9punkt - Die Debattenrundschau - Archiv

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9punkt - Die Debattenrundschau vom 25.03.2021 - Internet

Deplatforming - also das Löschen von Nutzerkonten auf Plattformen wie Facebook und Twitter, kann auch zu Radikalisierung von Extremisten führen, befürchtet der Extremismus-Forscher Jakob Guhl im Zeit-Online-Interview mit Tanya Falenczyk: "Die Verschwörungstheoretiker schaffen sich ihren abgeriegelten ideologischen Raum. Auf Telegram kommt noch dazu, dass die Influencer unheimlich viele Inhalte aus anderen Kanälen weiterleiten, in deutschen rechts- und verschwörungstheoretischen Kanälen sind das laut unseren Untersuchungen am ISD sogar ungefähr 40 Prozent aller Inhalte. Scrollt man durch einen Kanal wie den von Attila Hildmann, ist man schnell in 20 anderen Kanälen mit ähnlicher Gesinnung. Wer sich am Anfang der Corona-Krise von Verschwörungstheorien über gefälschte Infektionszahlen anlocken ließ, landet über dieses Netzwerk an Telegram-Kanälen, die sich gegenseitig Follower zuspielen, heute ziemlich schnell bei der Holocaust-Leugnung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 24.03.2021 - Internet

Entsetzt kommentiert Sebastian Grüner bei golem.de, dass Richard Stallman, der Pionier der Freien-Software-Bewegung, wieder in den Vorstand der Free Software Foundation (FSF)  eintritt. Stallman hatte Opfer von Jeff Epstein denunziert, um sich mit seinem Freund Marvin Minsky, der Epstein nahestand und dem Vergewaltigung vorgeworfen wurde, zu solidarisieren. Das schadet vor allem der Idee von Open Source, so Grüner. "Denn eines ist klar: In einer Welt von Gadgets und Smartphones, die hauptsächlich mit proprietärer Software laufen und in der freie Software inzwischen ihren Siegeszug als Open-Source-Software hauptsächlich in Serversystemen und Enterprise-Software vollzieht, braucht es eine von Endnutzern und Entwicklern getragene Organisation, die sich weiter für die ideale freie Software einsetzt."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 20.03.2021 - Internet

Bei Soziopolis spricht Martin Bauer mit dem Philosophen Joseph Vogl über dessen neues Buch "Kapital und Ressentiment". Unter anderem thematisiert Vogl die "Privilegierung von Meinungsmärkten auf Plattformen" und hat im Communications Decency Act von 1996 eine Ursache für die heutige Macht von Facebook und anderen Netzwerken erkannt: "Netzanbieter sind von nun an keine Publisher oder Verleger mehr, sondern nur noch Makler oder bloße Vermittler, die keine Verantwortung und Haftung für ihre Produkte, für die dort vertriebenen Inhalte übernehmen müssen. Ein beispielloses Haftungsprivileg: Wer veröffentlicht, ist nicht verantwortlich, wer aber Content verantwortet, betreibt keine Veröffentlichung. Die dort zirkulierenden Äußerungen werden mit Berufung auf den Ersten Verfassungszusatz über Meinungsfreiheit auf das Meinungshafte reduziert, also von jeder Haftung, von Rechtfertigungs- oder Begründungszwängen dispensiert." In der Welt befragt Marc Reichwein Vogl zu seinem Buch.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 17.03.2021 - Internet

Die Türkei geht voran in der Regulierung der sozialen Medien, erzählt K. Zeynep Sariaslan bei geschichtedergegenwart.ch. So muss jedes Netzwerk künftig "mindestens einen bevollmächtigten Vertreter oder eine Vertreterin in der Türkei benennen, der von der Justiz bestraft werden kann, wenn das Netzwerk nicht innerhalb von 48 Stunden auf offizielle Aufforderungen zur Entfernung von Inhalten reagiert, die der Staat für unerwünscht hält. Außerdem muss der Vertreter des entsprechenden Internetunternehmens nun alle sechs Monate bei den Behörden einen Bericht mit Informationen über dessen Nutzer in der Türkei einreichen."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 15.03.2021 - Internet

Der Philosoph Joseph Vogl versucht im Gespräch mit Julia Encke und Harald Staun von der FAS zu erklären, wie Populismus im Netz und vor allem den sozialen Medien funktioniert. Es gehe "um Strukturen sozialer Mobilisierung. Dazu gehören die Vorherrschaft des Meinungshaften, wuchernde Urteilslust, sich selbstverstärkende Mechanismen, eine auf schnelle Treffer ausgerichtete 'ballistische' Kommunikation - also einige Faktoren, die vielleicht den Begriff eines 'strukturellen Populismus' rechtfertigen. Und wenn Facebook von Anhängern des brasilianischen Präsidenten oder von der italienischen Lega gefeiert wird, so liegt das schlicht an der politischen Effizienz eines Businessplans."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 11.03.2021 - Internet

Die Medien sind in Russland weitgehend gehorsam, die eigentliche Öffentlichkeit bildet das Internet. FAZ-Korrespondent Friedrich Schmidt berichtet von bisher meist noch recht erfolglosen Versuchen Putins, das Netz zu strangulieren, jüngst etwa durch die  Anordnung, Twitter zu verlangsamen. in sein "Ringen mit dem Netz fallen auch Versuche, das Land mit einem Gesetz zum 'souveränen Internet' von 2019 unabhängiger vom Ausland zu machen und das 'Runet' besser zu kontrollieren. Aber vom Vorbild China ist man weit entfernt; effektiv ist vor allem die Internetregulierung per Strafrecht, das 'extremistische' Tweets mit fünf Jahren Haft ahndet." Mehr zu den russischen Twitter-Sperrungen bei Netzpolitik.

9punkt - Die Debattenrundschau vom 06.03.2021 - Internet

(Via golem.de) Google will individualisierte trackingbasierte Werbung abschaffen - und versetzt die gesamte Werbeindustrie damit in Hysterie. Stattdessen sollen die Nutzer jetzt über Algorithmen in Kohorten mit ähnlichem Verhalten eingeordnet werden. Dieses System soll "Floc" heißen (für "Federated Learning of Cohorts"). Für Bennett Cyphers ist das aber mehr oder weniger dasselbe in Grün, wie er im Blog der netzpolitischen Organisation eff.org schreibt, denn es bestehe immer noch die Gefahr, individuelle Nutzer zu identifizieren. Und außerdem: "Die Macht, gezielt zu werben, ist die Macht, zu diskriminieren. Definitionsgemäß können Werbetreibende mit gezielter Werbung bestimmte Personengruppen erreichen und andere ausschließen. Mit einem Targeting-System kann genauso gut entschieden werden, wer Stellenausschreibungen oder Kreditangebote zu sehen bekommt, wie für die Werbung für Schuhe."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 03.03.2021 - Internet

Jordan Peterson ist zurück, Abgott einer hämischen neuen Rechten und Gottseibeins der puritanischen Linken. Drei Jahre lang war er mehr oder weniger aus der Öffentlichkeit verschwunden. Sein neues Buch heißt "Beyond Order - 12 More Rules for Life". Helen Lewis widmet ihm im Atlantic eine ausuferndes Porträt, erzählt wie er sich von seiner Drogensucht befreite und wie er überhaupt durch die Hysterien der Streitkultur im Internet in diese Sucht hineingeraten war: "Er starrte in den Abgrund des Kulturkriegs, und dieser starrte direkt zurück. Er ist wie ein jeder von uns, der einem sinnlosen Facebook-Streit nicht widerstehen kann, der den Zuckerrausch des selbstgerechten Twitter-Aficionados verspürte und die Niederlage eines gegnerischen oder sogar verwandten politischen Stammes bejubelte. Diese Art von ungesundem Verhalten: wütend um sich schlagen, während man weiß, dass Gegenangriffe folgen werden, ist eine sehr moderne Form der Selbstverletzung."

9punkt - Die Debattenrundschau vom 01.03.2021 - Internet

In der SZ lädt Michael Moorstedt die Browsererweiterung Big Tech Detective herunter, eine  Software, die alle Webseiten blockiert, die Daten "an Amazon, Facebook, Google und Microsoft übertragen oder von deren Servern laden". Danach kann man das Internet kaum mehr benutzen, notiert er. "Die neuesten Nachrichten? Eher nicht. Wetter? Leider nein. Streamingportale, soziale Netzwerke, Online-Shopping, Lexika, Navigation? So gut wie alle Standardanwendungen im Netz bleiben durch das Programm verwehrt, und vor beinahe sämtliche der fünfzig populärsten Seiten in Deutschland kleistert die Software ein anklagendes rotes Banner. Nur vereinzelt findet man kleine Inseln im Meer der Monopolisten." Ob die Süddeutsche auch dazu gehört, verrät er nicht.
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9punkt - Die Debattenrundschau vom 27.02.2021 - Internet

Ein bisschen verzweifelt klingt, wie Ben Scott, früher Berater von Hillary Clinton, im Kampf gegen den Datenkapitalismus von Facebook und Google auf Deutschland setzt. Polarisierung und Manipulation, schreibt Scott in der FAZ, seine bei den Tech-Firmen keine Systemfehler, sondern Geschäftsmodell: "Die kalte Optimierungslogik, nach der die Plattformen Inhalte verbreiten und den öffentlichen Raum umgestalten, ist zur Bedrohung für die Vielfalt, für Menschenwürde und die Gesundheit geworden. Dass in Deutschland jetzt Millionen Impfdosen ungenutzt bleiben, liegt teilweise daran, dass Plattformen wie Facebook Verschwörungstheoretikern nicht nur eine Bühne geben, sondern Halbwahrheiten und Pseudowissenschaft systematisch verbreiten und zu Geld machen. Allein im Januar hat das Forscherteam des Institute for Strategic Dialogue über 90.000 deutschsprachige Beiträge auf Facebook, Telegram, Twitter und Instagram gefunden, die Desinformation über die Covid-Impfung enthielten - wegen der automatisierten Verbreitung auf den Plattformen erreichen diese Inhalte jeden Tag Millionen Deutsche."