Hierzulande mag der
Facebook-
Blackout vielleicht als willkommene "Digitalaskese" hingenommen worden sein, aber für "
Hunderte Millionen Nutzer in Ländern in
Afrika,
Asien oder
Lateinamerika war der Ausfall eine Katastrophe, schreibt Andrian Kreye in der
SZ, denn: "Facebook ist dort ganz buchstäblich das Internet. Dort können Menschen über die App Discover from Facebook oder das Angebot Facebook Zero für kleines Geld oder
gratis ins Internet, selbst dann, wenn sie keinen Datenplan mit einem lokalen Anbieter haben. '
Zero-
Rating' nennt sich diese Praxis,
Nullbewertung. Das ist allerdings keine Wohltätigkeit, sondern ein Geschäftsmodell. Weil die großen digitalen Anbieter ihre Wachstumsraten in den Wohlstandsländern ausgereizt haben, bleiben nur die Entwicklungs- und Schwellenländer, um Nutzer zu gewinnen. 'Zero-Rating' gilt als
digitaler Kolonialismus. Denn natürlich sind Discover und Facebook Zero Nadelöhre, die all die neuen Nutzer nicht nur
an sich binden, sondern in den meisten Fällen auch verhindern, dass sie die Konkurrenz erreichen." Außerdem habe Zuckerberg Facebook aus "
Personalmangel" nicht mehr im Griff, ergänzt Kreye auf den Meinungsseiten der
SZ.
Wie sehr Menschen in vielen Ländern auf Facebook, Instagram und Whatsapp längst als
Kommunikationsmittel angewiesen sind,
konkretisiert Markus Reuter bei
Netzpolitik: "Im
Iran zum Beispiel, wo Instagram das
letzte verbleibende westliche soziale Netzwerk ist und ganze Wirtschaftszweige mit diesem Netzwerk verknüpft sind. Da haben Leute keine Geschäfte gemacht und Geld verloren. Oder in
Argentinien, wo man Unternehmen nicht mehr erreichen konnte, weil der Kundenservice über WhatsApp abgewickelt wird. Oder in
Indien, wo Familien nicht mehr miteinander kommunizieren konnten. Ihnen wird der Zeigefinger nicht gerecht. Gerade wenn sie wie die meisten Menschen in Argentinien Mobilfunkverträge haben, bei denen sie WhatsApp kostenlos nutzen können, aber
für das restliche Internet teuer bezahlen. Weil es keine
Netzneutralität, sondern Zero-Rating gibt."
Im
FAZ-Interview mit Roland Lindner sorgt sich der Anwalt
John Tye von "Whistleblower Aid", der
Frances Haugen vertritt, vor möglichen
Vergeltungsschlägen Facebooks gegen Haugen: "Facebook könnte nun alle möglichen Anschuldigungen gegen sie erheben, sie
über Medien zu attackieren versuchen oder sie verklagen. Facebook könnte sagen, sie hätte irgendwelche persönlichen Motive. Und über solche Bedrohungen machen wir uns auch Gedanken."