Eurozine hat die Stimmen von vier Frauen zur #metoo-Kampagne in ihren Ländern
gesammelt: Ann Ighe berichtet aus
Schweden, Réka Kinga Papp schreibt über
Ungarn, Slavenka Drakulić schildert die Situation von Frauen in
Osteuropa und die amerikanische Historikerin
Claire Potter erinnert daran, wie lange die
Diskussion in den USA schon geführt wird, wieviele Maßnahmen ergriffen wurden, die am Ende wenig Erfolg hatten. Vielleicht, meint sie, sollte man sich nicht auf den Sex konzentrieren, sondern auf
Machtmissbrauch. Denn die Konzentration auf Sex führt oft zu Regeln, die dem Variantenreichtum zwischenmenschlicher Beziehungen nicht gerecht werden (in ihrem Fachbereich etwa, so Potter, sollen die Leute keine sexuellen Beziehungen mit Untergebenen haben, "aber sie haben sie andauernd"). Für Potter hat die Schauspielerin
Lupita Nyong'
o das Problem in ihrem
NYT-
Artikel über Harvey Weinstein am besten erklärt: "Nyong'o beschreibt, wie sie sozial und manchmal physisch von Weinstein eingekesselt wurde. Sie setzte dann entweder Grenzen oder verwischte sie, wenn es nötig war. Aber, erklärt sie, in den darstellenden Künsten 'ist
das Intime oft professionell, darum sind die Grenzen verwischt'. Wenn Grenzen verwischt sind, dann wundert es nicht, wenn das Aufstellen von Regeln und die Erwartung, dass alle sich dran halten, versagt. Sollten wir statt dessen nicht eher überlegen, wie wir uns in diesen Grenzbereichen ethisch bewegen? Könnten wir nicht mehr lernen über die
Machtungleichgewichte an unseren Arbeitsplätzen, die einige Menschen so verletzlich machen und andere verschonen?"