
"Keine Insel ist eine Insel",
lernt Adam Gopnik, der den Wahlkamp des Historikers
Gudni Jóhannesson um die Präsidentschaft in
Island beobachtet hat und den Kandidaten einen Tag nach der Entscheidung für den Brexit getroffen hat. "'Mein Kommentar zum Brexit letzte Nacht war vielleicht zu weich', meint Gudni, die Debatte überdenkend. 'Ich sagte, wir müssten die Entscheidung der Menschen respektieren, aber offenbar sind einige Brexit-Anhänger heute morgen aufgewacht und haben sich gefragt: Was haben wir getan? Es muss eine Lösung geben, ein zweites Referendum, um das zu verhindern.' Er wies darauf hin, dass die Bedingungen für
Islands privilegierte Beziehungen zur EU genau das garantieren, wovor sich die Engländer offenbar am meisten fürchten: Freizügigkeit der Bürger. 'Polen, Portugiesen - sie können alle frei hierher kommen', sagt er. Ohne die Polen würde die isländische Fischereiindustrie vollkommen zusammenbrechen.'" (Johannesson wurde übrigens am 25. Juni zum Präsidenten gewählt)
George Saunders
besucht Donald Trump bei einer seiner Kundgebungen und ist verblüfft von der Irrationalität des Präsidentschaftskandidaten: "Er prahlt dauernd über die Größe seines Publikums, widerlegt im Vorbeigehen den ein oder anderen, der ihm angeblich böse mitgespielt hat, unterstreicht seine Aufrichtigkeit mit massenhaft Adjektiven (er wird 'die schönsten, unglaublichsten, tollsten Verfassungsrichter einsetzen'). Er
lügt,
mobbt,
bedroht und teilt aus, aber kann selbst
nicht einstecken. Er legt ein so undurchsichtiges Verständnis amerikanischer Prinzipien an den Tag (die Presse ist frei, Folter illegal, Kritik und Verleumdung sind zwei verschiedene Dinge), dass er gut als österreichischer Prinz aus dem 17. Jahrhundert durchginge ... Immer öfter erscheint sein
Rechtsdrall gegen seinen Willen zu sein, als wäre er gar nicht der große Stratege, für den wir ihn halten, sondern jemand, der einer
inneren Melodie folgt, die ihn sich manchmal passabel bewegen lässt, dann wieder monströs. 'Mehr, mehr', scheint dieses Melodie von ihm zu fordern. 'Mach noch mehr, widerlege noch mehr Kritiker, erschaffe eine nie dagewesene Menge an Empfehlungen, Umfragen und Experten-Aussagen, die endlich beweisen, dass -'
Ja,
was eigentlich?"
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Mitchell Duneier über das Konzept des "
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schreibt über die vierte Staffel von "
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