Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

855 Presseschau-Absätze - Seite 64 von 86

Magazinrundschau vom 01.05.2007 - New Yorker

Larissa MacFarquhar porträtiert Barack Obama. Sie beginnt mit Fachdialogen über Ethanol aus Mais, die er mit Farmern seines Wahlkreises führt und beschreibt dann Obamas selbstgewisse Ruhe als seine eindrucksvollste Eigenschaft: "Das Seltsame an dieser Selbstgewissheit ist, dass sie so auffällig ist, wie die unnatürliche Ruhe von jemand, der durch reine Konzentration in der Lage ist, seinen Blutdruck zu senken. Er versucht gar nicht, wie ein Jedermann zu erscheinen, er ist entspannt, aber niemals anbiedernd, eher gütig als vertrauensselig. Seine Oberfläche ist so glatt, seine Bewegungen sind so leicht und flüssig, seine Stimme so fest und wohlabgewogen, dass er wie ein Schauspieler erscheint, der einen Politiker spielt. Es wirkt zu unangestrengt, um real zu sein."

Außerdem im New Yorker eine neue Erzählung von Colm Toibin und Anthony Lanes Besprechung von "Spider-Man 3" und "The Treatment".

Magazinrundschau vom 24.04.2007 - New Yorker

In einem ebenso ausführlichen wie wunderbaren Porträt unter der Überschrift "Lady be Good" würdigt Anthony Lane die Schauspielerin Barbara Stanwyck, die im Juli dieses Jahres 100 Jahre alt geworden wäre. "Zu behaupten, Stanwyck habe nie zur ersten Garde der Schönheiten gehört, wäre zwar ungalant, aber wahr. Zu meinen, ihr habe deshalb ein bereitwilliges Angebot an männlichen Opfern gefehlt, wäre nachweislich Unfug. Sie hatte sündhaft geschwungene Wangenknochen, gewölbte Augenbrauen und eine stolze, zinkenhafte Nase, die ihr gelegen kam, als sie anfing, Figuren der gehobeneren Klassen zu spielen oder sie wie in "The Lady Eve" (1941) in Stücke zu reißen. Es war ein Gesicht, das tausend Fragen aufwarf: der Mund zu streng, um rosig zu sein, und eine für Slang geschaffene Stimme, ätzend und heiser. Wenn ich an die ruhmvollen Zeiten des amerikanischen Films denke, an seine schlagfertigste und höchste Samtigkeit, dann denke ich an Barbara Stanwyck."

Weiteres: Atul Gawande untersucht, inwiefern die Medizin einer zunehmend älter werdenden Bevölkerung nützen kann. John Updike rezensiert eine neue Biografie über eine legendäre Predigerin, die in weißem Gewand und Militärumhang auftrat: "Aimee Semple McPherson and the Resurrection of Christian America" von Matthew Avery Sutton (Harvard). Joyce Carol Oates bespricht den Roman "The Pesthouse" von Jim Crace (Nan A. Talese/Doubleday). Paul Goldberger stellt den neuen Erweiterungsbau für das Nelson-Atkins Museums in Kansas City von Steven Holl vor. Und Anthony Lane sah im Kino die Krimiparodie "Hot Fuzz" von Edgar Wright und den neuen Film des Franzosen Francis Veber ("Ein Käfig voller Narren"), "The Valet".

Magazinrundschau vom 17.04.2007 - New Yorker

Jane Kramer beginnt ihre lange, faktenreiche Reportage über den Endspurt im französischen Präsidentschaftswahlkampf mit einer wunderbaren Versinnbildlichung der "cartesianischen Falle", in der die Franzosen gefangen seien. "Ende März, nach einem langen Tag, an dem ich zu viele Franzosen über Politik hatte reden hören, hoffte ich beim Room-Service meines Pariser Hotels auf ein Sandwich. 'Wir haben Schinken und Emmentaler auf Toast', erklärte der Kellner am Telefon. 'Gut', sagte ich, 'könnten Sie es grillen?' 'Nein, Madame. Auf der Speisekarte steht Schinken und Käse; würden wir es grillen, wäre es eher ein Croque-Monsieur.' 'Einverstanden', sagte ich. 'Dann machen Sie es wie einen Croque-Monsieur.' 'Das geht leider nicht. Ein Schinken-Käse-Sandwich wird nie gegrillt, es sei denn, auf der Karte steht Croque-Monsieur, und das steht da nicht.' Mir wurde klar, dass ich in ein sehr französisches Gespräch geraten war (...), das sich wirklich nicht von jenen Gesprächen unterschied, die ich den ganze Tag mit diesen verstockten Typen aus der gegenwärtigen Wahlkampfkomödie geführt hatte - den Experten, den Philosophen und den Politikern."

Weiteres: Ben McGrath portätiert den Baseballstar der Bostoner Red Sox Manny Ramirez. Zu lesen sind außerdem die Erzählung "Something Like Happy" von John Burnside sowie Lyrik von Jean Valentine, J.D. McClatchy und William Logan. Adam Gopnik rezensiert eine Biografie des englischen Schriftstellers und Dichters Kingsley Amis: "The Life of Kingsley Amis" (Pantheon). Und David Denby sah im Kino den Krimi "Lonely Hearts" von Todd Robinson und das Regiedebüt "Year of the Dog" von Mike White.

Nur im Print: ein Bericht über die Demokratiebewegung in China und ein Porträt von Jeff Koons.

Magazinrundschau vom 10.04.2007 - New Yorker

Alec Wilkinson stellt eine in einem Pariser Vorort entwickelte Methode vor, mit der sich die Welt quasi immer geradeaus durchqueren lässt und die im letzten James-Bond-Film "Casino" zu bewundern war: Parkour. "Parkour, ein vom französischen parcours (Weg) entlehntes Kunstwort, ist gewissermaßen ein System aus Sprüngen, Volten, Rollen und Landungen, das entwickelt wurde, alles zu überwinden oder zu unterlaufen, was einem im Weg steht - kurz: wie man Hindernisse überwindet. Parkour heißt: über Mauern zu gehen, nicht um sie herum; das Treppengeländer zu nehmen, nicht die Stufen. Es ist eher eine städtische als eine idyllische Beschäftigung."

Weiteres: Alex Ross beschreibt New Yorks lebendige Szene für Neue Musik. Zu lesen sind außerdem die Erzählung "The Stolen Pigeons" von Marguerite Duras und Lyrik von Philip Levine und C.K. Williams.

John Updike rezensiert eine Biografie über Edith Wharton von Hermione Lee (Knopf). Rebecca Mead bespricht "The Feminine Mistake", einen flammenden Aufruf der Journalistin Leslie Bennetts zu weiblicher Erwerbsarbeit (Voice). Und Claudia Roth Pierpoint stellt eine Biografie über den amerikanischen Schriftsteller und Impressario Lincoln Kirstein vor, der unter anderen gemeinsam mit George Balanchine die School of American Ballet und das New York City Ballet gründete: "The Worlds of Lincoln Kirstein" (Knopf). Sasha Frere-Jones lobt das neue Album der kanadischen Musikerin Leslie Feist. Nancy Franklin stellt die TV-Show "This American Life" vor. Und David Denby sah im Kino den über dreistündigen "schlock movie" (etwa Ramschfilm) "Grindhouse" von Quentin Tarantino and Robert Rodriguez und die satirische Komödie "The TV Set" von Jake Kasdan.

Nur im Print: eine Reportage über die rätselhafte Sprache eines Amazonasstammes, ein Text von Orhan Pamuk über seinen ersten Pass, Artikel über Reisen von Peking nach Lhasa, Berufspendler und Kofferkaufen.

Magazinrundschau vom 03.04.2007 - New Yorker

Adam Gopnik hat sich durch die Literatur gewühlt und schreibt in einem wunderbaren Essay über Essen und Rezepte in der Literatur - die er teilweise nachkochte. "Heutzutage haben wir lange Kochsequenzen bei Ian McEwan, endlose Rezepte bei James Hamilton-Paterson, ausführliche Menüanalysen bei John Lanchester und detaillierte kulinarische Beschreibungen von Robert B. Parkers kraftmeierischem Detektiv Spenser. Kochen ist für unsere Literatur das, was Sex für das Schreiben in den Sechzigern und Siebzigern war, die Sache, die es wert ist, die Story anzuhalten, um sie sozusagen mit dem Leser zu teilen."

Weiteres: John Cassidy porträtiert den ehemaligen politischen Berater von George W. Bush, stellvertretenden Außenminister und Neocon, der den Einmarsch in den Irak unterstützt hat: Paul Wolfowitz. Seit 2005 ist er Chef der Weltbank und auch dort sehr umstritten - besonders wegen seiner Auffassung, korrupte Regime seien von Zahlungen der Weltbank auszuschließen. Zu lesen sind außerdem die Erzählung "Still-Life" von Don DeLillo und Lyrik von Dan Chiasson und Mary Kinzie.

Joan Acocella bespricht ein Buch über ein klassisches Schreibwerkzeug von Schriftstellern: "The Iron Whim: A Fragmented History of Typewriting". Clive James sucht nach der Literatur in - vorzugsweise europäischen - Kriminalromanen. Sasha Frere-Jones schwärmt von Prince, der freitags und samstags neuerdings in einem kleinen Club in Las Vegas auftritt - Eintritt: 175 Dollar. Peter Schjeldahl führt durch die Ausstellung "Global Feminism", mit der das Elizabeth A. Sackler Center for Feminist Art im Brooklyn Museum eingeweiht wird. John Lahr stellt eine Dramatisierung von Joan Didions Buch "Das Jahr des magischen Denkens" vor. Und Anthony Lane sah im Kino den im Zweiten Weltkrieg in Holland spielenden Thriller "Black Book" von Paul Verhoeven und das Drama "The Hoax" von Lasse Hallström.

Magazinrundschau vom 27.03.2007 - New Yorker

Hobbykoch und Autor Bill Buford porträtiert den Starkoch Gordon Ramsay (Bild), der es als einziger in London zu drei Michelin-Sternen gebracht hat und seit November nun in New York aufkocht. "Gordon Ramsey ist kein Monster und keineswegs einer der ausfallendsten Restaurantbetreiber. Obwohl ein verdeckt gedrehter britischer Dokumentarfilm ihn einmal bei einer Suada erwischte, bei der er in einem heftigen Angriff Obszönitäten auf einen jungen Assistenten niederprasseln ließ, was ihm den Ruf eines der 'unerträglichsten Chefs' des Landes eintrug, bringen ihm die Leute, die für ihn arbeiten, eine hartnäckige, fast irrationale Loyalität entgegen, die an Liebe grenzt. Aber er kann wütend werden, hilflos und unkontrollierbar wütend - keine irdische Wut, sondern etwas Düstereres - und er weiß nicht genau, wie er das stoppen kann."

Weiteres: Jeffrey Goldberg erklärt, wie Wal-Mart mithilfe demokratischer PR-Experten versucht, seinen Ruf bezüglich mieser Löhne, knausriger Vergünstigungen, Geschlechterdiskriminierung und Bruch von Gewerkschaftsvereinbarungen aufzupolieren. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Teaching" von Roddy Doyle und Lyrik von Adam Zagajewski und Charles Wright.

John Updike bespricht eine neue Biografie über Albert Einstein von Walter Isaacson, "Einstein: His Life and Universe". Arthur Phillips rezensiert die erstmals auf Englisch vorliegende Übersetzung von Sandor Marais Roman "Die jungen Rebellen". Alex Ross hörte die Pianisten Lang Lang und Yundi Li in der Carnegie Hall. Und David Denby sah im Kino den Actionfilm "Shooter" von Antoine Fuqua und "300", ein Film über die Schlacht bei den Thermopylen von Zack Snyder.

Nur im Print: Jane Kramer über den Papst und den interkonfessionellen Dialog und ein Artikel über den 400. Geburtstag der Stadt Jamestown.

Magazinrundschau vom 20.03.2007 - New Yorker

Schicker neuer Online-Auftritt des New Yorker! Sehr übersichtlich, und man darf eine ganze Menge lesen. Gutes Konzept.

In einer Reportage porträtiert George Packer unter der Überschrift "Betrogen" jene Iraker, die Amerika am stärksten vertrauten: die Dolmetscher. "Millionen von Irakern quer durch alle Ethnien und Religionen begrüßten Saddam Husseins Sturz. Doch die meisten jungen Männer und Frauen, die sich für Amerikas Projekt so begeisterten, dass sie bereit waren, ihr Leben dafür zu riskieren, bilden wohl die kleinste Minderheit im Irak. Ich stieß in jeder Stadt auf sie: auf den jungen Mann in Mosul, der Metallica mag und sich als Übersetzer in einer US-Basis meldete; auf den DVD-Händler in Najaf, dessen Pläne für ein Medizinstudium von der Baath-Partei durchkreuzt worden waren und der seine Dienste dem ersten amerikanischen Humvee anbot, der in seine Stadt kam. Sie hatten Englisch aus amerikanischen Filmen, aus Musik und durch heimliches BBC-Hören gelernt. Vor dem Krieg bestand ihre einzige Chance auf ein normales Leben in der Flucht aus ihrem Land - ein fast unmögliches Unterfangen."

Weiteres: Simon Shama untersucht, was sich Picasso bei Rembrandt abschaute. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Playdate" von Kate Walbert sowie Lyrik von Carolyn Forche und James Arthur. Nancy Franklin weist auf die neue TV-Serie "The Riches" hin. Anthony Lane sah im Kino "Reign Over Me" von Mike Binder und "Premonition" von Mennan Yapo mit Sandra Bullock.

Nur im Print: ein Bericht über Punk im East Village.

Magazinrundschau vom 13.03.2007 - New Yorker

John Colpitano porträtiert den Modeschöpfer Karl Lagerfeld, der seit 1983 für Chanel entwirft. "Paradoxerweise ist Lagerfeld ein Anhänger des 17., 18. und 19. Jahrhunderts. Seine Leidenschaft für Geschichte spiegelt seine Kleidung wieder, eine Mischung aus Zeitgenössischem (Dior-Jackets zu hautengen Diesel Jeans) und einem selbstbewussten Retrostil (...) mit maßgeschneiderten Hemden von Hilditch & Key mit hohen, steifen Krägen, die an Gentleman wie Walther Rathenau erinnern, den jüdischen Industriellen, der als Vorlage für eine Nebenfigur in Musils 'Mann ohne Eigenschaften' diente, und an Harry Graf Kessler, den englisch-deutschen Kunstmäzen, der mehrere Bände Tagebücher geschrieben hatte (die Lagerfeld gelesen hat) und legendär für seinen Dandystil war. Rathenau und Kessler verkörpern für Lagerfeld alles Noble an der Weimarer Republik. 'In meiner Seele bin ich Deutscher', erklärt er, 'aber eines Deutschlands, das es nicht mehr gibt.'"

Weiteres: Paul Goldberger porträtiert das Architekturbüro Single Speed Design aus Cambridge, Massachusetts. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Lucky Alan" von Jonathan Lethem und Lyrik von Jack Gilbert, Nicholas Christopher und Robert Bly.

Judith Thurman rezensiert die Biografie "Leni: The Life and Work of Leni Riefenstahl" von Steven Bach (Knopf). Peter Schjeldahl führt durch zwei Ausstellungen "zur alten Idee" Abstraktion: eine Schau der Werke von Robert Ryman in der Gallerie PaceWildenstein und "Comic Abstraction" im MoMA. Hilton Als stellt eine Inszenierung von "König Lear" mit Kevin Kline in der Hauptrolle und Patrick Marbers Stück "Howard Katz" vor. Und David Denby sah im Kino den neuen Film von Ken Loach "The Wind That Shakes the Barley" und den Krimi "Zodiac" von David Fincher.

Nur im Print: Berichte über die Turner-Prize-Manie in London und Zweite-Hand-Produktionen aus Hollywood, eine Warnung vor allzu lässiger "texanischer" Freizeitmode und eine Reportage über einen Detektiv, der Modefälschungen auf der Spur ist.

Magazinrundschau vom 27.02.2007 - New Yorker

Warum gibt es kein deutsches Magazin, dass die Reportagen von Seymour M. Hersh übersetzt? In dieser Ausgabe beschreibt Hersh die Neuausrichtung der amerikanischen Politik im Nahen Osten. "Um den vorherrschend schiitischen Iran zu untergraben, hat die Bush-Regierung beschlossen, ihre Prioritäten im Mittleren Osten neu zu konfigurieren. Im Libanon kooperierte sie in Geheimaktionen mit der - sunnitischen - saudi-arabischen Regierung, um die schiitische Hisbollah zu schwächen, die vom Iran gestützt wird. Sie hat auch an Geheimoperationen teilgenommen, die auf den Iran und seinen Verbündeten Syrien abzielten. Ein Nebenprodukt dieser Aktivitäten war eine Ermutigung sunnitischer Extremistengruppen, die eine militante Vision des Islam unterstützen, Amerika feindlich gegenüberstehen und mit Al Qaeda sympathisieren. Und ein widersprüchlicher Aspekt der neuen Strategie besteht darin, dass ein Großteil der aufständischen Gewalt von sunnitischen Kräften ausgeht, nicht von schiitischen. Doch aus Perspektive der Bush-Regierung ist die schwerwiegendste - und gänzlich unbeabsichtigte - strategische Folge des Irakkriegs die Stärkung des Iran." Es gibt auch bereits amerikanische Pläne für eine Bombardierung des Iran. Sehr unangenehm für die Saudis, die bereits als zu amerikafreundlich angesehen werden. "'Wir haben zwei Albträume', erklärte mir ein ehemaliger Diplomat. 'Dass der Iran die Bombe haben könnte und dass die Vereinigten Staaten den Iran angreifen. Ich wünschte, die Israelis würden Iran bombardieren, so dass wir sie beschuldigen können. Wenn Amerika angreift, wird man uns beschuldigen."

In einem Essay fragt sich David Denby, warum Filme eigentlich immer komplizierter werden. "Einige Regisseure spielen vielleicht nur mit uns, indem sie uns ihre Gelangweiltheit über diese Hollywood-Plage namens 'Handlungsbogen' vorführen. Andere mögen uns vielleicht aufrütteln und zu einem neuen Verständnis von Kunst oder sogar des Lebens bringen wollen. In der Vergangenheit hat sich das Mainstream-Publikum allerdings beharrlich dagegen gewehrt, aufgerüttelt zu werden."

Weiteres: David Remnick porträtiert den ehemaligen Vizepräsidenten Al Gore, der es immer noch zum Präsidenten bringen könnte, derzeit aber hinter anderen demokratischen Kandidaten in der zweiten Reihe bleibt. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "History of a Disturbance" von Steven Millhauser. Peter Schjeldahl führt durch eine Retrospektive mit Arbeiten des kanadischen Forografen Jeff Walls im Museum of Modern Art. David Denby sah im Kino das Historiendrama "Amazing Grace" über das Ende des Sklavenhandels im Britischen Empire von Michael Apted.

Magazinrundschau vom 13.02.2007 - New Yorker

Jane Mayer analysiert das Politikverständnis der Kultserie "24", in der im Kampf gegen Terroristen häufig Foltermethoden angewendet werden. "Seit dem 11. September hat die Darstellung von Folter im Fernsehen insgesamt zugenommen. Davor gab es laut der Nonprofit-Organisation Human Rights First zur Hauptsendezeit weniger als vier Folterszenen im Jahr. Inzwischen sind es mehr als einhundert. Außerdem, so ein Projektleiter der Organisation, 'haben die Folterer gewechselt. Normalerweise waren es meistens die Schurken, die folterten, heutzutage sind es oft die Helden'. Der Parents' Television Council hat nachgezählt und 67 Folterszenen in den ersten fünf Staffeln von '24' ausgemacht, mehr als in jeder anderen Serie."

Weiteres: Dana Goodyear berichtet über das Imageproblem der amerikanischen Lyrik und die Poetry Foundation, die gegründet wurde, nachdem eine reiche Erbin vor fünf Jahren der Zeitschrift Poetry einen 200-Millionen-Dollar-Scheck hinterlassen hatte. Susan Orlean porträtiert den Physiker Robert J. Lang, der alles aufgab, um sich künftig der Origami-Kunst zu widmen. Adam Green untersucht, wie Psychotherapeuten in Filmen dargestellt werden. David Sedaris erzählt von einem Erlebnis mit einem Haschischdealer. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Swan" von Tessa Hadley.

Um Zitate und Sprüche sowie deren Herkunft und Richtigkeit geht es in Louis Menands lesenswerter Besprechung von zwei einschlägigen Büchern, von denen er das erste als "kurz, amüsant und teuer" und das zweite als "ziemlich unwiderstehlich" lobt: "Yale Book of Quotations" (Yale) und "The Quote Verifier" (St. Martin?s); so erfährt man unter anderem, dass "Play it again, Sam" falsch ist oder wo der Spruch "Shit happens" erstmals auftauchte. Die Kurzbesprechung widmet sich einem Romandebüt von Andre Aciman: "Call Me by Your Name". Sasha Frere-Jones schreibt über den "immensen Reiz" der kanadischen Band Arcade Fire. Und David Denby sah im Kino den düsteren Thriller "Breach" von Billy Ray und den "überflüssigen" biografisch angehauchten Film "Factory Girl" über die Warhol-Muse Edie Sedgwick von George Hickenlooper.

Nur im Print: das Porträt eines Pizzamoguls und seines "katholischen Kreuzzugs", eine Reportage über eine Odyssee im Pazifik, ein Bericht über einen Überwachungsskandal bei Hewlett-Packard und Lyrik.