Im Kino
Tropfende Ekstase
Die Filmkolumne. Von Kamil Moll
18.03.2026. "Ist das so etwas wie ein Hobby?" Dezidiert kleinformatig ist Bradley Coopers famoser neuer Film geraten. In "Is This Thing On?" nähert er sich mit viel Feingefühl und Neugier einem Ü50-jährigen, der sich auf Stand-Up-Comedy-Bühnen erprobt.
Wer pfeifen will, muss nur die Lippen zusammenpressen und pusten. Wer Stand-up-Comedy machen möchte, sollte einfach zu schreiben anfangen. "Ist das so etwas wie ein Hobby?", wird der rund Ü50-jährige Alex (Will Arnett) zweifelnd von seinen Freunden gefragt, als er ihnen von seinen Auftritten als angehender Bühnenkomiker in den kleinen Kellerklubs von New York erzählt. Es bringe ihn nicht weiter, ausgelacht zu werden, gibt die Mutter (Christine Ebersole) zu bedenken. Gegen eine angehende Midlife-Krise helfe eher ein neues Motorrad, sagt der Vater (Ciarán Hinds).
Niemand wird sich in Bradley Coopers "Is This Thing On?" ein Motorrad kaufen müssen. "Was mich darauf gebracht hat, dass meine Frau und ich getrennt sind", tastet sich Alex bei seinem ersten, spontanen Stand-up-Auftritt aus dem rein reminiszierenden Erzählen ans komödiantisch Pointierte heran, "war die Erkenntnis, dass ich in einem Apartment ohne sie und meine Kinder lebe." Wirklich klar ist der Status von Alex und Tess (Laura Dern) dennoch nicht. Zu Beginn des Films spielen sie Freunden beim Besuch noch das funktionierende Paar vor und werten im Anschluss, von Haschkeksen angeheitert, aus, wie überzeugend sie dabei gewesen sind: Ist es too much, sich nach 20 Jahren Ehe noch als "Darling" zu bezeichnen? Erzeugt es automatisch Verdacht oder doch nur Amüsement?
Beziehungen sind in "Is This Thing On?" unordentlich und aus widersprüchlichen Emotionen zusammengeknotet. Sich bewusst zu werden, was sie antreibt und hoffentlich am Leben erhält, ist möglicherweise vergleichbar mit dem Einüben von Gags, der langwierigen Suche danach, was einen Witz funktionieren lässt. Die kaum je stillhaltende, nervös tippelnde Handkamera Matthew Libatiques umkreist immer wieder Alex' Körper bei seinen kleinen Shows, als gelte es, aus der aufmerksamen Beobachtung eine sichtbar werdende Erkenntnis zu ziehen. Er stockt beim Sprechen, überlegt, setzt immer wieder neu an, kichert kehlig - und just wenn ein Rädchen ins andere greift, eine Pointe in der Geschichte heraufdämmert, dreht sich die Kamera an Alex' Gesicht heran und verharrt glückselig auf der sich aufhellenden Miene.

Close-ups sind das dramaturgische Rückgrat von Bradley Coopers Kino. Er sucht sie permanent und schenkt sie seinen Schauspielern unentwegt. In der schönsten Szene des Films erzählt eine Nahaufnahme des Gesichts Laura Derns von einem Widerstreit der Gefühle, wie ihn so unauflöslich wohl nur eine jahrzehntelange Beziehung erzeugen kann. Zusammen mit einem Date (der legendäre NFL-Quarterback Peyton Manning in seiner ersten Charakterrolle) wird sie unwillkürlich zur Zuschauerin, wie Alex bei einem Auftritt über sie und den Sex mit neuen Partnerinnen spricht: Ihr Blick wechselt über irritierte Nervosität zu Wut und Enttäuschung, wandelt sich schließlich zu Überraschung und wiedererkennender Verzauberung.
In allen Regiearbeiten Bradley Coopers artikuliert sich eine naive, geradezu heilige Ehrfurcht vor der Erhabenheit öffentlicher Performances und der Arbeit, die es benötigt, sie wirken zu lassen. Seine ersten beiden Filme besaßen eine Anfälligkeit für aufrichtigen Glamour, den er durch sein eigenes Schauspiel bisweilen in aufdringliche Grandiosität kippeln ließ: der vom Showbiz zurückgelassene Country-Schmerzensmann im unerschrockenen Remake von "A Star Is Born", ein sich bei Mahlers zweiter Sinfonie in tropfende Ekstase dirigierender Leonard Bernstein im von sich selbst berauschten Biopic "Maestro".
Auf solche überspannt dramatischen Gesten verzichtet "Is This Thing On?" vollends. Seinen eher kleinen, betont intimen Rahmen durchschreitet der Film in einem zwanglosen, freien Rhythmus, der an die wundersam sentimentalen Komödiendramen eines James L. Brooks erinnert (mit denen er auch eine Vorliebe für liebevoll ausgestaltete Nebenrollen teilt). Als Schauspieler ist Cooper diesmal nur ein zurückgenommener, uneitler Teamspieler: ein zotteliger, bärtiger comic relief, der pflichtbewusst in zerplatzte Hafermilchkartons fällt, wenn die Story mal einen Moment innehalten muss.
Kamil Moll
Is This Thing On? - USA 2026 - Regie: Bradley Cooper - Darsteller: Will Arnett, Laura Dern, Sean Hayes, Bradley Cooper, Ciarán Hinds, Christine Ebersole - Laufzeit: 124 Minuten.
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