Der Nominierungsparteitag der amerikanischen Demokraten war ein Rausch! Noch vor ein paar Wochen schien Joe Biden das Bild der
Hinfälligkeit von Demokratie zu bieten. Dann wurde er nach einer heute verdrängten Palastrevolte ausgetauscht, und alles ist anders. "
Die Begeisterung ist echt", schreibt Majid Sattar in der
FAZ. "Harris hat es vermocht, die Stimmung zu drehen. Das bisherige Urteil über die Vizepräsidentin war voreilig. Übersehen wurde vielfach, dass die Profilierungsmöglichkeiten in diesem Amt begrenzt sind. Es verdammt seinen Träger zur Rolle als Ersatzmann beziehungsweise -frau. Die Legitimation leitet sich vom Präsidenten ab. Nun, da Harris als
Kandidatin aus eigener Kraft agieren kann, wirkt sie wie ausgewechselt. Das hat nicht nur in der Partei, sondern auch im Land die Stimmung verändert, wie Umfragen nahelegen."
Kamala Harris hatte auch
gemäßigte Republikaner zu ihrem Parteitag eingeladen, um im gegnerischen Lager zu fischen, so etwas geht in den USA, ergänzt Frauke Steffens im Feuilleton. "Einer der prominentesten republikanischen Trump-Gegner blieb der Veranstaltung indessen fern.
Mitt Romney, ehemaliger Präsidentschaftskandidat und Senator aus Utah, schrieb bei X: 'Entgegen einiger Fake-News-Posts bin ich nicht der Überraschungsgast bei der DNC heute Abend. Mein Tipp ist, dass es Beyoncé oder Taylor Swift sein werden. So enttäuschend, ich weiß.'"
Ein dritter Artikel macht auf ein eher verdrängtes soziales Problem in Amerika aufmerksam: "
Kamala Harris hat ein Männerproblem", schreibt Winand von Petersdorff auf den Wirtschaftsseiten. Die soziale Lage von Männern, gerade von weißen, hat sich in den letzten Jahrzehnten
dramatisch verschlechtert - das zeigt sich etwa an Unis, wo "Gleichstellung" nicht mehr das Problem ist: "42 Prozent der eingeschriebenen Studenten waren 2021 Männer, 58 Prozent waren Frauen. ... In brutaler Deutlichkeit zeigt die Kluft zwischen Schulabgängern und Hochschulabsolventen sich in der
Sterblichkeit: Menschen mit Collegeabschluss konnten zuletzt erwarten, 8,5 Jahre länger zu leben als jene zwei Drittel der amerikanischen Erwachsenen ohne Hochschulabschluss. Diese Kluft hat sich nach einer Analyse der Ökonomen Anne Case und Angus Deaton
seit 1992 verdreifacht. Männer sind die Verlierer dieses Trends." Trump macht sich das zunutze und gewinnt immer mehr Stimmen junger Männer, so Petersdorff, der auch mit dem Männer-Forscher
Richard Reeves gesprochen hat: "Nach seiner Analyse sind Demokraten zwar an aktiver Politik interessiert, aber nicht an Männern. Republikaner hätten dagegen ein Herz für Männer, aber kein Interesse an einem politischen Programm, das ihnen helfe."
In der
SZ klingt Peter Burghardt etwas skeptisch: "Was zum Beispiel wird aus den Anhängern des Querdenkers Robert F. Kennedy jr., der das Rennen aufgibt und nun Trump unterstützt? Kann Donald Trump seine
offenkundige Verwirrung über seine neue Gegnerin Harris bald ablegen? Bei Inhalten ist auch sie angreifbar. Trumps Lügen und Geprahle kennt jeder. Wer kennt Kamala Harris so genau? Die einstige Strafverfolgerin verkörpert außer sozialer Toleranz einen Rechtsstaat, den Trump verachtet, wenn ihm die Justiz nicht nützt. Doch ohne Skript hat sie sich
auf großer Bühne noch nicht bewährt." Und
Carolin Emcke mahnt: "In den USA geht es nicht nur darum, Trump zu verhindern, sondern auch zurückzufinden zu den Grundwerten von Demokratie und
menschlichem Miteinander."
Und noch eins:
John McWhorter erklärt in der
New York Times, wie Tim Walz mit dem gar nicht so harmlosen Wörtchen "
weird" Donald Trump erledigte.
Wer erinnert sich noch an den
Dalai Lama, einst ein Superstar, geradezu Pop? Auch westliche Politiker zeigten sich gern mit ihm. Nun kommt er in die Schweiz,
berichten Katrin Büchenbacher und Robin Schwarzenbach in der
NZZ, eine große Veranstaltung mit ihm ist ausverkauft. Aber die Politik? "Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) teilt mit, dass man
über den Besuch informiert worden sei. Der Aufenthalt des Dalai Lama sei
spiritueller Natur, es handle sich nicht um ein Arbeitstreffen zwischen Staatsvertretern. Weiter bestätigt das EDA auf Anfrage, dass die
chinesische Botschaft in Bern 'ihre Sicht auf den Besuch des Dalai Lama' dargelegt habe. Man habe dies zur Kenntnis genommen."
In der selben
NZZ wird allerdings auch ein
rasanter Niedergang Chinas vorausgesagt. Der Ökonom
Heribert Dieter von der Stiftung Wissenschaft und Politik in Berlin,
belegt ihn mit drastischen Zahlen: "China wird nicht nur alt, bevor es reich wird, es verliert auch wegen des sich beschleunigenden
Bevölkerungsrückgangs das geopolitische Ringen um die globale Vorherrschaft mit den USA. Nach Prognosen der Uno, die im Juli 2024 veröffentlicht wurden, wird die Bevölkerung der Volksrepublik von gegenwärtig etwa
1.400 Millionen Menschen auf rund
640 Millionen Einwohner im Jahr 2100 zurückgehen. Diese prognostizierte
Implosion der Bevölkerung ist außerhalb von Kriegszeiten und Pandemien des Mittelalters ohne Beispiel."