Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

865 Presseschau-Absätze - Seite 80 von 87

Magazinrundschau vom 20.10.2003 - New Yorker

In einem wie immer best recherchierten Bericht rekonstruiert Seymour M. Hersh, wie George W. Bush und seine Gefolgsleute die Geheimdienste "auf die Jagd nach Massenvernichtungswaffen" im Irak schickten. Nicht, dass der "Präsident und seine Berater bewusst gelogen hätten. Was da ablief, war viel systematischer - und möglicherweise genau so schlimm." Hersh zitiert den Irakexperten Kenneth Pollack, dessen Buch "The Threatening Storm" den Einsatz von Gewalt zum Sturz Husseins grundsätzlich unterstützte: Die Bush-Leute hätten demnach "den bestehenden Filterungsprozess demontiert, der Politiker fünfzig Jahre lang davor bewahrt hatte, falsche Informationen zu bekommen. Sie haben Kanäle geschaffen, auf denen sie die Informationen, die sie haben wollten, direkt an die politische Führung weiterleiten konnten. Sie sind davon überzeugt, dass Fachleute im Staatsdienst ihnen vorsätzlich und böswillig Informationen vorenthalten."

Zu lesen ist die Erzählung "Love Snares" von Louise Erdrich (hier) und eine Meditation von Ian Frazier über das Altern, in der er sich vornimmt, "noch sehr lange weiterzumachen".

Weitere Artikel: Joyce Carol Oates bespricht den Roman "Vernon God Little" von Booker Prize-Gewinner D. B. C. Pierre alias Peter Finlay (mehr hier). Das "unerwartet bewegende" Debüt, schreibt sie, sei "gleichermaßen rau und grüblerisch, vulgär und poetisch, ätzend und gefühlvoll". Vorgestellt wird eine Biografie über den englischen Dichter John Clare (1793 - 1864), der Jahre seines Lebens in einer geschlossenen Anstalt verbrachte, außerdem gibt es Kurzbesprechungen, darunter des Fotobandes "Diaspora" von Frederic Brenner, der seit über 30 Jahren jüdische Familien und Gemeinden in aller Welt porträtiert; die Texte dazu steuerte Jacques Derrida bei.

Nur in der Printausgabe: ein Porträt der Modemacherin Elsa Schiaparelli, deren Modelle derzeit im Philadelphia Museum of Art zu sehen sind. Ergänzend dazu ist online ein Artikel von Janet Flanner aus dem Jahr 1932 zu lesen, der den Beginn der Karriere von Schiaparelli in Paris beschreibt. Des weiteren gibt es ein Porträt der afroamerikanischen Schriftstellerin und Literaturnobelpreisträgerin Toni Morrison, ein Bericht über den Gründer und Leiter von Enron, Ken Lay, der vermutlich bald aus dem Gefängnis kommt, und Lyrik von Donald Hall, Charles Wright und Elizabeth Pierson Friend.

Magazinrundschau vom 13.10.2003 - New Yorker

Die Ausgabe in dieser Woche ist eine Art Kinospecial, das in mehreren Texten die Frage klärt, wie heutzutage Filme gemacht werden. In einem ausführlichen Porträt stellt Ian Parker den "Drehbuch-Guru" Robert McKee vor. Der empfiehlt in seinen Kursen Berufsanfängern unter anderem, sich auch mal zu fragen, ob sie überhaupt Talent haben, und erklärt ihnen, warum "ein Thriller wahrscheinlich kein Thriller wird". Ganz schlimm sind demnach unter anderem "billige Überraschungseffekte, ein falscher Schluss" sowie "ein Loblied auf den Bösewicht".

Fortgesetzt wird der Grundkurs Kino mit kleinen Porträts von Vertretern typischer Berufe in der Filmszene: Tondesigner (hier), Best Boy (hier), Kostümbildner (hier), Komponist (hier), Requisiteur (hier) und - sehr interessant! - Waffenspezialist ("Für einen normalen Banküberfall kommen vier verschiedene Waffen in Frage"; hier).

Weiteres: Louis Menand widmet Bernardo Bertoluccis neuem Film "The Dreamers" eine wunderbar recherchierte, weit ausholende Besprechung. Anthony Lane beglückwünscht in seiner Kritik von Christine Jeffs Film "Sylvia" den Autor und die Regisseurin ausdrücklich zu ihrem "Mut", den Film über das Leben von Sylvia Plath (Gwyneth Paltrow) überhaupt gewagt zu haben. Zu seiner Zeit als Buchkritiker einer Tageszeitung habe nämlich noch die "unumstößliche Regel" gegolten: "Schreibe oder veröffentliche unter keinen Umständen irgendetwas zum Thema Sylvia Plath, vor allen Dingen nichts, das mit ihrer Heirat mit Ted Hughes zu tun hat." Peter Schjeldahl stellt eine El Greco-Ausstellung im Metropolitan Museum vor, Hilton Als bespricht die Inszenierung von zwei Einaktern von Edward Albee und Samuel Beckett, und Alex Ross gratuliert dem amerikanischen Komponisten Ned Rorem zum achtzigsten Geburtstag. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Pond, with Mud" von Donald Antrim.

Nur in der Printausgabe: die restlichen Beiträge des Kinospecials, darunter ein Text von Don DeLillo über den Tag eines Filmstars in Rom, Porträts eines Hollywoodstarlets und des Regisseurs Quentin Tarantino, Reportagen über Stuntmänner, Drehbuchautoren und einen Kameramann. Und schließlich Lyrik von Philip Larkin, W. S. Merwin und Charles Simic.

Magazinrundschau vom 06.10.2003 - New Yorker

In einer typischen New-Yorker-Reportage spürt Tad Friend der "verhängnisvollen Größe" Golden Gate Bridge in San Francisco und ihrer unheimlichen Anziehungskraft auf Selbstmörder nach. "Durchschnittlich alle zwei Wochen springt jemand von der Golden Gate Bridge. In den achtziger Jahren gründeten Arbeiter eines ansässigen Holzlagers die 'Golden Gate Springergemeinschaft', eine Art Tippbüro, in dem Wetten abgeschlossen wurde, an welchem Wochentag wohl jemand springen würde. Mindestens 1.200 Menschen sind seit Eröffnung der Brücke aus dem Wasser gefischt worden (...). Die wirkliche Rate dürfte vermutlich höher liegen, verursacht durch viele, die sich heimlich nach Schließung der Fußgängerüberwege bei Sonnenuntergang auf die Brücke stehlen und von der Ebbe ins Meer hinausgespült werden. Viele Springer wickeln Abschiedsbotschaften in Plastik und stecken sie sich in die Tasche. 'Survival of the fittest. Adios - nicht fit', schrieb etwa ein 27-Jähriger, 'absolut kein Grund, außer dass ich Zahnschmerzen habe', ein anderer."

Zu lesen ist die Erzählung "A Stone Woman" von A.S. Byatt und Besprechungen. In einer ausführlichen Rezension stellt Judith Thurman zwei lesenswerte Kataloge zu aktuellen Ausstellungen von Arbeiten der Fotografin Diane Arbus (mehr hier, zum Band "Revelations" hier) vor, die ihr Werk, aber auch ihr Leben und ihre Intentionen einer "neuen Überprüfung" unterzögen. Außerdem gibt es Kurzbesprechungen, darunter die von seiner Tochter verfasste Biografie des amerikanischen Theologen Reinhold Niebuhr (mehr hier), dessen "Serenity Prayer" zu einem "Mantra der Anonymen Alkoholiker" wurde, und der unter anderem Paul Tillich, Dietrich Bonhoeffer und Felix Frankfurter zu seinen Freunden zählte.

Nancy Franklin schaute wie immer fern und inspiziert die CBS-Serie "Joan of Arcadia", in der ein Teenager mit Gott kommuniziert, und die "manisch frühreife" Sexkomödienserie "Coupling", die den freiwerdenden Sendeplatz der auslaufenden Erfolgsserie "Friends" füllen soll und deren Inhalt sie so refereriert: "Sex... Flirten... Sex... Busen... Kondome... Busen... nackt... flirten... Sex... Höschen". Na guten Tag. David Denby sah schließlich im Kino "Mystic River" unter der Regie von Clint Eastwood, den er so "außergewöhnlich" findet, dass er ihn bis "in den Traum verfolgt"; absolut "gefühllos" ließ ihn dagegen der neue Film von Quentin Tarantino, "Kill Bill-Vol. 1".

Nur in der Printausgabe: Eine Reportage über den russischen "postimperialen Blues" in Putins Zeiten, ein Porträt von Hillary Clinton und ihrer Amtszeit im Senat, ein Comicstrip über die New Yorker Modewoche von Aline und Robert Crumb und Lyrik von Hugh Seidman, Paul Muldoon und Philip Levine.

Magazinrundschau vom 29.09.2003 - New Yorker

Rachel Cohen stellt mit Edmund Gosse und John Churton Collins zwei Größen des viktorianischen Literaturbetriebs vor, die eins verbindet: ein höllischer Verriss. Collins' Besprechung von Gosses "From Shakespeare to Pope" in der hochverehrten Quarterly Review "begann mit den seither vielzitierten Worten: 'Dass einem Buch wie diesem erlaubt werden konnte, mit dem Imprimatur der Cambridge Universität in die weite Welt geschickt zu werden, wirft äußerst ernsthafte Fragen auf.' " Es sei ein so böser, erniedrigender Verriss gewesen, dass man in Oxford noch Jahre später von Dozenten, denen ein Fehler unterlaufen war, sagte, sie hätten "einen Gosse aus sich gemacht". Doch die Geschichte, so Cohen, ließ den Beteiligten Gerechtigkeit widerfahren und ließ den Kritiker Collins, im Gegensatz zu Gosse, in Vergessenheit geraten.

Weitere Artikel: Da das Verlagshaus Library of America keine toten Autoren mehr findet, die es veröffentlichen will, wendet es sich den (noch) lebenden zu, meint Joan Acocella. Zum Beispiel Saul Bellow, dessen erste Romane im Sammelband "Novels 1944-1953" erschienen sind, und deren chronologisch letzter für Acocella den Zeitpunkt markiert, an dem der schon ältere Bellow endlich zum "jungen Autor" wurde. Louis Menand bespricht die 15. Ausgabe des "Chicago Manual of Style", und John Cassidy hat zwei neu aufgelegte Wallstreet-Klassiker gelesen.

Anthony Lane zeigt sich erleichtert, dass Tom McCarthy seinen still-traurigen Film "The Station Agent" mit einem Witz enden lässt. Scheinbar also als Happy End, was Lane kaum fassen kann. Gegen James Cox' "Wonderland" jedoch wäre noch jeder Splatter von Johnny Wadd eine unschuldige Veranstaltung.

John Lahr hat in Will Frears' Inszenierung von Theresa Rebecks and Alexandra Gersten-Vassilaros? "witzigem und schlagfertigem" Stück "Omnium Gatherum" nur Polemiker entdecken können, aber Gott sei Dank keine Polemik. Dafür ein provokantes "theatralisches Feuerwerk, das unser Dunkel erhellt". Peter Schjeldahl porträtiert den subtilen Keramik-Künstler Ken Price (Homepage). Und Bruce McGall hat fünf Bücher entdeckt, die - in ihrem Titel - die Welt verändern, und präsentiert deren Klappentexte. Kostprobe: "Der Pingpong-Ball, der die Welt veränderte". Schließlich zu lesen: Tim Parks' Kurzgeschichte "In Defiance of Club Rules".

Magazinrundschau vom 22.09.2003 - New Yorker

In einem umfangreichen Artikel analysiert Hendrik Hertzberg die Hintergründe und politischen Konsequenzen der Verschiebung der kalifornischen Gouverneurswahlen, bei denen bekanntlich auch Arnold Schwarzenegger antritt. "Eine politische Kampagne hat - wie der Liebesakt, ein Basketballspiel oder ein Opernabend - einen Spannungsbogen, der auf der Kenntnis der Beteiligten beruht, wie lange es dauert." Diese Kenntnis habe das Gericht, das vergangenen Montag die Verschiebung der Wahl vom 7. Oktober auf "Gott weiß wann" angeordnet hatte, einfach "zum Teufel gejagt. Die Kandidaten wurden auf der Zielgeraden kalt ausgebremst."

Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Androgynous" von Isaac Bashevis Singer, und Elizabeth Kolbert kommentiert den "Krieg der Bush-Regierung" gegen die Umwelt. So wurden gerade neue Gesetze verabschiedet, die als "Geschenk an Mr. Bushs Verbündete" gewertet werden.

Stephen Kotkin bespricht die "entwaffnende" Autobiografie des englischen Historikers Eric Hobsbawm, "Interesting Times?. Als "musikalischen Vergnügungspalast" und sein "wichtigstes Gebäude" beurteilt Paul Goldberger die Walt Disney Concert Hall, die Frank Gehry (mehr hier) in seiner Heimatstadt Los Angeles gebaut hat. "Und deshalb beschweren sich die Leute natürlich darüber. Es ist zu protzig. Es trägt nicht genügend zur städtischen Umgebung der Downtown von L.A. bei und rechtfertigt nicht die 274 Millionen Dollar (zum größten Teil aus privaten Fonds), die es gekostet hat."

John Lahr stellt Michael Frayns Theaterstück "Democracy" über Willy Brand vor, das im London?s Royal National Theatre gespielt wird. Alex Ross erkundet den Untergrund der Carnegie Hall, wo mit der Zankel Hall eine Art unterirdischer Erweiterungsbau entstanden ist. Nancy Franklyn stellt die TV-Serie "The Blues" vor, und David Denby sah im Kino "Under the Tuscan Sun? von Audrey Wells, den französischen Dokumentarfilm "To Be and to Have? (Etre et Avoir) von Nicolas Philibert und "Anything Else? von Woody Allen mit Danny DeVito und Christina Ricci.

Nur in der Printausgabe: eine Reportage über ein elektronisches Gerät, das Blinden sehen helfen soll, ein Bericht, der der Frage nachgeht, warum eine Mordserie unaufgeklärt blieb, und Lyrik von Jane Mayhall und C. K. Williams.

Magazinrundschau vom 15.09.2003 - New Yorker

In einem wunderbaren Artikel singt Adam Gopnik ein Loblied auf die großen Kaufhäuser, denen die Rezession und andere Unbilden zusetzen und die allmählich unterzugehen drohen. "Alles unter einem Dach: Die große Frage in der Theorie des Einzelhandels ist nicht 'Warum etwas kaufen?' diese Frage gehört wie überall zur Theorie des Lebens. Es geht vielmehr um die Frage 'Warum etwas hier kaufen?'. (...) Die meisten Luxusläden versuchen Sympathie zu erringen, indem sie an die Unsicherheit der Kunden appellieren (Kaufen Sie hier, und man wird Sie beneiden und bewundern). Die Billigläden tun es, indem sie an die Intelligenz appellieren (Kaufen Sie hier, und Sie sind cleverer als Ihr Nachbar). Allein das Kaufhaus tut oder tat es, indem es an das Vertrauensgefühl der Kunden appelliert, an einen umfassenden Kreislauf der Sicherheit. Man findet alles und kann alles wieder zurückgeben. Man kauft nicht bei Bergdorf's ein, weil es cool ist, sondern weil es sein Laden ist."

Simon Shama stellt ein schwergewichtiges Projekt des britischen Landschaftskünstlers Andy Goldsworthy (mehr hier) für das Museum of Jewish Heritage in Battery Park, Manhattan vor. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Vicious Circle" von Thomas McGuane.

Ziemlich launisch rezensiert Anthony Lane die Autobiografie von Helmut Newton, aus der er gelernt hat, dass dessen Fotografien "preußischer" Nackter verglichen mit seinem "explosiven Leben nur Schatten an der Wand" seien. John Updike hat eine neue Biografie über John O'Hara gelesen, und wie immer gibt es Kurzbesprechungen, darunter einer Art soziologischer Autobiografie von Joan Didion, die sich dem Rezensenten zufolge bereits als eine ausgewiesene "Meisterin" in der Beschreibung der Widersprüche der kalifornischen Kultur profiliert hat.

Nancy Franklin inspiziert zwei neue TV-Sendungen: "Carnivale" und eine tägliche Talkshow von Ellen DeGeneres. Und Anthony Lane sah im Kino "Matchstick Men" von Ridley Scott mit Nicholas Cage ("streckenweise uninspiriert") und "In This World" des britischen Regisseurs Michael Winterbottom ("überwältigend").

Nur in der Printausgabe: viele Porträts in dieser Woche, darunter eines Baritons, der zum "Opernidol" wurde, sowie des Modeschöpfers John Galliano und der Marchesa Luisa Casati, außerdem Lyrik von Henri Cole, Vijay Seshadri und Katha Pollitt.

Magazinrundschau vom 08.09.2003 - New Yorker

In einem ausführlichen Porträt würdigt Louis Menand den Schriftsteller Richard Condon. Nach dessen Bestseller - den das Time-Magazine im Erscheinungsjahr 1959 auf seiner Liste der "Zehn besten schlechten Romane" setzte - entstand 1962 John Frankenheimers zunächst gefloppter, später berühmt gewordener Film "The Manchurian Candidate" mit Frank Sinatra und Janet Leigh. Buch und Film gelten als Herzstücke der "Kultur des Kalten Krieges"; Menand begibt sich in seinem Text auf Spurensuche und rekonstruiert minutiös ihre Rezeptionsgeschichte. Über Condon schreibt er: "Condon war ein Zyniker der fröhlichen Sorte, Tom Wolfe nicht unähnlich: Seine Überzeugung, dass alles im Grunde Mist sei, stand seinem Vergnügen, sich darüber lustig zu machen, nicht im Wege."

Außerdem zu lesen: die Erzählung "The Surrogate" von Tessa Hadley und das Resümee eines schwierigen Kinosommers von Noah Baumbach.

Wer hat den Boom auf dem Gewissen? John Cassidy stellt zwei Bücher vor, in denen Paul Krugman and Joseph Stiglitz, zwei führenden amerikanische Wirtschaftswissenschaftler, eine Antwort auf diese Frage versuchen. Außerdem gibt es Kurzbesprechungen, darunter einer "faszinierenden Kuriosiät": "Penelopeia" von Jane Rawlings, eine an Richmond Lattimores Homer-Übersetzungen angelehnte Erzählung der Odyssee aus der Perspektive Penelopes.

Hilton Als stellt ein Theaterstück über Dalton Trumbo vor, einen "Intellektuellen in Drehbuchautorkleidern", der unter anderem die Drehbücher für "Spartacus" und "Papillon" geschrieben hat. Das Zweipersonenstück seines Sohnes Christopher erzählt anhand von Briefen aus der Zeit zwischen 1947 und 1960, als Trumbo als einer der "Hollywood Ten" wegen "kommunistischer Umtriebe" seine Arbeit verlor und für zehn Monate ins Gefängnis wanderte. David Denby bespricht die Filme "Lost in Translation" von Sofia Coppola mit Bill Murray und "Dirty Pretty Things" von Stephen Frears.

Nur in der Printausgabe: Victor Erofeyev schickt "schmutzige Wörter" per Brief aus Moskau, zwei Reportagen über einen "Jesus-Krieg" und "urbane Krieger" sowie Lyrik von David Ferry, Deborah Garrison und Robert Pinsky.

Magazinrundschau vom 01.09.2003 - New Yorker

Für Freunde der unbemannten Raumfahrt informiert Michael Benson über die gleichermaßen problembeladene wie "triumphale" achtjährige Jupiter-Mission der Raumfähre Galileo. Sie wird am 21. September damit zu Ende gehen, dass Galileo "auf das gewaltige Wolkenband und die Wirbelstürme um den größten Planeten im Sonnensystem zurast". Zusätzlich zu den bisher gelieferten "Tausenden von Bildern" wird Galileo auch beim Eindringen in die Jupiter-Atmosphäre live Bilder zur Erde senden. Aber dann ist Schluss, denn Galileo wird das nicht überleben: "Kurz nachdem diese Schwelle überschritten ist, wird [Galileo] verschwinden und keine Spuren seines irdischen Ursprungs oder seiner komplizierten Mission hinterlassen." Irgendwie dramatisch.

Zu lesen ist die Erzählung "The Brief History of the Death" von Kevin Brockmeyer, und Patricia Marx blättert im fiktiven Notizbuch einer (verhinderten?) Künstlerin. ("7. Juni: Ist es gemogelt, wenn man beim Malen eine Brille trägt?")

Viele Buchbesprechungen in dieser Woche. In einer ausführlichen Kritik stellt Robert Gottlieb einen Band mit Briefen des amerikanischen Schriftstellers, Zeichners und Karikaturisten James Thurber (1894 bis 1961, mehr hier) vor. Mark Strand bespricht eine Gedichtauswahl von Pablo Neruda, Peter Schjeldahl stellt eine Biografie des russischen Malers Arshile Gorky vor (nicht verwandt mit Maxim Gorki, wie man erfährt), und Kurzrezensionen widmen sich einer Untersuchung des "Pinochet File", einem "unrühmlichen Kapitel der amerikanischen Geschichte", und - Bücher für Randgruppen! - einem Atlas des Eisenbahnschienennetzes der USA im Jahr 1946.

"Sah irgendwer aus wie Wilhelm Furtwängler, einmal abgesehen von Wilhelm Furtwängler?" Mit dieser schönen Frage beginnt Anthony Lanes Besprechung des Films "Taking Sides" ("Der Fall Furtwängler") von Istvan Szabo. Der Film erzählt, wie Furtwängler nach dem Zweiten Weltkrieg beschuldigt wurde, mit den Nazis zusammengearbeitet zu haben. Im hochgelobten Spiel von Stallan Skarsgard ("Breaking the Waves") in der Hauptrolle haben, so erfahren wir, als einziges "körperliches Detail" übrigens nur "die Haare überlebt".

Nur in der Printausgabe: die Erörterung der Frage, ob Kim Jong II in Wirklichkeit eine "madam" ist (was übersetzt ebenso gut "Madam" wie "Puffmutter" heißen kann), ein sicherlich erschütternder Bericht darüber, was Leute alles tun, damit ihr Haustier wieder gesund wird, und Lyrik von Calvin Trillin und Marianne Moore.

Magazinrundschau vom 25.08.2003 - New Yorker

In einem weitausholenden Essay analysiert Adam Gopnik den französischen "Anti-Anti-Amerikanismus". Dafür hat er vor Ort recherchiert, viele Veröffentlichungen zum Thema inspiziert und unter anderen mit Bernard-Henry Levy über dessen neues Buch "Qui a tue Daniel Pearl?" gesprochen und mit Andre Glucksmann geplaudert. Gopnik hat "mindestens zwei Spielarten des Anti-Anti-Amerikanismus" ausgemacht, "obwohl die erste, die durch Jean-Francois Revel, den alten Löwen des französischen Liberalismus, repräsentiert wird, lediglich eine Art verpflanzter Nationalismus ist. Revels neues Buch 'L'Obsession Anti-Americaine' (?) ist eine derart enthusiastische Verteidigung der amerikanischen Nation, dass sie selbst George Washingtons Mutter peinlich gewesen wäre. Für einen amerikanischen Leser sind jene Denker interessanter, die - indem sie Amerika verteidigen, ohne amerikanische Nationalisten zu sein - eine neue Form des internationalen Liberalismus definieren müssen."

Weiteres: Zu lesen ist die Erzählung "Measuring The Jump" von Dave Eggers, Dana Goddyear porträtiert den Lyriker Stanley Kunitz, Jack Handey erzählt eine etwas kafkaeske Geschichte über ein Tatoo und damit irgendwie verbundene mehrfache Geschlechtsumwandlungen, Ben Greenman ventiliert einige "zurückbleibende ethische Fragen" im Zusammenhang mit dem großen Blackout vor zwei Wochen, und Field Maloney berichtet vom "Mojito Man", dem erfolgreichsten und einfach nicht zu fassenden illegalen Getränkeverkäufer im Central Park.

Larissa Macfarquhar stellt die Lebenserinnerungen des jüdisch-rumänischen Schriftstellers Norman Manea vor ("The Hooligan's Return", Farrar, Straus & Giroux), und es gibt Kurzbesprechungen, darunter einer als "anspruchsvoll" gelobten Studie über religiös motivierten Terrorismus und einer Biografie der Schauspielerin Lucille Ball.

Besprochen wird die von Federico Garcia Lorca inspirierte Kammeroper "Ainadamar? des jungen, aus Argentinien stammenden Komponisten Osvaldo Golijov, und David Denby sah im Kino den neuen Western von Kevin Costner, "Open Range", mit einem offenbar fantastischen Robert Duvall, und den "sensationellen" Independent-Film "Thirteen" von Catherine Hardwicke über "verrückt werdende Highschool-Schülerinnen".

Nur in der Printausgabe: Berichte über die New Yorker Wasserversorgung und die Rolle des Basketballspielers Kobe Bryant bei der Änderung des Vergewaltigungsgesetzes und Lyrik von Charles Simic und Richard Howard.

Magazinrundschau vom 18.08.2003 - New Yorker

In dieser Doppelnummer geht es schwerpunktmäßig um Kinder und Familie. Roger Angell orientiert in einem Editorial über den Gesamtinhalt.

In einer Sammelbesprechung von Büchern zur Geschichte und Theorie der Kindheit geht Joan Accocella noch einmal der Frage nach, wann wir eigentlich damit "begonnen haben, Kinder als Kinder zu behandeln". Eingangs stellt sie fest, dass viele zeitgenössische Studien folgende "Route" nahmen: "Einen Gutteil unseres intellektuellen Lebens der letzten fünfzig Jahre lief nach folgendem Muster ab: Zunächst stellt eine französische Person von hoher Brillanz und ohne sich großartig um Beweisführung kümmern eine Theorie auf, die alle liebgewordenen Überzeugungen über Bord kippt. Danach stürzen sich viele, vor allem junge Akademiker darauf und entwickeln die Theorie weiter, wobei sie sie emotional und politisch weit mehr aufladen, als der französische Denker - der ohnehin lediglich 'theoretisiert' hat - intendierte."

Cynthia Zarin erzählt von ihrer Tochter, bei der in den Sommerferien ein vergrößertes Herz diagnostiziert wurde, David Sedaris berichtet über Schwierigkeiten mit einem neunjährigen Nachbarskind, und James Surowiecki erklärt, warum auch in Amerika die Geburtenrate zurückgeht.

Außerdem zu lesen: eine Erzählung von Annie Proulx mit dem interessanten Titel "What Kind of Furniture Would Jesus Pick". Nancy Franklin stellt die neue Fernsehserie "The O.C." vor, die die Lücke zwischen "Melrose Place" und "Beverly Hills 90210" ausfüllen soll. Hilton Als porträtiert die Sängerin und Songwriterin Cat Power, die "Aufmerksamkeit verlangt und ihr dann widersteht". Anthony Lane war im Kino und sah "American Splendor" von Shari Springer Berman and Robert Pulcini und "Le Divorce" von James Ivory. Des weiteren gibt es Kurzbesprechungen von Büchern, darunter einer Geschichte des Farbfilms, beziehungeweise der Produktgeschichte von Kodachrome.

Nur in der Printausgabe: ein Bericht über die Zukunft der Renndynastie NASCAR, ein Text über Briefe aus einem venezianischen Palazzo, die ein Rätsel gelöst haben, das Porträt einer nicht namentlich genannten Jazzsängerin, eine Reportage über den Ehestand als Kur (sic!) und Lyrik von Les Murray, Louise Glück und Deborah Garrison.