Efeu - Die Kulturrundschau - Archiv

Film

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Efeu - Die Kulturrundschau vom 22.12.2025 - Film

Einer von zweien: Sergei Loznitsas "Zwei Staasanwälte"

In seiner gleichnamigen Verfilmung von Georgi Demidows Roman "Zwei Staatsanwälte" blendet der ukrainische Regisseur Sergei Loznitsa zurück in die Zeit des stalinistischen Terrors und zeigt einen "Teufelskreis aus Terror, Absurdität und menschlichen Abgründen", eine "kafkaeske Reise ins Nirgendwo", schreibt Kira Taszman in der taz. Im Mittelpunkt steht ein junger Staatsanwalt, dem sich die Ausmaße von Stalins institutionalisiertem Terrorapparat immer weiter offenbaren. "Doch was kann ein Idealist in einem von Willkür und Terror geprägten System erreichen? Hier überlebt man nur mit Gehorsam, Gewissenlosigkeit und Bauernschläue - und das auch nur auf absehbare Zeit. Paragrafen gelten nicht oder werden uminterpretiert. Parallelen zum heutigen Russland drängen sich auf." Ein aktuelles Interview mit dem Regisseur haben wir hier zitiert.

Auch der emeritierte Mozartforscher Ulrich Konrad ist entsetzt über die ARD-Serie "Mozart/Mozart", die das Leben des Geschwisterpaars Mozart zwar mit blumiger Fantasie weit jenseits der historischen Verbürgtheit ausschmückt (Mozart zeugt mit Marie-Antoinette den französischen Thronfolger), dafür aber auch kaum Mozart-Musik erklingen lässt. Stattdessen laufen "bunt gemixte Versatzstücke eines Allerwelts-Electro-Pops, dessen Ton- und Klangratatouille mit bestürzender Beliebigkeit daherkommt. Man spürt die Absicht, nämlich die suggestiv wirkende Kraft von Mozarts Musik mit zeitgenössischen Mitteln erzeugen zu wollen, und ist verstimmt, weil eben diese dafür viel zu schwach sind. ... Wer segnet solche Aufträge an Produktionsunternehmen ab, wer entscheidet über den Grenzverlauf zwischen legitimer Unterhaltung und angemessener Erfüllung des Bildungsauftrags? Warum bleiben Fachleute aus Kultur, Musik und Wissenschaft bei derartigen Vorhaben unbeteiligt? Da gute und schlechte Filme meist gleich viel kosten: Warum macht man nicht lieber gute? 'Mozart/Mozart' wirft Fragen auf, deren Brisanz ernst zunehmen wäre."

Weiteres: Tim Caspar Boehme resümiert in der taz einen Berliner Abend zu Ehren der Filmpioniere Max und Emil Skladanowsky. Und genug Lesestoff für die Zeit "zwischen den Jahren": Das critic.de-Team erzählt von den schönsten Kinomomenten des Jahres.

Besprochen werden Philipp Stölzls "Der Medicus II" (SZ) und die Amazon-Serie "Miss Sophie", die die Vorgeschichte des Silvesterklassikers "Dinner for One" erzählt (Welt, FAZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 20.12.2025 - Film

Während der iranische Filmemacher Jafar Najafi in Frankfurt seinen neuen Film präsentierte, wurde in Teheran seine Wohnung durchsucht, berichtet Andreas Fanizadeh in der taz. "Dabei wurde auch von ihm gedrehtes Material beschlagnahmt, das die brutale Polizeigewalt während der Frau-Leben-Freiheit-Proteste im Iran dokumentiert. Der Regisseur berichtet, dass er ebenfalls online unmittelbar bedroht wird, bei einer Rückkehr in den Iran sei für ihn mit Gefängnis und Folter zu rechnen. Dennoch wurde sein Antrag auf Asyl vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) im Mai abgelehnt, eine Entscheidung ist nun beim Verwaltungsgericht Darmstadt anhängig. Das Filmbüro Hessen sammelt in einen offenen Brief Unterschriften." Der Filmemacher "hatte nie vor, seine Heimat zu verlassen. Trotzdem könnte er nun in Deutschland endlich seinen Film über die Frau-Leben-Freiheit-Proteste in Iran fertigstellen. Die Entscheidung des Bamf, man versteht sie nicht."

Fanizadeh empfiehlt außerdem Najafis Dokumentarfilm "Asho", den der Regisseur auf Youtube gestellt hat: 



KI im Film nimmt Fahrt auf: Hinter den Kulissen sichern sich Netflix und Amazon hunderte, teils tausende "Patente mit KI-Bezug", schreibt Philipp Bovermann in der SZ und bemerkt, dass diese "sämtliche Phasen der Filmproduktion" abdecken, zugleich sorgt Disney damit für Aufsehen, in einem milliardenschweren Deal mit OpenAI das eigene Archiv für private KI-Experimente zugänglich gemacht zu haben. Der immer wahrscheinlicher werdende Netflix/Warner-Deal erscheine in diesem Zusammenhang in einem neuen Licht, denn Netflix ist zugleich auch Games-Hersteller: "Künftig sollen dazu auch Titel kommen, die über die Fernseher spielbar sind - damit die Leute, so der Plan, auf demselben Gerät zwischen Streaming und Gaming wechseln können. ... Schon seit Jahren träumen Manager in Hollywood von 'dreidimensionalen' Franchise-Welten, in denen ein Medium nahtlos ins nächste übergeht und jedes vom anderen kreative Impulse erhält, die möglichst die Fans kostenlos liefern. KI könnte der Schlüssel dafür sein, die Brücke zu schließen: zwischen Games und Film, linearen und von Nutzern erstellten Inhalten."

Weiteres: Dass die Oscars ab 2029 auf Youtube übertragen werden und Warner Bros nun wohl tatsächlich in Netflix aufgehen wird, lässt Valerie Dirk vom Standard an der Zukunft des Kinos zweifeln. Martina Meister spricht für die Welt mit der Schauspielerin Oona Chaplin über die Dreharbeiten zu James Camerons drittem "Avatar"-Film (unsere Kritik). Luca Glenzer erinnert in der taz an Hildegard Knef, die am 28. Dezember vor hundert Jahren geboren wurde. Das Wiener Gartenbaukino hat einen historischen Kinoabend von 1960 im Detail nachgestellt, berichtet Katrin Nussmayer in der Presse. Und das Filmdienst-Team (darunter zahlreiche Autoren, die auch für den Perlentaucher Filmkritiken schreiben) kürt die besten Filme des Jahres.

Besprochen werden Lucile Hadžihalilovićs Kunstmärchen-Film "Herz aus Eis" mit Marion Cotillard (taz) und Eva Victors "Sorry, Baby" (Standard, unsere Kritik).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 19.12.2025 - Film

"Yi Yi" von Edward Yang (Rapid Eye Movies)

Dass Edward Yangs taiwanesischer Filmklassiker "Yi Yi" aus dem Jahr 2000 nun wieder in die Kinos kommt, stimmt FR-Kritiker Daniel Kothenschulte sehr nostalgisch - wie war das noch, damals um die Jahrtausendwende, als das aufregendste Kino der Welt aus Asien kam und jedes Festival auf neue Auteurs aus den Regionen aufmerksam machte. Und da "Edward Yang nur sieben Jahre später, ohne seinen nächsten Film vollendet zu haben, starb, blieb sein Film zurück wie ein weitererzähltes Geheimnis. Er ist nicht der einzige Meister unter den langsamen Filmerzählern seiner Zeit, auch seine Landsleute Hou Hsiao-hsien und Tsai Ming-liang reüssierten. Und die Goldene Palme gewann damals Wong Kar-wais auf andere Art ebenso faszinierender und vielleicht etwas eingänglicherer Film 'In the Mood for Love'. Für einen Film, der von der Zeit handelt, erweist sich 'Yi Yi' beim Wiedersehen auf faszinierende Weise zeitlos. Wer ihn heute entdeckt, kommt nicht zu spät." Bereits beim ursprünglichen Kinostart 2001 zerflossen die Kritiker: Wir zitierten damals in unseren Presseschauen Andreas Kilb und Hanns Zischler.

Weitere Artikel: Josef Schnelle schreibt im Filmdienst einen Nachruf auf Rosa von Praunheim (weitere Nachrufe hier). Tanja C. Krainhöfer spricht für den Filmdienst mit Johannes Kostenzer und Elisabeth Stark, die das Nature Film Festival in Innsbruck leiten. Florian Schoop und Tobias Sedlmaier plaudern in der NZZ mit dem Schauspieler Christoph Maria Herbst über "Stromberg". Außerdem kürt das Filmdienst-Team die besten Serien des Jahres.

Besprochen werden Eva Victors "Sorry, Baby" (Tsp, unsere Kritik sowie hier unser Resümee), Ari Asters Pandemie-Groteske "Eddington", die in Deutschland schon seit einem Monat in den Kinos läuft (NZZ, unsere Kritik), die Lanzmann-Ausstellung im Jüdischen Museum in Berlin (NZZ, mehr dazu bereits hier), die neue Staffel der Erfolgsserie "Emily in Paris" (Welt, SZ) und die beiden neuen Mozart-Serien auf ARD und Sky (NZZ).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 18.12.2025 - Film

Rosa von Praunheim, 2012 (Bild:

Michael Mayer, CC BY 2.0)

Ein schwerer Verlust: Rosa von Praunheim ist im Alter von 83 Jahren gestorben. Und das durchaus überraschend: Vor nicht einmal einer Woche hatte er noch seinem langjährigen Lebenspartner das Ja-Wort gegeben, bis zuletzt am Rohschnitt seines neuen Films gearbeitet und noch am Tag vor seinem Tod, wie die Regisseurin Julia von Heinz auf Zeit Online schreibt, "von den vier Filmideen erzählt, die du deinem Redakteur nächste Woche vorstellen wirst". Mit 150 Filmen und zahlreichen öffentlichen, auch in der Szene nicht immer unumstrittenen Interventionen hat er in Deutschland die Anliegen der Schwulenbewegung wie wohl kein zweiter in die Mitte der Gesellschaft getragen und das Leben in der Bundesrepublik damit nachhaltig und deutlich zum Besseren verändert. "Man wird seinesgleichen nie mehr sehen", seufzt Andreas Platthaus in der FAZ. Der Perlentaucher seufzt mit.

Von Praunheim "liebte das Unerwartete, das Unkonventionelle, das eventuell nur für ihn Naheliegende", schreibt Jan Feddersen in der taz und ruft "die Wucht" in Erinnerung, "mit der Rosa die deutsche Kultur ... seit Ende der sechziger Jahre aufmischte", insbesondere mit der Ausstrahlung seines TV-Films "Nicht der Homosexuelle ist pervers, sondern die Situation, in der er lebt". Es war der "ästhetische Gründungsakt der bundesdeutschen Schwulenbewegung. ... Schwules, so Praunheim, war nix zum Schämen, sondern zum Stolzsein, ein Anlass zur Dissidenz, zum Krawall, zum lauten Sein als Abschied von den Zeiten, die als Tyrannei der Diskretion verstanden werden können."



"Cineastische Meisterwerke hat er zwar selten hervorgebracht", stellt Tilman Krause in der Welt fest, "aber viele freche, fröhliche Porträts von starken, nicht selten durchgeknallten Frauen oder verhaltensauffälligen, selbstredend überwiegend homosexuellen Männern. Sowie jede Menge flinke Zeitgeistprotokolle." Er war "ein Vorreiter", schreibt David Steinitz in der SZ: "Mit Filmen wie 'Die Bettwurst' holte er die in den USA an der Ostküste längst schwer im höchsten Kurs befindliche Camp-Ästhetik nach Deutschland und wurde zu einem der wichtigsten Protagonisten des Neuen Deutschen Films." Nicht zuletzt wegen seines kreativen Furors: "Er war derjenige, der einfach Filme machte, als andere noch umständlich ihre Förderanträge ausfüllten", schreibt Daniel Kothenschulte in der FR. "Avantgarde und Unterhaltung, Aufklärung und Bezauberung waren in seinem immensen Filmwerk keine Gegensätze." Für Artechock führt Rüdiger Suchsland sehr umfangreich durch Leben und Werk von Praunheims.



Die ARD hat Rosa von Praunheims Film über Rex Gildo und ein Porträt von 2022 wieder online gestellt. Tagesspiegel und Zeit Online bringen Bilderstrecken. Außerdem hat der Tagesspiegel hier und dort historische Reaktionen auf von Praunheims "Nicht der Homosexuelle ist pervers..." aus dem Archiv geholt. Der NDR bietet ein ausführliches Radiogespräch von 2022. Der Dlf hat zwei große Radiogespräche über Leben und Werk: hier von 2020, dort von 2023. Außerdem erschien dort am 7. Dezember im Rahmen der "Denk ich an Deutschland"-Reihe von Praunheims womöglich letzte Wortmeldung in den Medien.

Themenwechsel: Hanns-Georg Rodek hat für die Welt nachgerechnet, was an dem "Investitionsbooster" dran ist, den Kulturstaatsminister Wolfram Weimer mit seinem Konzept der "freiwilligen Selbstverpflichtung" für Streamer, private sowie öffentlich-rechtliche Anstalten zur Investition in den deutschen Film verspricht. Rodeks Ergebnis: nichts. Schaut man auf die Zahlen, dann liegen Weimers anvisierte 15,3 Milliarden auf fünf Jahre sogar unter dem, was ohnehin investiert wird: "Weimers 'Investitionsbooster' ist eigentlich ein Freibrief für Sender und Streamer, weniger für den deutschen Film auszugeben als bisher." In Frankreich und 16 weiteren EU-Staaten ist es hingegen ganz selbstverständlich, dass die Streamer verbindlich und gesetzlich klar geregelt re-investieren müssen, erinnert Rodek.

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Weiteres: Diese Woche startet Sergei Loznitsas Verfilmung von Georgi Demidos Kurzroman "Zwei Staatsanwälte": In der FAZ spricht Yelizaveta Landenberger mit dem Regisseur (hier das Resümee in unserer Debattenrundschau). SZ-Kritiker David Steinitz "läuft es kalt den Rücken" herunter, als er Rob Reiners "Being Charlie" wieder sichtet: In dem 2015 unabhängig produzierten Film versuchen der vor wenigen Tagen mutmaßlich von seinem Sohn ermordete Regisseur und eben jener Sohn ihr schwieriges Verhältnis aufzuarbeiten. Und: Warner Bros. lehnt das Übernahmeangebot von Paramount ab und bevorzugt Netflix, melden die Agenturen.

Besprochen werden Eva Victors "Sorry, Baby" (Perlentaucher, Artechock, online nachgereicht von der Welt, mehr dazu bereits hier), Ousmane Sembènes auf DVD restaurierter Klassiker "Ceddo" (taz), Lucile Hadzihalilovics Kunstmärchen-Film "Herz aus Eis" (FD, ArtechockStandard), Joy Gharoro-Akpojotors lesbischer Liebesfilm "Dreamers" (Tsp), Edward Yangs wiederaufgeführter taiwanesischer Klassiker "Yi Yi" von 2000 (Artechock), Kleber Mendonça Filhos Polit-Thriller "O Agente Secreto" (Standard), James Camerons "Avatar: Fire and Ash" (Perlentaucher, Artechocktaz, FR, mehr dazu bereits hier), neue ARD- und Sky-Serien über Mozart (taz, online nachgereicht von der Welt) und Dominik Grafs Buch "Sein oder Spielen. Über Filmschauspielerei" (FAZ, mehr dazu bereits hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 17.12.2025 - Film

Opulente Bilder, erfindet das Kino aber eventuell doch nicht neu: James Camerons dritter "Avatar"-Film

Mit "Avatar: Feuer und Asche" bringt James Cameron den dritten Teil seiner Fantasy-Science-Fiction-Saga rund um die außerirdische Welt Pandora in die Kinos. Mit dem ersten Teil 2009 löste er den mittlerweile quasi wieder beerdigten 3D-Boom aus. Nur erzählerisch und popkulturell schlugen der Film und sein Sequel (2022) keine Funken, sondern stellten lediglich Überbietungswettbewerbe dar. "Im Vergleich zu den Vorgängern scheint das ultrahochaufgelöste 3D in den Bewegungen deutlich flüssiger und weniger kontrastreich zu sein", schreibt Kamil Moll im Filmdienst. "Doch wirklich neue, ungesehene Welten oder neue immersive Versuchungen bietet der Film ... überraschenderweise überhaupt keine. Stattdessen liegt nur allzu bald der Gedanke nahe, dass James Cameron nicht mehr Schöpfer spielen will, sondern längst zum selbstgenügsamen Ehrenbewohner auf Pandora geworden ist, der durch seinen eigenen Kosmos spazieren möchte."

Auch Jan Küveler von der Welt hat wenig Freude an dem "Indigenenkitsch" dieser Erzählwelt: "Eine lustige Pointe" dieses Öko- und Natuverbundenheitsmärchens im All sei es, "dass ausgerechnet die naturverbundenen Na'vi in Wahrheit per Motion-Capturing computergenerierte High-Tech-Wesen sind". Tatsächlich ja bemerkenswert, findet Tobias Sedlmaier in der NZZ, dass die ökologisch grundierte Technikkritik dieser Saga komplett verpufft, anders als das noch bei Camerons "Terminator"-Filmen der Fall war: Diese Filme bieten "nichts, worüber man im Anschluss intensiv hätte diskutieren können, ... nichts, was über die technischen Gestaltungsmittel hinaus geistig in die Zukunft wies".

Andreas Busche vom Tagesspiegel ist beeindruckt, welche Freiheiten Cameron in Hollywood heute noch genießt: Der vorliegende Film wurde schon vor Jahren zeitgleich mit dem zweiten Teil gedreht, summa summarum dürfte das Budget für beide Filme irgendwo in der Nähe von einer Milliarde Dollar liegen. "Camerons Vision von Kino erweist sich aber auch als immer unvereinbarer mit den Anforderungen der Streamingplattformen, die mehr Interesse an Inhalten ('content') und weniger an (kostspieligen) ästhetischen Positionen haben." Dieser Film "ist die Antithese zu diesem Streaming-Paradigma." Auch deshalb muss man dieser Reihe Erfolg wünschen, auch wenn man ihr eigentlich keinen Erfolg wünschen will, seufzt FAZ-Kritiker Andreas Kilb im dialektischen Dilemma. Denn "deren Erfolg (die Teile vier und fünf sind schon in Vorproduktion) wird mitentscheidend dafür sein, ob Hollywood weiterhin Bestand hat" und "erhalten bleibt, was Kino auch sein kann: all das, was 'Avatar' nicht ist." Weitere Besprechungen gibts in der SZ und im Standard.

Weiteres: Felix Lenz erinnert in der FAZ an Sergei Eisensteins Filmklassiker "Panzerkreuzer Potemkin", der vor 100 Jahren in die Kinos kam. Karl Gaulhofer spricht in der österreichischen Presse mit Edgar Reitz über dessen in Deutschland bereits vor einigen Wochen gestarteten Film "Leibniz". Josef Schnelle schreibt im Filmdienst zum Tod von Rob Reiner (weitere Nachrufe hier). Besprochen werden Eva Victors "Sorry, Baby" (taz, FD, mehr dazu bereits hier) und die Ausstellung "Claude Lanzmann. Die Aufzeichnungen" im Jüdischen Museum in Berlin (Jungle World, mehr dazu bereits hier).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 16.12.2025 - Film

Rob Reiner (Bild: Neil Grabowsky / Montclair Film Festival, CC BY 2.0)
Großes Entsetzen bei den Filmkritikern darüber, dass Hollywood-Regisseur Rob Reiner und seine Frau ermordet aufgefunden wurden - und große Trauer. Schließlich galt Reiner in den Achtzigern und frühen Neunzigern als Speerspitze eines Mainstream-Kinos, in dem Kassentauglichkeit, Intelligenz, Witz und Menschlichkeit keine Widersprüche bilden. "Wenige Regisseure verstanden so viel von der Vielfalt und intellektuellen Spannbreite des Hollywoodkinos", schreibt Daniel Kothenschulte in der FR. Mit "Harry und Sally" etwa "knüpfte Rob Reiner an die Schlagfertigkeit und Leichtigkeit der klassischen Screwball-Komödien von Ernst Lubitsch, Howard Hawks und George Cukor an", schreibt Christian Schröder im Tagesspiegel, "und fügte ihnen einen feministischen Touch hinzu". Und "schöner als in seinem Coming-of-Age-Drama 'Stand by Me - Das Geheimnis eines Sommers' (1986) ist der Abschied von der Kindheit selten im Kino beschrieben worden." Mit beiden Filmen, schreibt Tobias Sedlmaier in der NZZ, prägte Reiner das jeweilige Genre für die Zukunft maßgeblich.

Auch in späteren Arbeiten "bewies Reiner das Talent zum visuellen Erzählen, das er schon in 'Stand By Me' gezeigt hatte", schreibt Andreas Kilb in der FAZ. Reiner verfügte über "einen Blick, der das Wesentliche der Geschichte nicht in oberflächlichen Effekten, sondern im Inneren der Figuren ausmachte; und eine eigene Musikalität, die nicht nur mit dem Soundtrack, sondern auch mit einem besonderen Instinkt für den Rhythmus und das Tempo der Einstellungen zu tun hatte." Valerie Dirk notiert im Standard: "Die besondere Mischung aus komödiantischem Gespür und politischer Haltung - er war stets prominenter Unterstützer der Demokraten - bildete das Herz von Reiners Arbeiten." Entsprechend schäbig und hässlich trat Trump auf Social Media nach, Musiker Jack White reagierte auf Instagram mit eindeutigen Worten: "Du abscheulicher, niederträchtiger Egomane, du Verlierer, du Kindskopf. ... Einen tragischen Tod dafür zu nutzen, um die eigene Eitelkeit und faschistische autoritäre Agenda zu bedienen, ist eine korrupte, narzisstische Sünde."

Themenwechsel: Auch FAZ-Kritiker Jan Brachmann fällt - wie zuvor Johanna Adorján in der SZ (unser Resümee) - komplett aus allen Wolken angesichts der Serie "Mozart/Mozart", die die ARD wahrscheinlich als Erfüllung des Kulturauftrags verbucht. Historische Fakten interessieren nicht, es wird ins Blaue fabuliert: "Wenn man im öffentlich-rechtlichen Fernsehen behaupten kann, Mozart habe seine Schwester unterdrückt, nicht komponieren können und sein Vater eine 'woman of colour' als Geliebte gehabt, kann man auch behaupten, der Erste Weltkrieg habe begonnen, weil Belgien das Deutsche Reich überfiel. ... Das Fernsehen, gerade das öffentlich-rechtliche, wäre in Zeiten der Schulmusikunterrichtsmisere eine der letzten Möglichkeiten, noch einen Erstkontakt der Kinder zur klassischen Musik herzustellen. 'Mozart/Mozart' betrachtet diesen Erstkontakt aber gar nicht als herstellenswert."
Stichwörter: Mozart, ARD, Hollywood, Reiner, Rob

Efeu - Die Kulturrundschau vom 15.12.2025 - Film

Mit einer Milliarde Dollar hat sich Disney bei ChatAI eingekauft - und gestattet es Nutzern nun, bestimmte Figuren unter bestimmten Bedingungen für eigene KI-Videos zu verwenden. Besonders gelungene, auf diese Weise entstandene Werke könnten gar auf Disney+ ausgestrahlt werden. In der Branche sorgt der Deal für Skepsis und Bedenken, schreibt Jens Balzer auf ZeitOnline. "Die Grenze zwischen professionellen und von Fans erzeugten Inhalten wird immer durchlässiger. Das kann man als Profi mit Recht beklagen. Doch trägt es vor allem der Tatsache Rechnung, dass Popkultur im Allgemeinen und Animationsfilme im Besonderen heutzutage vor allem dann gut funktionieren, wenn sie die Fans zum Mitmachen und zum Aneignen ihrer Inhalte animieren. ... Für Disney markiert dies auch den Abschluss einer grundlegend veränderten Geschäftspolitik, ein Wandel, für den der Konzern viele Jahrzehnte brauchte. Denn seit dem Durchbruch mit den ersten Micky-Maus-Filmen 1928 achteten der Firmenchef Walt Disney und später seine Nachfolger meist darauf, dass niemand Unbefugtes Gebrauch von den eigenen Figuren machte."

Michael Meyns berichtet für die taz vom Red Sea Filmfestival im saudi-arabischen Dschidda. In der Region ist Kino erst seit wenigen Jahren wieder erlaubt. Versucht sich da ein Regime mit Kultur eine freundliche Fassade zu zimmern? Meyns glaubt eher an eine Ausdifferenzierung der Geschäftsgrundlage im Zuge des sich neigenden Zeitalters fossiler Brennstoffe. Hier und da schimmert durch die lokalen Produktionen auch Gesellschaftskritik durch: "Gerade wenn die Figuren sich gegen Konventionen zur Wehr setzen, bricht das Publikum bei der Premiere in spontane Beifallsbekundungen aus, die andeuten, welches subversive Potenzial eine ganz normale romantische Komödie in einem Land haben kann, in dem es erst seit sieben Jahren wieder Kino gibt. Saudi-Arabien wäre nicht das erste Land, in dem die Obrigkeit, die Zensurbehörden, unterschätzen, wie findige Filmemacher unterschwellige Botschaften in ihre Geschichten schmuggeln."

Außerdem: Hollywood Reporter meldet, dass der für seine romantischen Komödien (u.a. "Harry und Sally") gefeierte Regisseur Rob Reiner und dessen Ehefrau mutmaßlich von deren Sohn ermordet wurden. Valerie Dirk empfiehlt im Standard eine Wiener Audrey-Hepburn-Filmschau.

Besprochen werden Hafsia Herzis Banlieue-Film "Die jüngste Tochter", der Ende des Monats startet (Jungle World), Edward Yangs taiwanesischer Filmklassiker "Yi Yi" aus dem Jahr 2000, der jetzt wieder in einigen Kinos zu sehen ist (taz), und die ARD-Serie "Mozart/Mozart" (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 13.12.2025 - Film

"Sorry, Baby" von Eva Victor (li.)

Die Filmkritikerinnen sind erstaunt: Eva Victor (Regie und Hauptrolle) gelingt mit "Sorry, Baby" das Kunststück, einen Film über eine Vergewaltigung im Uni-Betrieb als "eine unfassbar humorvolle, mühelose und, ja, leichtherzige Tragikomödie" umzusetzen, wie Marie-Luise Goldmann in der Welt schreibt. "Das Heilen, nicht das Sich-Rächen ... steht im Vordergrund." Wie die Regisseurin "mit der Verletzung umgeht, hat man so noch nicht gesehen: Da ist kein Verdrängen, Ästhetisieren, Überdramatisieren. Weder nutzt Victor das Trauma als Kunstgriff, wie es Drehbuchwerkstätten als notwendiges, die Figuren charakterisierendes Plot-Element lehren. Noch schlachtet sie das Trauma als alles bestimmendes Hintergrundrauschen aus."

"Wie nebenbei erfindet der Film eine neue Art, von Trauma und möglicher Heilung zu erzählen", staunt auch Julia Dettke in der FAS. "Victor hebt die Geschichte aus dem Persönlichen heraus und erzählt davon als Phänomen, als zu lösendes Problem für alle. ... Das Opfer ist hier nicht die Expertin. Sie wird nicht über das Geschehene definiert, sie darf ratlos sein, erstaunt, sie darf sich unerwartet verhalten. Sie darf weiter beruflich erfolgreich sein" und "ebenso entgeistert sein wie wir, weshalb ihr all das widerfährt. Auch Eva Victors Film darf das. Und es gelingt ihm großartig."

So einen saftigen Verriss kriegt man nur noch selten serviert: Auf der Medienseite der SZ fällt Johanna Adorján beim Sehen der ARD-Serie "Mozart/Mozart" aus allen Wolken, welche offenbar aus nur gut gemeinten Gründen Mozarts Schwester Maria "Nannerl" Anna in den Fokus rückt. Aber so etwas Miserables hat Adorján schon lange nicht mehr gesehen. Zu bezeugen ist offenbar eine Kaskade aus nichts als schlechten Entscheidungen und gut gemeinter Publikumsverachtung. Und Mozarts Musik gibt es auch fast nicht zu hören. Die Serie "wirkt wirklich, als hätte man einfach Chat-GPT gefragt... Offenbar traut man heutigen Ohren das Ertragen klassischer Musik nicht zu. Kaum ertönt etwas von Mozart, werden schnell klebrige Synthesizer darübergelegt und Beats, und es klingt dann nach diesem unerträglichen irischen New-Age-Geheule von Enya ... Historiencontent für eine für dumm verkaufte Welt."

Weiteres: In der WamS spricht Martin Scholz mit der Schauspielerin Marion Cotillard. Christoph Dobbitsch führt im Filmdienst durch die Filme des Regisseurs Rian Johnson, der mit seinen cleveren, an Agatha Christie angelehnten "Knives Out"-Filmen gerade viel Erfolg hat und damit auch NZZ-Kritiker Tobias Sedlmaier überzeugt. Martin Zips gratuliert in der SZ dem Schauspieler Dick Van Dyke zum 100. Geburtstag. Marion Löhndorf schreibt in der NZZ zum Tod des Schweizer Filmproduzenten Arthur Cohn. Erik Winter schreibt im Filmdienst einen Nachruf auf den Dokumentarfilmer Arne Birkenstock.

Efeu - Die Kulturrundschau vom 12.12.2025 - Film

Adrian Lobe (Tagesspiegel) deutet den Übernahme-Poker rund um Warner als erstes großes Scharmützel des heraufdämmernden K.I.-Zeitalters: Nicht allein das reiche Filmrechte-Bouquet dürfte Netflix reizen, sondern vor allem der geballte "Datenschatz" des Warner-Filmfundus, mit dem Netflix wohl auch seine K.I. füttern wollen dürfte. Schließlich ist Netflix "in erster Linie ein Technologieunternehmen. ... Google besitzt mit seiner Videoplattform Youtube bereits eine gigantische Filmdatenbank, mit der seine KI trainiert werden kann." Diese "ist zwar qualitativ längst nicht so hochwertig wie die Filmdatenbank von Warner Bros., aber trotzdem der Treibstoff der KI-Produktion. Youtube dominiert mit einem Marktanteil von 28 Prozent das Streaminggeschäft und ist deshalb der Hauptkonkurrent von Netflix."

Tiere als Zeugen des Verschwindens: "Stille Beobachter"

Beglückt erzählt Perlentaucher Kamil Moll von Eliza Petkovas Dokumentarfilm "Stille Beobachter" über das Zusammenleben von Mensch und Tier in einem zusehends verfallenden Dorf in Bulgarien. "Die Gespräche der Menschen mit den Tieren sind längst so alltäglich geworden, dass in jedem Tier ein verwunschener Mensch verborgen scheint. ... Was die Tiere als Stellverter beobachten sollen, ist eine Welt, die verschwindet und wenig hinter sich zurücklässt. In einer elegischen Szene folgt die Kamera der Hündin Mila ... durch die Straßen in ein nicht mehr bewohntes, im Verfall begriffenes Haus, dessen übriggebliebenes Interieur - eine alte Bettdecke, ein an der Wand hängender Weidenkorb, ein Paar eingedellter Lederschuhe - auf ein Leben verweist, an das niemand mehr zurückdenkt. Wer hier noch weiterexistieren möchte, verwandelt sich am besten alsbald in ein Tier." Auf critic.de findet es Anton Schroeder derweil sehr spannend, "dass die Bilder sich dem Drang zur Mystifizierung permanent entziehen".

Nur die Nebendarsteller überzeugen: "Americana"

Tony Tosts Neo-Western "Americana" lässt zwar an die Videotheken-Neunziger zurückdenken, "als Filmgeschichte noch, zumindest ein bisschen, Schulhofwissen war", schreibt Perlentaucher Lukas Foerster. Aber so richtig überzeugend gelinge die Sache nicht: "Auch das Aus-der-Zeit-fallen ist eine Kunst, und 'Americana' beherrscht sie über weite Strecken wenig, bleibt in übereifrigen Stilzitaten stecken und findet nur gelegentlich zu einer produktiveren, entspannteren Form von Uneigentlichkeit. Was den Film ein bisschen rettet sind seine Nebendarsteller, vor allem Zahn McClarnon als bis an die Zähne bewaffneter, gleichwohl bodenständig selbstironischer indigener Aktivist Ghost Eye und Popsängerin Halsey in ihrem Kinodebüt als Cals Mutter Mandy Starr, ein Energiebündel von einer Frau." Jens Balkenborg sieht es in der FAZ ähnlich: Der Film "setzt trotz oder wegen seiner kalkulierten Überdrehtheit kaum eigene Akzente und ist recht überraschungsarm geraten".

Weiteres: Daniel Haas staunt in der NZZ über Elle Fanning, die im Alter von 27 Jahren den gemeinsamen Leinwandauftritt mit den größten Namen nicht zu fürchten braucht und bei ihrer "Rollenauswahl ein präzises Gespür für die Fallstricke zeigt, die Hollywood einer Frau per Typecasting auslegt". Daniel Kothenschulte (FR) sagt der Filmbewertungsstelle Wiesbaden Adieu, von der man ehrlich gesagt nicht gewusst hätte, dass es sie überhaupt noch gibt, wenn sie nicht Ende des Jahres die Segel streichen würde: "ein Kollateralschaden der im vergangenen Jahr reformierten Filmförderung, die nicht mehr das Prädikat 'besonders wertvoll' in ihrem Punktsystem berücksichtigt".

Besprochen werden Leis Bagdachs "Im Rosengarten" (critic.de), Muayad Alayans "Ein Haus in Jerusalem" (SZ) und Gregor Schnitzlers neuer "Bibi Blocksberg"-Film (Welt).

Efeu - Die Kulturrundschau vom 11.12.2025 - Film

Valerie Dirk spricht im Standard mit dem israelischen Regisseur Nadav Lapid über dessen neuen Film "JA", mit dem er auf die Lage in Israel nach dem 7. Oktober reagiert (unser Resümee). Diese "schrecklichen Gewalttaten haben zu einer totalen Dehumanisierung des 'Anderen' geführt und eine perverse Fantasie geschürt, die manche Israelis von einem Israel ohne Palästinenser haben. ... Antisemitismus existiert, natürlich - und er nimmt in Momenten wie diesen zu. Aber die falsche Gleichsetzung von Israelkritik und Antisemitismus ist eine bewusste politische Manipulation, die Israels Politik seit Jahrzehnten betreibt. Sie ist auch ein Vergehen am Begriff Antisemitismus. Gerade in Deutschland und Österreich erlebe ich oft, dass Journalisten mir zuflüstern: 'Gut, dass Sie das sagen - wir dürften es nicht, sonst gilt es als antisemitisch.' Ich finde es schön, dass Sie sich Ihrer Schuld stellen. Aber ich glaube wirklich, dass die Immunität Israels und die Akzeptanz der Gleichsetzung von Antisemitismus und Israelkritik nicht nur eine dumme Sache ist, sondern die schlimmste Art, diese Schuldgefühle zu kompensieren."

Schluffiger Held wider Willen: Charly Hübner

Diese Woche startet "Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße", der letzte Film, den Wolfgang Becker - bei den Dreharbeiten schon schwer vom Krebs gezeichnet - vor seinem Tod umsetzen konnte. Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Maxim Leo. In Film wie Roman geht es um einen von Charly Hübner gespielten Videothekar in Prenzlauer Berg, der plötzlich offiziell geehrt werden soll, weil er in den Achtzigern aus reinem Versehen zahlreichen DDR-Bürgern zur Flucht verholfen hat. "Es lässt sich kein klügerer Film zur aktuellen Lage der Bundesrepublik denken, die im Zelebrieren ihrer Vergangenheiten gefangen ist, sei es der sozialistischen oder der nationalsozialistischen", schreibt Hanns-Georg Rodek in der Welt, der den Film auch für dessen "fürs heutige Kino raren Absenz jeglichen Zynismus'" feiert. Der Film "ist in den einzelnen Stationen natürlich betont überzeichnet und auf Pointe geschrieben", hält Janick Nolting auf Artechock fest, aber dennoch erstaunlich komplex. Zeit-Kritiker Jens Jessen "fällt durch den Film, seine vordergründige Unterhaltsamkeit, hindurch ins Nichts einer ungreifbaren Realität."

Dadaistische Formvollendetheit: Bjarne Mädel ist "Prange" (ARD)

Georg Diez (Zeit Online) ist sehr beglückt vom ARD-Vorweihnachtsfilm "Prange - Man ist ja Nachbar", in dem sich in einem Hamburger Baumarkt zwischen Bjarne Mädel und Katharina Marie Schubert eine Liebesgeschichte abspielt, während Olli Dittrich den Nachbarn dazu abgibt. Der Film ist "eine Feier des Alltags, des Baumarkts, des widerwilligen, eher sinnlos widerständigen Humanismus. Deutschland, dieses Nebelland, schaut hier aus wie 1975 oder eben 2025." Zu erleben ist "das Porträt eines vergessenen Landes, das es möglicherweise gibt oder gab und das sich in seiner Provinzialität und Pedanterie entspannen darf. Gepackt wird diese Botschaft in Dialoge von dadaistischer Formvollendetheit."

Außerdem: In der Debatte um die Zukunft der Filmförderung und insbesondere um die Investitionsverpflichtung der großen Streamingdienste ist auch seitens der Produzentenseite, die ansonsten ihre Anliegens ans Kulturstaatsministerium eher höflich formuliert, ein anderer Ton zu bemerken, freut sich Rüdiger Suchsland auf Artechock, denn "mit Leisetreterei und Höflichkeit kommt man nicht weiter".

Besprochen werden Muayad Alayans "Ein Haus in Jerusalem" (FAZ), Tony Tosts Neowestern "Americana" (FR), Eliza Petkovas Dokumentarfilm "Stille Beobachter" über Tiere in einem bulgarischen Bergdorf (taz), Leis Bagdachs "Im Rosengarten" (Artechock), die Netflix-Doku "The Springer", die zu beweisen versucht, dass das berühmte "Napalm Girl"-Foto aus dem Vietnamkrieg in Wahrheit von einem Vietnamesen geschossen wurde (der Film "krankt an seiner deutlichen Parteinahme", schreibt Frauke Steffens in der FAZ), Lars Jessens und Rasmus Jessens Porträtfilm "Jetzt. Wohin" mit Robert Habeck (Artechock, mehr dazu bereits hier), Gregor Schnitzlers neuer "Bibi Blocksberg"-Film (Artechock, SZ) und die vom ZDF ab morgen vormittag online gestellte, finnische Serie "Queen of Fucking Everything" (FAZ).