Magazinrundschau

Die Magazinrundschau

Ein Blick in internationale Magazine. Jeden Dienstag ab 10 Uhr.
06.03.2007. Die Weltwoche porträtiert Andre Glucksmann. In Al Ahram findet die Kanadierin Hadeel Al-Shalchi, dass die Ägypterinnen das Kopftuch aus den falschen Gründen tragen. Tygodnik Powszechny will keine westeuropäischen Filme über osteuropäische Themen sehen. Der Economist untersucht Licht und Schatten in Südafrika. Al-Sharq al-Awsat beobachtet arabische Intellektuelle im französischen Wahlkampf. Der Merkur fragt, warum die Deutschen einen solchen Hass auf die Klassengesellschaft haben. Das ES-Magazin empfiehlt den Ungarn, die Demokratie etwas nüchterner zu betrachten. Die New York Times denkt über ein Ergebnis unserer Hirnarchitektur nach: den Glauben.

Weltwoche (Schweiz), 01.03.2007

David Signer hat nach einem Besuch Andre Glucksmanns und der Lektüre seiner letzten Bücher ein sehr schönes Porträt verfasst. Es geht unter anderem um Identität, eine Sache, um die Glucksmann, der von deutschen Juden abstammende Franzose, und Linke, der heute Sarkozy wählt, bestens Bescheid weiß. "Ein großer Teil der Weltbevölkerung lebe heute weder in der alten Welt der agrarischen Gewissheiten noch in westlichen Rechtsstaaten, wo das Zusammenleben verschiedener Gruppen mehr oder weniger geregelt verlaufe, sondern müsse sich in einer gewalttätigen Zone der Identitätsunsicherheit und der Identitätskonflikte zurechtfinden. Das sei der ideale Nährboden für Nihilismus. Der Nihilist im glucksmannschen Sinne mag sich nationalistisch, marxistisch oder islamistisch gebärden, aber das sind nur Alibis. Eigentlich ist er bodenlos und leer, sein einziges Motiv Hass, die Zerstörung des andern. (...) Drei Ziele bieten sich für den Nihilisten besonders an: der 'kapitalistische Westen', weil er aus der Mobilisierung von allem und jedem ein Prinzip gemacht hat; der Jude, weil er gerade aus seiner Entwurzelung seine Identität bezieht; und die Frau, weil sie die Totalität des Mannes in Frage stellt. In ihrem Hass auf die drei treffen sich, so Glucksmann, die unterschiedlichsten Bewegungen. 'Es ist der Hass der Pseudoverwurzelten gegen die universal Entwurzelten.'"
Archiv: Weltwoche

Al Ahram Weekly (Ägypten), 28.02.2007

Die Kanadierin Hadeel Al-Shalchi (weblog), die seit zehn Jahren freiwillig das Kopftuch trägt, erlebt einen positiven Kulturschock, als sie nach Kairo kommt. Fast jede trägt hier Kopftuch, das Angebot ist phantastisch: "Da ich aus einem Land komme, in dem es nicht viele Kopftücher gibt, fühlte ich mich in den Kopftuchgeschäften wie in einer Oase. Ich stand mit aufgerissenen Augen in einem Laden und dachte: 'Oh mein Gott - ich will sie alle!'" Mit der Zeit wird sie aber unsicher, wie ernst es den Ägypterinnen eigentlich damit ist. "Viele Frauen scheinen das Kopftuch zu tragen, ohne nachzudenken. Sie bringen Begründungen wie 'Ich will nicht in die Hölle' oder 'Das muss ich tun', 'Meine Eltern haben es mir gesagt', 'Das macht doch jeder so'... Aufkleber in den U-Bahn-Stationen warnen die Frauen, den Hijab zu tragen, wenn sie ihrem Gott am Tag des Jüngsten Gerichts begegnen - fühlst Du Dich schuldig, es nicht zu tragen? Willst Du in diesem unmoralischen Zustand gesehen werden? Und wenn sich ein Mädchen gegen das Kopftuch entscheidet, dann kann sie sich entweder auf Belästigungen oder Bemerkungen von Männern auf der Straße gefasst machen, oder sie ist plötzlich eine koptische Christin."
Archiv: Al Ahram Weekly