Ted Honderich

Nach dem Terror

Ein Traktat. Erweiterte und revidierte Ausgabe
Cover: Nach dem Terror
Melzer Verlag, Neu Isenburg 2003
ISBN 9783937389301
Paperback, 304 Seiten, 14,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Thomas Fehige und Beatrice Kobow. Der kanadische Philosoph Ted Honderich zeigt mit diesem ethisch-politischen Traktat, was man als angewandte philosophische Ethik bezeichnen könnte. Der Anschlag vom 11. September 2001 wird zum Anlaß genommen, um vergessene ethische Grundfragen neu zu stellen. Was bezeichnen wir als ein gutes Leben, was als ein schlechtes? Gibt es eine Skala, das herauszufinden? Ist ein kurzes Leben schlecht, und ist ein langes Leben, wie wir es in den Wohlfahrtsstaaten einfordern, per se ein gutes?

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 13.01.2004

Rezensent Alexander Kissler erteilt der neuen Ausgabe von Ted Honderichs Traktat "Nach dem Terror" eine klare Absage. Der Text, der im Sommer 2003 in der Edition Suhrkamp publiziert, dann wegen seiner antisemitischen Töne aber nicht nachgedruckt wurde, liegt nun in einer erweiterten, revidierten und neu übersetzen Ausgabe in der "semit edition" des Melzer Verlages vor. Drei Fragen sind es, die Kissler aufwirft: 1. Worin besteht die Revision? 2. Von welcher Qualität ist die Übersetzung? 3. Inwiefern bestätigen oder entkräften die neuen Passagen die alten Vorwürfe? Die Revision besteht nach Kissler im wesentlichen im Wegfall eines Satzes, der in der letzten Fassung ein Stein des Anstoßes war, weil Hondrich darin behauptete, dass von 1989 bis 1991 zwischen 250.000 und 400.000 sowjetische Juden auf arabischem Land angesiedelt wurden. Auffällig an der neuen Übersetzung findet Kissler, dass Thomas Fehige und Beatrice Kobow versuchen Honderich in der spezifisch deutschen Philosophie- und Sprachtradition zu verorten: Aus "Stress und Druck" etwa wurden "Mühen und Qualen", aus "Behausung" "Obdach", aus der "wohlhabenden Welt" "wohl-bestallt". Kissler merkt zudem an, dass die Übersetzer auch den Appellcharakter des Textes forciert haben, der Leser werde nicht mehr mit "Sie", sondern mit "Du" und in deutlich kürzeren Sätzen angeredet. Mit Blick auf die dritte Frage, hebt Kissler hervor, dass Honderich auch in der neuen Ausgabe den Terror gegen Israel rechtfertige. Ja, im neu hinzugefügten, vierzig Seiten starken Schlusskapitel treibe er die Rechtfertigung des Terrorismus auf die Spitze, weshalb Kissler von einem "eliminatorischen Zynismus" Honderichs spricht. Honderich gefalle sich in der Pose des "allwissenden Weltenrichters", der keinen Widerspruch dulde. "Sein Ideal ist die Friedhofsruhe des ewigen Monologs", schließt der Rezensent, "damit zeigt er sich einmal mehr den von ihm so bewunderten Terroristen wesensverwandt."
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