Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

854 Presseschau-Absätze - Seite 39 von 86

Magazinrundschau vom 16.02.2016 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des Magazins erkundet Jill Lepore das politische System in den USA und stellt fest: Hinter der Kritik am Parteiensystem, wie sie unter anderem Sanders und Trump vorbringen, steckt keine politische, sondern die Kommunikationsrevolution: "Wie jede andere überkommene Industrie oder Institution kämpft auch das Parteiensystem dagegen an. Beschleunigte politische Kommunikation kann alle möglichen positiven Effekte auf die Demokratie haben, rasche Informationen über Kundgebungen, die Möglichkeit, schnell viele Unterschriften für eine Petition zu sammeln und so weiter. Ein negativer Effekt ist zum Beispiel die Auflösung der Wählerschaft. Es gibt einen Punkt, ab dem politische Kommunikation den Weg der demokratischen Erwägung und des Einverständnisses durch den Wähler verlässt … Gut möglich, dass die auflösenden Kräfte dieser Revolution das Parteiensystem zu Sturz bringen und ein neues, weniger stabiles System etablieren."

Außerdem: Jiayang Fan porträtiert die neue Jeunesse dorée Chinas, die im Ausland ihr Glück sucht. Nicolas Schmidle schildert die geheimdienstähnlichen Praktiken der Celebrity-News-Site TMZ. Und Don Delillo steuert eine Kurzgeschichte bei.

Magazinrundschau vom 02.02.2016 - New Yorker

In der neuen Ausgabe des Magazins berichtet die amerikanische Literaturwissenschaftlerin Elif Batuman über ihre Erfahrungen mit dem Kopftuch in der Türkei. Soll sie es tragen? Soll sie einfach mal wie der Held in Michel Houellebecqs Roman "Unterwerfung" sagen: "fuck autonomy"? In Urfa, nahe der türkisch-syrischen Grenze macht sie die Probe aufs Exempel: "Verschleiert durch die Stadt zu gehen, war eine neue Erfahrung. Die Leute waren plötzlich so freundlich, keiner sah mehr beiseite, wenn ich dazu kam, ich fühlte mich weniger bedrängt, die Männer schienen mir Platz zu machen und mir mehr Raum zu geben. Als ich in ein Geschäft ging, hielt mir ein Mann die Tür auf, das geschah ohne Kopftuch nie. Als ich den Bus knapp verpasste, hielt der Busfahrer noch einmal an, und half mir hinein, er nannte mich 'Schwester'. Es fühlte sich großartig an, so willkommen zu sein, sicher und akzeptiert, jemand anderes ins Gesichts zu schauen und zu lächeln - und ein Lächeln zurückzubekommen … Warum also sollte ich kein Kopftuch tragen, wenn die Menschen hier so viel besser damit zurechtkamen und ich auch? Aus Prinzip, weil Frauen und Männer gleich waren? Wem wollte ich das beibringen, mit welchem Erfolg? Was, wenn man mich falsch verstand und dachte, ich hielte sie und ihre Lebensweise für rückständig?"

Außerdem: Sam Knight porträtiert den Genfer Kunsthändler Yves Bouvier, der wegen massiven Betrugs angeklagt ist. Yoshua Yaffa besucht ein Tschetschenien außer Rand und Band, aber unter russischer Kontrolle. Patricia Marx stellt neue Gadgets gegen Schlaflosigkeit vor. Und George Saunders schickt eine literarische Botschaft zum Muttertag.

Magazinrundschau vom 26.01.2016 - New Yorker

Jon Lee Anderson schickt einen Brief aus dem bettelarmen Haiti, wo Präsident Michel Martelly, ein einst als Sweet Micky bekannter Popsänger, seine Sache gar nicht so schlecht macht - jedenfalls gemessen an seinen Vorgängern. An den Problemen Haitis hat sich dennoch nicht viel geändert und ja, daran trägt der Westen eine Mitschuld: "Martellys Anspruch auf Selbstbestimmung finden in Haiti ein besonderes Echo, denn viele normale Regierungsfunktionen werden von aus dem Ausland finanzierten NGOs wahrgenommen. Das lässt den Regierungsbeamten wenig zu tun. Das Land hat außerdem eine langanhaltende Militärintervention erlebt, die auf dem amerikanischen Kontinent einmalig ist. In den Neunzigern löste Aristide mit Zustimmung der amerikanischen Regierung Haitis Armee auf, die als korrupter Agent politischer Repressionen berüchtigt war. Sie wurde gewissermaßen durch Uno-Truppen ersetzt, die 2004 eintrafen und immer noch durch die Straßen patroullieren. Martelly weist seit langem darauf hin, dass die Wiederbelebung der Armee Jobs schaffen und die Souveränität Haitis stärken könnte."

Weitere Artikel: Adam Kirsch versucht der englischsprachigen Welt Goethe näher zu bringen. Nathan Heller denkt darüber nach, wie Fliegen den modernen Geist geprägt hat. Alec Wilkinson porträtiert den Jazzpianisten Vijay Iyer. Anthony Lane sah im Kino Gavin O'Connors Western "Jane Got a Gun" mit Natalie Portman und J. Blakesons "The Fifth Wave". Lesen dürfen wir außerdem Adam Ehrlich Sachs' Erzählung "The Philosophers".

Magazinrundschau vom 19.01.2016 - New Yorker

Voller Sympathie porträtiert David Remnick im New Yorker den arabisch-israelischen Politiker Ayman Odeh, der sich gegen Widerstände von beiden Seiten wacker für Frieden und eine Zwei-Staaten-Lösung einsetzt. Die Umstände für ihn sind immer wieder schwierig: "Ein palästinensischer Abgeordneter in der Knesset zu sein, ist unendlich viel komplizierter als, sagen wir, Mitglied im 'Congressional Black Caucus' zu sein (wo sich schwarze Abgeordnete beider Parteien für die Belange ihrer Minderheit einsetzen, d. Red.). Da palästinensische Bürger praktisch nie in der Armee dienen, wird kein palästinensisches Mitglied der Knesset in die Aussschüsse für Verteidigung, Geheimdienste oder auswärtige Angelegenheiten eingeladen. Auch bei der 'Absorption' jüdischer Immigranten dürfen sie nicht mitreden. Es gibt eine Atmosphäre gegenseitigen Misstrauens in diesem Arrangement."

Außerdem: Alex Ross schreibt den Nachruf auf Pierre Boulez. Alexis Okeowo stellt den New Yorker Modedesigner LaQuan Smith vor, der bei Rihanna und seinen lokalen hasidischen Kundinnen gleichermaßen beliebt ist. Lesen dürfen wir außerdem Tatjana Tolstajas Erzählung "Aspic".

Magazinrundschau vom 05.01.2016 - New Yorker

Im ersten Heft des neuen Jahres erkundet Katherine Zoepf den Stand der Frauenrechte in Saudi-Arabien und stellt fest, dass immer mehr weibliche Anwälte dort zumindest für mehr Aufmerksamkeit für das sensible Thema sorgen: "2008 gab es die ersten Juraabsolventinnen, aber bis 2013 durften sie nicht vor Gericht erscheinen. Von den Dutzenden Anwältinnen, mit denen ich sprach, zeigten nur zwei Interesse am Thema Frauenrechte. Der größte Effekt der Reformen ist ein größeres Bewusstsein der Frauen für ihre Rechte und der wachsende Wunsch, diese vor Gericht durchzusetzen. Im internationalen Vergleich sind diese Rechte minimal. Im saudischen Recht, das auf der Scharia basiert, ist die Aussage einer Frau vor Gericht nur halb so viel wert wie die eines Mannes. Ein Mordfall erfordert die Aussage von zwei männlichen Zeugen oder eines männlichen und zwei weiblichen. Das Vormundschaftssytem, das eine erwachsene Frau dazu verpflichtet, für Reisen oder eine medizinische Behandlung die Erlaubnis ihres Vormunds einzuholen, degradiert saudische Frauen zu Kindern. Unter Umständen ist der männliche Vormund einer Frau ihr eigener minderjähriger Sohn."

Außerdem: Nick Paumgarten porträtiert die 14-jährige Wunder-Kletterin Ashima Shiraishi. Und Tad Friend trifft Adam Fogelson, Boss des aufstrebenden Hollywood-Studios STX Entertainment, das auf Storys mit menschlichem Maßstab statt auf Superhelden setzt.

Magazinrundschau vom 15.12.2015 - New Yorker

In einer Reportage über die steigende Zahl von Morden an säkularen Bloggern durch islamistische Terroristen in Bangladesch erinnert Samanth Subramanian, dass sich das Land 1971 von Pakistan abspaltete, weil der bengalische Liberalismus nicht vereinbar war mit dem in Pakistan gepredigten rigiden Islam. "Dem 'Befreiungskrieg' wie die Bangladeschi ihn nennen, ist ein Museum im Park gewidmet, eine halb begrabene brutalistische Galerie deren Hülle aus rohem Beton Dhakas feuchte Hitze abweist. Fotografien von Leichen, allein oder in großen Haufen, oft verkohlt, hängen ringsum an den Wänden. Einige Schätzungen sprechen davon, dass die pakistanischen Streitkräfte in dem neunmonatigen Krieg eine halbe Million Menschen töteten. Aber die meisten Bangladeschi - vor allem Mitglieder der Awami League, der politischen Partei, die mit einer Rede ihres Vorsitzenden Mujibur Rahman die Abspaltung einleitete - sprechen von fast drei Millionen Toten. Sie nennen es auch einen Genozid."

Außerdem in der aktuellen Ausgabe des New Yorker: Carolyn Kormann beschreibt eine geniale Erfindung: ein faltbares Mikroskop, das es laut Wunsch des Entwicklers Manu Prakasj Menschen in ärmeren Regionen der Erde ermöglichen soll, Entdeckungen zu machen: "Der Hauptunterschied zu herkömmlichen Mikroskopen liegt darin, dass Prakashs Instrument fast zur Gänze aus einem einzigen Stück Papier besteht. 'Foldscope' nennt der Erfinder sein Werk, und es kommt als Bausatz. Ein Stück mit botanischen Illustrationen und Perforationen versehenes Papier, das gefaltet und hier und dort ein- bzw. ausgestülpt wird. Das Ergebnis hat die Größe eines Lesezeichens. Die Linse, ein in die Mitte eingefügtes Stück Plastik, bietet 140-fache Vergrößerung. Der Bausatz beinhaltet eine zweite, noch stärkere Linse und einige Magnete, mit dem das Foldscope an ein Smartphone angebunden werden kann, um Aufnahmen von dem Objekt zu machen. Ich brauchte 15 Minuten, um das Foldscope zusammenzubauen. Und als ich die Linse an ihren Platz setzte, war es wie der Triumph, wenn man die Flügel eines Papierkranichs entfaltet."

Weiteres: Rebecca Solnit begleitet alpinistisch qualifizierte Ärzte in Tibet. Elizabeth Kolbert besucht die Hochwassergefahrenzone Miamis. Peter Schjeldahl besucht die Robert-Ryman-Retrospektive in der Dia Art Foundation in Chelsea. Anthony Lane sah im Kino Ron Howards Film "In the Heart of the Sea" und László Nemes' "Son of Saul". Und Tim Parks steuert eine Kurzgeschichte bei: Bedtimes.

Magazinrundschau vom 08.12.2015 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker untersucht Ginger Thompson die Verbindungen zwischen dem internationalen Drogenhandel und dem globalen Terrorismus und stellt fest, dass die Lage komplex und Schwarzweißmalerei nicht hilfreich ist: "ISIS, momentan die dringlichste Bedrohung, finanziert sich durch Erträge aus dem Ölgeschäft, durch Steuern und Erpressung, nicht durch den Drogenhandel. Auch wenn Al Qaida noch immer als Drogenkartell geführt wird, gibt es keinen Beleg dafür. In entsprechenden Berichten heißt es: 'Bin Ladens Verwicklung ins Drogengeschäft ist nach wie vor nicht bewiesen.' … Im afghanischen Drogengeschäft spielen die Taliban wahrscheinlich nur eine geringe Rolle. Ein UN-Bericht von 2009 hält fest, dass nur 4 Prozent von insgesamt 3,4 Milliarden Dollar Ertrag aus dem Drogenhandel an die Taliban gingen. Das weitaus größere Problem scheinen Amerikas Verbündete zu sein. Barnett R. Rubin, früherer Berater von Richard Holbrooke, erklärt: 'Die Ermächtigung und Bereicherung der im Kampf gegen die Taliban mit den USA verbündeten Warlords und ihre gewachsene Autorität hat dem Handel neue mächtige Beschützer beschert."

Magazinrundschau vom 24.11.2015 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker fragt Adam Gopnik, was die Wissenschaft eigentlich zur Wissenschaft macht. Handelt es sich nicht vielmehr allzu oft um bloße Fiktion oder Glauben? "Alle paar Wochen wird ein Rätsel des Universums gelöst, und wir fragen uns, warum wir von der Fragestellung nie was gehört hatten. Ergebnisse, die als gesichert gelten, können plötzlich nicht mehr wiederholt werden. Triumphe sehen nachträglich gefälscht aus. Revisionistische Historiker und Philosophen meinen daher, es handele sich bei den Wisschenschaften um Betrug - eine Art sozial vereinbarte Fiktion, ein Glaube wie jeder andere. Einst blickten die Menschen auf Zähne und Knochen und nannten sie Relikte. Heute nennen wir sie Beweise. Wo liegt der Unterschied? ... Bücher über die Geschichte der Wissenschaften sollten sich daher mit beidem beschäftigen, mit der Wissenschaft und dem Wissenschaftler, mit den Dingen, die er entdeckt hat und der Art und Weise, wie er sie entdeckt hat. Ein guter Wissenschaftsautor soll uns die fehlbaren Frauen und Männer zeigen, die an der Theorie gearbeitet haben, und dann schildern, warum die Theorie zuverlässig ist, sogar nach Abzug aller menschlichen Schwächen."

Außerdem: Alexandra Schwartz rekapituliert die Ereignisse vom 13. November in Paris. Rebecca Mead porträtiert die Gründerin eines alternativen Beerdigungsinstituts. Rachel Kushner liefert eine Kurzgeschichte: "Fifty-Seven". Anthony Lane sah im Kino Tom Hoopers Film "The Danish Girl" und Deniz Gamze Ergüvens Debütfilm "Mustang". Und Margaret Talbot schreibt über Patricia Highsmiths Roman "The Price of Salt", eine lesbische Liebesgeschichte, die gerade mit Rooney Mara und Cate Blanchett verfilmt wurde.

Magazinrundschau vom 17.11.2015 - New Yorker

Raffi Khatchadourian fragt sich, ob er dem Philosophen Nick Bostrom glauben soll, der in seinem jüngsten Buch "Superintelligence" behauptet, dass wir uns mit der Entwicklung künstlicher Intelligenz selber abschaffen könnten: "Im Zentrum von Bostroms Überlegungen steht die Vorstellung von einer 'Intelligenz-Explosion', ein spekulativer Moment, da eine Form von künstlicher Intelligenz die Fähigkeit erlangt, sich selbst zu verbessern, und in kurzer Zeit unser eigenes Intelligenzvermögen weit überschreitet. Ein System dieser Art wäre tatsächlich eine neue und, wie Bostrom fürchtet, evolutionäre Lebensform, die die Menschheit überholen und auslöschen könnte. Bostrom verwendet gern einen Vergleich: die Entwicklung von Mensch und Gorilla. Beide sind Primaten, aber während der eine die Erde beherrscht, steht der andere vor der Ausrottung. 'Angesichts der Vorstellung von der Intelligenz-Explosion benimmt sich der Mensch wie ein Kind, das mit einer Bombe spielt', meint Bostrom. 'Wir wissen nicht, wann es zur Explosion kommen wird, aber wenn wir das Ding an unser Ohr halten, können wir ein leises Ticken hören.'"

Außerdem: Karen Russell berichtet, wie Computerspiele und Roboter Infarktpatienten helfen können. Und es gibt ein Dossier zu den Anschlägen von Paris. Darin u. a. George Packers aufschlussreicher Bericht aus den Pariser Banlieues vom vergangenen Sommer.

Magazinrundschau vom 10.11.2015 - New Yorker

In der aktuellen Ausgabe des New Yorker erklärt Michael Specter, welchen Fortschritt die künstliche Immunisierung von Mensch, Tier und Pflanze mittels CRISPR (clustered regularly interspaced short palindromic repeats) bedeutet: "Mit Crispr lassen sich tierische und menschliche Gene verändern, ausschalten oder ersetzen. Bei Mäusen ist es bereits gelungen, die für Sichelzellenanämie, Muskeldystrophie und zystische Fibrose verantwortlichen genetischen Deffekte zu korrigieren. Man konnte eine Mutation, die zu Katarakt führt, ersetzen und die von H.I.V. verwendeten Rezeptoren zur Infiltration unseres Immunsystems unschädlich machen. ... Erkrankungen wie Diabetes, Autismus, Alzheimer und Krebs, die durch eine komplexe, Hunderte Gene mit einbeziehende Dynamik verursacht werden, könnten durch Crispr leichter, schneller und genauer untersucht und verstanden werden als mit den bisher üblichen Trial-and-Error-Methoden der Tierversuche." Aber natürlich gibt es auch eine Schattenseite: "Die Technologie erlaubt es Wissenschaftlern zwangsläufig auch, genetische Fehler in menschlichen Embryonen zu korrigieren. Und jede derartige Veränderung würde das ganze Genom infiltrieren und schließlich an die Kinder, Enkel und Urenkel weitergegeben werden. Das schafft die Möglichkeit - und sie ist realistischer als jemals zuvor - dass Wissenschaftler den elementaren Code des Lebens umschreiben, mit Konsequenzen für künftige Generationen, die wir uns wahrscheinlich nicht einmal vorstellen können." (Im Deutschlandfunk hat Michael Lange Crispr Anfang September eine ausführliche Reportage gewidmet.)

Außerdem im New Yorker: John Seabrook berichtet, wie Multispektralanalyse die 2000 Jahre alten Papyrusrollen aus Herculaneum lesbar machen könnte. Und Louis Menand fragt, wer den Rock 'n' Roll erfunden hat.