Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

854 Presseschau-Absätze - Seite 38 von 86

Magazinrundschau vom 10.05.2016 - New Yorker

Wie kein anderer Republikaner, aber auch wie kein Demokrat hat Donald Trump die Herzen der weißen Arbeiterklasse gewonnen, die sich stärker deklassiert fühlt als jede andere Bevölkerungsgruppe im Land. Wie konnte das geschehen, fragt sich George Packer. Seine Beobachtung: Die republikanischen Konkurrenten haben mit ihrer Tea-Party-Frömmelei die Arbeiterklasse links liegen lassen, und die Demokraten "haben einen Widerwillen gegen die absteigenden Weißen. Abstrakte Sympathie mit der Arbeiterklasse als ökonomisches Objekt ist einfach, aber dieses Gefühl kann verschwinden beim Kontakt mit realen Mitgliedern dieser Gruppe, die oft verstörende Ansichten haben und mächtige Ressentiments - die nicht aussehen und sich nicht anhören wie Menschen, die urbane Progressive gern kennen würden. Das weiße männliche Privileg mag noch existieren in Amerika, aber diese Phrase klänge seltsam, um nicht zu sagen empörend gegenüber einem Sechzigjährigen, der als Grüßaugust bei Walmart in Südohio arbeitet. Die wachsende Bedeutung von Identätitspolitik bei der Linken stößt die weiße Arbeiterklasse, gescholten wegen ihrer verschiedenen Arten der Bigoterie (manchmal gerechtfertigt) noch entschiedener Richtung Trump."

Die neue Ausgabe des Magazins widmet sich dem Thema Innovationen. Adam Gopnik berichtet über haptische Forschung und sogenannte "Knuddel"-Shirts, die einem das Gefühl einer warmen Umarmung geben: "Das Studium der haptischen Intelligenz führt zu tiefreichenden Fragen über unser körperliches Selbstverständnis. Wir sind ganz in unserer Haut, weil sie eine Grenze unserer Existenz darstellt: Wir erleben die Welt als wir selbst. Wir können uns unterscheiden von unseren Augen und Ohren, die Information, die sie uns vermitteln als Information erkennen, aber nur unser Tastsinn vermittelt uns das Gefühl, konstante Wesen zu sein. Vielleicht gibt es keine spezifisch haptische Kunst, weil wir dem Tastsinn nicht entkommen können. Wir können die Augen schließen, die Ohren bedecken, aber wir tun dergleichen mit unseren Händen. Unsere Haut können wir nicht verschließen. Der Tastsinn ist zu wichtig, um nicht einfach nur zu sein. Was wir sehen, wollen wir haben, was wir hören, interpretieren wir, aber was wir berühren, sind wir. Das Leben ist der Juckreiz, den wir nicht zu stillen wissen."

Weitere Artikel: D. T. Max stellt einen animierten Roboter vor, der Kindern das Programmieren beibringt. Lizzie Widdicombe erkundet das Phänomen der steigenden Zahl von Wohn- und Arbeitsgemeinschaften in unseren Städten. Alexandra Lange trifft den niederländischen Landschaftsdesigner Adriaan Geuze, der den Park ganz neu denkt. Adelle Waldman erinnert an den ersten Romancier, Samuel Richardson. Hua Hsu vergleicht Drakes neues Album mit den Alben von Kendrick Lamar und Kanye West. Peter Schjeldahl schreibt über die Nicole-Eisenman-Retrospektive im New Museum. Und Anthony Lane sah im Kino Yorgos Lanthimos' "The Lobster" sowie Anthony und Joe Russos "Captain America: Civil War". Lesen dürfen wir außerdem Akhil Sharmas Erzählung "A Life of Adventure and Delight".

Magazinrundschau vom 03.05.2016 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des Magazins stellt uns Lauren Collins das slowenisch-amerikanische Model Melania Trump vor, die heilige Ausnahme in Donald Trumps nativistischer Weltsicht: "Sie ist der perfekte Werbeträger, ein Model mit der Verhangenheit einer Nonne … Ihre Geschichte ist so nichtssagend, dass man seine Fantasie benutzen muss, um sie zu beleben … Melania scheint die Lebenswelt ihres Mannes internalisiert zu haben, seine Frechheit, seine Neigung zu falschen Dichotomien bei Minderheiten und Frauen. Wie ihr Mann trinkt sie nicht und lässt sich nicht verleiten. In einer ehelichen Variante des Herrchens, das wie sein Hund aussieht, hat sie den Schmollmund ihres Mannes angenommen. Melania ist die perfekte Verkörperung von Trumps Handel mit der amerikanischen Wählerschaft. Obamas Versprechen lautete: Ich bin wie ihr. Trumps Versprechen dagegen lautet: Ihr seid wie ich."

Dexter Filkins sucht nach Spuren der Wirklichkeit in den Texten des Journalisten und Schriftstellers Mohammed Hanif, der den Tod des pakistanischen Militärdikators Mohammed Zia-ul-Haq in bitterböse Satire gegossen hat. "Hanif meint, seine Romane eher zufällig in Pakistan spielen und er kein Interesse daran habe, diesen Ort Außenseitern zu erklären. Aber er weiß auch, dass die besonderen Schwierigkeiten und Ungerechtigkeiten dieser Gesellschaft seinen Geschichten ihre manischen Ecken und Kanten verleiht. 'Ich habe einmal versuchte, eine Geschichte über eine fremde Galaxie zu schreiben, und sie klang bald wie Karatschi', sagt er."

Außerdem: Jeffrey Toobin porträtiert den einflussreichen New Yorker Staatsanwalt Preet Bharara, der Terroristen, Street-Gangs und Wall-Street-Banker gleichermaßen das Fürchten lehrte. Jake Halpern geht auf Nazi-Schatzsuche in Niederschlesien. Anthony Lane sah im Kino Luca Guadagninos "A Bigger Splash" und Matthew Browns "The Man Who Knew Infinity". Lesen dürfen wir außerdem John L'Heureux' Erzählung "Three Short Moments in a Long Life".

Magazinrundschau vom 26.04.2016 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des Magazins erzählt der Mediziner und Autor Siddhartha Mukherjee die Geschichte seiner Mutter Tulu und ihrer Zwillingsschwester Bulu und kommt ins Grübeln über das Phänomen der Identität und der feinen Unterschiede: "Identische Zwillinge mit ihren sich reimenden Namen, dem Partnerlook und der steten Gefahr, verwechselt zu werden, verweisen auf das Komödiantische der Natur, das Gag-Potenzial der Gene. Aber Zwillinge erleben ihr Dasein oft als Tragödie der Natur. Meine Mutter und ihre Schwester wuchsen in einem eingehegten Haus und Garten auf. Sie empfanden einander nicht als Freunde oder Geschwister, sondern als vertauschte Identitäten, geschieden erst durch die Heirat. 'Was Tulu gehört, gehört auch Bulu', pflegte mein Opa zu sagen. Doch diese Fantasie perfekter Gleichheit war absurd und konnte nicht halten. Der Kummer von Zwillingen, die das Leben trennt, ist einzigartig, aber er verweist auf einen universellen Schmerz: Wenn schon ewige Gleichheit nicht ewige Nähe bedeutet, was heißt das erst für Geschwister, Eltern oder Liebende? Warum unterscheiden sich Zwillinge? Weil besondere Erfahrungen, besondere Spuren hinterlassen. Untersucht man das Genom identischer Zwillinge alle zehn Jahre über einen langen Zeitraum, erhält man immer die gleiche Sequenz. Untersucht man jedoch das Epigenom (die Art, wie eine Zelle die Aktivität ihrer Gene organisiert, d Red.), stößt man auf substanzielle Unterschiede: Das Muster epigenetischer Markierungen auf dem Genom ihrer Zellen, anfangs noch identisch, unterscheidet sich mit der Zeit. Verletzungen, Gefühle, der Eindruck eines bestimmten Musikstücks, hinterlassen Spuren bei dem einen Zwilling, aber nicht bei dem anderen. Als Reaktion auf diese Ereignisse werden Gene an- und ausgeschaltet, epigenetische Markierungen legen sich über die Gene, die ihre Narben, Schwielen und Sommersprossen in das Genom einätzen."

Außerdem: Ian Frazier schreibt über die Anstrengungen einer Anwältin, New York vom Plastik zu befreien. Und Eyal Press berichtet von katastrophalen Zuständen in Floridas Gefängnissen, wo geistig Behinderte gequält wurden.

Magazinrundschau vom 05.04.2016 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des Magazins erzählt Gay Talese die unglaubliche Geschichte des Gerald Foos', der ein Motel erwarb, nur um anderen Paaren heimlich beim Sex zuzusehen und der darüber jahrzehntelang wie in Vorbereitung einer soziologischen Studie penibel Buch führte: "In seinen Aufzeichnungen beschwert sich Foos über das unethische Verhalten seiner Gäste: Der Typ, der heimlich in den Bourbon seiner Freundin pinkelte, der fettleibige Gast, der seine viel jüngere Begleitung in ein Fell kleidete und ihn 'meinen wunderschönen Schafs-Jungen' nannte. Meistens fand Foos deprimierend, was er sah. Die Objekte seiner Begierde stritten sich und sahen zu viel fern, was er als besonders kränkend empfand, wenn es sich um attraktive Exemplare handelte. Nachdem er so ein unerquickliches Paar beobachtet hatte, notiert er: 'Dies ist das echte Leben mit echten Menschen! Ich bin geradezu abgestoßen von der Tatsache, dass ich ganz allein die Last dieser Beobachtung zu tragen habe. Diese Leute werden niemals glücklich sein, und natürlich werden sie sich scheiden lassen. Er weiß rein gar nichts über Sex und seine Anwendung. Er kennt nur das Rein-und-raus bis zum Orgasmus, am besten im Dunkeln."

Außerdem: Rachel Aviv berichtet über philippinische Kindermädchen, die ihre eigenen Familien aufgeben, um für andere zu sorgen. Calvin Tomkins porträtiert den isländischen Künstler Ragnar Kjartansson. James Lasdun bewandert die Via Alpina im Dreiländereck zwischen Österreich, Italien und Slowenien. Anthony Lane sah im Kino Richard Linklaters "Everybody Wants Some!!" und Don Cheadles "Miles Ahead." Und Alex Ross erklärt, warum Mallarme eigentlich nicht ins Englische übersetzt werden kann. Lesen dürfen wir außerdem Sarah Shun-lien Bynums Erzählung "The Burglar".

Magazinrundschau vom 12.04.2016 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des Magazins erzählt Ben Taub, welch ungeheuren Aufwand es erfordert, geheime Dokumente aus Syrien zu schmuggeln, die das Assad-Regime der Folter und des Massenmordes überführen sollen und die grausamste Details zutage fördern: "Die Dokumente über die Grenzen zu schaffen, ist das Gefährlichste an der Operation. Die großen Mengen an Papier sind schwer und natürlich belastend für den Informanten. Fotos, obgleich besser zu transportieren, sind vor Gericht schwer zu authentifizieren. Bündel zu etwa 500 Gramm kommen in Koffern an. Größere Ladungen benötigen mehr Vorsorge, Fahrzeuge, die Checkpoints passieren müssen. Der Überbringer der Dokumente muss wissen, was ihn dort erwartet. Die Kommission bezahlt Rebellen und Kuriere für logistische Unterstützung. Diplomatische Kontakte zu Transitländern sind nötig, sodass die Dokumente ungehindert und unerkannt wandern können. In einem Fall wurden einige Tausend Seiten Beweismaterial auf dem abgelegenen Bauernhof einer alten Dame im Süden Syriens zwischengelagert."

Außerdem: Hilton Als porträtiert die Schriftstellerin Maggie Nelson und ihre Erkundungen der menschlichen Seele, des "Normalen" und des Radikalen. Ariel Levy besucht Niki de Saint Phalles Tarot-Garten in der Toskana. Und Elizabeth Kolbert berichtet, wie Wissenschaftler die Evolution der Pflanzen und Tiere fit machen wollen für das Zukunftsszenario einer massiv bedrohten Umwelt.

Magazinrundschau vom 22.03.2016 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des Magazins erinnert sich der amerikanisch-indische Schriftsteller und Arzt Siddhartha Mukherjee an eine Reise zu den Stätten seiner Kindheit in New Delhi und Kalkutta, zu den Mitgliedern seiner Familie, die an Schizophrenie erkrankt sind, und denkt über Erblichkeit und Identität nach: "Spricht man über Vererbung im herkömmlichen Sinn, meint man die Vererbung von besonderen Merkmalen über Generationen hinweg: die Nase des Vaters oder die Anfälligkeit für eine bestimmte Erkrankung, die in der Familie vorkommt. Doch das Rätsel der Vererbung ist ein viel allgemeineres: Wie sieht die Anleitung aus, nach der ein Organismus eine Psyche ausbildet oder eine Nase, eine beliebige Nase? Bei dem C4-Gen, das für Schizophrenie mitverantwortlich ist, handelt es sich um dasselbe Gen, mit dem unser Gehirn Synapsen trimmt und also für Wahrnehmung und Erkenntnis sorgt, die Adaption unserer Gedanken an die Wirklichkeit, adaptives Lernen. Ab einem gewissen Punkt, jenseits einer bestimmten Grenze bewirkt das Gen Schizophrenie. Zu weit in die andere Richtung und wir verlieren unsere adaptive Lernfähigkeit und werden zurückkatapultiert zu den kindlichen Schaltkreisen, blühender kindlicher Verwirrung und Naivität. Unsere einzigartige Existenz findet statt in der ausbalancierten Mitte zwischen über- und unterbearbeiteten Gehirnverschaltungen, zu viel und zu wenig getrimmten Synapsen."

Außerdem: George Packer berichtet, wie der Arabische Frühling und seine Folgen junge Tunesier dazu ermuntert, in den Dschihad zu ziehen. David Sedaris geht Shoppen in Tokio. Andrew O'Hagan trifft den Bühnenbildner Es Devlin. Und Ian McEwan liest seine Short Story "My Purple Scented Novel".

Magazinrundschau vom 15.03.2016 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des Magazins wagt Ryan Lizza einen Blick in die Zukunft der Demokraten in den USA, ob mit Hillary Clinton oder Bernie Sanders, der den Kampf noch nicht aufgegeben hat und den Wettbewerb mit Clinton jetzt härter angeht: "Unklar bleibt, ob die Attacken auf Hillary Clinton ihm helfen, ihre älteren, nichtweißen Parteigänger zu gewinnen. Sanders eigentliche Stärke könnte darin bestehen, den Demokraten klarzumachen, dass die neuen Wähler keinen Sinn haben für die moderate Politik der alten Clinton-Ära. Sanders spricht all diejenigen an, die einen besseren, verantwortlicheren Kapitalismus und eine bessere, ethisch orientierte Politik wollen, heißt es unter den neuen Demokraten. Das System neu zu organisieren, scheint die zukünftige Aufgabe der Demokraten zu sein. Sanders vermag sich seine geringen Chancen kaum einzugestehen. Für seine Bemühungen, die demokratischen Debatten zu formen, lässt er sich gerne loben. 'Wenn Millionen Menschen auf deine Worte reagieren, sind deine Worte in der Mitte der Gesellschaft angekommen', sagt Sanders. 'Das verändert die politische Wirklichkeit. Schlaue Politiker wie Hillary Clinton und jeder andere auch sollten auf die wichtigen Themen schauen, und das sind die Themen, die ich anspreche.'"

Außerdem: Lizzie Widdicombe porträtiert den Modedesigner Jeremy Scott, der gerade Moschino fit macht für die Instagram-Ära. Judith Thurman trifft Chinas erste Couturière von Rang, Guo Pei. Und Annie Proulx beschreibt einen "Resolute Man". In ihrer Short Story.

Magazinrundschau vom 08.03.2016 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des Magazins untersucht Jelani Cobb Ursprünge und Zukunft der die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Schwarzen in den USA kritisierenden Aktivistenbewegung "Black Lives Matter" (BLM), die sich 2013 nach den tödlichen Schüssen auf einen schwarzen Jugendlichen in Florida gründete und nun verstärkt Wahlkampfveranstaltungen stört: "Black Lives Matter definiert sich in Absetzung zum Civil Rights Movement der Großväter. Seine Taktiken und seine Philosophie unterscheiden sich von denen des 1960er Aktivismus. Wie Occupy verzichtet es auf hierarchische und zentralisierte Führungsstrukturen. Seine Mitglieder sind nicht selten im Clinch mit älteren Vertretern der Civil-Rights-Bewegung, mit der Obama-Regierung und auch untereinander. Von Anbeginn wurde die Bewegung mit Occupy verglichen. Wie Occupy wird BLM mit einem Hauptthema assoziiert und organisiert sich über soziale Medien. Wie Occupy ist es von Kurzlebigkeit bedroht, Kritiker bemängeln die Kluft zwischen Anspruch und Wirklichkeit. Neuerdings suchen die Aktivisten daher nach anderen Protestformen. Das assoziierte 'Ella Baker Center' erhielt von Google 500.000 Dollar, um ein Programm zur Überwachung von Polizeigewalt in Kalifornien zu entwickeln. Und die von einem Stanford-Absolventen mit initiierte 'Campaign Zero' setzt sich für die Abschaffung von Quoten bei Festnahmen und eine Entmilitarisierung der Polizei ein. Bisher unterstützen weder Clinton noch Sanders die Plattform, doch beide haben sich bereits mit den Aktivisten getroffen und mit ihnen diskutiert."

Außerdem: Alec MacGillis trifft fragwürdige Philanthropen in Washington. Damon Tabor berichtet über den ungewöhnlichen Weg eines liberischen Warlords zum Seelenfrieden. Und Ann Beatie schickt eine Shortstory: For the best.

Magazinrundschau vom 01.03.2016 - New Yorker

Für die aktuelle Ausgabe des Magazins schaute sich Rebecca Mead in den neuen Schulen um, in denen das digitale Lernen Einzug gehalten hat: "Das Klassenzimmer sieht aus wie ein Junggesellen-Apartment mit Sofas, Bücherregalen, Flachbildschirm und Küchenzeile. Anstatt auf die Lehrerin vor ihnen, starren die Schüler auf ein Bild von ihr auf ihren Chromebooks. In der computersimulierten Gesellschaft spielt jeder von ihnen eine Rolle: Verkäufsleiter, Sekretärin, CEO. Ihre Aufgabe an diesem Tag besteht darin, ihr Einkommen im Internet zu recherchieren und ihre Steuer zu errechnen … Personalisierte Lehre lockt mit der Vorstellung, auf standardisierte Tests zu verzichten und die persönlichen Stärken jedes Kindes herauszuarbeiten. Doch die Philosophie dieser Schulen ist bei aller Feier der Individualität, der Autonomie und der Kreativität durchaus utilitaristisch. Sie beinhaltet die Forderung, dass jedes Kind aufs Beste auf die künftige Arbeitswelt vorbereitet sein soll, und die Annahme, dass diese Arbeitswelt Individualität, Kreativität, Kollaboration und kritisches Denken erfordern wird."

Außerdem: Matthieu Aikins berichtet über Geschäftemachereien im Afghanistan-Krieg. Und David Owen rekapituliert einen Betrugsskandal in der Welt des Profi-Bridgespiels.

Magazinrundschau vom 23.02.2016 - New Yorker

Die neue Ausgabe des Magazins geht in die Luft. Und zwar mit einer neuen Generation von Helium-Luftschiffen: "Moderne Luftschiffe können mit der Präzision eines Hubschraubers starten und landen. Sie können ganze Lagerhallen, Bohrstationen oder komplette Fabriken transportieren. Heutige Ingenieure teilen die Vision von der Überführung des LKW-Verkehrs in die Luft: Luftschiff-Konvois, die Holz, Kohle, Turbinen, Fertighäuser und ganze Ernten transportieren, mit 150 Stundenkilometern, hoch über unseren Köpfen … Die größte Herausforderung bei der Leichter-als-Luft-Technik ist nicht das Heben von Gewichten, sondern das Runterkommen. Ein Luftschiff müsste eigentlich Ballast aufnehmen oder mit Seilen am Wegfliegen gehindert werden, um eine einmal abgelieferte Ladung zu kompensieren. Igor Pasternak von Worldwide Aeros hat lange über dieses Problem nachgedacht und die Schwimmblasen von Fischen studiert. Schließlich erfand er COSH ('control of static heaviness'), das auf einem einfachen Prinzip beruht: Ein Helium-Luftschiff steigt auf, also müsste ein luftgefülltes Schiff sinken. Der Trick ist, die beiden Gase nach Bedarf auszutauschen. Mit COSH wird Helium verdichtet und in die Tanks des Luftschiffes verbracht. Um aufzusteigen, lässt der Pilot das Helium in die Hauptkammer des Schiffs. Wird das Helium wieder verdichtet und in die Tanks zurückgepresst, füllt sich die Kammer mit Luft, und das Schiff sinkt."

Außerdem: Dana Goodyear berichtet von den Rivalitäten in der Stammzellenforschung. Joan Acocella stellt den neuen Star-Choreografen Justin Peck vor. Peter Schjeldahl besucht die Ausstellung "Munch and Expressionism" in der Neuen Galerie. Kelefa Sanneh porträtiert den 24-jährigen norwegischen Kygo als derzeit angesagtesten Produzenten elektronischer Musik. Anthony Lane sah im Kino Robert Eggers' Film "The Witch". Und Luke Mogelson schickt eine Kurzgeschichte aus Kabul, in der Menschen und Dinge ins Rutschen kommen.