Magazinrundschau - Archiv

Eurozine

306 Presseschau-Absätze - Seite 14 von 31

Magazinrundschau vom 11.09.2018 - Eurozine

Truls Lie denkt über die Bedeutung von Kryptowährungen in Zeiten von Schuldenkrisen nach: "Es scheint angebracht zu fragen, ob Kryptowährungen Gesellschaften durcheinanderbringen oder, wie Freidenker meinen, so wichtig sind wie das Internet. Der Markt ist jedenfalls riesig. Es gibt vier bis fünf Milliarden Menschen ohne Bankkonto. Für sie kann ein Smartphone mit Kryptowährungen als digitales Portemonnaie dienen. Menschen in Entwicklungsländern, die nicht der oberen Mittelklasse angehören, könnten so Geld bezahlen und empfangen, ohne dass die Steuerfahnder korrupter Regime ihnen auf die Spur kommen … Krypto könnte das Bargeld der Zukunft sein, wenn koventionelles Geld zu unsicher wird, weil die Banken nur sehr geringe Bargeldreserven haben."

Magazinrundschau vom 28.08.2018 - Eurozine

In einem bitteren Essay rekapituliert der ukrainische Philosoph Mykola Rjabtschuk, wie sehr der Prager Frühling die Menschen in der Ukraine, in Russland und in Georgien über Jahrzehnte inspiriert hat - und wie wenig Solidarität die Revolutionäre von Kiew oder Tiflis aus Tschechien und der Slowakei erhalten haben: "Mir ging auf, dass ich Milan Kunderas vielgerühmten Essay über die "Tragödie Mitteleuropas" nicht sorgfältig genug gelesen hatte. Mein idealistischer Blick auf die Region war weitgehend von seiner überzeugenden Forderung gerpägt, zu Europa zu gehören und in die Familie der freien europäischen Nationen zurückzukehren. Ich ignorierte Brodskys Kritik an Kunderas Position, obwohl er sie sehr scharfsichtig als zu essentialistisch im Hinblick auf den Westen und zu exklusiv im Hinblick auf den Rest beschrieb. Kunderas explizite Botschaft war: Wir, die Tschechen, (die Polen, die Ungarn) sind Europäer in Kultur und Geschichte; wir wurden vom Westen in Jalta betrogen und an Stalin verkauft, wir nahmen dies nicht hin und werden dies nie hinnehmen; wir gehören nicht zum sowjetischen Reich, denn wir Mitteleuropäer sind anders, wir sind wie die Westler, und deshalb verdienen wir die Freiheit. Ob all die anderen Nationen im Sowjetischen Reich auch Freiheit verdienten - selbst wenn sie keine Mitteleuropäer oder nicht einmal Europäer wären - sagt Kunderas Text nicht deutlich, aber implizit und wahrscheinlich unabsichtlich errichtete er eine Hierarchie von mehr und weniger europäischen Nationen und daher mehr und weniger freiheitsliebenden und - verdienenden. Wie der ukrainische Philosoph Wolodimir Jermolenlo treffend bemerkte, mag Kunderas Konzept 'befreiend für Mitteleuropa gewesen sein, aber für das Europa weiter östlich war es desaströs. Anstatt die Mauer zwischen Ost und West niederzureißen, verschob er sie nur weiter nach Osten.'"

Außerdem spricht der russische Historiker Juri Slezkine über sein Buch "Das Haus der Regierung", in dem er die Geschichten der sowjetischen Revolutionäre der ersten Stunde erzählt.

Magazinrundschau vom 21.08.2018 - Eurozine

Aloma Rodrigeuz bricht in einem aus Letras Libres übernommen Artikel eine Lanze für die Kritikerinnen des feministischen Mainstreams, vorneweg natürlich Camille Paglia, die nicht müde wird, Feministinnen ihre Ignoranz gegenüber Ästhetik und Psychologie vorzuwerfen. Sie empfiehlt aber auch Jessa Crispin, die in ihrem Buch "Why I Am Not a Feminist: A Feminist Manifesto" gegen einen unpolitischen Feminismus argumentiert, der sich auf einzelne Fälle von Misogynie kapriziert oder den Opferstatus von Frauen reproduziert. Besonders fatal findet Crispin das Argument des Mainsplaining: "In einem Essay ihres Buchs 'Men Explain Things to Me' lieferte Rebecca Solnit ein unschlagbares Argument, mit dem eine Frau jede Diskussion gewinnen kann: Wer Dir widerspricht, tut es aus Frauenfeindlichkeit. Das ist natürlich verlockend, wer kann einem Argument widerstehen, das einem immer Recht gibt? Es beengt jedoch den Diskurs und fördert die die Segregation, den in der Konsequenz dürften nur Frauen miteinander reden. Darum kann es dem Feminismus gehen, wenn wir Simone de Beauvoir und Mary Beard glauben. Dem Feminismus geht es darum, dass das, was Frauen zu sagen haben, auch von Männern gehört wird und ihre Äußerungen die gleiche Aufmerksamkeit erfahren. Das kritisiert Crispin auch in ihrem Manifest, aber sie geht noch weiter. Um zu zeigen, wie gefährlich es ist, eine Gruppe namens Frauen zu etablieren, vergleicht sie das mit dem Nationalismus und seiner Betonung von Gruppenidentität und gemeinsamer Werte, die von anderen abgelehnt würden... Wenn Menschen von Empowerment sprechen sieht Crispin darin oftmals nur Narzissmus, der darauf zielt, die eigne Gruppe ausschließlich mit positiven Eigenschaften zu belegen und die negativen über die andere Gruppe zu verhängen.' Mit solchen Projektionen', schreibt sie, 'verleugnen wir nicht nur all die Facetten, die die Menschlichkeit bei Männern ausmachen, wir verleugnen auch unsere eigene Menschlichkeit.' Wir sind keine vollständigen Menschen, wenn wir nur das Gute in uns Frauen sehen."

Weiteres: Gegen Russlands Geschichtspolitik, die den Blick auf den Stalinismus immer stärker verenge, hofft Daria Khlevnyuk auf Dezentralisierung und Pluralisierung. Außerdem übernimmt Eurozine von Osteuropa den Bericht von Memorial zum Hungerstreik von Oleg Senzow und zur Lage der ukrainischen Häftlinge in Russland.

Magazinrundschau vom 07.08.2018 - Eurozine

Online-Diskussionen geraten nicht nur aus dem Ruder, wenn sie sich auf toxische Themen beziehen, stellt Baptiste Campion in einem Beitrag fest, den Eurozine aus der belgischen Revue Nouvelle übernimmt. Ihre Destruktivität ergibt sich auch aus den Regeln, nach denen Twitter und Facebook den Austausch organisieren. Um konstruktiv zu werden, müssen Diskussionen zum Beispiel zu einer Synthese kommen: "Ein Austausch endet, wenn niemand mehr etwas beiträgt. Manche Plattformen erzeugen ein de-facto-Ende, indem sie nach einer bestimmten Deadline keinen Beitrag mehr zulassen, während andere keine Grenzen setzen und einen Thread einfach sterben lassen, wenn sich niemand mehr beteiligt. Aber der Mangel an neuen Beiträgern heißt nicht, dass der Austausch auch irgendwo hingeführt hat. Sind alle zu Wort gekommen? Sind alle Argumente gehört worden? Gibt es Punkte, auf die man sich einigen konnte, oder einen minimalen Konsens? Wir wissen es nicht. Wir können wohl zu Recht annehmen, dass die vielen Online-Diskussionen, in denen sich Tausende von Nutzern Tag für Tag engagieren, ihre Sicht auf die Dinge beeinflussen. Doch Plattformen machen einen Abschluss nicht möglich. Tatsächlich verhindern sie ihn sogar. Ein Austausch, in den sich jeder zu jeder Zeit einschalten kann und die Debatte entfachen, die von ihren vorigen Teilnehmern geschlossen wurde, wird sich immer im Kreis drehen, auch wenn das nicht in der Absicht der Nutzer liegt."

Außerdem: Der rumänische Ökonom Daniel Daianu fürchtet in einem sehr theoretischen Text um den liberalen Kern der Demokratien.

Magazinrundschau vom 14.08.2018 - Eurozine

Casabella 367 (1972); Domus, 487 (1970); Archigram 4 (1964); Bau, Januar 1969
Ein einflussreicher Architekt wird man nicht in erster Linie durch seine Gebäude, sondern durch seine Ideen. Beispiel Mies van der Rohe, dessen Ruhm in der ersten Hälfte der Zwanziger aus fünf Projekten entstand, die nie gebaut, sondern nur in Magazinen veröffentlicht wurden. Überhaupt war das Moderne an modernen Architekten nicht ihr Baumaterial, sondern ihr Zusammenspiel mit den Medien, meint Beatriz Colomina, die ein enthusiastisches Loblied auf die kleinen Magazine singt: "Die Geschichte der Avantgarde in der Kunst, in der Architektur und in der Literatur kann man nicht trennen von der Geschichte ihres Engagements mit den Medien. Und das nicht nur, weil Avantgardisten die Medien genutzt haben, um ihre Arbeit bekannt zu machen. Ihre Arbeit existierte einfach nicht vor ihrer Veröffentlichung. Futurismus gab es vor der Veröffentlichung des Futuristischen Manifests in Le Figaro 1909 nicht wirklich. Adolf Loos existierte nicht vor der Veröffentlichung seiner polemischen Schriften in den Tageszeitungen und in seiner eigenen kleinen Zeitschrift Das Andere (1903). Le Corbusier existierte nicht vor seiner Zeitschrift L'Esprit Nouveau (1920-25) und den Büchern, die aus ihren polemischen Seiten hervorgingen (Vers une architecture, Urbanisme, L'art decoratif d'aujourd'hui, Almanach). ... Diese Magazine berichteten nicht über die Welt. Sie brüteten ganz neue Welten aus und gaben Einblicke in Gesellschaften, die unter völlig anderen physischen, sozialen und intellektuellen Regeln leben. Jedes kleine Magazin ist eine transportable Utopie, ein von konventioneller Logik unbegrenzter Raum. Es perforiert die reale Welt mit alternativen Visionen, deren Wirkung mit jeder Wiederholung und viralen Verbreitung multipliziert wird. Frei von den Zwängen der Schwerkraft, der Finanzen, der sozialen Konventionen, der technischen Hierarchien und Verantwortlichkeiten, führt das sich ständig erweiternde Netzwerk von kleinen Magazinen zu einer neuen Architektur. Die transportable Utopie wird zur realen Baustelle."

Magazinrundschau vom 24.07.2018 - Eurozine

In einem Beitrag für das schwedische Magazin Fronesis (von Eurozine ins Englische übersetzt) geht Carl Cassegård neuen, individualisierten Formen der Solidarität und des Protests nach: "Das vorherrschende Ideal globaler Solidarität innerhalb neuer sozialer Bewegungen kann als Ausdruck einer reflexiven Solidarität begriffen werden, in dem Sinne, dass Solidarität nicht in bereits bestehenden Gemeinschaften oder Interessen verankert ist, sondern durch kommunikative Prozesse vermittelt wird, in deren Verlauf sich der Einzelne erst aus moralischen oder anderen Gründen mit bestimmten Anliegen identifiziert, Klimagerechtigkeit oder die Unterstützung von Flüchtlingen etwa … Individualisierte Solidarität ist nicht notwendigerweise offen, sondern kann engstirnig daherkommen, wenn sie etwa Nationalismus oder Rassismus ausdrückt. Der giftige Ton in manchen Webforen zeigt auch, dass sie nicht unbedingt reflexiv im Sinn einer Offenheit für den Einfluss von Argumenten Andersdenkender ist. Nur, indem wir ihre Ambivalenzen erkennen, können wir die Beschränkungen und die Möglichkeiten der individualisierten Solidarität einschätzen und auf welche Weise sie sich in eine offenere, inkludierende und reflexive Richtung entwickeln könnte."
Stichwörter: Solidarität, Rassismus

Magazinrundschau vom 17.07.2018 - Eurozine

In einem aus dem amerikanischen Magazin Dissent übernommenen Artikel berichtet Caitlin L. Chandler aus dem Sudan über die humanen Kosten einer verschärften EU-Grenzpolitik und des Khartoum-Prozesses: "Nachforschungen belegen, dass Menschen, die durch den Sudan nach Europa auswandern, dies aus einer Vielzahl von Gründen tun, darunter politische Verfolgung, Langzeitkonflikte und Armut. Viele Menschen aus Eritrea, die die Mehrzahl der Flüchtlinge ausmachen, die ich interviewen konnte, fliehen vor der lebenslangen Wehrpflicht in ihrem Land." Chandler macht im wesentlichen die EU verantwortlich für die Zustände in den afrikanischen Flüchtlingslagern. Zwischendurch deutet sie jedoch auch afrikanische Verantwortlichkeiten an, etwa "dass Schmuggel und Menschenhandel am Horn mit Unterstützung durch lokale Regierungsbeamte und Grenzschutztruppen vor sich geht. Diese Zusammenarbeit ist gut dokumentierte - so stellte zum Beispiel das Büro der amerikanischen Regierung zur Überwachung und Bekämpfung des Menschenhandels fest, dass der Sudan die Mindeststandards für die Bekämpfung des Menschenhandels nicht erfüllt. Ein Team sudanesischer investigativer Journalisten in Kassala fand 'Frühwarnsysteme' zwischen sudanesischer Polizei und Menschenhändlern, um letztere vor Verhaftungen zu schützen, während eine weitere Untersuchung von  Refugees Deeply die Beteiligung hochrangiger Regierungsbeamter dokumentiert. ... Der Khartum-Prozess war ein klares Signal an die sudanesische Regierung, dass die Kontrolle der Migration oberste Priorität der EU ist - und dass sie bereit ist, dafür zu zahlen. Die EU finanziert die sudanesische Regierung nicht direkt aus Menschenrechtsgründen, aber über 100 Millionen Euro fließen in den Sudan an verschiedene internationale Organisationen. Vor Ort lässt sich nicht nachvollziehen, wo alle Mittel landen."

Magazinrundschau vom 10.07.2018 - Eurozine

David Goodhart versetzte 2004 die britische Linke mit einem Essay in Aufruhr, wonach zu viel Diversität zu Lasten der Solidarität gehe. In seinem neuen Buch "The Road to Somewhere" unterteilt er die britische Gesellschaft - in Anlehnung an Theresa Mays Diktum "If you are a citizen of the world, you are a citizen of nowhere" - in Anywheres und Somewheres: Die gut ausgebildeten Anywheres aus der Mittelschicht machten 25 Prozent aus und favorisierten Offenheit und Mobilität, die Somewheres machten 50 Prozent aus und seien stärker auf Sicherheitsnetze wie Familie und Nation angewiesen, erklärt er im Interview mit dem norwegischen Magazin Samtiden, das Eurozine ins Englische übersetzt hat: "Ich glaube schon, dass ich das weitverbreitete Unbehagen am dominierenden Liberalismus der Anywheres erkennt habe, ein Unbehagen, das ebenso kulturell wie ökonomisch ist. Die Anywheres haben ihre eigene Macht nicht bemerkt. Sie haben in ihrem eigenen Interesse regiert und dies als nationales Interesse ausgegeben. Und das beziehe ich nicht nur auf die Wirtschaft und die Verschiebung zu einer offenen Wissensökonomie mit hoher Einwanderung, von der die Anywheres viel mehr profitieren als die Somewheres. Fast das gesamte politische Spektrum ist beherrscht von dem säkularen, liberalen Anywhere-Denken, zumindest in Britannien: die Expansion der höheren Bildung und verglichen damit die Vernachlässigung der technischen und beruflichen Ausbildung; die Art, in der kognitive Fähigkeiten zum Goldstandard wurden; das Misstrauen gegenüber Formen von Gruppenzugehörigkeit (national, lokal, ethnisch); die gesunkene Bedeutung des Privaten und die Versuche, die Unterschiede zwischen den Geschlechtern und ihren Rollen zu relativieren, die viele Menschen noch immer wertschätzen. Und zu guter Letzt wurde den Somewheres erklärt, dass ihnen die Anywheres auch moralisch überlegen sind."

Magazinrundschau vom 19.06.2018 - Eurozine

Ende Mai war der russische Journalist Arkadi Babtschenko in die Schlagzeilen geraten, weil er seine angebliche Ermordung durch den russischen Geheimdienst inszeniert hatte. Ob der Mordplan wirklich existierte, wissen wir nicht. Was wir aber wissen ist, dass Babtschenko immer wieder furchtlos von Russlands Kriegen erzählt hat. Eurozine hat jetzt als Hintergrundinformation ein Interview mit Babtschenko ins Englische übersetzt, das dieser 2008 dem belgischen Magazin La Revue Nouvelle gegeben hatte. Darin spricht er über das, was ihn am meisten geprägt hat: seine Erfahrungen als russischer Soldat im Tschetschenienkrieg: "Die Wahrheit ist, dass Krieg wirklich eine Droge ist, ein Gift, Mist, der in dein Gehirn kriecht, ein Betäubungsmittel. Was auch immer du tust, du darfst nicht davon kosten, denn sobald du das tust, ist dein ganzes Wesen verseucht. Wir haben noch nichts erfunden, das diese Krankheit heilt ... Krieg ist überall eine Droge: Irak, Algerien, Falkland, Afghanistan, Erster Weltkrieg, Zweiter Weltkrieg - alles die gleichen Alpträume. Ich weiß, dass diese Kriege anders sind, aber die Albträume, die den Schlaf ehemaliger Soldaten heimsuchen, sind dieselben: Sie wissen, dass sie töten werden, sie haben Schmetterlinge im Bauch, sie wachen schwitzend auf, sie rufen im Schlaf. In Irland saß ich bei einem Literaturfestival neben einem amerikanischen Ex-Soldaten, der im Irakkrieg war und später Schriftsteller wurde. Als er 'Abu Ghraib' sagte, hörte ich 'Chernokosovo'."

Magazinrundschau vom 04.06.2018 - Eurozine

In seinem Beitrag von New Humanist übernommenen Beitrag erläutert Peter Forbes, wie die Methoden des Harvard-Genetikers David Reich zur Erforschung vorzeitlicher DNA nicht nur die menschliche Evolution neu zu schreiben helfen, sondern auch unsere Vorstellungen von Migration und Identität auf den Kopf stellen: "Für jemanden, der auf die Idee kommen sollte, Reichs Erkenntnisse für eine rassistische Theorie zu missbrauchen, hält Reichs Arbeit die Dokumentation vieler überraschender Völkerwanderungen bereit: Kein Volk an irgendeinem Ort der Welt ist mit dem Volk verwandt, das einmal an diesem Platz lebte. Identität über ein Urvolk zu konstruieren, das einmal auf deinem Flecken Erde lebte, ist ein sinnloses Unterfangen. Ideologien, die mit mythischer Reinheit argumentieren, kriegen es mit knallharter Wissenschaft zu tun, meint Reich. Wie kommt er darauf? Die Vorstellung, DNA könne uns über unsere Migrationsbewegungen informieren, entstand aus dem DNA-Fingerabdruck. Unsere Gene werden in Blöcken weitergegeben, zusammen mit vielen kleinen zufälligen, harmlosen Variationen sowie Mutationen. Diese Eigenarten der DNA wurden zuerst dafür verwendet, um Kriminelle zu finden. Später wurde es möglich, damit vergangene Bewegungen großer Populationen zu kartografieren. Gesellschaften, die lange an einem Ort leben, teilen stets den Großteil ihrer genetischen Abstammung miteinander. Wenn so eine Gruppe an einen anderen Ort übersiedelt, zeigt sich ihr genetisches Signal an dem neuen Ort."