Es nähert sich der 27. September - und dann wird
Christa Wolf wieder schreiben. Wie in den vergangenen 43 Jahren. 41 Aufzeichnungen dieses Tages hat sie für ihr jüngst erschienenes Buch, "Ein Tag im Jahr" (Luchterhand), verwendet. Im
Börsenblatt-Interview erzählt sie, dass der Hauptgrund für die Protokolle, ganz banal, das Gefühl gewesen sei, zu viel Aufhebenswertes zu vergessen. Welch große kreative Mühen mit dem Schreiben für sie verbunden seien, diesen Eindruck nach der Lektüre des Buches, mochte die Schriftstellerin nur bekräftigen: "Ja, Schreiben ist Arbeit und Anstrengung. Wenn da eine Entmythologisierung passiert, ist es mir nur lieb und recht."
Zum 50. Geburtstag von
Joachim Unseld zeichnet ein Freund seit Studienzeiten, der dtv-Verlagsleiter
Wolfgang Balk, im
Börsenblatt ein Porträt. Nachdem sein Vater, der inzwischen verstorbene Suhrkamp-Verleger Siegfried Unseld, den Sohn 1991 von der operativen Verlagsarbeit bei Suhrkamp ausgeschlossen hätte, sei die psychologisch und historisch kaum fassbare Zerreißprobe nicht mehr aufzuhalten gewesen. Balk bewundert, mit welcher "Energie, Spürsinn und Fleiß" Joachim Unseld der gebeutelten
Frankfurter Verlagsanstalt in den letzten Jahren als Verleger zu neuer literarischer Blüte verhalf. "Und doch lässt sich ein Stachel nicht aus der Welt schaffen: Er war - und ist - prädestiniert, die Verlage
Suhrkamp und
Insel im 21. Jahrhundert zu leiten."
Fantasy-Autor
Wolfgang Hohlbein philosophiert im Gespräch mit seinem Verleger
Fritz Panzer (Ueberreuter) über die
jungen Leser von heute. "Bücher werden immer gelesen, egal, welche Medien und Techniken noch kommen mögen", zeigt sich Hohlbein erfreut, während Panzer daran erinnert, dass Kinder vor zehn Jahren 50 Prozent ihres Informationsbudgets für Bücher ausgegeben hätten - und heute nur noch zehn Prozent. Eine Art von "Boulevardisisierung" in der Medienberichterstattung über Bücher und Autoren könne sich positiv auf den Buchverkauf auswirken, glaubt Panzer. "Der erhobene Zeigefinger hat bei den Kindern von heute ohnehin längst ausgedient."
Mit neuer Strategie will Geschäftsführer
Rainer Wittenberg den angeschlagenen
Club Bertelsmann 2005 wieder schwarze Zahlen schreiben lassen. "Nach unbestätigten Insider-Informationen soll der Club im vorigen Jahr einen Verlust von 50 Millionen Euro aufgehäuft haben", so das
Börsenblatt. Die Schlüsselemente des jetzt vorgestellten Konzepts seien eine Konzentration auf das Kerngeschäft, den Verkauf von Büchern und buchaffinen Medien sowie die Stärkung des Community-Gedankens. Zum heiklen Thema Preisbindung gab Wittenberg zu verstehen, dass Aktualität und Exklusivität von den Mitgliedern erwartet würden, dass man sich aber an die Preisbindung halte. (Die Sortimenter kochen vor Wut, siehe
Buchreport)
"Mensch bleiben" (Herder) heißt das neue Buch von
Dietrich Grönemeyer. Mensch, hat er sich dieses Thema bei seinem Bruder Herbert abegeguckt? Nee. Sie hätten beide ein gemeinsames Idol, den Ruhrgebiets-Kabarettisten Jürgen von Manger, für den ,Mensch bleiben' das wichtigste Motto gewesen sei, erläutert Dietrich. Mensch, aber die Aufmerksamkeit die seinem Sanges-Bruder zuteil wird, hätte er doch schon gern, oder?
Der Schweizer
Atmosphären Verlag, kurz AT, hat ein Tochterunternehmen in München gegründet. Das erste Programm mit neun Titeln erscheint im Frühjahr 2004. 450.000 Euro Umsatz seien für das erste Jahr angepeilt, berichtete Verlagsleiter
Michael Günther dem
Börsenblatt. AT hat sich auf die Themen Weltkulturen, Religionen, Spiritualität, Heilkunde und Philosophie spezialisiert.
Personalien:
Wolfgang Marzin, bisher Geschäftsführungs-Vorsitzender der Gesellschaft für Handwerksmessen in München, wird Nachfolger des zum Jahresende scheidenden
Leipziger Messe-Chefs Werner M. Dornscheidt.
Dr. Arno Mahlert legt sein Mandat im Aufsichtsrat von Holtzbrinck nieder und übernimmt den Aufsichtsratsvorsitz bei
Springer Science + Business Media.
Birgit Wenderoth ist neue Verlagsleiterin Buch in der
Pabel-Moewig Verlag KG.
Meldungen: Bergsteiger
Reinhold Messner hat vor dem Hamburger Landgericht eine einstweilige Verfügung gegen das Buch "Zwischen Licht und Schatten" erwirkt - Autor
Hans Saler äußert darin den Verdacht, Messner habe während einer Expedition den Tod seines Bruders mitverursacht. Das
Bundeskartellamt hat die Entscheidung über die Übernahme der Verlagsgruppe
Ullstein Heyne List durch Random House auf den 31. Oktober verschoben.