Im
FR-Interview mit Joachim Frank
spricht der Religionssoziologe
Detlef Pollack über Modernisierung, Säkularisierung und die Verbindung von Religion und Politik: "Die Verbindung mit nicht-religiösen Inhalten - wie etwa politischen oder nationalen - wirkt für die Religion
vitalisierend, so lange die Menschen sie als zweckdienlich erachten. Aber auch nur so lange. Danach kommt es zu
Abstoßungsbewegungen. In den USA etwa gehen viele gerade aufgrund der politischen Interpretation des Evangeliums auf Distanz zur Religion. Oder denken Sie an die Rolle der orthodoxen Kirche in Russland. Sie gilt als Stabilisatorin des Putin-Regimes. Aber damit ist sie Teil des Herrschaftsapparats."
Gregor Dotzauer
berichtet im
Tagesspiegel von
Stephen Greenblatts Berliner Mosse-Lecture über die
Bekehrung des Augustinus, die der amerikanische Literaturwissenschaftler "mit stiller agnostischer Lust" als Geschichte einer sehr weltlichen
Erektion erzählte, die zur
Lustfeindlichkeit im Christentum führte: "Wenn man aus der Verkettung ihrer biografischen Elemente etwas Universelles für das Semesterthema "Konversionen" lernen kann, ist es die Art und Weise, wie jemand einem zufälligen lebensgeschichtlichen Ereignis im Nachhinein Notwendigkeit verleiht:
Autobiografische Konsistenz, legt Greenblatt nahe, gibt es nur um den Preis teleologischen Denkens - gerade in der radikalen Umkehr mitten im Leben."
Wie eng das Verhältnis zwischen
Luther und den Fürsten wirklich war,
erfährt Matthias Kamann in der
Welt nicht in der gleichnamigen Torgauer
Ausstellung, sondern beim Spaziergang durch die Stadt: "Torgau steht für das Bündnis zwischen administrativ beschlagenen, wortmächtigen und
religiös wild entschlossenen Intellektuellen einerseits und Herrscherhäusern andererseits, die sich von jener
Elite sowohl zu tieferer Frömmigkeit führen als auch dabei helfen ließen, ihre Gebiete effektiver zu verwalten und sich selbst mit neuen Befugnissen auszustatten. Somit fällt
neues Licht auf das alte Problem, ob die
Reformation von unten kam, von aufbegehrenden Volksmassen, oder von oben, von machtbewussten Fürsten. Entscheidend war wohl das Dazwischen."