Patrick Holzapfel verneigt sich im Filmdienst vor TildaSwinton. In der NZZfasst Andreas Scheiner die Schweizer Diskussionen um ein "LexNetflix" zusammen, nach dem der Streamer dazu verpflichtet wäre, vier Prozent seines Streaming-Umsatzes in der Schweiz in Schweizer Produktionen zu investieren. Im Artechock-Kommentar freut sich Rüdiger Suchsland beim Blick auf den Offenen Brief an OlafScholz, "dass hier endlich einmal Filmemacher in der ersten Reihe stehen". Dass das Blockbusterkino sich derzeit auffallend häufig Paralleluniversen widmet, könnte auch mit der sich abzeichnenden Klimakatastrophe zu tun haben, glaubt Tim Caspar Boehme in der taz. Sedat Aslan führt für Artechock durchs Programm des Münchner DOK.Fests. In einer "Langen Nacht" des Dlf Kulturwidmet sich Martina Müller dem Filmemacher MaxOphüls.
Besprochen werden ApichatpongWeerasethakuls "Memoria" mit TildaSwinton (FAS, Artechock, unsere Kritik hier), RPKahls "Als Susan Sontag im Publikum saß" mit SaralisaVolm (SZ) und JulianRadlmaiers "Blutsauger" (Jungle World).
In Berlin trifft sich heute der DeutscheProduzententag. Christian Meier spricht in der Welt mit dem ehemaligen SPD-Politiker BjörnBöhning, dem neuen Chef der Produzentenvereinigung. Er sieht die Zunft in der Not, mit den Streamern "auf Augenhöhe kommen zu müssen" und fordert "eine Teilhabe an Vertriebs- und Ausspielungserlösen. ... Das Geschäftsmodell der Plattformen, das bisher auf den totalen Rechteabkauf von Inhalten setzt - Produzenten werden nur einmal für ihre Leistung bezahlt - ist in dieser Form nicht zukunftsfähig. Wir brauchen eine gerechteRechteverwertung, an der Produzenten als Urheber auch beteiligt sind." Die bislang gängige "ist wirtschaftlich und moralisch unanständig".
Weiteres: Annett Scheffel plaudert in der SZ mit BenedictCumberbatch, der im Kino aktuell als Superheld Doctor Strange (mehr dazu im Standard) zu sehen ist. Besprochen werden ApichatpongWeerasethakuls "Memoria" (Zeit, unsere Kritik hier), die Serie "Gaslit" mit JuliaRoberts und SeanPenn über die Watergate-Affäre (Freitag) und die Netflix-Miniserie "Our Great National Parks" mit Barack Obama als Host (taz).
Vetraute Ikone, unvertrautes Geräusch: "Memoria" von Apichatpong Weerasethakul Tilda Swinton hat einen Knall - buchstäblich. Einen Knall, der sie (beziehungsweise die Biologin Jessica, die sie verkörpert) jeden Morgen beim Aufwachen heimsucht. Fortan begibt sie sich auf die Suche nach dem Geräusch und dessen Ursachen - davon erzählt ApichatpongWeerasethakul in seinem neuen Film "Memoria". "Bei Weerasethakul ist alles Wahrnehmung, nichts Erzählung", würdigt Thekla Dannenberg im Perlentaucher das Kino des thailändischen Auteurs. In "Memoria" reiht er "eine ganze Serie von Traumbildern aneinander, unerklärliche Passagen und rätselhafte Begegnungen. Sie scheinen spröder, verkopfter als in seinen vorherigen Filmen." Dabei ist "das Schöne" an dieser "rauschenden und berauschende Soundinstallation", wie Ekkehard Knörer in der tazschreibt: "Man weiß nie, was kommt, es kann buchstäblich alles passieren, Erscheinungen sind jederzeit möglich." Tilda Swinton stellt sich hier zwar ganz in den Dienst der Sache, "doch ist sie als Ikone am Ende vielleicht doch des von vornherein Vertrauten zu viel". Cosima Lutz berichtet in der Welt von unerwarteten Freuden: "Da durchkreuzt plötzlich ein Ding aus demB-Film-Kosmos diese vermeintlich so überhöhte, krass intellektuelle Kunstwelt, dass es ein ziemlich durchgeknallter Spaß ist." Ferner zu beobachten ist eine "Kopplung von Lebendigem und Unlebendigem", die "ganz unschuldig in technischen Begriffen kolportiert wird: Menschen fungieren als Antennen und Festplatten, einmal lauscht Jessicha einer Art Paläo-Podcast aus einem Stein, der uralteVibrationen gespeichert hat." Außerdem besprechen den Film Daniel Kothenschulte (FR), Fritz Göttler (SZ), Daniel Nehm (Zeit) und Bert Rebhandl (FAZ) den Film.
Außerdem: Lukas Foerster (Filmdienst) und Fabien Tietke (Tagesspiegel) empfehlen dem Berliner Publikum die Retrospektive FrederickWisemanim Kino Arsenal. JapanischeAnimationsfilme könnten in Zukunft den Marvel-Blockbustern künftig den Rang ablaufen, glaubt Magdalena Pulz auf ZeitOnline.
Besprochen werden DanielRohers Dokumentarfilm "Nawalny" (Freitag, Standard, FAZ, taz, mehr dazu hier und dort), Majid Majidis "Sun Children" (Perlentaucher, Tsp), die DVD-Ausgabe von AbelFerraras "Zeros and Ones" (taz), RP Kahls "Als Susan Sontag im Publikum saß" (taz), die zweite Staffel der Apple-Serie "Teheran" (Freitag), Sam Raimis "Doctor Strange in the Multiverse of Madness" (ZeitOnline, FR), DavidTebouls Dokumentarfilm "Sigmund Freud" (SZ) und MimiCaves auf Disney+ gezeigte Horrorkomödie "Fresh" (SZ). Außerdem verrät uns die SZ, welche Filme sich diese Woche lohnen und welche nicht.
Hundert Jahre wäre der wunderbare JonasMekas in diesem Jahr geworden - das Jewish Museum New York würdigt den Experimentalfilmer nun mit einer großen Ausstellung, die Verena Harzer für die tazbesucht hat. Unter anderem werden dort auf gleich zwölf Leinwänden simultan seine Filme (oder ein einzelner zwölffach versetzt) gezeigt, was zu Mekas' bruchstückartigen Arbeiten gut passt: "Ein gelungener Moment der poetischenVerdichtung entsteht zum Beispiel" bei "A Letter from Greenpoint" von 2004: "Auf der einen Leinwand ist der Akkorden spielende und dazu repetitiv 'My friends don't sing anymore' singende Mekas zu sehen. In seiner verlorenen Heimat Litauen sei der gemeinsame Gesang eine alltägliche Erfahrung gewesen, hat Mekas einmal gesagt. Gleichzeitig rollt sich auf einer anderen Leinwand eine Katze auf einem mit Büchern überladenen Schreibtisch zum Schlafen ein. Womöglich ein Sinnbild für Mekas' Suche nach Geborgenheit und Zugehörigkeit. Auf der Leinwand direkt daneben ist das leergeräumte Loft in Soho zu sehen, in dem Mekas mit seiner Frau und den beiden Kindern zuvor dreißig Jahre lang gelebt hatte und ausziehen musste, weil es verkauft wurde. Was auf Mekas wie eine erneute Vertreibung gewirkt haben muss."
Außerdem: Im Filmdienstschreibt Ralf Schenk einen Nachruf auf den Filmkritiker HeinzKersten. Besprochen werden LukeHollands Dokumentarfilm "Final Accounts" über ehemaligeSS-Mitglieder, der bei NZZ-Kritiker Andreas Scheiner viel Verständnis für die Porträtierten weckt, SamRaimis Marvel-Blockbuster "Doctor Strange 2" mit BenedictCumberbatch (Presse) und die Serie "Winning Time" über die L.A. Lakers (ZeitOnline).
Ein Porträt als Politthriller: "Nawalny" von Daniel Roher Morgen eröffnet DanielRohers Dokumentarfilm "Nawalny" das Münchner Dok.Fest, am Donnerstag startet der Film regulär in den Kinos (mehr dazu bereits hier). Dieses Porträt des russischen Oppositionellen AlexejNawalny "ist ein Zeugnis der Brutalität und der gelegentlichhaarsträubendenDummheit des russischen Geheimdienstes und seiner Führung - und spannend wie ein Politthriller", schreibt Martina Knoben in der SZ. Neues erfahre man zwar nicht unbedingt, dennoch sei der Film "ein Glücksfall. Weil er die Strategien politischer Showmen zeigt, wie auch der ukrainische Präsident Wolodimir Selenskij ursprünglich einer war, weil er einen Einblick gibt in den Informationskrieg, der auf Youtube und Twitter, Facebook und Tiktok, vom russischen Staatsfernsehen und Geheimdiensten geführt wird."
Außerdem: Im Welt-Interview philosophiert der zwischen Arthouse und Blockbuster locker pendelde Schauspieler BenedictCumberbatch über Virtual Reality und warum große Schauspielkunst auch dann entstehen kann, wenn man im Motion-Capturing-Suit vor einer grünen Wand oder in einer Turnhalle spielt. Im Tagesanzeigerporträtiert Pascal Blum die belgische Kinder-Schauspielerin MayaVanderbeque.
Can Dündar erklärt auf ZeitOnline, was es mit der Serie "Teşkilat" auf sich hat, die im türkischen Staatsfernsehen gerade mit großem Erfolg läuft. Dabei handelt es sich um "eine Art Promotionserie für den türkischen Nachrichtendienst", wenn darin türkische Agenten etwa in Deutschland rechtsradikale Mörder aus den Neunzigern jagen, die mittlerweile ihrerseits im deutschen Geheimdienst arbeiten. "Mit versteckten oder auch ganz offenen Botschaften lenken die Regierungsmedien die Öffentlichkeit, machen Regimegegner zur Zielscheibe oder geben Hinweise auf diplomatischer Ebene", erklärt Dündar zur Funktion, die solche Serien in Erdogans Politik erfüllen. "Es klingt kindisch, doch dieses Heldenepos ist imstande, bei einem Teil des Publikums, das aufgrund der Wirtschaftskrise nicht genug zu essen auf dem Tisch hat und im Dunkeln sitzt, um Strom zu sparen, das Gefühl auszulösen, immerhin sei 'unser Geheimdienst' stark. Reicht das aber aus, Erdoğan die Wahlen gewinnen zu lassen?"
Außerdem: Dominik Kamalzadeh resümiert im Standard das auf den osteuropäischen Film spezialisierte Festival "Crossing Europe" in Linz. Michael Ranze verneigt sich im Filmdienst vor dem französischen Schauspieler SergeReggiani, der vor 100 Jahren geboren wurde. Besprochen wird die Apple-Serie "Severance" ("das stille Serien-Highlight des Jahres", schreibt Titus Blome auf 54books).
"Outer Range" mit Josh Brolin (Amazon) Mit einem Mal steht der große JoshBrolin vor einem Loch im Boden und weiß weder ein, noch aus - das ist die Prämisse der neuen Amazon-Serie "Outer Range". BrianWatkins kreuzt darin Elemente aus Science-Fiction und Western. "Die Dominanz des Menschen über die Natur ist hier eine lachhafteIllusion", schreibt Nina Rehfeld in der FAZ. Und die Serie hat "viel zu bieten - das Spiel von Josh Brolin und Will Patton etwa, die als zwei höchst unterschiedliche Figuren miteinander kontrastieren. ... Vor allem aber schafft die Serie eine faszinierende Atmosphäre diffuser Verunsicherung, in der weder Demut noch Arroganz das Chaos zu besänftigen vermögen, und auch der liebe Gott sich offenbar einen Scheiß um den Kampf seiner Kreaturen schert." Über sämig-üppige Kost freut sich Jana Janika Bach in der NZZ: "Vor atemberaubenden Panoramen und zu Tracks von Dolly Parton oder Leonard Cohen, die ihre volle Wucht im Arrangement mit den unheildrohenden Klängen des Filmkomponisten-Duos Danny Bensi und Saunder Jurriaans entfalten, gelingt ein kunstvollerGenre-Mix." Wer übrigens schon immer mal erleben wollte, wie sich Josh Brolin mit den schärfsten Saucen der Welt quält, kommt hier eine halbe Stunde lang auf seine Kosten.
In der Presseempfiehlt Lukas Foerster dem Wiener Publikum die Retrospektive BernhardSallmannim Filmarchiv Austria: "Wieder und wieder begegnen sich bei Sallmann aufmerksame Blicke auf die gegenwärtige Welt und Texte, die aus einer anderen Zeit zu uns sprechen. Das Resultat ist dokumentarisches Kino von bestechender Klarheit, das strengegestalterischeSchönheit mit intellektuellerAbenteuerlust verbindet."
Besprochen werden Gaspar Noés "Vortex" (online nachgereicht von der FAZ, unsere Kritik), AndreasDresens "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" ("ein Meisterwerk", jubelt Tobias Kniebe in der SZ), LukeHollands Dokumentarfilm "Final Account" über ehemalige SS-Mitglieder (Jungle World), Simon Curtis' "Downtown Abbey 2" (ZeitOnline), die Apple-Serie "Shining Girls" (Berliner Zeitung) und CatherineCorsinis Krankenhausfilm "In den besten Händen" (Standard).
Hanns-Georg Rodek von der Weltrollt genervt mit den Augen: Das Filmfestival von Cannes hat nach Protesten aus der Ukraine darauf gedrängt, dass der Eröffnungsfilm, Michel Hazanavicius' Zombiekomödie "Z (Comme Z)", in "Coupez" umbenannt wird, um wegen des Buchstaben "Z" reifende Assoziationen zur russischenKriegspropaganda zu unterbinden. "Zwischen einer französischen Zombiekomödie mit 'Z' im Titel und der Unterstützung eines Angriffskriegs liegen Welten, das ist westlich von Kaliningrad jedermann klar. In Frankreich lautet die Bezeichnung für B-Filme 'Série Z', sollen die Franzosen sie nicht mehr gebrauchen? Sollen sie Zorro in Sorro umbenennen und Costa-Gavras' antimilitaristischen Filmklassiker 'Z' ins Archiv verbannen?"
Außerdem: Dominik Kamalzadeh porträtiert im Standard die Komikerin MeltemKaptan, die mit AndreasDresens "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" gerade ihren Durchbruch als Schauspielerin hat. Sebastian Seidler denkt im Filmdienst über die Filme von GasparNoé nach, dessen aktuellen Film "Vortex" aktuell Tagesspiegel, Filmbulletin und die Welt besprechen (mehr dazu bereits hier).
Besprochen werden JonasMekas' "New York Diaries" (SZ), die SF-Western-Serie "Outer Range" mit JoshBrolin (FAZ), Florence Miailhes Animationsfilm "Die Odyssee" (taz), Lukas Rinkers "Ach du Scheiße!" (critic.de), "Downtown Abbey 2" (Standard), die zweite Staffel der Serie "Russian Doll" (Freitag) und die Apple-Serie "Shining Girls" (taz).
Erzählt nüchtern vom Sterben: "Vortex" Gipfeltreffen der Transgressionsmeister: "Vortex", ein Sterbedrama von GasparNoé mit dem italienischen Regisseur DarioArgento in seiner ersten Rolle vor der Kamera - er spielt einen ins Alter gekommenen Intellektuellen und Filmkritiker, dessen Frau (gespielt von der großen FrancoiseLebrun) in die Demenz absinkt. Gedreht ist der Film fast durchweg mit einem Splitscreen: Dies "erzählt von einer mentalenTrennung der beiden Hauptfiguren", schreibt Nicolai Bühnemann im Perlentaucher. "Schwer zu sagen, wann der Split Screen bedrückender ist; in den Szenen, in denen auf beiden Bildhälften gänzlich verschiedene Dinge geschehen, etwa in einem Handlungsstrang, der von der Affäre des Vaters mit einer anderen Frau erzählt. Oder aber in den Szenen, in denen die Bildhälften und die Figuren fast, aber eben nie ganz zueinander finden. Es geht Noé um das, was die Menschen auch dann noch voneinander trennt, wenn sie versuchen, sich Halt und Geborgenheit in einer zunehmend ausweglosen Lage zu geben."
Der einstige wilde Mann des französischen Kinos hat mit "Vortex" ein sensibles Drama gedreht, freut sich Daniel Kothenschulte in der FR, "ein Kammerspiel um das von Krankheit, Demenz und Todesnähe verdunkelte Lebensende eines greisen Ehepaars." Philipp Stadelmaier von der SZsah "eine umwerfende Meditation". Auf ZeitOnlinestaunt Sebastian Seidler: "Selten wurde in einer derart nüchternen Zärtlichkeit über das Sterben erzählt. 'Vortex' befreit uns vom Kitsch und blickt dem Schrecken der Demenz ins Gesicht." Mit diesem Film verarbeitet Noé auch die Sterbebegleitung an der Seite seiner dementenMutter, verrät er im taz-Interview.
"Babyn Jar. Kontext" von Sergei Loznitsa Marte Moneva resümiert für den Freitag das goEast-Festival in Wiesbaden, das auf den osteuropäischenFilm spezialisiert ist und im Zuge des russischen Angriffs auf die Ukraine vom Krieg überschattet wurde. Kontroversen gab es um die wenigen verbliebenen russischen Filme im Programm, aber auch um SergeiLoznitsas neuen Film "Babyn Jar. Kontext" über das Massaker von Babyn Jar. Material lieferten ihm deutsche, russische und ukrainische Archive. "Der entstandene Film ist zutiefst verstörend und hat in der Ukraine zu heftiger Kritik geführt, weil er eben auch ukrainische Mittäter und Mitläufer zeigt. Bei der Vorführung jetzt in Wiesbaden regnete es ebenfalls Kritik in diesem Zusammenhang. Ob Loznitsa sich dessen bewusst wäre, wie der Film im jetzigen Kontext als Propagandamittel verwendet werden könnte? Zu Sowjetzeiten hätte es diesen Film nie geben können. Jetzt kommt er gerade zur richtigen Zeit, um daran zu erinnern, wie man nicht handeln sollte, wenn es ein Morgen geben soll."
Außerdem: In der Weltporträtiert Britta Schmeis die Schauspielerin PhelineRoggan vor, die sich für mehr Klimaschutz beim Filmdreh einsetzt. Besprochen werden Florence Miaihes Animationsfilm "Die Odyssee" (SZ, ZeitOnline, FR, ZeitOnline), Andreas Dresens "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bus" (taz, Freitag, Welt, Tsp), PeterBrunners "Luzifer" mit FranzRogowski (Perlentaucher), Luke Hollands Dokumentarfilm "Final Account" über frühere SS-Mitglieder (Tsp) und "Downtown Abbey 2" (online nachgereicht von der FAZ). Außerdem verrät uns die SZ, welche Filme sich diese Woche wirklich lohnen.
Baltimore, 14 Jahre nach "The Wire": "We Own This City" (HBO) DavidSimon ist wieder da und wieder in Baltimore, wo der Journalist und Autor bereits seinen Polizeiserien-Klassiker "The Wire" ansiedelte. Nun wirft er mit der Mini-Serie "We Own This City" erneut einen Blick auf die Polizei von Baltimore, genauer: auf einen realen Fall von Polizeikorruption. Dabei geht es nicht ums Nacherzählen dessen, was geschehen ist, sondern "um eine Suche nach den Ursachen eines systemischen Versagens", schreibt Andreas Busche im Tagesspiegel: "dem Vertrauensverlust der Bevölkerung in die Polizei; den Fehlern eines Systems, das kriminelle Polizisten fast zehn Jahre ohne Rechenschaftspflicht gewähren ließ; und die Folgen einer Zero-Tolerance-Politik, die ganze Nachbarschaften zerstört." Dabei entwirft er "ein komplexes Mosaik, das die Versäumnisse auf allen Ebenen durchleuchtet, von der Polizei bis in die Judikative." Für ZeitOnline-Kritiker Daniel Gerhardt ist es "ein deprimierendes Wiedersehen", denn er muss feststellen: "Alles, was in The Wire schon schlimm war, ist jetzt also noch schlimmer" - womit er nicht die Serie, sondern die Realität meint.
Weitere Artikel: Der österreichischeFilm sieht einem Annus horribilis entgegen, fürchtet Valerie Dirk im Standard: Nicht nur schließen sich gerade die Corona-Töpfe der letzten zwei Jahre, auch die gängigen Fördertöpfe sind fürs laufende Jahr schon fastausgeschöpft. Ebenfalls im Standardführt Dominik Kamalzadeh durchs Programm des Linzer Festivals "Crossing Europe". Isabella Caldart von der tazfällt auf, dass die Zeit des Bingens zu Ende geht: Immer mehr Streaminganbieter schalten - wohl auch, weil sie auf den wiederkehrenden Turnus von Social-Media-Hypes setzen - wieder zurück auf den wöchentlichenAuslieferungsmodus von Serien. RobertEggersspricht in der taz über seinen Wikingerfilm "The Northman" (unsere Kritik) und erklärt, warum er trotz seiner Abneigung gegenüber Macho-Stoffen einen solchen Testosteron-Film gedreht hat: Ihn interessierten "Poesie, Naturalismus, die Emotionen großer Familiensagen". In der FAZgratuliert Andreas Kilb AnoukAimée zum 90. Geburtstag.
Besprochen werden DanielRohersBBC-Film über Nawalny (NZZ, mehr dazu bereits hier), GasparNoés Sterbedrama "Vortex" mit DarioArgento (TA), die Serie "Gaslit" mit Julia Roberts (Presse), Andreas Dresens "Rabiye Kurnaz gegen George W. Bush" (Zeit), Florence Miailhes Animationsfilm "Die Odyssee" (Welt, Tsp) und SimonCurtis' "Downton Abbey 2" (SZ).