Magazinrundschau - Archiv

London Review of Books

570 Presseschau-Absätze - Seite 27 von 57

Magazinrundschau vom 06.09.2016 - London Review of Books

Recht kühl geht Richard English zur Sache, wenn er fragt "Does Terrorism Work?" Thomas Nagel lernt aus dem Buch, dass Terroristen durchaus sekundäre Ziele erreichen, also operative Erfolge, Öffentlichkeit, Einfluss auf die Bevölkerung, Provokation des politischen Gegners, provisorische Zugeständnisse, Stärkung der eigenen Organisation. Aber die primären politische Ziele werden fast nie erreicht: "Vergeltung für erlittenes Unrecht und Demütigungen ist ein machtvolles Motiv für Gewalt, und wenn es auch als zweitrangiges Ziel dieser Bewegungen gilt, definiert es den Bereich, in dem Terrorismus automatisch funktioniert, sobald er Mitglieder der anvisierten Gruppe tötet oder verwundet. In diesem Sinne sind die Zerstörung des World Trade Centers oder Mountbattens Ermordung eherne Beispiele für funktionierenden Terrorismus. Doch selbst wenn English Rache in seine Liste miteinbezieht, ist es ja nicht wirklich das, was wir mit der Frage meinen. Wir wollen etwas über die politischen Ergebnisse wissen. Und hier sieht die Bilanz vernichtend aus. Geradezu erschütternd ist, wie wahnhaft diese Bewegungen sind, wie wenig sie vom Gleichgewicht der Kräfte verstehen, von den Motiven ihrer Gegner und dem politischen Kontext, in dem sie agieren. In dieser Hinsicht ist es extrem gnädig, sie als rationale Agenten zu bezeichnen."

Weiteres: Emma Cline lässt in ihrem Roman "The Girls" noch einmal die sechziger Jahre aufleben, als sich junge Frauen, um den Zwängen ihrer Familien zu entkommen, dem fanatischen Charles Manson anschlossen. Dass sich seitdem nichts für Frauen geändert habe, wie der Roman nahelegt, nimmt Emily Witt der Autorin nicht ab. Terry Eagleton bespricht ausführlich Elizabeth Foysters Biografie des schwachköpfigen Earl of Portsmouth, John Charles Wallop, den auch Jane Austens Vater nicht zur Vernunft bringen konnte.

Magazinrundschau vom 26.07.2016 - London Review of Books

Auch John Lanchester diagnostiziert anlässlich des Brexits einen Verrat an der weißen Arbeiterklasse: Abgeschoben wurde sie in prekäre Jobs, die weder ein richtiges Einkommen noch ein Gefühl für die eigene Identität anbieten, und der gnadenlosen Konkurrenz durch aufstiegshungrige Einwanderer ausgesetzt. Ja, "die weiße Arbeiterklasse hat recht, wenn sie sich abgeschoben fühlt. Teile des Landes sind schlicht abgehalftert worden. Keine politische Partei hat ihr irgendetwas anzubieten, außer verschiedene Ebenen der Wohlfahrt. Die Menschen in den reichen Teilen des Landes zahlen die Steuern, die die armen Teile subventionieren. Wenn ich ein einzelnes Faktum auswählen müsste, das keine Rolle in der politischen Debatte gespielt hat, aber Britannien derzeit charakterisiert, dann ist es die Tatsache, dass die meisten Menschen im Vereinigten Königreich heute Geld vom Staat bekommen - in direkten Zahlungen und Hilfen für Gesundheit und Erziehung - als sie einzahlen. Die Zahlen sind dem Ergebnis des Referendums fast unheimlich ähnlich: 48 Prozent sind Netto-Einzahler, 52 Prozent Netto-Empfänger. Es ist ein System, das von beiden gleichermaßen verabscheut wird, den Empfängern und Gebern dieser Freigiebigkeit."

Magazinrundschau vom 14.06.2016 - London Review of Books

James Meek reist aufs Land, zu den Sitzen der englischen Aristokratie, und plaudert mit den Herrschaften über die alten Zeiten in Rhodesien, die Schwierigkeit, einen Butler zu finden, und den Brexit, den sie natürlich alle befürworten, weil von der EU nichts Gutes kommt: "Die Patina alter Macht liegt über Norfolk, jene Macht, die mit einträglichen Ländereien kommt, mit vorteilhaften Ehen und Verbindungen im exklusiven Kreis. Elf Meilen nördlich von Agnews Hous liegt Holkham Hall, wo Thomas Coke, Earl of Leicester, noch immer Farmland im selben Umfang besitzt wie sein namensgebender georgianischer Vorfahre, der Landwirtschaftsreformer Coke of Norfolk. Letztes Jahr bekam die Holkham Farming Company 183.000 Pfund EU-Subventionen im Jahr, ein anderes Holkham Unternehmen, die Holkham Nature Reserve Ltd. erhielt 205.000 Pfund (Naturschutz-Organisationen gehören zu den größten Empfängern von Beihilfen). Zehn Meilen westlich liegt die das königliche Farmland Sandringham Estate, unterstützt mit rund 650.000 Pfund. Dazwischen liegt Houghton Hall, der Familiensitz von Großbritanniens erstem Premierminister Robert Walpole und jetzt Sitz von David Walpole, siebter Marquis von Cholmondeley, Lord Great Chamberlain und Empfänger von 260.000 Pfund." Aber zum Glück ist es auch nicht weit zu Lord Townshend (360.000 Pfund Beihilfe): "'Die Vorstellung, ein Verlust der Subventionen könnte dem Land abträglich sein', sagt er, 'wäre defätistisch'."

Als Elegie auf die große Zeit der Rebellion liest Jeremy Hardings dagegen Luc Santes Geschichte "The Other Paris": Das andere Paris ist ein poetischer Führer in die Unterwelt der Stadt durch sechs Jahrhundert, eine Dreigroschenoper mit einer unzähligen Masse an Bettlern, Ganoven, Huren und Wachtmeistern, im Verbund mit Künstlern, Intellektuellen und Aufständischen. Ihnen allen drohte beständig eine ruinierte Reputation, die Gefängniszelle, die Guillotine oder ein plötzlicher Tod auf der Straße."

Weiteres: Peter Pomerantsev erinnert sich an seine Zeit an einer Europa-Schule. Und Isabel Hull liest Philippe Sands Studie über Ursachen von Genozid und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Magazinrundschau vom 31.05.2016 - London Review of Books

Naomi Klein reitet eine angriffslustige Attacke gegen den Zynismus des Klimaschutzes - oder, wie sie es nennt, den Umwelt-Rassismus: Geschützt werden die wohlhabenden Gebiete, verzichten sollen die Armen, und den Dreck bekommen die Schwarzen! Ölkonzerne dürfen von Brasilien bis Uganda die Regenwälder und Flussdeltas zerstören, aber indigene Völker dürfen nicht fischen und jagen. Oder in den USA: "Bis in die siebziger Jahre wurden bestimmte Teile des Landes von Wissenschaftlern im Weißen Haus zum 'Nationalen Opfer' deklariert. Die Berge der Appalachen wurden zur Kohlegewinnung einfach weggesprengt, denn beim Kohlebergbau ist Gipfelsprengung billiger als das Graben im Untergrund. Um eine ganze Landschaft preiszugeben, braucht es ein theoretisches Konzept: die Konstruktion von Andersheit - dadurch werden die dort lebenden Menschen einfach so arm und rückständig, dass ihr Leben und ihre Kultur keinerlei Schutz verdienen. Wenn interessieren schon die Wälder der Hinterwäldler?"

Seit Picassos Wandgemälde "Der Fall des Ikarus" im Unesco-Gebäude enthüllt wurde, rätselt die Welt, was es eigentlich bedeuten soll. Auch T.J. Clark kommt nicht weiter: Siegen die Mächte des Lichts oder der Dunkelheit? Stürzt Europa? Wird Britannien in der EU bleiben? Jan-Werner Müller betrachtet die Lage in Europa.

Magazinrundschau vom 17.05.2016 - London Review of Books

Ferdinand Mount, früherer Berater von Margaret Thatcher, knöpft sich die britischen EU-Gegner vor, und zwar mit der ganzen Schneidigkeit eines britischen Konservativen: "Ihr Ansatz scheint eine Version von Napoleons Schlachtplan zu sein: On se dégage et puis on voit", lästert er und fragt, ob sie statt eines Brexit nicht vielleicht doch einen Breturn im Sinn haben: "Vorigen Sommer, einige Monate bevor er sich der Brexit-Kampagne anschloss, warf Boris Johnson die Zwei-Referenden-Idee in den Raum: Wir stimmen unter den gegenwärtigen Bedingungen gegen die Mitgliedschaft, aber dann treten wir nicht, sondern handeln etwas Besseres aus, und in einem zweiten Referendum akzeptieren wir dann die besseren Bedingungen. Selbst als er sich im Februar für den Ausstieg aussprach, schien Johnson immer noch an dieser Linie zu hängen: 'Die EU-Geschichte zeigt', sagte er, 'dass sie nur auf das Volk hören, wenn es Nein sagt'.'"

Sheng Yun, 1980 geboren und als Einzelkind aufgewachsen, bilanziert Chinas Ein-Kind-Politik und erkennt in ihr trotz aller Härte auch einen gewissen, zum Teil jedoch unbeabsichtigten Nutzen, vor allem in Bezug auf die Emanzipation von Frauen.

Magazinrundschau vom 03.05.2016 - London Review of Books

Alice Spawls besucht in der National Portrait Gallery die Ausstellung zum hundertjährigen Jubiläum der britischen Vogue, die amerikanische Moderne mit französischem Chic und Bloomsbury-Kreis verbinden wollte: "British Vogue wurde im September 1916 ins Leben gerufen, als deutsche U-Boote (auf ihre Art auch recht schick - silberblau mit muskulären Linien) die Amerikaner daran hinderten, ihre Ausgabe an die britische Küste zu verschiffen. In seinem Katalogtext weist Kurator Robin Muir darauf hin, dass der Beginn der Vogue mit der Einführung des Panzers in der Schlacht an der Somme unter General Haig zusammentrifft, was einem eine Vorstellung von der Bedeutung gibt, die sich das Magazin selbst zuschreibt ... Die erste Chefredakteurin, Dorothy Todd, interessierte sich nicht für Mode. Sie neigte zur Avantgarde, was Nast so nervös machte, dass er sie nach New York holen ließ, um ihr das Verlagsgeschäft beizubringen (sein Ansatz lautete: Kenne dein Publikum). Die offizielle Geschichte der britischen Vogue, begann jedoch weder mit Todd noch mit ihrer Stellvertreterin, Miss Anderon, sondern mit einer Frau mit dem wunderbaren Namen Elspeth Champcommunal, die rechtzeitig für die Weihnachstausgabe 1916 übernahm und ihre Leserinnen informierte, dass für eine Pariserin der Tag erst perfekt ist, wenn sie die Farben des Frühlings trägt. Champcommunal interessierte sich mehr für Mode als Todd, sie kannte Leute wie Paul Poiret, der angeblich als erster ein Kleid entwarf, das eine Frau ganz allein anziehen konnte."

Jacqueline Rose erklärt das Thema Transsexualität oder Transgender zum neuen Abschnitt an der Front der Bürgerrechte. Bei Trans-Fragen gehe nicht darum, mit wem man ins Bett will, sondern als wer. "Trans" heiße nicht nur "von A nach B", sondern auch "zwischen A und B", "sowohl A als auch B" oder "weder A noch B": "Kein Mensch kann ohne Anerkennung leben. Wir alle müssen gesehen werden. Ein transsexueller Mensch macht dies offensichtlich und enthüllt auch die latente Gewalt hinter der banalen Wahrheit, dass wir von anderen Menschen abhängen. Wenn ich nicht ohne dich nicht existieren kann, dann hast du auch die Macht, mich auszulöschen."

Magazinrundschau vom 19.04.2016 - London Review of Books

Uff, dieser Artikel ist anstrengend! Aber getragen von echtem Enthusiasmus und von Kennerschaft. John Lanchester, Autor des Romans "Kapital", erzählt die Geschichte von Bitcoin (und man ahnt dass diese Recherche in einen neuen Roman münden könnte). Der Text ist zum Teil nur für Nerds zu verstehen. Dass Bitcoin, aber auch andere Erfindungen wie die kenianische Handy-Währung M-Pesa das Geld revolutionieren, wird einerseits klar. Anderseits klingt Lanchesters Resümee nach einem epischen Artikel ermüdet: "Für Internetbegriffe ist Bitcoin schon ein ganzes Weilchen präsent. Der Januar war der siebte Geburtstag der Erfindung des Ursprungscodes durch Satoshi Nakamoto (so das Pseudonym des oder der Bitcoin-Gründer, d.Red.). In sieben Jahren sind aus Google, Twitter oder Facebook nicht nur große Firmen, sondern regelrechte Bestandteile des Alltags von Hunderten von Millionen Nutzern geworden. Sie sind sprichwörtlich geworden. M-Pesa ist etwa so alt wie Bitcoin und repräsentiert die Hälfte des kenianischen Wirtschaftsaufkommens. Bitcoin ist weit davon entfernt. Zeit zu entscheiden, was man werden will, wenn man erwachsen ist."

Fast genauso anstrengend, aber ebenso tiefgründig und kennerhaft liest sich Perry Andersons großer Artikel über die Krise Brasiliens. Er zeichnet das deprimierende Panorama einer chaotischen Wirtschaftspolitik, einer korrupten politischen Klasse, die sich aus den Staatstöpfen bedient und Geld an ihre Klienten verteilt und eines apokalyptischen religiösen Treibens evangelikaler Sekten, denen inzwischen 20 Prozent der Bevölkerung anhängen und die noch korrupter sind als die Politiker: "Anders als die amerikanischen Evangelikalen haben die brasilianischen Kirchen kein klares ideologisches Profil, wenn man von Themen wie Abtreibung oder Homoehe absieht... Sie sind vor allem Vehikel, tauschen Voten gegen Gefälligkeiten und unterstützen Kandidaten auf allen denkbaren Tickets: Der evangelikale Anteil im Kongress liegt im Unterhaus bei etwa 18 Prozent unter Abgeordneten von 22 Parteien. Ihre Hauptinteressen liegen darin, Lizenzen für ihre Radio- und Fernsehsender, Steuerbefreiungen für ihre Unternehmen und Land für ihre pharaonischen Tempel zur Zelebration ihrer selbst zu bekommen." Bleibt die Frage, warum Anderson Themen wie Homoehe oder Abtreibung (in Zeiten des Zika-Virus) als nebensächlich betrachtet.

Magazinrundschau vom 29.03.2016 - London Review of Books

In einem irrsinnig langen Text rekonstruiert Colm Toibin historisch und literarisch die Geschichte der irischen Unabhängigkeit , die Irlands Republikaner mit dem Oster-Aufstand von 1916 einläuteten: "Was Ostermontag in Dublin geschah, kann unterschiedlich gedeutet werden: Militärisch betrachtet ergibt es fast keinen Sinn. St. Stephens Green einzunehmen statt Dublin Castle, zeugt von schlechter Vorbereitung und einem Mangel an strategischem Denken. 'War der Aufstand ein versuchter Putsch oder ein sinnloses Blutopfer?', fragt Fearghal McGarry in seinem Buch 'The Rising' von 2011. Anders gefragt: Entsprangen die Geschehnisse also dem (wie ungeschickt auch immer ausgeführten) Vorhaben Thomas Clarkes, die Macht in Irland mit Waffengewalt zu übernehmen, oder standen sie im Zeichen der messianischen Träume von Patrick Pearse: Eine kleine Zahl soll sich selbst zu Ostern opfern, um eine größere Menge zu inspirieren? Sollte der Ostermontag das Problem vergrößern oder lösen?"

Luke Harding hat in seinem Buch "A Very Expensive Posion" nicht nur den Mord am abtrünnigen FSB-Agenten und Putin-Kritiker Alexander Litwinenko gründlich nachrecherchiert, betont Peter Pomerantsev, sondern auch die Umtriebe russischer Kleptokraten, die besonders von David Cameron sehr hofiert werden. Da musste Pomerantsev gleich eine Kleptokraten-Tour durch Mayfair mitmachen, die natürlich auch zur russischen Botschaft in Londons teuerster Straße Kensington Palace Gardens führt: "2012 wurden im Garten der russischen Botschaft die Konservativen Freunde Russlands ins Leben gerufen, die der 'kulturellen Verständigung' zwischen Britannien und Russland wie auch den Geschäftsbeziehungen dienlich sein wollen. Harding hat E-Mails von Sergej Nalobin gesehen, er ist der Verbindungsoffizier zum Club und Sohn von Litwinenkos früherem Chef beim FSB. Diese Mails zeigen, dass 'Moskaus Ziele über die kulturelle Verständigung hinausgehen. Der Kreml zielt darauf, Kritik an Russlands Menschenrechtspolitik zum Schweigen zu bringen; vor allem soll den Spitzen des Staates nicht im Stil der amerikanischen Magnitski-Liste die Einreise nach Britannien verwehrt werden'. Das Magnitski-Gesetz wird von Parlamentariern beider Fraktionen, aber nicht von der Regierung unterstützt und soll wie sein amerikanisches Pendant korrupten und russischen Beamten, die Menschenrechte verletzen, Einreise und Investitionen in Britannien verbieten. Sergej Magnitzki war übrigens ein russischer Anwalt, der ermordet wurde, als er einen internationalen 230-Millionen-Dollar-Steuerbetrug aufdeckte."

Magazinrundschau vom 15.03.2016 - London Review of Books

"Was bedeutet es, Tudor zu sein?", fragt Hilary Mantel in einem Text über Heinrich VIII. (Bild) und seinen Vertrauten Charles Brandon: Terror im Namen der Kirche und Folter im Namen des Staats? "Tudor zu sein heißt zu posieren. Man stolziert die langen Gänge entlang, die Brust mit Edelsteinen bewehrt und die Schultern gepolstert, als wollte man Tore blockieren. Man trägt eine Braguette, nimmt auf Reisen sein eigenes Goldgeschirr mit und lebt auf Kosten des Landes. Wenn Tudor gemessen wird an der Größe des Bartes, der Liebe zum Wettkampf und dem Ärger mit Frauen, dann muss Charles Brandon an zweiter Stelle rangieren, gleich hinter seinem König."

Jeremy Harding liest für eine kilometerlange Besprechung Neuerscheinungen zur Geschichte des ölreichen Angolas, das nach Sklaverei, Kolonialismus, Sozialismus, Befreiungskämpfen und Militärinterventionen nun die Kleptokratie seiner Oligarchie überstehen muss: "Die Tochter des Präsidenten, Isabel dos Santos, hat ein Vermögen von drei Milliarden Dollar und ist laut Forbes die reichste Frau Afrikas."

Weiteres: Jackson Lears empfiehlt nachdrücklich Robert Caros wiederaufgelegte Biografie des New Yorker Stadtplaners Robert Moses, der mit seinen Schnellstraßen, Tunneln und Satellitenstädten die "modernistische Grandiosität" in den Kollaps führte. Mark Ford bespricht Jonathan Bates Ted-Hughes-Biografie.

Magazinrundschau vom 01.03.2016 - London Review of Books

Die Tage des Islamischen Staats sind gezählt, glaubt Patrick Cockburn, der einen ziemlich kenntnisreichen Blick auf die Lage in Syrien und Irak wirft: "Das Pentagon, die irakische Regierung und die Kurden übertreiben ihre Erfolge gegen den IS, aber der musste tatsächlich schwere Verluste einstecken und ist, seit er die Verbindung zur Türkei verloren hat, von der Außenwelt abgeschnitten. Wirtschaft und Organisation des Kalifats beginnen unter dem Druck der Bombardierung und Blockade zusammenzubrechen. Diesen Eindruck vermitteln zumindest die Menschen, die Anfang Februar von Mosul nach Rojava geflohen sind. Ihre Reise war nicht leicht, da der IS jedem verbietet, das Kalifat zu verlassen - er will keinen Massenexodus. Wer es raus geschafft hat, berichtet, dass der IS mit zunehmender Gewalt seine Fatwas und religiösen Gesetze durchsetzt."

Thomas Nagel verteidigt den Drohnenkrieg. Rechtlich fragwürdig sei zwar, dass man nicht mehr zwischen Gefahrenabwehr und Hinrichtung unterscheiden könne, ansonsten sei die Abwehr reiner Affekt: "Ich vermute, dass viele das Persönliche, Individualisierte am Drohnenkrieg erschreckend finden. Es scheint leichter, beim Verfolgen legitimer militärischer Ziele das Sterben gesichtsloser Massen durch Raketen, Bomben und Granaten hinzunehmen und die damit einhergehenden, unvermeidlichen Kollateralschäden. Krieg ist die Hölle, das wissen wir. Aber wenn der Präsident jemanden auf eine Tötungsliste für einen Drohnenschlag setzt, schafft dies das illusorische Gefühl einer direkteren Verantwortung für diesen Tod als für einen anderen. Es fühlt sich wie eine Exekution an, dabei ist es nur die Einzelhandelsversion der Kriegsführung. Die Verantwortung ist, individuell und kollektiv, in beiden Fällen gleich groß."

Weiteres: Andrew O'Hagan bespricht Jean Steins Blick zurück auf die große Zeit Hollywoods "West of Eden". Frances Stonor Saunders räsoniert über das Ich, die Grenzen und die Selbstvergewisserung.