"Was ist Präsident Bushs eigentliches
Ziel im Irak?" Für Anthony Lewis
gibt es zwei Möglichkeiten: entweder will George Bush tatsächlich nur dafür sorgen, dass Saddam Hussein keine
Massenvernichtungswaffen besitzt - und dann hätte er dieses Anliegen durch seine
"aggressive Rhetorik" erheblich erschwert - oder aber "dieser Präsident will die Regeln mit Füßen treten, die in den letzten Jahren das internationale Leben gelenkt haben". Leider habe sich gerade dieser letzte Verdacht zunehmend bestätigt und hierbei handele es sich geradezu um eine
Ideologie: Denn auch wenn Bushs Chef-Ideologe
Wolfowitz "es gut meint" - "Er und seine Kollegen gehören zum gefährlichsten Menschenschlag, den
Utopisten. Sie denken, dass sie die unordentliche Welt aufräumen können, und sie wissen, dass sie recht haben. Anderen erscheint diese Gewissheit als Arroganz. Für sie ist George W. Bush ein Ungebildeter, der an die
Wahrheit der amerikanischen Güte und Macht glaubt. Tatsache ist, dass Bush so oder so zu einem Krieg gegen den Irak drängen wird. Er sieht dies vermutlich als den Anfang einer großen und neuen Möglichkeit für die Vereinigten Staaten, der Welt ihre Sicht aufzuzwingen: die
Bush-Doktrin."
Joseph Lelyveld
macht sich Gedanken über die 598 Gefangenen von
Guantanamo Bay. Die amerikanische Regierung sei
"allergisch" gegen Erklärungen und habe sich, obwohl sie sicher über legale Argumente verfüge, einfach nicht die Mühe gemacht, sich mit dem
Genfer Abkommen zu beschäftigen. Auch wie lange die Insassen von Camp Delta noch gefangen gehalten werden, sei unklar. Anstatt dessen gebe es jetzt "
Korane, die in jeder Zelle plaziert wurden wie Gideon-Bibeln in Hotelzimmern. Betkappen gehören jetzt auch zum
Standard sowie Betteppiche aus Schaumgummi."
"Diese Griechen und ihre Zwitter!" Daniel Mendelsohn
ist begeistert von
Jeffrey Eugenides' Geschichte um den emigrierten griechischen Familienklan der Stephanides. Doch dies sei leider nur eines der beiden Themen, von denen der Roman
"Middlesex" handele. Dem anderen, das Leben eines sich als
Zwitter herausstellenden Menschen, werde Eugenides einfach nicht gerecht und lebe zu sehr von der
spektakulären Thematik. "Und so
strandet 'Middlesex' letztlich selbst in der Mitte, irgendwo zwischen jedem der beiden Bücher, die es hätte sein können. Oder vielleicht hat es Extreme aber keine 'wirkliche' Mitte, keinen Ort, an dem die zwei Teile sich verbinden. Wie diese Statue in den Offizien, ist es mit mit verschiedenen Charakteristika
übersättigt, die eigentlich zu verschiedenen Bereichen gehören. Eugenides'
ehrgeiziger aber missgebildeter Roman wirft kein Licht darauf, was es bedeutet, in dieser Mitte zu stehen, aber zweifellos ist er selbst eine Art
Zwitter."
Weitere Artikel: Marshall Frady
beschäftigt sich, im ersten von zwei Artikeln zu
Lyndon B. Johnson, unter anderem mit dem
dritten Teil von
Robert A. Caros Johnson-Biografie, der dessen
mysteriöse Seite nur zwischen den Zeilen beleuchtet. Michael Kimmelmann
hat die kürzlich entdeckten
Briefe von
Arturo Toscanini gelesen und amüsiert sich, dass Toscanini auch dort den
"großen Maestro" gibt. Für Jared Diamond
hat sich bei der Lektüre von
David Sloan Wilsons Buch über
Darwin gezeigt, dass es möglich ist, auch
hochkontroverse Themen wie Religion und Wissenschaft "ehrlich" zu behandeln.
Nur im Print zu lesen: Unter dem Stichwort "der
moderne Machiavelli" bespricht Paul Kennedy eine Reihe von politischen Büchern und Gabriele Annan hat sich mit Büchern über das
Überleben beschäftigt.