Robert Jungwirth unterhält sich für den Tagesspiegel mit Vasyl Vovkun, dem Intendanten der Oper in Kiew, die wieder spielt, weil die Menschen sonst jede Hoffnung und Freude verlieren, so Vovkun: "Wenn kreative Menschen ihre Träume und Pläne verlieren, entsteht im tiefsten Inneren eine große Leere. Eine kollektive Depression ist die größte Gefahr. Um die zu verhindern, haben wir sogar während des Krieges mit den Proben zu Francis Poulencs 'Les Dialogues des Carmélites' begonnen. Das ist wirklich hart, da wir keinerlei finanzielle Unterstützung dafür bekommen. Aber wir hoffen auf unsere europäischen Partner und auf die Verwirklichung unseres Traums."
Weitere Artikel: Roland H. Dippel hat sich für die nmzerkundigt, wie deutsche Musiktheater auf Pandemie, Klimawandel und Ukrainekrieg reagieren. Die Anwältin Christina Clemmsah für die nachtkritik beim Theatertreffen Pınar Karabuluts Inszenierung von Sivan Ben Yishais Stück "Like lovers do".
Besprochen werden außerdem die Uraufführung von Martin Grubers "Lüg mich an und spiel mit mir" mit dem aktionstheater am Landestheater Bregenz (nachtkritik) und die Choreografie "Una imagen interior" des angesagten spanischen Theaterkollektivs El Conde de Torrefiel bei den Wiener Festwochen ("ein prätentiöses Konglomerat aus Schickimicki-Optik und kruder Küchenphilosophie", das "bereits Gelder von zehn Festivals bekommen hat", ärgert sich nachtkritikerin Gabi Hift)
Der Soziologe und Kulturwissenschaftler Andreas Reckwitz hat sich für die nachtkritik am Berliner Hau "All right, good night. Ein Stück über Verschwinden und Verlust" von Rimini Protokollangesehen. Reckwitz, der selbst zu Verlusterfahrungen forscht, ist beeindruckt und bescheinigt dem Stück "seismografische Bedeutung. Denn die Erfahrung von Verlusten lässt sich gerade in der Spätmoderne kaum mehr unsichtbar machen: Der Klimawandel konfrontiert mit Verlusten, was die Bewohnbarkeit der Erde in der Zukunft angeht und mit Verlusten, was die generellen Fortschrittshoffnungen für die Zukunft angeht. Die 'Modernisierungsverlierer', also die Gruppe derjenigen, die vom sozialen Wandel nicht profitiert haben, sondern erreichte soziale Positionen räumen mussten, sind zu einer festen Größe im politischen Feld geworden. Schließlich werden kollektive und individuelle Traumata, werden 'historische Wunden' (Chakarabarty) in einer Intensität zum Thema, wie es die Moderne bisher nicht kannte. Alle drei Aspekte der spätmodernen Verlustsensibilisierung sind mittlerweile auch im zeitgenössischen Theater angekommen."
Im Interview mit dem Van-Magazin kritisieren die Filmemacherin Hai-Hsin Lu und die Komponistin Duoni Liu Asienklischees in Opern- und Ballettklassikern. Ihnen möchte man Satoko Ichiharas "Madame Butterfly" bei den Wiener Festwochen empfehlen: "Bei Ichihara wird die Butterfly nämlich zur 'Gaijin'-Jägerin", erzählt Lisa Kammann im Standard. "Als 'Gaijin' werden in Japan ausländische Männer bezeichnet, die bei Frauen begehrt sind. Die Protagonistin, gespielt von Kyoko Takenaka, möchte das Sperma eines weißen Mannes ergattern, um ein 'Hafu-Baby' zu bekommen. Denn große Augen und blonde Haare gelten in Japan als Schönheitsideal. Der fremde männliche Blick hingegen dürstet nach asiatischer Exotik. Aus dem importierten Schönheitsbild und der stereotypen Außenperspektive auf 'die Japanerin' entsteht diese Tragödie, die Ichihara mit einem hohen Maß an Witz und Selbstreflexion anreichert."
Besprochen werden die Uraufführung von Thorsten Schmid-Kapfenburgs Oper über den Bischof von Galen "Ein Rot, das bleibt" - "Galen" am Theater Münster (nmz), die Uraufführung von Ulrike Syhas Stück "Das Institut" am Theater Drachengasse in Wien (nachtkritik), Karol Szymanowskis Oper "Król Roger" in Cottbus (nmz), Pınar Karabuluts Inszenierung von Sivan Ben Yishais "Like Lovers Do" für die Münchner Kammerspiele beim Theatertreffen (Tagesspiegel, Berliner Zeitung), Michael Keegan-Dolans Tanzstück "MÁM" bei den Maifestspielen in Wiesbaden (FR), Dušan David Pařízeks Adaption von Viktor Martinowitsch Roman "Revolution" für das Hamburger Schauspielhaus (Zeit) und Ottmar Gersters Oper "Enoch Arden", mit deren Inszenierung Roland Geyer sich als Intendant des Theaters an der Wien verabschiedet (Reinhard Karger singt ihm in der FAZ ein dankbares Abschiedslied).
Der russische Film und Theaterregisseur Kirill Serebrennikow, der in Hamburg gerade das Stück "Der schwarze Mönch" und in Cannes den Film "Tschaikowskys Frau" laufen hat, spricht im Interview mit der Zeit über Putin als Machtsystem, die Not der Exilierten und die Unkultur, die hinter diesem Krieg steht: "Es ist nicht die russische Kultur, die die ukrainischen Städte angreift. Diejenigen, die in der Ukraine morden, sind fern der russischen Kultur, sie haben mit ihr nichts zu tun. Die wahre russische Kultur dreht sich um die Welt jedes einzelnen Menschen, um die Kostbarkeit jedes menschlichen Lebens. Wir sind in diesem Krieg mit etwas anderem konfrontiert, etwas sehr Gewalttätigem, Irrationalem, Krankhaftem, etwas Unerklärlichem. Aber andererseits ist der Krieg immer so. Man darf ihn einfach nicht anfangen, unter keinen Umständen."
Weiteres: Die Tänzerin Susan Jaffe übernimmt die Leitung des New Yorker American Ballet Theater, berichtet Wiebke Hüster in der FAZ , das nicht zu verwechseln sei mit George Balanchines New York City Ballett. Besprochen werden Lies Pauwels' Feier des "Baroque" am Bochumer Schauspielhaus (SZ) und Deirdre Kinahans Stück "Der Vorfall" in Mainz (FR).
Lies Pauwels' "Baroque". Foto: Fred Debrock / Schauspielhaus Bochum Am Bochumer Schauspielhaus hat die belgische Regisseurin Lies Pauwels das Stück "Baroque" inszeniert, indem sie Nachtkritiker Andreas Wilink zufolge die Epoche der Sinnenfreude und des Zeitlichkeitsdenkens zu "Slogan, Parole, Kampfruf" machte: "Vor der Kulisse barocker Welterfahrung - eine raumhohe Vorhang-Draperie lüftet in ihren Falten die Abbildung eines üppigen Stilllebens - und bei elegischer, selten ironisch auf Distanz gehender Grundstimmung zeigen Pauwels und ihre neun Interpret:innen in mehr lose ungebundenen und kursorischen als stringenten Szenen und Situationen die Beschäftigung mit dem eigenen Körper und den Blick der Anderen auf ihn. Ist er schön oder versehrt, dick oder rank und schlank, alt oder jung, weiblich oder männlich und alles dazwischen, untröstlich oder frohgemut, angstvoll, beschämt oder seiner gewiss." In der tazlernt Benjamin Trilling die Lektion: "'Baroque' inszeniert damit auch eine wütende Aufklärung, welche die Diskriminierung von Mehrgewichtigen in einem gesellschaftlichen Kontext aus Diät- und Kulturindustrie einordnet - auch in Bezug auf Judy Freespirits und Aldebarans 'Fat Liberation Manifesto', das im Programmheft zitiert wird."
Besprochen werden neue Kompositionen bei der Münchner Biennale für Musiktheater (SZ), der Stückemarkt des Berliner Theatertreffens (taz), das "Stück für Fluss und Bühne" vom Ensemble 9. November im Gallus-Theater (FR), Bertolt Brechts "Happy End"-Songspiel am Berliner Renaissance Theater (Tsp) und Satoko Ichiharas Pop-Version der "Madama Butterfly" bei den Wiener Festwochen (Standard).
Das professionellste Laientheater der Welt. Foto: Oberammergauer Passionsspiele Ach wenn sie doch nur hätte jubeln dürfen, seufzt eine völlig überwältigte Christine Dössel in der SZ nach der Premiere der Oberammergauer Passionsspiele, die pandemiebedingt um zwei Jahre verschoben werden musste. Der bewährte Volkstheater-Intendant Christian Stückl hat sie Dössel zufolge eher als große Oper denn als Volkstheater inszeniert hat: "Mit einem Folklorespektakel oder billigem Sandalentheater hat das nichts zu tun, das sei allen gesagt, die noch nie da waren und womöglich ihre Vorurteile pflegen. Zwar spielen tatsächlich 'nur' Laien, insgesamt 1.800 Oberammergauer, doch gerade dass es sich um Laien handelt, macht die Sache umso beeindruckender, denn wie sie spielen und singen, mit welcher Inbrunst, Authentizität und Qualität, das ist schon sagenhaft: das wohl professionellste Laientheater der Welt."
Nachtkritiker Maximilian Sippenauer muss allerdings zugeben, dass ihn am Ende Stückls Passion ziemlich kalt lässt, Mitleid will bei ihm nicht aufkommen. Liegt es am politischen Fokus, in dem die Menge wichtiger ist als das Individuum? "Auch sonst konkurriert nicht hier Team Juden mit Team Jesus, sondern sowohl unter den Aposteln als auch unter den Pharisäern zeigen sich politische Konfliktlinien. Es geht um den Umgang mit den Besatzern: Sich fügen? Die Römer wollen ihre Abgaben, sind aber bekanntlich ziemlich tolerante Besatzer. Oder Freiheit um jeden Preis? Die Parallelen zum Ukraine-Krieg springen einen geradezu an. Und nun passiert etwas Wichtiges: Eine Wertung schleicht sich ein. Die Römer und dessen Prokurator Pontius Pilatus treten in schwarzen, dezidiert nicht historischen Uniformen auf: Sie wirken totalitär, protofaschistisch. In dieser Gewichtung scheinen die irdischen Bedenken der Juden plötzlich nachvollziehbarer als das Wort Jesu, obwohl der diesen unwahrscheinlich tiefen Satz sagt: Wenn ihr nur die liebt, die euch lieben, wo liegt dann der Verdienst. In dieser Passion aber klingt dieser Gedanke so hilflos und naiv wie heute ein offener, pazifistischer Brief im Feuilleton. Dann wird Jesus verhaftet. Pause."
In der FAZ erklärt Hannes Hintermeiner, was für ein Mordgeschäft die Passionspiele sind. Bis Ende Oktober sind noch hundertdrei Vorstellungen geplant: "Vierhundertfünfzigtausend Karten: Mit Übernachtungen, Gastronomie, Merchandising, Lüftlmalerei und Wood Carving, wie die Holzschnitzerei jetzt heißt, ist die Passion ein eminenter Wirtschaftsfaktor.". Sylvia Staude freut sich in der FR trotzdem, dass inszwischen nicht nur verheiratete Frauen, sondern auch Muslime mitspielen dürfen, sofern sie in Oberammergau geboren sind.
Besprochen werden Wolfram Lotz' neues Stück "Heilige Schrift I" an den Münchner Kammerspielen (SZ), die Bühnenfassung von Viktor Martinowitschs Romans "Revolution am Hamburger Schauspielhaus (FAZ), Simon Stones in den amerikanischen Rostgürtel verlegte Version von Donizettis "Lucia di Lammermoor" an der New Yorker Met (FAZ) und "Cesare in Egitto" bei den Händel-Festspielen in Göttingen (FAZ).
Szene aus "Revolution". Bild: Maris Eufinger Dusan David Parizek hat den Roman "Revolution" des belarussichen Autors Viktor Martinowitsch auf die Bühne des Hamburger Schauspielhauses gebracht, mit "sparsamen" Verweisen auf den Krieg in der Ukraine, wie Nachtkritiker Stefan Schmidt bemerkt. Und so lässt er sich durchaus amüsiert ein auf diese "männerbündische Verschwörergeschichte" im Moskau der 2010er Jahre: "Saufen, kaufen und schlafen füllen die Leere des Alltags. Politik ist nur eine mehr oder weniger gelungene Inszenierung, während die eigentlichen Entscheidungen im Hintergrund per SMS getroffen werden - von lose miteinander Verbündeten, die einander jeden Wunsch erfüllen, ohne im Einzelnen nach dem Sinn zu fragen. Was Nietzsche, Kant oder Foucault über Macht zu sagen hatten, taugt in dieser Welt höchstens noch zum beiläufigen Smalltalk. Unterwerfung ist alles. Denker werden zur Staffage, Menschen zu Schatten ihrer selbst, wenn Regisseur Pařízek die beiden Overhead-Projektoren links und rechts der Bühne anwerfen lässt."
Außerdem: Der "Weltschmerz sitzt mit am Tisch" - und doch hat Ulrich Seidler (Berliner Zeitung) beste Laune, wenn Claudia Bauer beim Berliner Theatertreffen ihr Stück "Humanistää!" nach Ernst Jandls Arbeit "Aus der Fremde" von 1978 inszeniert, in dem der Dichter ein Abendessen mit seiner Gefährtin Friederike Mayröcker protokolliert. Die Mehrzahl der Inszenierungen scheint "vorsorglich gegen jede Kritik geimpft", ärgert sich Jan Küveler indes in der Welt über politisch korrekte Stücke beim Theatertreffen: "Vielleicht täten die Theater gut daran, beflissenes politisches Bewusstsein gegen Witz zu tauschen und die Leichenbittermiene gegen eine Clownsnase. Dann würden vielleicht die Häuser wieder voll." Für die SZ hat Christine Dössel Claus Peymann in Ingolstadt getroffen, wo der Regisseur derzeit die "Die Nashörner" inszeniert. "Wo ich bin, ist die Mitte". Ebenfalls in der SZ schreibt Reinhard J. Brembeck einen Nachruf auf die spanische Sängerin Teresa Berganza, die im Alter von 89 Jahren in Madrid gestorben ist.
Besprochen werden Udo Schürmers "Schwiegermutter und andere Bosheiten" an der Komödie Frankfurt (FR), "Encantado", das Stück der brasilianischen Choreografin Lia Rodrigues im Berliner Hebbel am Ufer (Tagesspiegel) und und der Auftakt der Wiener-Festwochen im Museumsquartier mit dem Stück "tumulus" des Choreografen Francois Chaignaud (Standard).
Als der Intendant des Juliusz-Słowacki-Theaters in Krakau die Theaterregisseurin Maja Kleczewska fragte, ob sie zum 120-jährigen Aufführungs-Jubiläum die "Ahnenfeier" von Adam Mickiewicz inszenieren wollte, war ihr "sofort klar, dass der Held Konrad von einer Frau gespielt werden musste", erzählt Kleczewska der Polen-Korrespondentin der taz Gabriele Lesser. Das kam bei den Nationalisten nicht gut an, mit schlimmen Folgen: "Monate nach der gefeierten Premiere und vielen ausverkauften Vorstellungen - stehen das Krakauer Theater, sein Direktor und die Regisseurin vor einem Scherbenhaufen. Denn die regierenden Nationalpopulisten sehen in der viel gerühmten Inszenierung alles andere als ein 'Meisterwerk'. Politiker der Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) leiteten ein Kündigungsverfahren gegen den Theaterintendanten Krzysztof Głuchowski ein, zogen fest zugesagte Gelder in Höhe von fast 3 Millionen Zloty (rd. 650.000 Euro) zurück und stoppten den Prozess, der dem Słowacki-Theater den Status eines Staatstheaters mit fester Finanzierung durch das Kulturministerium bringen sollte. Die Regisseurin Maja Kleczewska musste erfahren, dass ihr eine geplante neue Inszenierung am renommierten Stary Teatr (Altes Theater) in Krakau abgesagt wurde."
Weiteres: Vielleicht sollte man im Theater öfter "Buh!" rufen, um wieder Schwung in die Sache zu bringen, überlegt Ueli Bernays in der NZZ. Tom Mustroph berichtet in der taz von einem Festival des Forum Freies Theater in Düsseldorf zur Feier der Pariser Kommune.
Besprochen werden Benjamin Brittens "A Midsummer Night's Dream" an der Frankfurter Oper (FR), "The Little Lives" von A.L. Kennedy und Ann Cleare bei der Münchner Musiktheater-Biennale (nmz), Alessandro Scarlattis "Il Cambise" an der Oper Kiel (nmz), Bernd Liepold-Mossers Inszenierung von Büchners "Woyzeck" zur Eröffnung des Klagenfurt Festivals (nachtkritik), Egon Monks kapitalismuskritische Erzählung "Industrielandschaft mit Einzelhändlern" in der Inszenierung von Josef Bäcker und Lukas Pergande am Staatstheater Braunschweig (nachtkritik) und eine Aufführung von Thomas Bockelmanns Inszenierung von Taboris "Mutters Courage" in einem Wohnzimmer in New York (SZ).
In der nachtkritikberichtet Simone Kaempf von der Burning-Issues-Konferenz, die in Berlin in Kooperation mit dem Theatertreffen stattfand. Nachdem man in den Jahren zuvor die Strukturen am Theater als rassistisch und sexistisch kritisiert hatte, war diese Konferenz eher von Ernüchterung geprägt: "Da, wo die Strukturen wirklich verändert werden sollen, entpuppt sich die Umsetzung als schwieriger und langwieriger als gedacht."
Immerhin von einigen positiven Beispielen weiß taz-Kritiker Matthieu Praun zu berichten: "In einer Branche, die auf Selbstausbeutung im Namen der Kunst basiert, kann daraus schnell Selbstausbeutung im Namen der Diversität werden. Besonders von Angehörigen von Minderheiten wird oft genug erwartet, dass sie zusätzlich zu ihren eigentlichen Aufgaben auch noch nebenbei ihre Häuser reformieren. Eine einfache und doch radikale Lösung für das Ressourcenproblem wäre: weniger produzieren. Das Theater Basel, dessen Schauspielsparte seit 2020 von einer Viererspitze aus Schauspieler:innen, Regisseur:innen und Dramaturg:innen geleitet wird, führt bewusst weniger Inszenierungen pro Spielzeit auf. Damit werden nicht nur längere Probenprozesse ermöglicht, sondern auch die zurSelbstorganisation notwendigen Räume geschaffen, so Jörg Pohl, Mitglied des Basler Leitungsteams. Er berichtet außerdem von Gagen, die nach Alter statt nach Verhandlungsgeschick ausgezahlt werden.
Weitere Artikel: In Oberammergau beginnen am Wochenende die Passionsspiele: Peter Kümmel macht für die Zeit einen Besuch. Massimo Perinelli von der Rosa-Luxemburg-Stiftung schreibt im Van Magazin über Ben Frosts "Der Mordfall Halit Yozgat" an der Staatsoper Hannover und andere Inszenierungen zur NSU-Mordserie.
Besprochen werden die Uraufführung von Thierry Escaichs Märchenoper "Shirine" an der Oper Lyon (nmz), Lili Boulangers Oper "Lili" an der Neuköllner Oper (taz), Hector Berlioz' "Les Troyens" an der Bayerischen Staatsoper (nmz), Paul Hindemiths lustige Oper "Neues vom Tage" in Gelsenkirchen (nmz) und "Bookpink" von Caren Jeß in der Box des Frankfurter Schauspiels (FR).
"Stell Dir vor, das Theater löst alle Probleme und keiner geht hin", ruft Christine Dössel aus der SZ der Bühnen-Bubble zu, der sie einen Großteil der Schuld gibt am derzeit zu verzeichnenden Publikumsschwund selbst beim Berliner Theatertreffen gibt. Statt Kunst und Schauspiel liefere das Theater nur noch Debatten um Intersektionalität, marginalisierte Perspektiven, Nachhaltigkeit: "Ein theaterentwöhntes Netflix-Publikum, das gute Geschichten und vielschichtige Charaktere liebt, ist auf diese Weise eher nicht aus dem Home-Modus zu locken. Es schlägt sich da in der Auswahl eine generelle Entwicklung im Theater nieder: die zum Dramaturgenstrebertum und zur Blasenbildung im Namen des Korrekten, Woken und Guten. Sie geht einher mit einer Tendenz zum Tunnelblick und oft auf Kosten des Spielerischen, Freien, Verrücktschönen. Das Theater hat ja richtige und wichtige Themen, es spricht die Zuschauer damit aber oft nicht an. Weil es viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt ist."
Weiteres: Im FR-Interview mit Judth von Sternburg spricht die Sängerin und Regisseurin Brigitte Fassbaender über ihre Liebe zu Benjamin Britten und ihre Inszeneirung seines "Sommernachtstraums" an der Oper Frankfurt.
Besprochen werden Andrea Moses' "Lohengrin"-Inszenierung am Staatstheater Darmstadt (FR), Choreografien in Freiburg und Stuttgart (SZ), Hector Berlioz' Kriegsoper "Les Troyens" an der Münchner Staatsoper (SZ, FAZ) und Stephan Kimmigs Inszenierung von Knut Hamsuns "Kareno"-Trilogie (FAZ).
Max Meyer im "Spiel des Lebens". Foto: Sandra Then / residenztheater Ziemlich gefordert wurden die Kritiker in Stephan Kimmigs Inszenierung von Knut Hamsuns "Kareno-Trilogie" am Residenztheater München, zu deren Beginn der Philosoph Ivar Kareno seufzt: "Legteine Mine unter das Alter, säubert den Sitz und nehmt seinen Platz ein." In der Nachtkritiksieht Thomas Rothschild hier genau die Fragen der Zeit aufgeworfen: "Was Kareno gleich zu Beginn an Vernichtungsphantasien von sich gibt, würde jedem Faschisten der dreißiger Jahre des 20. Jahrhunderts gut zu Gesicht stehen. Zunehmend aber wird die Trilogie zu einem 'Besserungsstück', in dem Kareno seine Überzeugungen revidiert. Wie passt das zu Hamsuns Biographie? Ist Karenos Wandlung als vorbildlich oder als Verrat zu bewerten, wie die vorausgegangene Anpassung seines Kollegen Carsten Jerven? Handelt es sich um eine Läuterung oder um einen Sieg des Opportunismus über die antidemokratische Redlichkeit? Eignet sich einer als 'Held', der zu richtigen Einsichten erst gelangt, wenn er selbst Opfer seiner Verfehlungen wird?" In der SZ lobt Egbert Tholl "eine überlegen souveräne Leistung besten Schauspieltheaters".
Weiteres: Katrin Bettina Müller berichtet in der taz vom Auftakt des Berliner Theatertreffens (für dessen Vorstellungen es immer noch Karten zu kaufen gibt, #Publikumsschwund). Besprochen wird Lilja Rupprechts Inszenierung von Hermann Hesses "Steppenwolf" am Deutschen Theater Berlin in einer Bearbeitung von Thomas Melles (FAZ).
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