Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

855 Presseschau-Absätze - Seite 78 von 86

Magazinrundschau vom 12.01.2004 - New Yorker

Anthony Lane ist noch leicht übel von Kevin Macdonalds Film "Touching the Void". Er erzählt eine Geschichte, die tatsächlich passiert ist. Zwei junge Engländer, Joe Simpson and Simon Yates, erkletterten 1985 die Westwand des Siula Grande in den Anden. Er war zuvor noch nie bestiegen worden, "weil er eigentlich gar kein Berg ist", erklärt Lane. "Er ist, wie ihnen jeder Patisserie-Chef hätte erzählen können, eine 21.000 Fuß hohe gefrorene Pavlova." Die beiden Männer erreichten den Gipfel, aber beim Runterklettern passierte es natürlich: Simpson stürzte und zerschmetterte sein Knie. "Yates fasste den Plan, 'einen Eimer in den Schnee zu schneiden', sich selbst darin festzugurten, seinen von Schmerzen gemarterten Kollegen an einem Seil immer 300 Meter herabzulassen, möglichst ohne dabei selbst in den Abgrund gerissen zu werden. Alles ging gut, bis Simpson über eine Kante des Bergs und in die dünne Luft stürzte. Da hing er an einem einzigen, acht Millimeter dicken Seil, in der anbrechenden Dunkelheit, in einem Schneesturm, in Peru. Yates konnte nicht nur seine Schreie nicht hören, er schlitterte selbst langsam dem Abgrund entgegen."

Weitere Artikel: James Kaplan porträtiert den TV-Komiker und Miterfinder von "Seinfeld", Larry David. Das "schroffe Genie" wurde für seine Comedy-Serie "Curb Your Enthusiasm" (soviel wie "Bremsen Sie Ihre Begeisterung") mit einem Emmy ausgezeichnet. Zu lesen ist eine neue Erzählung von George Saunders, Hilton Als schwärmt von der neuen Revue "Kiss My Brass" mit Bette Midler ("immer noch göttlich"), Roger Angell stellt einen Dokumentarfilm über den ehemaligen Verteidigungsminister Robert S. McNamara unter Kennedy und Johnson vor, die "einen Gejagten und einige Wahrheiten über den Krieg" zeigt. Ben Greenman bespricht den neuen Roman "The Man in My Basement" von Walter Mosley und Joan Acocella freut sich über die Wiederentdeckung Joseph Roths.

Magazinrundschau vom 05.01.2004 - New Yorker

Mark Singer porträtiert Howard Dean, den "instinktgesteuerten" Präsidentschaftskandidaten der Demokraten (hier seine offizielle Website). Darin ist natürlich alles zu erfahren, was es überhaupt nur zu erfahren gibt, von Deans Park-Avenue-Kindheit bis zu seiner Zeit als Gouverneur von Vermont. Singer zeichnet das Bild eines Politikers, der vielleicht nicht gerade dickschädelig ist, sich aber doch ziemlich wohl in seiner eigenen Haut fühlt - und der sich von seinen Parteirivalen nicht verunsichern lässt: "Berüchtigt die Rede vom Dezember, in der Dean erklärte, die Gefangennahme von Saddam habe Amerika nicht sicherer gemacht. Liebermann antwortete als erster; in einer ätzenden Erklärung bemerkte er, dass sich Dean in seinem eigenen Spinnennetz der Verleugnung verheddert hätte. Kerry und Clark gaben ähnlich starke Verurteilungen ab, aber Dean weigerte sich, zurückzustecken. Tatsächlich verschärfte er noch seine Rhetorik. In einer Rede zwei Wochen später, bemerkte er vor einem Publikum in Iowa, dass die Regierung die nationale Sicherheitsstufe auf 'hohes Risiko' angehoben habe, Code Orange. 'Wenn wir jetzt sicherer sind, wie kommt es, dass wir noch einmal zehn Soldaten verloren haben und Sicherheitsalarm ausrufen mussten?'"

Die "Schlachten um das alte Athen toben noch immer", stellt Daniel Mendelsohn in seiner Rezension neuer Publikation über die Kriege der alten Griechen fest. Besonders ausführlich widmet er sich einer Studie über den "Peleponnesischen Krieg" (Einführung) von Donald Kagan. Dessen "energische, wenn auch tendenziöse" neue These: Der Krieg habe seinen Namen nur deshalb, weil die "Männer, die den Konflikt beschrieben haben, gewöhnlich Athener" waren. "Die Spartaner betrachteten den Konflikt wahrscheinlich als Athenischen Krieg".

Weiteres: Die Erzählung "Daisy" schrieb in dieser Woche Chang-rae Lee. Joan Accocella stellt den Steptänzer Savion Glover (mehr) vor. David Owen stellt "acht einfache Regeln" auf, die der neue Liebhaber seiner Geschiedenen gefälligst zu beachten hat ("The band saw in the basement belongs to me. You are not to use it, you are not to move it, you are not to put anything on it ..."). Ben McGrath schildert in einem Bericht über so genannte Messies den Fall eines pathologischen Hamsteres, der in seinem Miniappartement in Brooklyn "die vielleicht größte und bestsortierte private Zeitschriftensammlung der Stadt" hortete. Louis Menand staunt über die hohe Kunst - wenn nicht Manie - der "Top Ten"- Listen.

Die Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem dem neuen Buch von Paul Auster, "Oracle Nights" (Henry Holt). Und David Denby sah zwei neue Filme: die Romanverfilmung "House of Sand and Fog" von Vadim Perelman, in der Ben Kingsley einen exilierten iranischen Ex-Oberst spielt, und "The Cooler", ein "schwer sentimentales B-Movie wie aus den Fünfzigern" von Wayne Kramer.

Nur in der Printausgabe: eine Reportage über den seit zehn Jahren währenden Kampf gegen "tückischen Müll", ein Bericht über Kinderlähmung, die endlich besiegt scheint, eine Warnung vor der "falschen Sicherheit" von Geländewagen ("groß und schlecht") und Lyrik von Wislawa Szymborska und Bill Knott.

Magazinrundschau vom 29.12.2003 - New Yorker

Louis Menand bespricht zwei Bücher, die sich mit dem Geschäft der präsidialen Imagebildung im Weißen Haus und den unterschiedlichen Stilen von Kennedy und Nixon beschäftigen (David Lubin: "Shooting Kennedy: JFK and the Culture of Images? / Leseprobe; David Greenberg: "Nixon's Shadow: The History of an Image? / mehr). "'Es war letztlich das Fernsehen, das den Ausschlag gegeben hat', erklärte John F. Kennedy am 12. November 1960, vier Tage nach seiner Wahl. Er meinte damit die vier Fernsehdebatten zwischen ihm und Nixon, die zuvor im Herbst ausgestrahlt worden waren. Inzwischen sind TV-Duelle auf dem Weg eines Politikers in die Präsidentschaft fast ein öffentlicher Initiationsritus. Eine Präsidentenwahl ohne Fernsehdebatte würde heutzutage fast undemokratisch erscheinen."

Charles Michener schwärmt für die amerikanische Mezzosopranistin Lorraine Hunt Lieberson (mehr): "Wie die besten Pop- und Jazzsängerinnen - Billie Holiday, Patsy Cline, Joni Mitchell - wirkt sie ungekünstelt und lässt eine derart einlullende Atmosphäre entstehen, dass sich der Zuhörer alleine auf der Welt wähnt, verfrachtet an einen Ort jenseits bloßer Worte und Musik."

Weitere Artikel: Graham Chapman gibt eine Gebrauchsanweisung für die Bakerloo Line der Londoner U-Bahn. Karen Loew stellt einen jungen Komponisten vor, der sich dem Kampf gegen den Geräuschterror von Autoalarmanlagen verschrieben hat ("Ich habe mich erkundigt und herausgefunden, dass die Dinger für die Abschreckung total nutzlos sind"). George Packer erklärt, wie man mit dem gefassten Saddam Hussein umgehen sollte, Alastair Reid berichtet von einer Marathon-Lesung, in der Paul Auster seinen neuen Roman zu Gehör brachte. Lesen dürfen wir auch die Erzählung "Broccoli" von Lara Vapnyar. In seiner Filmkolumne erläutert Anthony Lane, was den dritten Teil des "Herrn der Ringe" von seinen Vorgängern unterscheidet: "Vor allem war Gandalf beim Friseur. Mit jeder Folge wurde sein Haar länger, kräftiger und weißer."

Nur in der Printausgabe: eine Reportage aus Saudi-Arabien, wo Lawrence Wright einen Zeitungsjob annahm und Einblicke in eine geschlossene Gesellschaft erhielt, eine Anleitung, wie man mit einem durchgedrehten Hund fertig wird, und Lyrik von Dana Goodyear, Richard Wilbur und Deborah Garrison.

Magazinrundschau vom 15.12.2003 - New Yorker

Hat Tolkien Wagners Ring geklaut? Dieser Frage geht Alex Ross in einem Text nach, der eingangs auch auf die sehr wagnerianische Filmmusik von Howard Shore eingeht ("ihm gelingt das Meisterstück, eine wagnerianische Atmosphäre zu schaffen, ohne das Original zu kopieren"). Zur Eingangsfrage weiß Ross dagegen zu berichten, dass Tolkien immer zurückgewiesen habe, seine Trilogie hätte irgendetwas mit Wagners Ring zu tun. "Beide sind rund, und damit hat es sich mit der Ähnlichkeit", soll er gesagt haben. Für Ross erscheint das auf Grund der Übereinstimmung von Details aus dem Nibelungenlied und Wagners "Walküre" "schwer glaublich": "Gib's zu, J.R.R., du bist doch auch mit dem Spazierstock fuchtelnd und 'Nothung! Nothung!' singend durch die Gegend gerannt, wie jeder andere närrische Oxfordianer auch."

Extra und aktuell: ein Beitrag zum Anhören, in dem Philip Gourevitch und George Packer über die Hintergründe und Folgen von Saddams Festnahme berichten. Zu lesen ist von Gourevitch außerdem eine Analyse, die den französisch-algerischen Konflikt mit der derzeitigen Situation im Irak vergleicht und eine Reportage von Packer über seine fünf Wochen im Irak.

Besprechungen: James Wood preist eine Neuübersetzung von "Don Quichotte" (Ecco), und Kurzbesprechungen widmen sich unter anderem einem neuen Roman von Richard Harris und einer Studie über das Verhältnis zwischen Roosevelt und Churchill. Hilton Als begeistert sich für das Theaterstück "The Story" von Tracey Scott Williams, in dem es um "Rasse, Ehrgeiz und journalistische Werte" geht. Und David Denby sah im Kino das Südstaatendrama "Cold Mountain? von Anthony Minghella nach einer Vorlage von Charles Frazier, die Komödie "Something?s Gotta Give? von Nancy Meyers mit Diane Keaton und "Mona Lisa Smile" von Mike Newell mit Julia Roberts.

Viel Lesestoff in dieser Doppelnummer, vor allem viel Literarisches: So die Erzählungen "Debarking" von Lorrie Moore (hier) und "All Aunt Hagar?s Children" von Edward P. Jones (hier) sowie eine Reihe von "Wintergeschichten" von Maile Meloy, David Sedaris, Ian Frazier, Mary Robison und Louise Erdrich. Und George Saunders erinnert sich an das Weihnachtsfest 1984, das so richtig in die Hose ging.

Nur in der Printausgabe: Elizabeth Kolbert auf der Spurensuche nach Lorca in Spanien, Donald Antrim erinnert sich an den Freund seiner Mutter und dessen Malerei, außerdem Lyrik von W.S. Merwin, Robert Pinsky und Eamon Grennan.

Magazinrundschau vom 08.12.2003 - New Yorker

Wiederholen die USA mit ihrem Anti-Aufruhrkonzept im Irak Fehler, die sie in Vietnam gemacht haben?, fragt sich Seymour M. Hersh in seiner Reportage. "Im Pentagon begreift man allmählich, dass die Unruhen nicht einfach gestoppt werden können, indem man Saddam Hussein und dessen inneren Kreis festsetzt oder tötet. Die neue Operation der eingesetzten Special Forces geht vielmehr gezielt gegen die im Untergrund agierenden Anhänger der Baath-Partei vor. Allerdings zeigten sich viele Beamte, mit denen ich sprach, skeptisch gegenüber den Regierungsplänen. Viele befürchten, dass das vorgeschlagene Vorgehen - "vorbeugende Verbrecherjagd", wie es ein Pentagonberater bezeichnete - droht, ein zweites Phoenix-Programm zu werden. Phoenix war der Codename für ein Anti-Aufruhrkonzept der USA während des Vietnamkriegs, als Teams von Spezialeinheiten losgeschickt wurden, Vietnamesen gefangen zu nehmen oder zu töten, von denen man glaubte, dass sie mit dem Vietcong zusammenarbeiteten oder sympathisierten."

Weitere Artikel: Zu lesen ist die Erzählung "Recuperation" von Roddy Doyler, eine Glosse in Form eines Standup-Sketchs von Larry Doyle, Rebecca Mead berichtet vom Ball der Lebensmittelallergiker in Manhattan, und Ben McGrath porträtiert die Künstlerin Barbara Ernst Prey, die die diesjährige Weihnachtskarte des Weißen Hauses gestaltet hat.

"Unwiderstehlich" findet Peter Schjeldahl eine Retrospektive des "satirischen und surrealistischen" Malers John Currin im Whitney Museum. Hilton Als bespricht das Musical "Never Gonna Dance", das auf dem Klassiker "Swing Time" mit Fred Astaire and Ginger Rogers basiert. Adam Gopnik stellt Bücher über Wolkenkratzer vor, die deren Neigung analysieren, immer "höher und höher" zu werden. Anthony Lane war schließlich im Kino und sah "Big Fish" von Tim Burton mit Ewan McGregor und Albert Finney und das Debüt "Girl with a Pearl Earring" von Peter Webber, die Geschichte des Mädchens auf dem berühmten Gemälde von Vermeer.

Nur in der Printausgabe: ein Text über den amerikanischen Schriftssteller, Lyriker und Philosophen Henry David Thoreau (mehr hier), eine Analyse der Pläne für den israelisch-palästinensischen Friedensprozess und Lyrik von Kevin Young und Franz Wright.

Magazinrundschau vom 01.12.2003 - New Yorker

Judith Thurman erzählt die Geschichte einer "radikal obszönen" Satire auf Politik und Sexualität - "La Cazzaria" - aus dem 16. Jahrhundert von Antonio Vignali. Vignali, ein junger Sieneser Adliger, hatte 1525 einen "hochmütigen" humanistischen Debattierzirkel ins Leben gerufen, den er "in jugendlicher Despektierlichkeit" die "Akademie der Betäubten" nannte. Das schmale Bändchen, geschrieben in "Form eines pseudo-platonischen und pseudo-scholastischen Dialogs, der überwiegend von körperlosen Geschlechtsteilen geführt wird", war eigentlich nur für einen kleinen Kreis befreundeter Freidenker bestimmt. "Doch irgendwer - ob Freund oder Feind steht nicht fest - fertigte eine Kopie an und druckt sie ohne Zustimmung des Autors, was Vignali eine traurige Berühmtheit bescherte, die dieser nicht mehr los werden konnte. Er ging einige Jahre später ins Exil und veröffentlichte sein Leben lang keine einzige Zeile mehr."

Weitere Artikel: Wann, fragt sich Jeffrey Toobin, wird das "schmutzige Geschäft" der Wahlkreisverschieberei wohl zu einer "Bedrohung für die Demokratie"? Zu lesen ist die Erzählung "Screenwriter" von Charles D?Ambrosio, ein Sketch von Steve Martin, in dem Picasso Werbung für seine "Dame mit dem Fächer" macht, Nicholas Lemann schreibt über Auswirkungen von Bushs "demokratischer Heuchelei", John Cassidy berichtet von einem Skandal über den Roosevelt-Biografen Conrad Black, der ein "Schurke" sein soll, und Paul Goldberger kommentiert die Ausschreibung für das World Trade Center Memorial. Joan Accocella rezensiert eine Biografie über Lucia Joyce, der Tochter von James Joyce (Farrar, Straus & Giroux), und die Kurzbesprechungen beschäftigen sich unter anderem mit einer sehr gelobten Kulturgeschichte von Ballet, modernem Tanz und Choreografie.

In weiteren Besprechungen feiert John Lahr das Musical "Caroline, or Change" von Tony Kushner ("Weg aus der Sackgasse der überfrachteten Musicals der letzten dreißig Jahre"), und Nancy Franklin lobt die TV-Adaption von Kushners "Meisterwerk" und "wichtigsten Theaterstück der letzten zehn Jahre", "Angels in America". David Denby stellt zwei neue Filme vor: "The Last Samurai? von Edward Zwick mit Tom Cruise in der Hauptrolle und "The Missing" von Ron Howard.

Nur in der Printausgabe: Eine Reportage über den neuen Trend Vintage-Mode, ein Bericht über die Affäre um den Selbstmord des britischen Wissenschaftlers David Kelly, ein Porträt des russischstämmigen amerikanischen Choreografen George Balanchine (mehr hier) anlässlich dessen 100. Geburtstags, und Lyrik von Les Murray und Jane Mayhall.

Magazinrundschau vom 24.11.2003 - New Yorker

"Was ist eigentlich in der Wohnung über uns los?" Dieser verzweifelten Frage des Ehepaars Walter, das in einem vornehmen Apartmenthaus in New York lebt, geht Nick Paumgarten in einer außerordentlich vergnüglichen Reportage mit dem Titel "die Geräusche" nach. Im Zentrum des Verdachts - und des jahrelangen Kampfes der Walters um ihre Bettruhe - , Urheber nächtlicher "dumpfer Schläge" und nachfolgendem "Surren wie von einer lauten Biene" zu sein, steht ein Juwelier, der darauf spezialisiert ist, Kopien von wertvollen Diamanten herzustellen. Möglicherweise, so eine Variante der Walters, könnte ein "Teil der Geräusche" auch daher rühren, dass er zudem "Gesichtscremes aus zermahlenen Perlen" fertigen soll. Bewiesen ist nichts.

Weiteres: In einer ausführlichen Besprechung würdigt Louis Menand die frühen Kurzgeschichten von John Updike (geschrieben zwischen1953 - 1975, Knopf) als "Schattenbiografie". Dana Goddyear speist mit Omar Sharif (den Freunde übrigens "Kairo-Fred" nennen sollen), und Bruce McCall legt eine überarbeitete Liste der Regeln für Thanksgiving vor ("Von Gästen wird nicht mehr verlangt, Scrabble oder Monopoly mit Kindern unter zehn Jahren zu spielen").

John Lahr bespricht zwei Theaterinszenierungen: Shakespeares "Henry IV" und "Anna in the Tropics" von Nilo Cruz, der dafür den diesjährigen Pulitzerpreis gewann. Allerdings, so kritisiert Lahr, habe die Jury das Stück lediglich gelesen und nicht auf der Bühne gesehen. Was sich nun als Fehler erwiesen habe und "ebenso absurd ist, wie einem Restaurant nur auf Grundlage seiner Speisekarte vier Sterne zu geben". Anthony Lane sah "In America" von Jim Sheridan und den französischen Zeichentrickfilm "The Triplets of Belleville? von Sylvain Chomet, der in Cannes lief und laut Lane "nichts anderes will, als unbeschreibbar zu sein - was ihm auch gelingt". Judith Thurman rezensiert die erweiterte Neuausgabe einer mit Fotografien illustrierten Dissertation über historische Stadthäuser in Greenwich Village "Bricks and Brownstone: The New York Row House, 1783-1929" (Rizzoli). Und die Kurzbesprechungen beschäftigen sich unter anderem mit einer Studie über den endlosen Bürgerkrieg im westafrikanischen Sierra Leone.

Nur in der Printausgabe: Die Erzählung "Sunstroke" von Tessa Hadley, eine Reportage über die Probleme einer Familie mit autistischen Kindern, ein Bericht über die Herstellung von Special Effects für Hollywood, ein Porträt des chinesischen Basketballstars Yao Ming (mehr hier) und Lyrik von Vijay Seshadri, Henri Cole und Nancy Willard.

Magazinrundschau vom 17.11.2003 - New Yorker

Viele Besprechungen in dieser Woche. Sehr unterhaltsam und klug ist Rebecca Meads Rezension von Rachel Greenwalds Ratgeber "Find a Husband After 35 Using What I Learned at Harvard Business School? (Ballantine). Darin nimmt die Autorin den Heiratsmarkt ganz wörtlich und hat deshalb ein fünfzehnstufiges "Programm" nach Marketingregeln aufgestellt. Ziel: "ein wunderbarer Ehemann". Neben "Produktoptimierungstipps" ("Tragen Sie immer einen Pus-Up-BH") gelte darin vor allem das Motto "Sei nicht so wählerisch". Zitat Greenwald : "Ein zentrales Marketingziel ist, sein Produkt so vielen Kundenkreisen wie möglich anzubieten."

John Updike lobt ausführlich den Roman "My Life as a Fake" von Peter Carey (Knopf), und in den Kurzbesprechungen geht es unter anderem um die Analyse eines Lynchmords an einem führenden Mitglied der jüdischen Gemeinde in Atlanta, Georgia, im Jahre 1915.

Weiteres: Roger Angell resümiert die vergangene Baseballsaison. Anthony Lane stellt den britischen Maler Howard Hodgkin vor und weist auf eine Ausstellung in der Gagosian Gallery hin. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Trespass" von Julian Barnes, eine Besprechung der Musicals "Taboo", für das Boy George die Songs schrieb, und "Fame on 42nd Street", und Alex Ross stellt eine Inszenierung von Fromental Halevys (mehr hier) selten aufgeführter Oper "La Juive" vor. David Denby lobt "The Barbarian Invasions" von Denys Arcand ("von außerordentlicher Zärtlichkeit") und verzweifelte an dem Film "21 Grams" von Alejandro Gonzalez Inarritu ("einer von diesen schlechten Filmen, die einen Kritiker dazu bringen, sich scheußlich zu fühlen").

Nur in der Printausgabe: George Packers Reportage aus Bagdad, die sich mit der Frage beschäftigt, was dort derzeit alles "falsch läuft", und Lyrik von Ben Sonnenberg und Cleopatra Mathis.

Magazinrundschau vom 10.11.2003 - New Yorker

In einem launigen Porträt stellt Peter J. Boyer den ehemaligen Armeegeneral und jetzigen demokratischen Präsidentschaftskandidaten, Wesley Clark, vor und resümiert dessen "gefeierte, aber auch umstrittene" Militärkarriere. Clark, den Bill Clinton zum "einzigen Demokraten neben Hillary" erklärte, der das Zeug zu einem "Politstar" habe, antwortet auf Boyers Frage, wie er sich selbst seine Anziehungskraft erklärt: "Die Demokraten brauchen dringend jemanden, der eine kohärente Botschaft und den Mumm hat, sie auch zu verwirklichen. Ich finde einfach, dass der demokratische Dialog in den letzten Jahren während der Vorwahlen programmatische Begriffe betonte. 'Er ist für ein umfassendes Gesundheitssystem.' Oder: 'Er ist für was anderes.' Oder man benutzte Attribute, etwa 'Er ist gemäßigt', 'Er ist ein Liberaler'. Ich glaube, dass man meine Kandidatur nicht so leicht etikettieren kann."

Weitere Artikel: Calvin Trillin entwickelt einen Fragekatalog mit "freundlichen", "strategischen" und "Zen-Fragen" für die nächste Pressekonferenz mit George W. Bush. Er hat sogar eine "Alternative für die freundliche Frage" in petto: "Glauben Sie, dass die Blumen, mit denen, wie ihre Regierung gesagt hat, die Iraker unsere Truppen begrüßen würden, jemals gefunden werden?" Außerdem ist das erste Cartoon-Kreuzworträtsel des New Yorker zu lösen. Alex Ross lobt die brillante Akustik von Frank Gehrys neuer Walt Disney Concert Hall in Los Angeles (Bilder hier), allerdings fehlten ihr "Wärme und Seele". "Kein schlechtes Stück Stadtarchitektur" urteilt Paul Goldberg gnädig über das Time Warner Center am südwestlichen Rand des Central Park, das eine turbulente Baugeschichte hinter sich hat (Bild hier). Zu lesen ist die Erzählung "Hunting Knife" von Haruki Murakami (mehr hier).

Anthony Lane sah den neuen Film von Peter Weir "Master and Commander: The Far Side of the World", eine Adaption von Motiven aus den Seefahrerromanen von Patrick O?Brian (mehr hier). Ruth Franklin beschreibt anlässlich neuer Bände der englischen Werkausgabe den "Mythos" Arthur Rimbaud, und Hilton Als bespricht die Inszenierungen der Theaterstücke "The Caretaker" von Harold Pinter und "The Violet Hour" von Richard Greenberg,

Nur in der Printausgabe: ein Porträt des schottischen Schauspielers Billy Connolly (homepage), ein kryptisch betitelter Text über das Verwöhnen eines "etwas anderen" Filmstars (könnte sich um ein Tier handeln) und ein Gedicht von Sharon Olds.

Magazinrundschau vom 27.10.2003 - New Yorker

In dieser Woche sind vor allem die Buchrezensionen interessant: In einer ausführlichen - und ebenso lehrreichen wie lesenswerten - Besprechung würdigt Jim Holt eine "Geschichte der Unendlichkeit" von David Foster Wallace. Keine Angst: Man brauche, so Holt, keine "speziellen Kenntnisse, um dem Plot zu folgen: Die wichtigsten Entdeckungen können, trotz ihrer Genialität, mit ein paar Strichen auf einer Papierserviette skizziert werden." Das gleiche gilt auch für seine vorzügliche geschriebene Rezension.

Mit kräftigen Worten charakterisiert John Updike zu Beginn seiner - lobenden - Rezension den Autor einer Biografie über Goya (Knopf). Robert Hughes, ursprünglich Australier und bis 2001 oberster Kunstkritiker der Time, sei ein "deftiger, auch lauter Autor", sein Stil erinnert Updike an ein "Fitnessstudio" am Strand von Sidney. Hughes habe sich "mit Workouts in Form gebracht", und wenn er "ein paar Handstände gemacht und ein paar Hänflingen Sand hinterher gekickt" habe, werde Hughes' "Vergnügen an seiner eigenen Stärke und der Geschmeidigkeit seines Denkens und Schreibens" einfach "ansteckend". Außerdem gibt es Kurzbesprechungen, darunter einer Art Kulturgeschichte eines "Fetischs" der Neuzeit: Sneakers.

Weiteres: Zu lesen ist die Erzählung "Have You Seen the Stolen Girl?" von Tony Earley, Virginia Heffernan porträtiert Tina Fey, die erste weibliche Hauptautorin der Latenight-Show "Saturday Night Life", und Jesse Lichtenstein spielt mit einer Meldung, wonach laut einer Umfrage 33 Prozent der Befragten Amerikaner glauben, dass Jesus keinen Sportwagen fahren würde (29 Prozent sind übrigens vom Gegenteil überzeugt) .

Peter Schjeldahl führt durch eine Retrospektive des russischstämmigen Malers Philip Guston im Metropolitan Museum of Art, und Alex Ross stellt den britischen Violinisten Andrew Manze vor und erklärt, warum nur "Leidenschaft" und nicht "Ehrfurcht" alte Musik "lebendig" werden lasse. John Lahr bespricht das Theaterstück "The Retreat from Moscow? von William Nicholson, Joan Acocella schwärmt von einer neuen Choreografie der inzwischen 84-jährigen Merce Cunningham an der Brooklyn Academy of Music, und Anthony Lane sah zwei neue Filme : "Shattered Glass" von Billy Ray und die Philip-Roth-Verfilmung "The Human Stain" von Robert Benton.

Nur in der Printausgabe: ein Artikel über feindselige Nachbarn, ein Bericht über die Zukunft des Wall Street Journal, eine Reportage über die Jugend der Elfenbeinküste und Lyrik von Grace Paley, C. K. Williams und Campbell McGrath.