
In einer typischen New-Yorker-Reportage
spürt Tad Friend der "verhängnisvollen Größe"
Golden Gate Bridge in San Francisco und ihrer unheimlichen Anziehungskraft auf
Selbstmörder nach. "Durchschnittlich alle zwei Wochen springt jemand von der Golden Gate Bridge. In den achtziger Jahren gründeten Arbeiter eines ansässigen Holzlagers die
'Golden Gate Springergemeinschaft', eine Art
Tippbüro, in dem Wetten abgeschlossen wurde, an welchem Wochentag wohl jemand springen würde. Mindestens
1.200 Menschen sind seit Eröffnung der Brücke aus dem Wasser gefischt worden (...). Die wirkliche Rate dürfte vermutlich höher liegen, verursacht durch viele, die sich heimlich nach Schließung der Fußgängerüberwege bei Sonnenuntergang auf die Brücke stehlen und von der Ebbe ins Meer hinausgespült werden. Viele Springer wickeln Abschiedsbotschaften in Plastik und stecken sie sich in die Tasche. 'Survival of the fittest. Adios - nicht fit', schrieb etwa ein 27-Jähriger, '
absolut kein Grund, außer dass ich Zahnschmerzen habe', ein anderer."
Zu
lesen ist die
Erzählung "A Stone Woman" von
A.S. Byatt und Besprechungen. In einer ausführlichen Rezension
stellt Judith Thurman zwei lesenswerte Kataloge zu aktuellen Ausstellungen von Arbeiten der Fotografin
Diane Arbus (mehr
hier, zum Band "Revelations"
hier) vor, die ihr Werk, aber auch ihr Leben und ihre Intentionen einer
"neuen Überprüfung" unterzögen. Außerdem gibt es
Kurzbesprechungen, darunter die von seiner Tochter verfasste Biografie des amerikanischen Theologen
Reinhold Niebuhr (mehr
hier), dessen "Serenity Prayer" zu einem
"Mantra der Anonymen Alkoholiker" wurde, und der unter anderem Paul Tillich, Dietrich Bonhoeffer und Felix Frankfurter zu seinen Freunden zählte.
Nancy Franklin schaute wie immer fern und
inspiziert die CBS-Serie
"Joan of Arcadia", in der ein Teenager mit Gott kommuniziert, und die "manisch frühreife" Sexkomödienserie
"Coupling", die den freiwerdenden Sendeplatz der auslaufenden Erfolgsserie "Friends" füllen soll und deren Inhalt sie so refereriert: "Sex... Flirten... Sex... Busen... Kondome... Busen... nackt... flirten... Sex... Höschen". Na guten Tag. David Denby
sah schließlich im Kino
"Mystic River" unter der Regie von
Clint Eastwood, den er so "außergewöhnlich" findet, dass er ihn bis "in den Traum verfolgt"; absolut "gefühllos" ließ ihn dagegen der neue Film von
Quentin Tarantino,
"Kill Bill-Vol. 1".
Nur in der
Printausgabe: Eine Reportage über den russischen
"postimperialen Blues" in Putins Zeiten, ein Porträt von
Hillary Clinton und ihrer Amtszeit im Senat, ein Comicstrip über die
New Yorker Modewoche von Aline und Robert Crumb und
Lyrik von Hugh Seidman, Paul Muldoon und Philip Levine.