Die Buchmacher

Die Buchmacher

Ein Blick in die Branchenblätter der Buch- und Verlagswelt. Jeden Montag ab 12 Uhr.
10.09.2003. Diese Woche lesen Sie: Welcher Verleger als Kind Bücher auswendig gelernt hat, wo sich Coca Cola und Pizza Hut mit der größten Selbstverständlichkeit für die Leseförderung engagieren (na, wo wohl?), und worüber sich Joanne K. Rowling mächtig ärgern wird.

buchreport.express

Der Streit um Konditionen zwischen Handel und Verlagen spitzt sich zu: "Die Sortimenter der Genossenschaft eBuch greifen jetzt zu einer ungewöhnlichen Form der Selbsthilfe: Sie kürzen einseitig die Rechnungen der Verlage, wenn sie weniger als 25 Prozent Rabatt vom gebundenen Ladenpreis gewähren." Scheinbar mit Erfolg. Die Kürzungen würden von den Verlagen in den meisten Fällen hingenommen, wird eBuch-Geschäftsführer Lorenz Borsche im Buchreport zitiert. Da das Preisbindungsgesetz aber nur "angemessene" Konditionen und keine Mindestkonditionen der Verlage vorschreibt, bewegen sich die kämpferischen Buchhändler rechtlich auf dünnem Eis, geben Preisbindungstreuhänder Dieter Wallenfels und Börsenvereins-Justiziar Christian Sprang zu Bedenken.

Von den USA lernen können die Deutschen womöglich in Sachen Leseförderungsprogramme. Denn die haben in den Staaten Hochkonjunktur. "Dabei arbeiten Großkonzerne wie Coca Cola, Cheerios oder Pizza Hut, Lese-Initiativen und die Buchbranche Hand in Hand", weiß der Buchreport. Nun hat die National Book Foundation noch eins draufgesetzt und den Oktober national zum "Monat des Buches" erklärt. Geplant sind neben der Verleihung des National Book Awards zahlreiche Aktionen: Die Continental Airlines wird zum Beispiel auf allen Flügen Werbespots, in denen prominente Autoren ihre Lieblingsbücher vorstellen, senden. Die US-Printmedien stellen Verlagen kostenlos oder zu Sonderkonditionen Anzeigen zur Verfügung. Und die Library of Congress veranstaltet zusammen mit Präsidentengattin Laura Bush das National Book Festival.

"Leipzig liest" ist langfristig gesichert. Die Einführung des Lesefests im Rahmen der Leipziger Buchmesse vor elf Jahren habe die Besucherzahl im Vergleich zum Vorjahr zwar um 46 Prozent steigen lassen und zu einem Bedeutungswandel der Messe geführt, berichtet der Buchreport, dennoch seien hinter der Finanzierung der Veranstaltung immer wieder Fragezeichen aufgetaucht. Nun hätten die Partner - Leipziger Messe GmbH, Bertelsmann Club und mdr - eine grundsätzliche Verpflichtung für "Leipzig liest" verabschiedet, die konkreten Investitionen würden jedes Jahr neu abgesteckt. Eine beachtliche Bilanz kann "Leipzig liest" vorweisen: Dieses Jahr lasen insgesamt 800 Autoren auf 650 Veranstaltungen vor 35.000 Zuhörern.

Nach Ullstein Heyne List trennt sich die Springer AG von weiteren Buchverlagen: Die auf Kunstbücher, -zeitschriften und Ausstellungskataloge spezialisierte Weltkunst Verlag GmbH (u. a. Hirmer, Deutscher Kunstverlag, Philipp von Zabern) wechselt Ende September in den Besitz der Arques-Gruppe. "Arques, bisher im Industrie- und Telekommunikations-Bereich aktiv, betritt mit dem Kunst-Kauf Neuland und verspricht sich einen ,attraktiven Einstieg in den Bereich Medien'", schreibt der Buchreport.

Personalien: Christian Rieker, zuletzt Leiter der Verlage Falken und Mosaik, ist neuer Geschäftsführer des Theiss-Verlags.

Meldungen: Nachdem sich Paulo Coelho jahrelang dagegen gesträubt hat, dass seine Bücher verfilmt werden, beginnen Ende des Jahres unter der Regie von Lawrence Fishburne die Dreharbeiten zu "Der Alchimist" - mit Madonna und Jeremy Irons in den Hauptrollen. National Geographic Deutschland bringt zum September ein neues Reisemagazin namens Traveler heraus. Beim Internetauktionator eBay können sich ab sofort nicht nur Privatpersonen, sondern auch Unternehmen und Gewerbetreibende, als "geprüfte Mitglieder" registrieren lassen.

Zu guter Letzt: die Bestsellerlisten.

Börsenblatt

Nach Japan blickt Andre Schiffrin im "Thema der Woche" des Börsenblatts und ist beeindruckt. Der japanische Buchmarkt besteche durch die Vielfalt der Marktteilnehmer und des Angebots. Von den Aktivitäten der internationalen Medienkonzerne sei er noch relativ unberührt geblieben. "Es gibt sehr große Verlagshäuser (...), aber alles in allem stammt nur jedes vierte verkaufte Buch aus einem der drei größten Verlage, die den überwiegenden Teil ihres Umsatzes mit Zeitschriften und den allgegenwärtigen Mangas machen." Eine Sonderstellung, beruhend auf einer Tradition die in die 1920er zurückreicht, räumten die Japaner den französischen Autoren ein.

Der Hörbuchmarkt ist nach wie vor im Aufwärtstrend, und das bringt eine Verschärfung im Wettbewerb um die Lizenzen mit. "In den vergangenen beiden Jahren haben sich die Hörbuchrechte um ein Drittel verteuert", berichtete Annette Prassel vom Eichborn Verlag dem Börsenblatt. Für Bestsellerlizenzen bezahle man beim Eichborn-Hörbuchlabel Lido fünfstellige Summen. Viel? In den USA sollen laut Branchenmagazin "The Audiobookseller" für die Hörbuchlizenz eines Bestsellers eine Million Dollar geflossen sein.

Nicht nur Hörbücher, auch Bücher zur "Arbeit" boomen - in einer Zeit, in der Jobs Mangelware sind. "Und nicht einmal diejenigen, die Arbeit haben, schätzen sich in der Mehrzahl wirklich glücklich. Es ist Zeit, über die Arbeit, ihr Wesen und ihre Verteilung neu nachzudenken", erklärt das Börsenblatt. Die Auswahl an Neuerscheinungen ist vielfältig. "Weniger arbeiten, mehr leben" (Campus) könnte sich zwischen "Arbeit als Lebensstil" (Suhrkamp) und "Nie wieder Arbeit" (Droschl) bei den Herbstnovitäten im Regal finden lassen.

Ludger Claßen, dem Chef des Essener Klartext-Verlags, hat das Börsenblatt einen Besuch abgestattet. Im 20. Jubiläumsjahr des Verlags, den er seit 18 Jahren leitet, freut sich Claßen über "dicke schwarze Zahlen". "Der Buchhandel verkauft mehr Klartext-Bücher als je zuvor" heißt es im neuen Prospekt des größten Regionalverlags im Ruhrgebiet, der sich auf Geschichte, Sport und Industriekultur spezialisiert hat und selbst in einem ehemaligen Krupp-Gebäude ansässig ist. Eine besondere Affinität zu Büchern hatte der Verleger übrigens schon im Vorschulalter: Mit fünf sei er stolzer Besitzer einer kleinen, durchnummerierten Bibliothek gewesen. "Ich habe mir die Bücher vorlesen lassen, dann auswendig gelernt und wusste so, was auf jeder Seite stand", erzählte er.

Die britische Klatschzeitung The Sun hat das Geheimnis um die Titel der "Harry Potter"-Bände sechs und sieben gelüftet.

Meldungen: Elke Heidenreichs Büchersendung "Lesen!" (ZDF) ist für den Deutschen Fernsehpreis nominiert worden - am 16. September wird die dritte Folge, mit Studiogast Margarethe von Trotta, ausgestrahlt. Nachdem Deutschland seinen Gastlandauftritt bei der Internationalen Buchmesse in Havanna 2004 wegen der Menschenrechtsverletzungen abgesagt hatte, wollen die Kubaner diesmal auch nicht nach Frankfurt kommen.
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Stichwörter: Elke Heidenreich