
Eine sehr interessante
Reportage über den Mord an einer Politikerin, der viel über das
heutige Spanien erzählt, schickt Giles Tremlett aus Leon. Dort wurde im Mai 2014 auf offener Straße die Politikerin
Isabel Carrasco erschossen. Der Mörder, stellte sich heraus, war eine Frau, die Carrasco dafür bestrafen wollte, dass diese ihrer Tochter
keine schöne Position im Staatsdienst zugeschustert hatte: "Carrascos Architektenfreund Jesús Ramos reflektiert die vergiftete Atmosphäre in Leon, was er Spaniens 'familistische' Gesellschaft nennt - wo ein schwacher Wohlfahrtsstaat kein wirkliches Sicherheitsnetz bietet. 'Hier kümmert sich die Familie um dich', sagt er. Das macht
Vetternwirtschaft unvermeidbar, sogar tugendhaft. In diesem Fall stiftete sie eine Mutter zum Mord an. Die Frau, die den Abzug drückte, tat dies jedoch nicht aus moralischer oder politischer Empörung. Schließlich war der Wunsch ihrer Tochter, mittels eines
manipulierten Examens einen unkündbaren, vom Steuerzahler finanzierten Job zu ergattern, ein weiteres Beispiel für Korruption. Eine Attentäterin, die Mercedes fährt und Hugo Boss trägt, repräsentiert nicht die wütenden arbeitslosen Armen Spaniens. Sie repräsentiert eine Gesellschaft, in der die korrupte Verteilung von Steuergeldern so verbreitet ist, dass einige glauben, sie
hätten ein Recht auf ihren Anteil und - in diesem Fall - ein Recht, dafür zu töten, wenn sie ihn nicht bekommen."
Arifa Akbar
stellt den britischen Historiker
David Olusoga vor, der in seinem Buch
"Black and British: A Forgotten History" die weißen Briten daran erinnert, dass sie ihre Geschichte nicht unabhängig von der Geschichte
ihres Empires und ihres Sklavenhandels sehen können: In Olusogas geht es nicht um Sklaverei als solche, so Akbar. "Es ist vielmehr eine radikale Neubewertung der Parameter der Geschichte, indem es die Leerstellen in der britischen Geschichtserzählung aufdeckt. Heimische Geschichte kann nicht getrennt werden vom Aufbau des riesigen ehemaligen Empires, meint er, das unauflösbar mit der Ökonomie der globalen Sklaverei verbunden war. Die Geschichte daheim mit der im Ausland zu verknüpfen, macht es viel schwerer,
Britanniens Anteil am Sklavenhandel zu beschönigen."
Außerdem besprochen wird
Alex Bellos'
Band "Can You Solve My Problems?", eine Anthologie und
Geschichte des Puzzles, dem
Simon Singh größtes Vergnügen und eine verpasste Haltestelle verdankt.