Magazinrundschau - Archiv

The New York Review of Books

393 Presseschau-Absätze - Seite 39 von 40

Magazinrundschau vom 21.10.2002 - New York Review of Books

"Was ist Präsident Bushs eigentliches Ziel im Irak?" Für Anthony Lewis gibt es zwei Möglichkeiten: entweder will George Bush tatsächlich nur dafür sorgen, dass Saddam Hussein keine Massenvernichtungswaffen besitzt - und dann hätte er dieses Anliegen durch seine "aggressive Rhetorik" erheblich erschwert - oder aber "dieser Präsident will die Regeln mit Füßen treten, die in den letzten Jahren das internationale Leben gelenkt haben". Leider habe sich gerade dieser letzte Verdacht zunehmend bestätigt und hierbei handele es sich geradezu um eine Ideologie: Denn auch wenn Bushs Chef-Ideologe Wolfowitz "es gut meint" - "Er und seine Kollegen gehören zum gefährlichsten Menschenschlag, den Utopisten. Sie denken, dass sie die unordentliche Welt aufräumen können, und sie wissen, dass sie recht haben. Anderen erscheint diese Gewissheit als Arroganz. Für sie ist George W. Bush ein Ungebildeter, der an die Wahrheit der amerikanischen Güte und Macht glaubt. Tatsache ist, dass Bush so oder so zu einem Krieg gegen den Irak drängen wird. Er sieht dies vermutlich als den Anfang einer großen und neuen Möglichkeit für die Vereinigten Staaten, der Welt ihre Sicht aufzuzwingen: die Bush-Doktrin."

Joseph Lelyveld macht sich Gedanken über die 598 Gefangenen von Guantanamo Bay. Die amerikanische Regierung sei "allergisch" gegen Erklärungen und habe sich, obwohl sie sicher über legale Argumente verfüge, einfach nicht die Mühe gemacht, sich mit dem Genfer Abkommen zu beschäftigen. Auch wie lange die Insassen von Camp Delta noch gefangen gehalten werden, sei unklar. Anstatt dessen gebe es jetzt "Korane, die in jeder Zelle plaziert wurden wie Gideon-Bibeln in Hotelzimmern. Betkappen gehören jetzt auch zum Standard sowie Betteppiche aus Schaumgummi."

"Diese Griechen und ihre Zwitter!" Daniel Mendelsohn ist begeistert von Jeffrey Eugenides' Geschichte um den emigrierten griechischen Familienklan der Stephanides. Doch dies sei leider nur eines der beiden Themen, von denen der Roman "Middlesex" handele. Dem anderen, das Leben eines sich als Zwitter herausstellenden Menschen, werde Eugenides einfach nicht gerecht und lebe zu sehr von der spektakulären Thematik. "Und so strandet 'Middlesex' letztlich selbst in der Mitte, irgendwo zwischen jedem der beiden Bücher, die es hätte sein können. Oder vielleicht hat es Extreme aber keine 'wirkliche' Mitte, keinen Ort, an dem die zwei Teile sich verbinden. Wie diese Statue in den Offizien, ist es mit mit verschiedenen Charakteristika übersättigt, die eigentlich zu verschiedenen Bereichen gehören. Eugenides' ehrgeiziger aber missgebildeter Roman wirft kein Licht darauf, was es bedeutet, in dieser Mitte zu stehen, aber zweifellos ist er selbst eine Art Zwitter."

Weitere Artikel: Marshall Frady beschäftigt sich, im ersten von zwei Artikeln zu Lyndon B. Johnson, unter anderem mit dem dritten Teil von Robert A. Caros Johnson-Biografie, der dessen mysteriöse Seite nur zwischen den Zeilen beleuchtet. Michael Kimmelmann hat die kürzlich entdeckten Briefe von Arturo Toscanini gelesen und amüsiert sich, dass Toscanini auch dort den "großen Maestro" gibt. Für Jared Diamond hat sich bei der Lektüre von David Sloan Wilsons Buch über Darwin gezeigt, dass es möglich ist, auch hochkontroverse Themen wie Religion und Wissenschaft "ehrlich" zu behandeln.

Nur im Print zu lesen: Unter dem Stichwort "der moderne Machiavelli" bespricht Paul Kennedy eine Reihe von politischen Büchern und Gabriele Annan hat sich mit Büchern über das Überleben beschäftigt.

Magazinrundschau vom 07.10.2002 - New York Review of Books

Viel Futter für jeden, der gerne denkt - über Politik, die Wissenschaft oder die Musikgeschichte.

Das tragischste Stück ist zweifellos Vaclav Havels "A Farewell to Politics". Es handelt sich um den Nachdruck einer Rede, die Havel im September bei seinem letzten Amerika-Besuch als Präsident der Tschechischen Republik in New York gehalten hat. Die Rede ist sehr persönlich gehalten und klingt nachgerade wie ein persönliches Vermächtnis: "Unweigerlich nähert sich die Zeit, in der mich meine Freunde, die Welt und - schlimmer - mein eigenes Gewissen nicht mehr fragen werden, welches meine Ideale und Ziele sind?, sondern was ich eigentlich erreicht habe, welches meine Absichten waren und welches die Resultate, wie ich mir mein Erbe wünsche und welche Welt ich gerne verlassen würde. Und plötzlich spüre ich das selbe moralische und intellektuelle Unbehagen, das mich einst antrieb, gegen das totalitäre Regime aufzubegehren und ins Gefängnis zu gehen - tiefe Zweifel über den Wert meiner Arbeit oder die Arbeit jener, die ich unterstützte, oder jener, deren Einfluss ich ermöglichte." Aus einem Märchen sei er herabgestiegen, sagt Havel im etwas rätselhaften Schluss der Rede, um sich in einem Märchen wiederzufinden.

Die Romanautorin Hilary Mantel beschreibt V.S. Naipaul (mehr hier) in einer Besprechung des Essaybandes "The Writer and the World" (Auszug), der Essays aus vier Jahrzehnten versammelt, als Außenseiter in allen Kulturen. Das schärft seinen Blick: "Er hat ein genaues Gespür für den intellektuellen Betrug und ist immun gegen alle Selbsttäuschung. Er lässt den Underdog nicht besser dastehen als seinen Unterdrücker. Unterdrückung, so notiert er, macht die Leute nicht zu Heiligen, sondern zu potenziellen Mördern - alle Opfer sind gefährlich." Allerdings, so Mantle, sollte man Naipauls oft sehr rigorosen Interviewäußerungen wie "Afrika hat keine Zukunft" nicht allzu wörtlich nehmen, denn sie stehen im Gegensatz zur Subtilität seiner Texte: "Er schreibt mit Delikatesse und Einfühlung über das Leben von Individuen, und in vielen Teilen dieser Essaysammlung entfaltet er eine ruhige Perspektive, die seine Feinde oft vermissen lassen."

Weitere Artikel in dieser sehr gewichtigen Ausgabe: Russell Baker schreibt über die Memoiren des Politikers John McCain. Der Physik-Nobelpreisträger Steven Weinberg fragt "Is the Universe a Computer?" Mark Lilla setzt sich kritisch mit George W. Bushs Begriff der "Achse des Bösen" auseinander. Charles Rosen fragt: " Should We Adore Adorno?".

Andere Texte - Amos Elon über Harry Kessler, Charles Simic über Joseph Cornell, J.M. Coetzee über W.G. Sebald, Gordon A. Craig über Joachim Fests ins Englische übersetzte Speer-Biografie, John Weightman über Napoleon-Biografien und eine Monografie über die preußischen Befreiungskämpfe und Tim Parks' "Tales Told by the Computer" - darf nur lesen, wer 62 Dollar für das jährliche Online-Abo berappt.

Magazinrundschau vom 23.09.2002 - New York Review of Books

Ahmed Rashid ("Taliban") empfiehlt zwei neue Bücher, die sich mit der heiklen Situation in Pakistan beschäftigen: "Eye of the Storm" des früheren BBC-Korrespondenten in Islamabad, Owen Bennett Jones, und "In the Shadow of Jihad and Afghanistan" der Korrespondentin des New Yorker, Mary Ann Weaver (deren großes Bin-Laden-Porträt aus dem Jahr 2000! man beim New Yorker noch lesen darf). Besonders der amerikanischen Regierung scheint er die Lektüre ans Herz legen zu wollen, die ihre Politik im Mittleren Osten inzwischen gänzlich dem Pentagon überlassen habe. "The domestic political crisis is now reaching a boiling point but is conveniently ignored by Washington as long as President Pervez Musharraf continues to support the war against terrorism", meint Rashid. "Few Westerners seem to realize how grave Pakistan's situation has become. India has become increasingly bellicose. Al-Qaeda cells are firmly planted inside the country. Law and order has broken down as militant groups kill foreigners and Pakistani Christians. The country's economy is in an acute recession, with widespread unemployment. Some 40 percent of the population, or about 56 million Pakistanis, live below the poverty line; their numbers have increased by 15 million since Musharraf took power. There is a deep polarization between the secular democratic parties and the Islamic right wing. The country and the army's future are now at stake, as well as Pakistan's involvement in the war against terrorism."

Des weiteren werden zwei Artikel aus der vorigen Ausgabe fortgesetzt: Thomas Powers Artikel über die amerikanischen Geheimdienste (hier der erste Teil), sowie Andrew Nathans und Bruce Gilleys Bericht über Chinas neue Führer (hier der erste Teil).

Daniel Mendelsohn bespricht Oliver Parkers Verfilmung von Oscar Wildes "The Importance of Being Earnest". Pica Iyer versucht, das nahezu täglich wachsenden Oeuvre des journalistischen Tausendsassas William Buckley zu fassen. Und schließlich druckt die Review einen Auszug aus Alfred Brendels Buch "Ausgerechnet Ich", in dem sich der Pianist mit NZZ-Feuilletonchef Martin Meyer über Mozart unterhält und das nun in englischer Übersetzung erscheint.

Magazinrundschau vom 16.09.2002 - New York Review of Books

Tim Judah (Autor von "Kosovo: War and Revenge", "The Serbs: History, Myth and the Destruction of Yugoslavia") liefert einen Bericht über alte und neue Probleme im irakischen Teil Kurdistans. In den gegenwärtigen Debatten, ob die USA nun einen Krieg gegen Saddam Hussein beginnen sollten, werde, so Judah, gern "übersehen, dass der Krieg im Irak schon längst begonnen hat." So traf er im Gebirge nahe der iranischen Grenze eine kurdische Kampfgruppe, so genannte Peschmergas. Sie "lieferte sich ein Granatfeuergefecht mit einer Gruppe, die angeblich Verbindungen zu Al Quaida hat." Judah hält diese Gefechte für die "Ouvertüre" eines bevorstehenden Kriegs. "If the Kurds play their cards shrewdly, they might do well from a US-led offensive against Iraq. If the future Iraq is, contrary to many expectations, both federal and democratic, then they will have a powerful voice in Baghdad and control of their own affairs. But it will not be the end of the story. For much of the last century the Kurds of northern Iraq have been rebelling against one government or another, and few make any secret of their desire to eventually achieve independence and then to join with Kurds from Iran, Syria, and Turkey in a large Kurdish state."

Andrew Nathan und Bruce Gilley beschäftigen sich mit "Chinas neuen Führern", die künftig vermutlich das Sagen haben werden. Sie alle gehören zur sogenannten "vierten Generation" (nach Mao, Deng Xiaoping und derzeit Jiang). Nathans und Gilleys Informationen über den Machtkampf, der ihrer "Nominierung" für die Parteiführung vorausging, basieren auf einem Bericht über die vierte Generation, die ein chinesischer Parteiinsider unter dem Pseudonym Zong Hairen geschrieben hat und der demnächst in einem US-Verlag erscheint. "They are mostly competent managers, with wide experience in China's complex Party-state bureaucracy, pragmatic technocrats who are capable of keeping order and promoting development in the world's most populous country. Some of them are willing to allow a degree of political competition with the CCP and to trust the Chinese press and television with more freedom to criticize the performance of low- and mid-level officials. For other outside observers, however, Zong's portrait may be frightening. He writes of a group of men who believe in authoritarian rule as a precondition for modernizing China's economy (?) Although they share many Western economic values, they share few Western moral values."

Einige weitere Artikel von vielen: Frances FitzGerald analysiert die Außenpolitik der Bush-Regierung seit den Anschlägen vom 11.September. Sue M. Halpern stellt eine Reihe neuer Publikationen über Alzheimer vor. Und Margaret Atwood bespricht den Erzählungsband "The Birthday of the World" von Ursula K. Le Guin.

Magazinrundschau vom 29.07.2002 - New York Review of Books

Die USA sollten sich nicht auf ihre militärische Überlegenheit nicht verlassen, warnt Tony Judt die Freunde eines amerikanischen Imperiums, sie bräuchten Freunde, wollten sich sich selbst nicht ihr schlimmster Feind werden: "America is not admired abroad for its awesome military establishment, any more than it is respected for its unparalleled wealth. American power and influence are actually very fragile, because they rest upon an idea, a unique and irreplaceable myth: that the United States really does stand for a better world and is still the best hope of all who seek it ... What gives America its formidable international influence is not its unequaled capacity for war but the trust of others in its good intentions. That is why Washington's opposition to the International Criminal Court does so much damage."

Anlässlich eines Human Rights Watch Reports beschäftigt sich der indische Autor Pankaj Mishra sich mit den Ausschreitungen zwischen Hindus und Moslems im indischen Bundesstaat Gujarat. Seit dem Massaker von Godhra, bei dem Moslems im Februar 58 Hindu-Aktivisten in einem Zug verbrannt hatten, stehen Angriffe gegen Moslems auf der Tagesordnung - und genießen mehr als nur die stillschweigender Billigung der Regierung: "Murderous crowds of Hindu nationalists seeking to avenge the attack in Godhra rampaged across Gujarat for the next few weeks. The Indian government has acknowledged that more than 850 people, mostly Muslims, have died. About 230 mosques and shrines, including a four-hundred-year-old mosque, have been razed; some of them have been replaced with Hindu temples. Close to 100,000 Muslims are in relief camps. According to the report, police officials in Gujarat have often omitted the names of senior leaders involved in the attacks from reports filed by Muslim victims. The state government has transferred police officials who have tried to prevent attacks on Muslims or confronted the attackers. It has detained and arrested Muslims across the state on false charges. In recent weeks, the government has arrested some local BJP workers accused of rape, murder, and arson, but has not moved against the more prominent Hindu nationalists charged with committing similar crimes." Der HRW-Bericht "We Have No Orders To Save You" steht hier.

Benjamin M. Friedman diskutiert das Buch "Globalization and Its Diskontents" des Ökonomen und Nobelpreisträgers Joseph Stiglitz, der dem Internationalen Währungsfond die Hauptschuld an der Misere der Entwicklungsländer gibt. Um es gleich zu sagen, die Thesen gefallen Friedmann überhaupt nicht: "Throughout the book, the sense of moral outrage is evident."

John Updike
hat sich die Ausstellung "American Sublime" angesehen und denkt über das Schöne und Erhabene in der amerikanischen Landschaftsmalerei des 19. Jahrhunderts nach. James Fenton hat Bücher rund um die Gartenkunst gelesen. Und Garry Wills bemerkt, dass es mit dem Ansehen amerikanischer Priester steil bergab geht: An Flughafen-Schleusen werden sie inzwischen genauso durchleuchtet wie ganz normale Menschen!

Magazinrundschau vom 08.07.2002 - New York Review of Books

"This is journalism's age of melancholy", bemerkt Russell Baker, der fünf neue Bücher zum Thema vorstellt. Denn die glorreichen Tage des Journalismus sind längst vorbei - der "junge Besonnene" hat den "verwegenen Zeitungsreporter" abgelöst: "Newspaper people, once celebrated as founts of ribald humor and uncouth fun, have of late lost all their gaiety, and small wonder. They have discovered that their prime duty is no longer to maintain the republic in well-informed condition - or to comfort the afflicted and afflict the comfortable, as the old gospel has it - but to serve the stock market with a good earnings report every three months or, in plainer English, to comfort the comfortable."

Kevin Phillips macht sich Sorgen um die wachsende Macht der Super-Reichen, berichtet Jeff Madrick, der Phillips Buch "Wealth and Democracy" vorstellt. Es sei nicht das erste Mal, dass in den USA "große Privatvermögen demokratische Werte untergraben und vielen, wenn nicht sogar den meisten anderen Amerikanern wirtschaftlich schwierige Zeiten bereiten". Auch in den goldenen Zwanzigern war dies der Fall. Mit einem entscheidenden Unterschied: Nun scheint es, dass die arbeitende Bevölkerung die zunehmenden Ungleichheiten bei den Löhnen akzeptiert, "mit Gleichmut" und sogar "unter Selbstvorwürfen".

Der Schriftsteller Tim Parks schreibt über den wahren Geist des Fußballspiels, wie er sich im allwochenendlichen Duell der Fußball-Lokalmatadoren offenbart, nämlich irgendwo zwischen Friedfertigkeit und Hass: "That day in 1912 the Veronese crowd, savage but unarmed, discovered a new way of expressing their antique enmity toward their nearest neighbors, with whom of course it was no longer feasible that they might go to was, or even engage in a resentful round of trade sanctions. And for the first time that day the Veronese had the upper hand. They could take pleasure, unarmed, in their neighbors' discomfort. They could taunt and gloat and be cruel within a framework that would allow everyone to escape unscathed and continue their lives as nothing had happened."

Weitere Artikel: In einem Essay macht sich Steven Weinberg Gedanken über die wachsende Gefahr eines Atomkriegs. Dass kürzlich von Bush und Putin unterschriebene Abkommen betrachtet er mit Skepsis: "Any celebration would be premature, for there is far less to this treaty than meets the eye." Andre Aciman macht Marcel Proust eine regelrechte Liebeserklärung. Unter dieser Voraussetzung haben es die Biografen schwer, die versuchen, dem "ereignislosen" und doch hochkomplexen Leben des Schriftstellers gerecht zuwerden. Schließlich schreibt Sherwin B. Nuland, Professor für Chirurgie, über schreibende Ärzte und Atul Gawandes Roman "Complications: A Surgeon's Notes on an Imperfect Science".

Magazinrundschau vom 10.06.2002 - New York Review of Books

Die New York Review of Books kann wieder einmal eine kleine Sensation vorweisen. Christopher de Bellaigue ist in das theologische Zentrum des Iran gereist, in die Stadt Qom. Bellaigue liefert eine ziemlich gründliche Beschreibung der geistlichen Führung des schiitischen Islam, die sich gegen den kaum noch aufzuhaltenden Machtverlust stemmt. "For the past decade, the prestige of the clerics among most Iranians has been falling. This is clearly illustrated by the decline in clerical representation in parliament. In the first parliament after the revolution, clerics made up 51 percent of the total number of deputies. They now make up 12 percent. In the early 1980s, clerics were generally treated with elaborate courtesy. Nowadays, clerics are sometimes insulted by schoolchildren and taxi drivers and they quite often put on normal clothes when venturing outside Qom. Some are willing to give up the official privileges that, they believe, cause the public to resent them. I talked in Qom to clerics who said there was now increasing sympathy for Abdolkarim Soroush, a brilliant lay theologian and philosopher who argues that religion must sever its links with worldlypower if it is to retain its authority. Far from improving the status of the clergy, these clerics say, involvement in government has debased it."

Mit einer Antwort von Ehud Barak an seine Kritiker (und die der israelischen Politik) setzt die NY Review außerdem die Debatte um Camp David und die Folgen fort: "They speak of Israel's 'indiscriminate attacks of the past few months.' Indiscriminate? We hazard to say that no military has ever been more discriminating and gone to such lengths to avoid inflicting civilian casualties ... Indeed, the only ?indiscriminate massacres' that have taken place over the past few months have been of Israeli women, children, and the old by Palestinian suicide bombers, many of them belonging to Arafat's own Fatah organization, in cafes, malls, and buses. But the European media persists in believing the never-ending torrent of Palestinian mendacity; political correctness as well as varied economic interests and anti-Semitism dictate that no third-world people can do wrong and no first-world people, right." (die ersten beiden Teile der Debatte können Sie hier nachlesen: ein Interview mit Ehud Barak sowie die Erwiderung von Hussein Agha und Robert Malley)

Jane Mayer widmet sich dem wendigsten Journalisten des politischen Washingtons, David Brock, der die über mehrere Jahre die amerikanische Öffentlichkeit mit angeblichen Enthüllungen über Bill Clinton gefüttert hatte. In einem neuen Buch hat Brock nun "enthüllt", dass er von einem Kreis rechter Verschwörer dafür bezahlt worden sei. Auch wenn Brocks journalistisches Ethos noch immer nicht ganz den Standards genüge, glaubt Mayer ihm. 

Auch das Feuilleton der USA ist mit einem Schlüsselroman beschäftigt, wie Anthony Appiah erklärt: Stephen L. Carter, Professor an der Yale-Universität, hat einen Krimi geschrieben, in dem er die juristische Elite und die schwarze upper-class des Landes nicht immer freundlich behandelt ("The emperor of ocean park").

Weitere Artikel: Elizabeth Hardwick erinnert an den Romancier Sinclair Lewis, Daniel Mendelsohn würdigt den Schriftsteller, Musiker und Entertainer Noel Coward. Außerdem streiten Steven Pinker und John R. Searle über Pinkers Buch "Words and Rules".

Magazinrundschau vom 27.05.2002 - New York Review of Books

Woran scheiterte der Nahost-Gipfel in Camp David (mehr z.B. hier) vor zwei Jahren? Oder vielmehr an wem? Die New York Review lässt Ehud Barak mit Hussein Agha und Robert Malley diskutieren: Israels früherer Ministerpräsident erklärt, Arafat hätte überhaupt kein Interesse daran gezeigt, ein Friedensabkommen zu erreichen: "He did not negotiate in good faith, indeed, he did not negotiate at all. He just kept saying 'no' to every offer, never making any counterproposals of his own ? What they [Arafat and his colleagues] want is a Palestinian state in all of Palestine. What we see as self-evident, two states for two peoples, they reject ? Arafat sees himself as a reborn Saladin and Israel as just another, ephemeral Crusader state."

Dagegen halten die beiden Autoren Agha und Malley (der als amerikanischer Unterhändler ebenfalls am Gipfel teilnahm): "The Palestinians can be criticized for not having presented detailed proposals at Camp David; but it would be inaccurate to say they had no positions ... True, the Palestinians rejected the version of the two-state solution that was put to them. But it could also be said that Israel rejected the unprecedented two-state solution put to them by the Palestinians from Camp David onward."

Garry Wills beschäftigt sich mit dem Missbrauch von Jugendlichen durch amerikanische Priester und den Reaktionen der katholischen Kirche: "The current scandal is not a sex scandal. It is a dishonesty scandal." James McPherson betrachtet Neuerscheinungen zum amerikanischen Bürgerkrieg, die von der dem inneren Frieden dienenden Sicht abrücken, der Süden hätte tapfer gekämpft und nur verloren, weil er dem Norden militärisch unterlegen war, und nicht, weil etwa die Führung der Konföderation heillos unfähig war.

Geoffrey O'Brian klagt anlässlich des neuesten Blockbusters "Spider-Man", dass Marvel Comics heutzutage dazu dienten, Kinofilme aus ihnen zu machen, während sie früher Anlass waren, über Sex, Ästhetik oder Jungianische Psychologie zu diskutieren.

Besprechungen widmen sich zwei Büchern der britischen Literaturkritikerin Lorna Sage sowie die Memoiren des demokratischen Politikers Bob Kerrey.

Magazinrundschau vom 06.05.2002 - New York Review of Books

Der letzte Satz dieses großartigen Artikels sagt alles: "Angesichts der erstarrten Positionen praktisch aller Akteure gibt es wohl nur eine einzige Perspektive - weiteres Blutvergießen." Eine verzweifelte Bestandsaufnahme der Lage im Nahen Osten liefert der israelische Publizist Amos Elon. Unter anderem dämpft er die Hoffnung, dass die Israelis die Siedlungen in den besetzten Gebieten räumen könnten: "Mehr als 400.000 Israelis (200.000 davon in Ost-Jerusalem), fast zehn Prozent der Jüdischen Bevölkerung von Israel, leben heute jenseits der Demarkationslinie. Aus Gründen der Wahltaktik ist es in einem Land der knappen Mehrheiten extrem riskant, wenn nicht unmöglich, größere Teile davon zurückzuziehen. Nach den großzügigsten israelischen Angeboten im letzten Jahr wären immer noch 250.000 Siedler in Ost-Jerusalem und abgelegeneren Gebieten verblieben - eine potenziell irredentistische Bevölkerungsgruppe. Der Wahnsinn der israelischen Regierungen - sowohl des Labor- als auch des Likud-Blocks -, die die Besiedelungen vorantrieben, lag niemals so offen zu Tage wie heute... Die Siedlungen sollten ... dem Land mehr Sicherheit geben. In Wirklichkeit binden sie der Regierung die Hände bei allen Friedensverhandlungen. Die Siedlungen haben das Land nur unsicherer gemacht."

Auch sonst ist die New York Review mal wieder an Höhepunkten reich: Joseph E. Stiglitz, Wirtschaftsnobelpreisträger des letzten Jahres, bespricht George Soros' Buch "On Globalization" und fragt nach Möglichkeiten einer gerechteren Weltwirtschaft. Garry Wills denkt über Pädophilie in der Kirche nach - erster Satz seines Artikels: "A man without a wife to puncture his pomposity, without children to challenge his authority, in relations carefully structured to make him continuously eminent, easily becomes convinced of his superior wisdom." Margaret Atwood schreibt einen langen Essay über den neuen Krimi von Elmore Leonard, "Tishomingo Blues". Alan Lightman porträtiert anlässlich seiner Memoiren den Atomphysiker Edward Teller. Man kann sich vor der Qualität dieser Zeitschrift nur immer wieder verneigen!

Magazinrundschau vom 22.04.2002 - New York Review of Books

Thema Nummer 1 ist natürlich der Nahost-Konflikt, zu dem Tony Judt recht klare Worte findet: "The problem is that since 1967 Israel has changed in ways that render its traditional self-description absurd. It is now a regional colonial power, by some accounts the world's fourth-largest military establishment. By comparison the Palestinians are weak indeed. While the failings of the Palestinian leadership have been abysmal and the crimes of Palestinian terrorists extremely bloody, the fact is that Israel has the military and political initiative. Responsibility for moving beyond the present impasse thus falls primarily (though not exclusively) on Israel. But Israelis themselves are blind to this. In their own eyes they are still a small victim-community. Their astonishingly incompetent political leadership has squandered thirty years since the hubris-inducing victory of June 1967. In that time Israelis have built illegal compounds in the occupied territories and grown a carapace of cynicism: toward the Palestinians and toward a United States whose erstwhile benevolent disengagement they have manipulated shamelessly."

Richard Lewontin denkt über die Politik der Wissenschaft nach, d.h. über das Verhältnis von Politik und Wissenschaft bei staatlichen Entscheidungen: "There is a tension between the ideal of democratic decision, the power of which is vested in the people and their representatives, and the demand for expert knowledge, the power over which is vested in a small elite. Just as democratic institutions intervene twice, once to decide what is to be studied and then to decide what is to be done with the study, so the elite possess a double power, first to assert their exclusive competence to acquire knowledge and then to use the authority of that same knowledge to influence social action."

Weitere Artikel
: Aileen Kelly porträtiert den sowjetischen Dissidenten Andrej Sacharow ("It was hard to imagine this mild, unassuming man challenging the Soviet government in the way he had done"). Gordon Wood verfolgt die neu entflammte Debatte über den amerikanischen Gründervater James Madison (mehr hier) und dessen Einfluss auf die Verfassung.

Helen Epstein geht der Frage nach, wie Mosambik eines seiner größten Probleme, eine HIV-Infektionsrate von 16 Prozent, völlig ignorieren kann. Und Antony Grafton widmet sich der Kunst der Tapisserie in der Renaissance, deren Highlights gerade im New Yorker Metropolitan Museum ausgestellt werden