner bringt das Börsenblatt einen Nachruf von Ex-Teubner-Verleger Heinrich Krämer auf den Hamburger Verleger Richard Meiner.

Und schließlich kündigt das Börsenblatt an, dass ab dem 3. Juli auf der Website der Zeitschrift die beste Anzeige aus dem jeweils aktuellen Heft gewählt werden kann.

In einem Extra-Teil geht es um Schaufenster-Dekoration.