Die Wogen über
Ian Burumas letzten Essay (
"Okzidentalismus" mit Avishai Margalit) haben sich noch nicht geglättet, da
legt er schon eine neue
Streitschrift vor - gegen ein verzweifelte Beharren auf
Identität. All denen - auch in Europa-, die sich in Zeiten
globalen Handelns so viel Sorgen um die eigenen Werte und Traditionen machen, gibt Buruma - selbst halb Brite, halb Niederländer - mit auf Weg: "Identity is a
bloody business. Religion, nationality, or race may not be the primary causes of war and mass murder. These are more likely to be tyranny, or greed for territory, wealth, and power. But 'identity' is what gets the blood
boiling, what makes people do unspeakable things to their neighbors. It is the
fuel used by agitators to set whole countries on
fire." Wenn sich die Menschen also angesichts amerikanischer Macht - und Überlegenheit - an den Rand gedrängt fühlten, sollten sie mehr Verantwortung für sich und ihre eigene
Freiheit übernehmen. Islamismus sei schließlich keine Reaktion auf Globalisierung und
Coca-Cola, sondern - etwa in Ägypten oder Algerien - auf das Scheitern
sozialistischer Regime. Und deutsche
Innerlichkeit hatten wir auch schon.
Der Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger
Robert Solow hat für die
NY Review den
Wirtschaftsbericht des Präsidenten
gelesen, der in den USA jährlich von einem ausgewählten Beratergremium erstellt wird.
Intellektuell, meint Solow, sei er zwar nicht ganz so
schändlich wie Bushs Wirtschaftspolitik selbst, aber dennoch gelinge den Autoren, allesamt ehrwürdige Akademiker, nur schwer, die in diesem Fall immer prekäre Gratwanderung zwischen republikanischer
Ideologie und
Vernunft. ("Is it really necessary to produce a sentence like 'The President's vision of economic security recognizes that many events impact the economy all the time.'")
Weitere Artikel: Die Journalistin
Janet Malcolm bemerkt, wie schwer es es ist, in
Akt-Fotografien auch das
Gesicht des Modells mitaufzunehmen, ohne dass es
lächerlich oder
pathetisch wirkt. Gelungen ist dies
ihrer Meinung nach Irving Penn, dessen "Nudes" gerade im
Metropolitan Museum of Art in New York ausgestellt werden. Sanford Schwartz
staunt über
Gerhard Richters Genie, von einem Tag auf den anderen seinen Stil komplett zu ändern und doch dabei immer ein neues
Universum wie aus dem Nichts zu schaffen. Richters Werke werden gerade im
MOMA ausgestellt. Russel Baker
beschäftigt sich mit
Theodore Roosevelts Wandlung von einem
Verrückten zum politischen
Giganten. Und Sam Tanenhaus
schreibt über
David Greenglass, den jüngeren Bruder der legendären "Atomspionin"
Ethel Rosenberg. Greenglass hatte erst selbst für die Sowjets in Los Alamos gearbeitet, dann jedoch als
Kronzeuge seine Schwester und ihren Mann Julius sozusagen auf den
Elektrischen Stuhl gebracht (hier ein
Ausschnitt aus dem Prozess)