Constanze Kurz, die britischen Organisationen
Big Brother Watch,
Open Rights Group und der PEN haben letztes Jahr im September den
Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte angerufen, die Überwachungspraktiken des britischen Geheimdienstes
GCHQ zu überprüfen, die ihrer Meinung nach die Privatsphäre nach Artikel 8 der Menschenrechtskonvention verletzen. Mit Erfolg, berichtet sie in der
FAZ (online
berichtet Michael Hanfeld): "Die Richter am EGMR haben die
Brisanz des Anliegens nun anerkannt. Sie haben sich an die britische Regierung gewandt und um Stellungnahme gebeten. Sie betonen dabei die Dringlichkeit und priorisieren das Verfahren, weswegen der britischen Regierung
nur eine kurze Frist eingeräumt wird, um die Praktiken des GCHQ und die Kontrollsysteme zu rechtfertigen."
Gestern Abend stellte sich
Edward Snowden in einem Live Chat den Fragen der sogenannten Netzgemeinde (
hier nachzulesen). Obwohl
Barack Obama zuletzt die von Snowden angestoßene Debatte als nützlich bezeichnet hatte, hat ihr Auslöser in den USA derzeit "keine Chance auf einen fairen Prozess", weil das Anti-Spionage-Gesetz von 1917, unter dem er angeklagt ist, Handlungen im öffentlichen Interesse nicht vorsieht, berichtet Snowden frustriert.
Spiegel Online ist in seiner Zusammenfassung der Fragestunde überrascht von Snowdens grundsätzlich
positiver Einstellung zu Geheimdiensten und
zitiert ihn mit den Worten: "Wenn wir gut genug sind, um in jedes Gerät auf dem Planeten einzubrechen, in das wir wollen (und dazu gehört das Handy von
Angela Merkel, wenn man den Berichten glauben kann), dann gibt es keine Entschuldigung dafür, dass wir unsere Zeit damit verschwenden, die Verbindungsdaten von
Großmüttern in Missouri zu sammeln."
Edward Snowden ist nicht ein Verräter, der den Westen schwächt und den man mangels Argumente
als Person verhöhnt (wie etwa Sean Wilentz in
New Republic, hier,
und Nachbeter in Deutschland), er rührt statt dessen ans Beste der Demokratien: ihre
Selbstkorrekturfähigkeit,
meint Gregory Ferenstein von
Techcrunch nach Snowdens Chat: "The intelligence community needs a lot more critics, especially ones who are specifically tasked with
protecting civil liberties... Under any reasonable scenario of broader oversight, bulk collection of data, as we know it, will change. Since authorities will have to convince a lot more skeptics, the
burden of proof will fall more on the NSA, and ultimately limit their reach."