Die Buchmacher - Archiv

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281 Presseschau-Absätze - Seite 11 von 29

Die Buchmacher vom 28.03.2006 - buchreport.express

Seit Wochen verfolgt der buchreport die neuen Einkaufsmodelle, mit denen die Barsortimente und Einkaufsgenossenschaften der Buchhändler zur überfälligen Rationalisierung im Bücherbetrieb beitragen wollen. In einem Rundruf fragt die Zeitschrift bei den Chefs der Zwischenbuchhändlern nach der Resonanz ihrer Angebote - und die klopfen sich gerne selbst auf die Schulter. So ist die Akzeptanz des hauseigenen Programms "Fit für die Zukunft" laut KNV-Chef Oliver Voerster "überwältigend". Dennoch zweifelt der buchreport letztlich an einer Funktionsverschiebung zu Gunsten der Barsortimente, die, anders als die Verlagsauslieferungen, auf eigene Kosten und eigenes Risiko Bücher zum Weitervertrieb an Buchhandlungen einkaufen: Besonders die stark wachsenden Filialisten bauen kontinuierlich den Direktbezug von den Verlagen aus.

Scheinbar reumütig zeigt sich Stefan Vogel, Einkaufschef der größten Buchhandelskette Thalia: "Wir haben die Botschaft der Verlage verstanden", kommentiert Vogel die teilweise harsche Kritik der Verlage auf die von Thalia vor der Frankfurter Buchmesse ins Spiel gebrachte Kostenbeteiligung an Umbauten und Neueröffnungen des Branchenprimus (bis zu 5000 Euro pro Verlag). Und präsentiert das jüngste Ergebnis des kreativen Thalia-Think Tank: Die Verlage sollen ihren Obolus künftig in Form von höheren Werbekostenzuschüssen entrichten. Der Börsenverein prüft, ob Thalias "Anzapfen" gegen die Wettbewerbsregeln verstößt.

Ein "kräftiges Beben" in der juristischen Verlagsszene vernimmt die Redaktion aus Richtung Köln: Der internationale Fachinformationskonzern Wolters Kluwer steigt mit der Übernahme des Kölner Carl Heymanns Verlags zur zweitgrößten deutschen juristischen Verlagsgruppe hinter C.H.Beck auf. Mit der Übernahme ende für Heymanns "eine kritische, zweijährige Übergangszeit" nach dem plötzlichen Tod des langjährigen Verlegers Bertram Gallus.

Löst der Spagat zwischen Event- und Arbeitsmesse Haltungsschäden aus, lautet eine der Lieblingsfragen von buchreport, die diesmal der Leipziger Buchmesse-Chef Oliver Zille beantworten muss. Der hält, wie die Frankfurter Kollegen, "lautes Trommeln und leise Töne" für möglich. Finanziell stehe die Messe auf sicheren Beinen. Die Parallelität zur lit.cologne sei fruchtbar für beide Seiten.

Meldungen: Hugendubel will seine papiernen "Buchlaufkarten" entsorgen und als einer der letzten Filialisten ein Warenwirtschaftssystem installieren. Im Wettbewerb mit den sieben Filialisten bündenln unabhängige Buchhandlungen in einer Arbeitsgemeinschaft ihre Kräfte. Die Börsengänge der Mediengruppe Bertelsmann und der Ex-Bertelsmann-Verlagsgruppe Springer Science + Business Media bleiben fraglich. Am World Book Day in Großbritannien, an dem allein 26.000 Grundschulen teilnahmen, haben die Buchhändler 12,6 Prozent mehr umgesetzt als im Vorjahr. Verärgert über ungemütliche Agentenzentrum auf der London Book Fair wollen die Rechtehändler im kommenden Jahr einen alternativen "Lizenzsalon" im Arts Club in Mayfair eröffnen: den "Salon de Refus", der seinen Namen von einer Pariser Kunstausstellung im 19. Jahrhundert ableitet. Hier die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 20.03.2006 - buchreport.express

Mit welchen Eindrücken die Aussteller und Fachbesucher am heutigen Montag aus Leipzig zurückkehren, konnte buchreport bei seinem Erscheinen am Donnerstag nicht voraussehen. Doch die Befindlichkeiten in der Branche setzte das Magazin als Überschrift über die diesjährige Buchmesse an der Pleiße: "Leipzig wird zum Test der Stimmung in der Branche". Einerseits geht's dem deutschen Buchhandel gut: Das zweite Jahr in Folge hat er mit einem Umsatzplus abgeschlossen. Andererseits fordert der Umbruch, in dem sich die Branche befindet, Opfer. Die Unruhestifter, um nur ein paar namentlich zu nennen, sind die Billigeditionen (schaden den Taschenbuchverlagen), die Filialisten (drängen mit ihrer Expansion traditionelle Sortimenter in die Ecke) und die Barsortimente (wollen mit Rundum-sorglos-Paketen kleinere Buchhandlungen unter Ausschaltung der Verlage beliefern).

Kritische Fragen lässt Gottfried Honnefelder, Interims-Vorsteher des Börsenvereins, im buchreport-Interview an sich abprallen. Dass Michael Schön, Chef der Börsenvereins-Tochter MVB, das Handtuch wirft bzw. nach Jahren als Geschäftsführer ausscheidet (siehe "Buchmacher"-Archiv), ist für Honnefelder "ein kluger und nachvollziehbarer Umstand". Die Kündigung habe nichts mit einer verschärften Krise beim Verzeichnis lieferbarer Bücher (VlB) zu tun, betonte das Verbands-Oberhaupt. Die MVB werde sehr schnell einen Nachfolger haben, der das "VlB-Neu" auf die Schiene setzt.

Bei den Veranstaltern des Literaturfestivals lit.Cologne werden Samstagabend - zum Abschluss - die Sektkorken geknallt haben. Buchreport vermutet mehr als 70.000 statt der angepeilten 55.000 Zuschauer und einen Besucherzuwachs von vierzig Prozent. lit.Cologne-Gründer Werner Köhler hatte Anfang März im FAZ-Interview klargestellt, wohin die Reise gehen soll: "Wer zu klein denkt, der geht im Kulturzirkus unter."

Wie zu erwarten wird Google - der Konkurrenz immer eine Nasenlänge voraus - digitalisierte Texte demnächst verkaufen. "Die Verlage können entscheiden, welche Titel in welchem Umfang und zu welchem Preis angeboten werden", erklärt buchreport. Im Ermessen der Verlage liege es auch, ob der Leser die Bücher ausdrucken oder nur am Bildschirm lesen dürfe. Die Buchmacher könnten mit dem überwiegenden Teil des Erlöses rechnen. Angeschoben wird das Projekt im englischsprachigen Raum. Der Europa-Start soll so schnell wie möglich folgen.

Amazon will mit "Amazon Advantage" seine Geschäftsbeziehungen zu Kleinverlegern ausbauen. Das "AA"-Programm bietet die Möglichkeit, von Nischentiteln (egal ob Buch, CD oder DVD) ein einziges Exemplar ans Lager zu nehmen, auf die Amazon-Seiten zu stellen und binnen 24 Stunden zu verschicken. Ist ein Titel verkauft, ordert Amazon Nachschub. Dafür verlangt der Onlinehändler vom Verlag pauschal 49,90 Euro im Jahr, hat buchreport in Erfahrung gebracht. Seinen "Service" lasse sich Amazon mit weiteren fünf Prozent des Verkaufspreises plus Porto plus Rabatten bis 50 Prozent bezahlen.

Meldungen: Mit Literatur-TV startet der Anbieter von IP-basierten Fernsehsendern, ArtVoice, einen Spartenkanal für literaturinteressierte Zuschauer im deutschsprachigen Raum. Das Zentrale Verzeichnis Antiquarischer Bücher bleibt nach einer vom Unternehmen selbst in Auftrag gegebenen Studie zu "Antiquariaten im Internet" mit 47,6 Prozent Marktanteil Spitzenreiter in Deutschland, es folgen Amazon, Booklooker (je 14,6 Prozent) und Abebooks (12,2 Prozent). Ulrich Wickert bekommt beim NDR eine Literatur-Talkshow namens "Wickerts Bücher" - die Pilotsendung lief zur Leipziger Buchmesse. Heribert Marre, über 30 Jahre kaufmännischer Geschäftsführer von Suhrkamp, ist im Alter von 80 Jahren verstorben. Und: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 14.03.2006 - buchreport.express

Strategien des Standort-Buchhandels gegen Filialisten (siehe Börsenblatt, "Thalia-Expansionskurs") beschäftigen auch buchreport. Vor allem in Mittel- und Kleinstädten handelten Sortimenter nach der Weisheit, dass Angriff die beste Verteidigung sei, schreibt das Magazin und nennt eine Hand voll Beispiele von Unternehmen, die angesichts der "Bedrohung" durch die großen Buchketten ihre Verkaufsflächen vergrößert hätten. Andere Traditionsbuchhandlungen setzten auf ihr Können und Stammkunden. "Wer im Wettbewerb mit den Großen bestehen will, der muss sich flexibel auf die neuen Rahmenbedingungen einstellen", so das Fazit des Artikels. Denn angetrieben vom rasanten Wachstum des Marktführers Thalia sei damit zu rechnen, dass auch die anderen Filialisten ihr Expansionstempo verschärften.

Das Elbe Team ist pleite. Vor zwei Wochen noch wollte Peter Wölki, Chef der Dresdner Billigbuchkette (33 Filialen, vorwiegend im ostdeutschen Raum), das Unternehmen mit einer Auffanggesellschaft in ruhige Fahrwasser steuern. Jetzt habe er, so buchreport, den Rettungsanker geworfen und ein Insolvenzverfahren eingeleitet. Zum Verhängnis wurde dem Elbe Team die Ankündigung eines Hongkonger Investors, sich mit zwei Millionen Euro (40 Prozent) an der deutschen Kette zu beteiligen. "Das Beteiligungskapital ist bis dato nicht geflossen. Elbe Team verklagt (Investor) CPI im Juli 2005 über einen Fehlbetrag von 1,4 Mio. Euro. Hindernis: Die Firma ist (...) nicht auffindbar", heißt es in der buchreport-Chronik des Elbe Team-Untergangs.

Gute Aussichten für den deutschen Buchhandel: Seit zehn Monaten entwickeln sich die Umsätze im Sortiment positiv. Für Februar 2006 weist der buchreport-Umsatztrend ein Plus von 2,1 Prozent aus. Erfreulich ist dieses Ergebnis durch die direkte Vergleichbarkeit mit dem Vorjahresmonat (identische Verkaufstage im Februar 2005 und 2006). Und: Der Mehrumsatz sei durch eine vermehrte Nachfrage und nicht durch höhere Preise erzielt worden, erläutert buchreport. Der durchschnittliche Buchpreis ist mit minus 0,3 Prozent immer noch leicht rückläufig.

Traumhafte Ergebnisse erzielten die Buchhandelsabteilungen Hörbuch und Neue Medien bei der Auswertung der Umsätze nach Warengruppen: Sie erreichten im Februar 2006 plus 18,1 Prozent bzw. plus 21,1 Prozent mehr Umsatz verglichen mit dem Vorjahresmonat.

Amazon muss logistisch expandieren, soviel scheint klar. Gerüchte, dass Leipzig gute Chancen für den Zuschlag hat, wurden buchreport zwar nicht von offizieller Seite bestätigt. Das Branchenmagazin vermutet aber, dass die Amazonen, zusätzlich zu dem seit 1999 bestehenden 42.000 Quadratmeter großen Lager (entspricht sieben Fußballfeldern) in Bad Hersfeld, eine 70.000-qm-Halle in der Nähe des Leipziger Flughafens im Visier haben.

Personalien: Michael Schön, Geschäftsführer der Börsenvereins-Tochter MVB, gab seine Kündigung zum Jahresende bekannt. Für buchreport ergibt sich daraus, wie ernst die Situation für den MVB ist: "Noch bevor die langjährige Baustelle Verzeichnis lieferbarer Bücher durch die Fertigstellung des so genannten VlB-Neu am 1. Januar 2007 geschlossen werden soll, verlässt sein Chefarchitekt den Schauplatz, nachdem bereits im Herbst 2004 mehrere Führungskräfte (...) beim MVB ausgeschieden sind."

Schließlich: die Bestsellerlisten
Stichwörter: Hongkong, Bad Hersfeld

Die Buchmacher vom 06.03.2006 - buchreport.express

Buchreport sorgt sich um den Börsenverein. Zwei Projekte, die der Verband über seine Wirtschaftstochter Marketing und Verlagsservice des Buchhandels betreibt beziehungsweise betreiben will, könnten, so das Branchenmagazin, "wirtschaftlich aus dem Ruder laufen": die qualitative Verbesserung des Verzeichnisses lieferbarer Bücher (VlB) und der Start der brancheneigenen Volltextsuche Online (VTO). Dem VlB springen die Kunden ab. Allein im letzten Jahr sei die Zahl der Abonnenten von 4.500 auf 4.000 zurückgegangen, rechnet buchreport vor. Das Interesse an der geplanten VTO fällt bisher äußerst zurückhaltend aus. Bisher hätten erst 50 Verlage - unverbindlich - erklärt, dass sie sich beteiligen wollten.

Betriebsvergleichs-Experte Nicolaus Sondermann vom Kölner Institut für Handelsforschung nimmt Bezug auf das buchreport-Ranking "Die 100 größten Buchhandlungen" (siehe "Buchmacher"-Archiv von letzter Woche) und sagt: "Die Größe allein ist kein Maßstab." Entscheidend sei vielmehr, dass kleine Wettbewerber auf eindeutige Alleinstellungsmerkmale setzten und ihre jeweilige Klientel optimal bedienten. Problematisch findet Sondermann, dass vielen mittelständischen Buchhändlern die "kaufmännische Denke" fehle.

Die Oscar-Verleihung gibt auch deutschen Buchverlagen Aufwind. Bei Diana wurde "Brokeback Mountain" (gewann letzte Nacht unter anderem einen Oscar für das beste adaptierte Drehbuch, hier die komplette Gewinnerliste) bereits neu aufgelegt. Das große Medieninteresse habe den Buchverkauf beflügelt, erklärte eine Verlagssprecherin im Gespräch mit buchreport. Auf verstärkten Absatz können sich auch "Die Geisha" von Arthur Golden und "Capote" von Gerald Clarke einstellen. Beide Filme schnitten bei den Academy Awards erfolgreich ab.

Die Kontrolle der Buchpreisbindung im Internet wird immer schwieriger. Bei Millionen Privat-Auktionen können die Preisbindungstreuhänder der Verlage nur noch Stichproben machen. "Den Markt der professionellen Händler haben wir im Griff", glaubt Rechtsanwalt Christian Russ. Jährlich leiteten die Preisbindungs-Kontrolleure rund 150 Abmahnungsverfahren ein, führten bis zu 50 Prozesse und warnten in weiteren 600 bis 700 Fällen Online-Bücherverkäufer per E-Mail, hat buchreport erfahren. Schwierig würde das Herauspicken von schwarzen Schafen unter den Privatverkäufern: Belangt werden kann laut aktueller Rechtslage nur, wer "geschäftsmäßig" am Markt auftritt. Weiterer Kniff: Internethändler kaschieren ihre Bücherverkäufe, indem sie das Reizwort "neu" durch "ungelesen" oder "gebraucht - wie neu" ersetzen.

Die Bild-Zeitung bringt mit einem der bekanntesten deutschen Gegenwartskünstler ihr drittes Bibelprojekt - nach "Volks-" und "Gold"-Bibel - heraus. Mehr.

Meldungen: Bereits zwei Wochen nach dem Erscheinen der Hörbuch-Ausgabe von "Harry Potter VI" nutzen vor allem die großen Marktteilnehmer die freien Preise: Bis zu 21 Prozent wird der vom HörVerlag empfohlene Preis von 89,95 Euro beispielsweise von Amazon unterboten. Die Universal Family Entertainment-Hörspielserie "Gabriel Burns" hat beim Hörspiel Award 2005 14 Mal Gold gewonnen. Das Buchhaus Stern-Verlag (6.000 qm) im quasi filialistenfreien Düsseldorf (Anm.: einziger Mitbewerber der "Top 10" Buchhandlungen ist Weltbild) soll endlich Konkurrenz bekommen: Für eine frei werdende 2.000-qm-Fläche am Ende der Königsallee ist auch ein großer Buchhändler im Gespräch. Zum Schluss die "Top 50" der meistverkauften Bücher in den aktuellen Spiegel- und Gong-Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 28.02.2006 - buchreport.express

Buchreport hat die 100 größten Buchhandlungen in Deutschland, Österreich und der Schweiz bestimmt. "Insgesamt haben die Marktführer mit 3,1 Milliarden Euro Umsatz in 2005 zwar ein Plus von 5,3 Prozent gegenüber 2004 erzielt, sie blieben damit jedoch knapp hinter der durch Übernahmen und Neueröffnungen hinzugewonnenen Gesamtfläche (+ 5,4 Prozent) zurück." Mit dem Umsatz-Plus stieg der Marktanteil der 100 Riesen am Gesamt-Buchumsatz in den drei deutschsprachigen Ländern auf 29,7 Prozent, im stationären Handel sogar auf 48,7 Prozent.

Keine Überraschungen gibt es an der Spitze des Buchhandlungs-Rankings. Hugendubel bleibt 2005 wie im Vorjahr mit 250 Millionen Euro Umsatz an dritter Position, Weltbild Plus verteidigt mit 266 Millionen Platz 2. Ganz oben, mittlerweile in einer eigenen Liga, spielt Thalia mit einem Umsatz von 514,7 Millionen Euro. Zum Vergleich: Vor 15 Jahren, als buchreport zum ersten Mal "Die 100 Größten" präsentierte, belegte Hugendubel noch den ersten Platz - mit umgerechnet 54,2 Millionen Euro.

Mit neuen Einkaufsmodellen regen die Barsortimente (Zwischenbuchhändler) lebhafte Diskussionen in der Branche an. Für Aufregung sorgen etwa die kürzlich von Könemann und Umbreit in den Mittelpunkt gerückten Modellrechnungen, die Barsortimentsservice mit Rabatten in einer Größenordnung von 37 Prozent versprechen. Für die kleinen Sortimente könnten höhere Rabatte der Barsortimente tatsächlich ein Segen sein. In die Ecke gedrängt fühlt sich durch die Rabattoffensive manch ein Verlags-Vertriebler: Der sieht sich jetzt Barsortimenten gegenüber, welche die an die Buchhandlungen weitergegebenen Rabattpunkte bei den Verlagen wieder reinholen wollen.

Eine enttäuschte Bilanz zieht der US-Buchhandel nach dem vergangenen Jahr. Am 31. Dezember 2005 hatten die amerikanischen Buchhändler insgesamt 15,92 Milliarden Dollar (13,33 Milliarden Euro) in den Kassen - 1,8 Prozent weniger als in 2004. Besonders miserabel sei der Dezember mit einem minimalen Plus von 0,05 Prozent gewesen, melden die Statistiker aus dem Census Bureau. Scheint so, als hätten die Amerikaner Lust auf Shoppen, aber keine Lust auf neue Bücher gehabt: Der US-Gesamthandel legte im Dezember um 5,6 Prozent zu, im ganzen Jahr sogar um 7,2 Prozent.

Meldungen: Der Dresdner Gebrauchtbuch-Filialist Elbe Team kämpft ums Überleben. Die FAZ will nach dem Verkauf von DVA und Kösel weiterhin an ihrer dtv-Beteiligung als Investment festhalten. Die Zeitschrift Brigitte setzt Mitte April die Hörbuch-Edition "Starke Stimmen" fort. Und: die Bestsellerlisten.
Stichwörter: Dtv, Modellrechnung, Hugendubel

Die Buchmacher vom 13.02.2006 - buchreport.express

Die klammheimliche Einführung der "flexiblen Mitgliedschaft" beim Club Bertelsmann (siehe "Buchmacher"-Archiv) lässt buchreport keine Ruhe: Das sei "der bisher gravierendste Versuch", das so genannte "Potsdamer Protokoll" (in dem die preisbindungsrechtlichen Kriterien für Buchgemeinschafts-Ausgaben geregelt wurden, hier im Wortlaut) zu unterlaufen. Vorstöße in diese Richtung habe es seit Inkrafttreten der aktuellen Fassung des "Protokolls" im Frühjahr 2004 immer wieder gegeben, erinnert das Magazin. Bei früheren Konflikten sorgten allerdings die Parallelausgaben für Ärger in der Branche - entweder hatte der Club versucht, den Zeitabstand zwischen Original- und Clubausgaben zu verkürzen oder den Preisabstand zu vergrößern. Mehr.

Bücher sind billiger geworden. In 2005 gingen sie zu einem durchschnittlich um 0,9 Prozent niedrigeren Ladenpreis gegenüber 2004 durch die Sortimenter-Kassen. Zu diesem Ergebnis kommt die buchreport-Umsatzanalyse. Spitzenreiter ist die Warengruppe Hörbuch - in doppelter Hinsicht. Mit 16,13 Euro im Durchschnitt waren Hörbücher im Warengruppen-Vergleich am teuersten. Erstaunen mag, dass die Hörbuch-Preise im Vergleich zum Vorjahr dennoch prozentual am stärksten gesunken sind: um 4,2 Prozent. Hardcover-Romane (inklusive der Billig-Bibliotheken) gehörten zu den Ausnahmen, die im Jahr 2005 vergleichsweise mehr kosteten. Hierzu erklärt buchreport: "Gebundene Romane hatten bereits 2004 durch die ersten Billig-Editionen der Presseverlage einen dramatischen Preisrutsch (- 11,4 Prozent) erlebt; von diesem gedrückten Preisniveau hat sich jetzt ein Plus von 3,5 Prozent ergeben, unter anderem ausgelöst durch den hochpreisigen 'Harry Potter VI' als meistverkauftes Buch 2005."

Amazon bleibt Deutschlands größter Buchhändler, muss dafür aber einen hohen Preis zahlen. Um den Vorsprung gegenüber Wettbewerbern zu halten, sei Amazon gezwungen, in Marketing und Technologie zu investieren (in 2005 circa 542 Millionen Euro, plus 46 Prozent), weiß buchreport. In die Bilanzen ihres deutschen Ablegers lassen sich die "Amazonen" bekanntermaßen nicht schauen. Buchreport schätzt den hiesigen Jahresumsatz zwischen 800 und 950 Millionen Euro. Zum Vergleich: Die Thalia Holding, Deutschlands umtriebigster Buchfilialist, erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2004/2005 461 Millionen Euro. (siehe auch Meldungen)

Dicke Fragezeichnen bleiben nach der Ankündigung, dass Börsenvereins-Vorsteher Gottfried Honnefelder im April Berlin University Press übernimmt. Denn: Ein Programm und Mitarbeiter kann der Verlag, den Ex-BertelsmannSpringer-Gesellschafter Claus Michaletz im August 2000 (!) aus dem Boden stampfte, nicht vorweisen. Honnefelder will im Frühjahr 2007 mit acht Büchern und einer Belegschaft durchstarten. Inhaltlich interessiere ihn die Schnittstelle wirtschaftlicher Themen zu Gesellschaft, Kultur und Religion, gab er an. Auch Nebeneinkünfte sind Honnefelder, der heute noch den DuMont Literatur und Kunst Verlag leitet, sicher: Ebenfalls im April wird er Berater der Cornelsen-Verlagsholding.

Personalien: Urs Breitenstein, Verleger des Schwabe Verlags, ist heißer Kandidat fürs Präsidenten-Amt des Schweizer Buchhändler- und Verleger-Verbands. Dr. Marcus Gärtner folgt auf Marcel Hartges und zeichnet künftig für die Reihe rororo Belletristik im Rowohlt Verlag verantwortlich.

Meldungen: Ein fulminanter Start ins Geschäftsjahr 2006: Die Buchhandels-Umsätze sind laut buchreport-Umsatztrend im Januar um 5,4 Prozent gestiegen. Mit 7,1 Milliarden Euro nähert sich der Amazon-Gesamtumsatz allmählich dem Volumen des deutschen Buchmarkts (9,1 Milliarden Euro in 2004) an. Am 2. März erscheint der erste Band der 15-teiligen Kinderedition zum Vorlesen der Wochenzeitung Die Zeit. Von der ersten Staffel der SZ-Cinemathek wurden nach Angaben des Süddeutschen Verlags 2,5 Millionen Einzelexemplare verkauft, davon 1,1 Millionen über den Buchhandel. Für 537,5 Millionen Dollar hat Time Warner seine Buchverlage an den französischen Mischkonzern Lagardere verkauft. Lars Brandt ("Andenken") und Tanja Kinkel ("Venuswurf") steigen diese Woche am höchsten in die Spiegel-Bestsellerlisten ein.

Die Buchmacher vom 07.02.2006 - buchreport.express

Buchreport greift das letzte Schwerpunkt-Thema des Börsenblatts, den besonders im Internet wachsenden Gebrauchtbuch-Handel (siehe "Buchmacher"-Archiv), auf und warnt: "Wenn es Mode wird, gelesene Bücher nicht mehr daheim in den Bücherschrank zu stellen, sondern meistbietend (...) weiter zu verkaufen, könnte sich ein Markt in kaum denkbarer Größenordnung entwickeln und das ist nicht ausgeschlossen." Für Peter Zylla, Geschäftsführer des "Zentralen Verzeichnisses Antiquarischer Bücher" (zvab), ist das zunehmende Interesse am Online-Gebrauchtbuchhandel nur logisch: Die Zahl der Internetnutzer steige immer noch, die Verlage hätten mit ihrer Flut an Billigbüchern die Preissensibilität der Käufer "erheblich geschärft" und die Controller in den Verlagen bestimmten kleine Auflagen, sodass insgesamt 98 Prozent aller jemals gedruckten Büchern "out of print" seien.

Das Nachsehen beim Trend zum "Second Hand-Buch per Mausklick" haben die Urheber, wie ein Blick in die USA zeigt. Unerhört blieb dort der Aufruf der Autorenvereinigung Authors Guild zum Boykott von Amazon und anderen Gebrauchtbuch-Anbietern. "Das Geschäft lässt sich nicht mehr stoppen", ist sich buchreport sicher. "Es gibt auch keine Möglichkeit, Autoren und Verlage an den für sie verlorenen Umsätzen zu beteiligen. Eine - theoretisch denkbare - Gebühr würden bei einem derart unüberschaubar großen Markt allein die Verwaltungskosten auffressen."

In der Zwickmühle sieht buchreport die Familie Mohn und die Bertelsmann Stiftung. Bertelsmann-Minderheitsgesellschafter Groupe Bruxelles Lambert (GBL) pocht auf den Börsengang des Medienkonzerns im Frühjahr 2007. "Das würde aus dem Familienunternehmen Mohn eine durch und durch transparente Aktiengesellschaft machen" und "Die Bertelsmann-Kultur geht in die Brüche", kommentiert buchreport. Um den Börsengang zu vermeiden, müssten die Mohns von ihrem Rückkaufrecht Gebrauch machen und circa fünf Milliarden Euro an die GBL zahlen. Buchreport glaubt: "Sie würden sich damit so hoch verschulden, dass kaum noch oder gar kein Geld für Investitionen mehr bliebe."

Still und leise löst sich der neue Club Bertelsmann-Chef, Fernando Carro, von der bisherigen Club-Bindung. Vergangene Woche noch wollte Carro hinter dem Berg halten, wie er den Mitgliederschwund zu stoppen gedenkt. Buchreport hat sich das neue Geschäftskonzept anhand der aktuellen Club-Werbung zusammengereimt: Mit der "flexiblen Mitgliedschaft" können Bertelsmann-Clubber nun schon nach dem Kauf von vier Büchern - und nicht erst frühestens nach zwei Jahren - kündigen.

Directmedia-Schwester Zenodot kündigt die erste gedruckte Wikipedia an. Beginnend im Oktober sollen bis ins Jahr 2010 monatlich zwei Bände erscheinen - insgesamt stehen 100 Bände, 80.000 Seiten und 350.000 Lemmata im Projektentwurf. Zur Finanzierung und Risikominimierung setzt Zenodot auf ein Subskriptionsmodell (1.490 Euro statt 1.850 Euro), Honorare für die Wikipedia-Texte werden nicht ausgeschüttet. Geht die Rechnung der Wikipedianer auf, müsste der Brockhaus-Verlag Bibliografisches Institut F.A. Brockhaus wohl schlucken: In die 21. Auflage seiner Brockhaus-Enzyklopädie (24.000 Seiten) investiert er 20 Millionen Euro.

Etappensieg für Random House: Das Landgericht Köln hat Zanolli-Insolvenzverwalter Jörg Nerlich untersagt, die von Random House an Zanolli gelieferten Bücher zu verwerten und die Erlöse an die Gläubiger zu verteilen. Der klagende Münchener Verlag will die Rückgabe seiner in die Zanolli-Konkursmasse übergegangenen Bücher erwirken.

Personalien: Christiane Steen übernimmt die Programmleitung des Rowohlt Kinder- und Jugendbuchprogramms rotfuchs.

Meldungen: Im November will der Neu-Ulmer Veranstalter Messe & Marketing in Ravensburg mit der Hörbuchmesse "Hearing" debütieren. Die Gesellschafter des Baumhaus-Verlags haben den Subito!-Verlag gegründet, um mit Humor und Satire neue Zielgruppen zu erschließen. Die Kooperation zwischen Frankfurter Buchmesse und Nürnberger Spielwarenmesse weitet sich aus: Dieses Jahr nehmen 29 Buch- und Hörbuchverlage am Branchentreff in Nürnberg teil (in 2005: 19 Verlage). Und: die Bestsellerlisten.

Die Buchmacher vom 30.01.2006 - buchreport.express

Die marktführende Schweizer Buchhandelsgruppe Orell Füssli (11 Filialen) spricht sich in buchreport gegen jedwede Buchpreisbindung in der Schweiz aus. Mit ihrer Meinung gießt sie Öl ins Feuer der Debatte um feste Bücherpreise, denn der Schweizerische Buchhändler- und Verlegerverband, SBVV, kämpft für eine Preisbindung, die - wie in Deutschland und Österreich - möglicherweise per Gesetz festgeschrieben werden soll. Besonders laut wettert Orell Füssli-Geschäftsführer Fabio Amato gegen den zwischen SBVV und dem Schweizer Preisüberwacher vereinbarten schrittweisen Abbau der standardisierten Preisüberhöhung des Frankenpreises gegenüber dem Euro-Preis: Dieses System führe große wie kleine Buchhändler in die roten Zahlen.

Der neue Club Bertelsmann-Chef, Fernando Carro, führt den harten Sparkurs seines Vorgängers fort. Nach nicht mal drei Monaten im Amt speckte Carro die Geschäftsführung um zwei Mitglieder ab ("Die Mitarbeiter sollen erkennen, dass der Club nicht nur am unteren Ende spart, sondern auch an der Spitze"). Heilige Club-Kühe wie die Abnahmeverpflichtung will Carro nicht schlachten. "Die Mitglieder müssen das Gefühl haben, ohne Zwang aus einem breiten attraktiven Angebot auswählen zu können", erkärte der Spanier. Es müssten auch neue Geschäftsmodelle getestet werden, formulierte er schwammig. Welche, das wird nämlich vorerst nicht verraten.

Nach monatelanger Nachrichtenstille gibt's wieder Neuigkeiten von der "Bücherpleite 2005" und den Zanolli-Brüdern (siehe auch "Buchmacher"-Archiv). Wie buchreport aus dem Büro des Insolvenzverwalters Jörg Nerlich erfahren hat, will die Random House Verlagsgruppe per einstweiliger Verfügung verhindern, dass ihre an Zanolli gelieferten Bücher über den Rechte-Pool verkauft werden. Statt die Erlöse mit anderen Gläubigern zu teilen, versucht Random House das Aussonderungsrecht geltend zu machen und die Bestände selbst zu verwerten. Guido Zanolli ist übrigens ungeschoren davongekommen: Die Kölner Staatsanwaltschaft hat die Ermittlungen wegen Verdachts auf Insolvenzverschleppung "mangels Beweisen" eingestellt.

Orhan Pamuk mischt sich weiterhin politisch ein. Zum so genannten Muslimtest in Baden Württemberg sagte der Friedenspreisträger des Deutschen Buchhandels: "Diskriminierung der Muslime und Türken ist nach dem 11. September 2001 in der modernen Welt leider eine häufig begangene und tolerierte Sünde geworden."

Bertelsmann hat sich seinen ehemaligen Spitzen-Mann Thomas Middelhoff "deutlich mehr" als 1,2 Millionen Euro jährlich kosten lassen. Das plauderte Middelhoff überraschend vor einer Bochumer Schulklasse aus. Mit rund 1,2 Millionen Euro im Jahr muss sich der Manager für seinen aktuellen Job als Vorstandschef von KarstadtQuelle zufrieden geben.

Personalien: Andrea Wildgruber, bisher Programmleiterin Taschenbuch Belletristik für Ullstein und List, übernimmt diese Funktion zusätzlich für das Ullstein Hardcover.

Meldungen: Die Publizistin und Bestseller-Autorin Carola Stern ist 80-jährig einer kurzen schweren Krankheit erlegen. Hilary Spurling wurde für "Matisse the Master" mit dem mit 30.000 Pfund dotierten Whitbread-Literaturpreis geehrt. Die Aktivitäten des NZZ Buchverlags sind jetzt unter dem Signet NZZ Libro gebündelt. Der erste Novitätenschub des Jahres 2006 macht sich in den Spiegel Bestsellerlisten bemerkbar - in den "Top 50" der Sparte Belletristik riechen sechs Titel noch nach Druckerschwärze. Mehr.

Die Buchmacher vom 23.01.2006 - buchreport.express

Basel II gefährdet kleine Sortimente. Laut einer Unternehmensbefragung der Kreditanstalt für Wiederaufbau wurden in 2005 70 Prozent der Kreditanträge von Kleinstbuchhandlungen abgelehnt. Besonders kritisch seien die Banken, wenn sich in der Nähe der kleinen Buchhandlung ein großer Filialist angesiedelt hätte oder ansiedeln wolle, erklärt ein Betriebsberater im Interview. Viele der kleinen Buchläden hätten ohne Kredite kaum noch Überlebenschancen, sie arbeiteten jetzt schon unterhalb der Rentabilitätsgrenze. 2005 mussten nach Börsenvereins-Angaben 104 Buchhandlungen schließen. Ein Anstieg der Insolvenzen und Geschäftsaufgaben ist wahrscheinlich.

Die Douglas-Buchtochter Thalia erweist sich abermals als sehr geschäftstüchtig. Im Abrechnungsjahr 2004 / 2005 (bis 30. September 2005) fuhr die größte deutsche Buchhandelskette mit allen 137 Filialen (Deutschland, Schweiz, Österreich) 461 Millionen Euro Umsatz (+19,1 %) ein. Flächenbereinigt liege das Wachstum bei 3,6 % und damit weit oberhalb des Branchendurchschnitts (1,9 %), rechnet buchreport vor. Henning Kreke, Vorstandsvorsitzender der Douglas Holding AG, sieht mit dem Jahresergebnis vorherige Prognosen übertroffen und wittert in der Buchsparte "noch erhebliches Potenzial". Er bekennt sich als "Verfechter der Preisbindung". Klar, weil in der Regel die großen Buch-Abnehmer - wie Thalia - bei den Verlagen die besten Rabatte absahnen können.

Der Börsenverein sucht eine politischere Rolle. Welche Appelle die Basis bei der Jahrestagung der AG Publikumsverlage an die Verbandsspitze gerichtet hat, und warum der Vorstand sicher ist, dass der Buchhandel den Börsenverein dringender denn je braucht, hier

Das Lesefest lit.Cologne (hier das Programm) will mit der "größten Deutschstunde der Welt" in die Geschichte eingehen. Zwiebelfisch-Kolumnist und "Deutschlehrer" Bastian Sick hofft auf den Eintrag ins Guinness-Buch der Rekorde - dafür müssten sich am 13. März in der Köln-Arena (sie fasst 15.000 Menschen) möglichst viele Zuhörer bzw. "Schüler" versammeln. Zu den insgesamt 131 Veranstaltungen des Kölner Lesefests, das sich diesmal auf neun Tage verteilt, erwartet lit.Cologne-Geschäftsführer Rainer Osnowski 55.000 Besucher.

V.S. Naipaul fiel bei Verlagen durch. Ein Redakteur der Sunday Times hatte den Anfang von Naipauls Roman "In einem freien Land" an 20 Lektoren geschickt, ohne den Namen des Literaturnobelpreisträgers (2001) zu nennen. Fast alle Verlage, darunter Bloomsbury, hätten kein Interesse gezeigt, fasst buchreport den Ausgang des Experiments zusammen. Naipaul kommentierte gelassen: "Um zu erkennen, dass etwas gut und ansprechend geschrieben ist, braucht es großes Talent, und davon gibt es heutzutage nicht mehr viel."
Personalien: Suhrkamp-Verlegerin Ulla Unseld-Berkewicz hat die Nachfolge des ausscheidenden Geschäftsführers (für die Bereiche Marketing, Vertrieb und Werbung) Georg Rieppel schnell und hausintern geklärt: Der kaufmännische Geschäftsführer Philip Roeder wird künftig die Zuständigkeit für Vertrieb und Marketing übernehmen, Werbechefin Anya Schutzbach und Vertriebsleiter Thomas Kluge werden das operative Marketing bzw. das Vertriebsgeschäft verantworten.

Meldungen: Der Deutsche Krimi Preis geht an Norbert Horst für den Roman "Todesmuster" (Goldmann). Wilhelm Genazino hat seine erste Poetik-Vorlesung in Frankfurt gehalten - Hanser will die Vorträge in Buchform veröffentlichen. "Harry Potter" muss auf der Spiegel-Bestsellerliste einen erneuten Abstieg hinnehmen. Mehr zu den "Top-Titeln" der Woche.

Die Buchmacher vom 16.01.2006 - buchreport.express

Die klassische Vertreterreise, mit denen einst der gesamte Buchhandel erreicht wurde, ist ein Auslaufmodell: Die Buchfilialisten haben unterschiedliche Systeme entwickelt, wie ihre Zentralen und Filialen informiert werden sollen, mittlere und kleine Buchhandlungen wollen aus Zeitgründen keine Vertreter mehr empfangen und umgekehrt lohnt sich der Buchhandelsbesuch vieler auf Provision arbeitender Vertreter nicht mehr, weil oft nur noch kleine Stückzahlen bestellt werden. "An die Stelle der Vertreterbesuche tritt ein differenziertes Bestellwesen", resümiert buchreport und folgert Schwierigkeiten für die Verlage: "Sie verlieren den direkten Kontakt zu ihren Kunden und können aus den Erstbestellungen kaum noch Schlüsse ziehen."

Auch die Verlagsvorschauen (zurzeit auf dem Postweg in die Buchhandlungen und Redaktionen) sind nicht mehr zeitgemäß. 70 Prozent der von buchreport befragten Buchhändler gaben an, dass sie die dicken Broschüren "bestenfalls durchblättern", 15 Prozent sagten, dass sie die Vorschauen "ungelesen zur Seite legen". Alternativen in der Darstellung der Neuerscheinungen - etwa in elektronischer Form und nicht in einem 100 Seiten Hochglanzprospekt - würden 96 Prozent der Befragten begrüßen. Davon ist jedoch nicht auszugehen: Für die Verlage sind die Vorschauen wichtige Prestigeträger.

"Große Namen, Hochspannung und scharf kalkulierte Preise". Für buchreport sind das "drei der wichtigsten Merkmale, mit denen sich das Frühjahrsprogramm der deutschsprachigen Publikumsverlage charakterisieren lässt". Normalerweise werden die Bücher von Top-Autoren erst in der zweiten Jahreshälfte (zum Weihnachtsgeschäft) veröffentlicht, deshalb wundert sich das Branchenmagazin über die Sicherheit, die die Verlage anscheinend beim "neuen Walser" und beim "neuen Schlink" verspüren. Jede dritte Novität sei mehr oder weniger eindeutig in die Kategorie "Krimi & Co." einzuordnen. Die Zahl der deutschen Autoren bleibe gegenüber Übersetzungen konstant. Und: Bei der Kalkulation hätten sich die Verlage nur in Einzelfällen über die 20-Euro-Schwelle hinaus gewagt.

Sony und Google rüsten sich fürs Download-Geschäft. Während der Elektronik-Konzern im zweiten Versuch mit einem E-Book Erfolg haben will, meldet die weltweit meistgenutzte Suchmaschine einen Webshop für Videos an. buchreport traut wohl eher der Durchsetzungskraft und Innovationsfähigkeit von Google und schreibt, dass die Ankündigung zeige, dass elektronische Bücher und sonstige Textinhalte auf absehbare Zeit nur eine untergeordnete Rolle im Download-Geschäft spielen würden.

Personalien: Nicola Heinrichs, Prokuristin des Kinderbuchverlags Lappan, ist seit 1. Januar neben ihren bisherigen Schwerpunkten Programm und Werbung für die Verlagsleitung verantwortlich. 86 der 270 Mitarbeiter der Lübbe-Verlagsgruppe müssen ihren Arbeitsplatz räumen, diese Woche will die Geschäftsleitung eine Vorschlagsliste der zu kündigenden Angestellten vorlegen.

Meldungen: Piper baut seine Taschenbuchreihe "Boulevard" aus, unter dem Label sollen künftig auch Originalausgaben und deutsche Erstausgaben zu Preisen zwischen fünf Euro und 7,95 Euro erscheinen. Daniel Kehlmann hat mit "Die Vermessung der Welt" den neuen "Potter" vom Bestseller-Thron gestürzt. Mehr.
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