Magazinrundschau - Archiv

The New Yorker

855 Presseschau-Absätze - Seite 61 von 86

Magazinrundschau vom 05.02.2008 - New Yorker

Was genau hat Israel am 6. September 2007 in Syrien bombardiert? Eine im Aufbau befindliche Anlage zur Produktion von Atombomben, wie es die Times, die Washington Post und eine Reihe anderer Zeitungen behauptet haben? Oder eine Anlage zur Produktion von Chemiewaffen, wie ein syrischer Offizier vermutet? Oder eine Anlage für strategische Waffen, wie ein anderer syrischer Offizier vermutet? Und was genau haben Amerikaner und Israelis vermutet? Wirklich Atomwaffen? Seymour Hersh zeichnet im - teilweise haarsträubenden - Detail nach, wie die verschiedenen Versionen zustande kamen und zitiert am Ende einen langjährigen ehemaligen Mitarbeiter der CIA, der eine grundsätzliche Schwäche der Geheimdienste benennt: "Die Leute glauben immer, sie würden das Ergebnis kennen und dann gucken sie zurück und finden die Belege, die dazu passen. So entsteht ein Gruppendenken, bei dem sich die Leute gegenseitig bestätigen."

Weitere Artikel: Hendrik Hertzberg kommentiert unter der Überschrift "Der Knatsch" die gegenseitigen Attacken zwischen Barack Obama und den Clintons im Vorfeld des Super Tuesday. James B. Stewart beschreibt, wie und warum Stephen Schwarzman, Chef und Mitbegründer der Blackstone Group, zum erklärten Schuft der Wall Street wurde. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Free Radicals" von Alice Munro und Lyrik von Richard Wilbur, Kathleen Graber und Robert Pinsky.

John Updike stellt eine Gesamtausgabe der Romane von Flann O?Brien vor (Everyman's Library). Sasha Frere-Jones porträtiert die R&B, Soul- und HipHop-Sängerin Mary J. Blige. Peter Schjeldahl führt durch neue Ausstellungsräume im Metropolitan Museum of Art, in denen unter anderem Werke von Philippe de Montebello, Corot und weitere Kunst des 19. Jahrhunderts zu sehen sind (hier Bilder). Und Anthony Lane sah im Kino die Actionkomödie "In Bruges" von Martin McDonagh und Eran Kolirins Überraschungsdebüt "The Band?s Visit" ("Die Band von Nebenan"), der in Cannes laufen wird.

Magazinrundschau vom 29.01.2008 - New Yorker

Interessant, aber auch ein wenig trendy findet Joan Acocella eine Studie des amerikanischen Historikers und zweifachen Pulitzerpreisträgers David Levering Lewis über die Eroberung Spaniens durch die Muslime, "God?s Crucible: Islam and the Making of Europe". Das Buch müsse in zwei Kontexten gelesen werden: Post-Kolonialismus und Geschichte des Terrorismus, letztere auch eine Folge der Ignoranz und Arroganz westlicher Geschichtsschreibung. Lewis "bedauert ausdrücklich, dass die Araber [nach Spanien] nicht auch den Rest Europas eroberten. Der Stopp ihres Vorstoßes, schreibt er, sei entscheidend gewesen für die Bildung eines 'wirtschaftlich rückständigen, balkanisierten und sich gegenseitig vernichtenden Europas'." Acocella ist das zu ideologisch. Sie sieht "eine Zeit voraus, in der ein anderes wichtiges Thema, die Gefahr einer ökologischen Katastrophe, einen Historiker zu einem Buch anregen wird, das die frühen Europäer rühmt, die Lewis den Muslimen so unterlegen findet. Die Franken lebten in Wäldern, während die Muslime schöne Stätte bauten, mit Palästen und Äquadukten? Um so besser für die Umwelt."

Weitere Artikel: Evan Osnos berichtet über den Aufstieg des unter Mao verbotenen Boxsports in China und dessen Hoffnungsträger Zou Shiming (1,70 Meter, 48 Kilo). Alex Ross porträtiert Jonny Greenwood, Gitarrist der britischen Band Radiohead, der eine Filmmusik und ein Orchesterwerk komponiert hat. David Denby sah im Kino das kanadische Step-Musical "How She Move" von Ian Iqbal Rashid und das Aids-Drama "Die Zeugen" von Andre Techine, das letztes Jahr im Wettbewerb der Berlinale lief. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Friendly Fire" von Tessa Hadley und Lyrik von Jean Valentine und Billy Collins.

Magazinrundschau vom 22.01.2008 - New Yorker

Ziemlich gründlich hat sich George Packer die bisherige Kampagne von Hillary Clinton angesehen und in ihrem Konkurrenzkampf mit Barack Obama zwei völlig unterschiedliche Konzepte der Präsidentschaft ausgemacht. Während Obama mit Charisma auf gesellschaftlichen Wandel setze, gehe es Clinton eher darum, ehrgeizig Ziele zu erreichen. "Mir kam in den Sinn, dass Clinton einen bekannten Typus des Demokraten verkörpert - den ernsthaften Polit-Junkie wie Michael Dukakis, Al Gore oder John Kerry - außer, dass sie eine Streberin mit unter Verschluss gehaltenem Killerinstinkt und feurigem Temperament ist. In unserem Gespräch schien Clinton einzuräumen, dass sie nicht durch Rhetorik und Gefühl begeistert. 'Man kann auch durch Taten begeistern', erklärte sie. (...) Sie würde den Kontrollverlust nicht riskieren, den es kosten könnte, einen Raum mit Humor, Ärger oder Streit mit sich zu reißen oder jene Art spontaner menschlicher Note ins Spiel zu bringen, die jeder, der sie privat erlebt, an ihr kennt und schätzt."

Weitere Artikel: Jerome Groopman beschreibt Einfluss und Nutzen von wirtschaftlichem Knowhow auf Krankheit und medizinische Forschung. Adam Gopnik amüsiert die Berichterstattung über Sarkozy-Bruni: Während die "Oo-La-La!-Division der Mon-Dieu!-Schule in der amerikanischen Presse" das ganze ungeheuer französisch findet, neigt die französische Presse dazu, ihrem "Bling-Bling President" typisch amerikanische Neigungen zu unterstellen. Anthony Lane sah im Kino den Monster-Film "Cloverfield" von Matt Reeves und den 2007 mit das Goldenen Palme ausgezeichnete Drama "4 Monate, 3 Wochen und fünf Tage" von Christian Mungiu. Online lesen darf man außerdem die Erzählung "The Reptile Garden" von Louise Erdrich und Lyrik von Les Murray, Ciaran Carson und John Hollander.

Magazinrundschau vom 15.01.2008 - New Yorker

Ryan Lizza analysiert die Vorwahlen in New Hampshire. Für Barack Obama sieht er vor allem einen gefährlichen Trend aufscheinen: die Rassenfrage. "Meinungsforscher versuchen festzustellen, ob er einem sogenannten Bradley-Effekt zum Opfer gefallen ist. 1982, als der afroamerikanische Bürgermeister von Los Angeles, Tom Bradley, für den Gouverneursposten kandidierte, zeigte ihn in den letzten Umfragen mit 8 Prozentpunkten klar in Führung vor seinem weißen republikanischen Rivalen George Deukmejian. Und doch gewann Deukmejian - mit einem Prozentpunkt. Ein ähnliches Phänomen erlebte 1989 in Virginia L. Douglas Wilder, als er für den Gouverneursposten gegen den weißen Marshall Coleman kandidierte. Wilder lag zehn Prozentpunkte in Führung, gewann am Ende aber mit weniger als einem Prozentpunkt. In beiden Fällen waren weiße Wähler gewillter, den Meinungsforschern zu erzählen, sie würden einen schwarzen Kandidaten unterstützen, als es tatsächlich zu tun."

Weitere Artikel: Lauren Collins schildert einen Fall, in dem ein böser Scherz auf MySpace zum Selbstmord einer Dreizehnjährigen führte. Zu lesen sind die Erzählung "Ash Monday" von T. Coraghessan Boyle und Lyrik von Adam Zagajewski und Robert Mezey.

Adam Gopnik rezensiert zwei Neuerscheinungen über den amerikanischen Sezessionskrieg ("This Republic of Suffering: Death and the American Civil War", Knopf; "Awaiting the Heavenly Country: The Civil War and America?s Culture of Death", Cornell). Und David Denby sah im Kino das 2006 in Venedig mit dem Goldenen Löwen ausgezeichnete Drama "Still Life" von Jia Zhang-ke, "Summer Palace" von Lou Ye und Woody Allens "ärgerlichen" neuen Film "Cassandra?s Dream" mit Ewan McGregor.

Magazinrundschau vom 08.01.2008 - New Yorker

Ein hochinteressanter Artikel über Google von Ken Auletta. Er beschreibt nicht nur die neuesten Geschäftsstrategien, sondern liefert auch eine Art psychologisches Porträt der beiden Gründer Larry Page und Sergey Brin. Zur Erinnerung: Page ist 35, Brin 34 Jahre alt. Beide kommen nicht aus der Wirtschaft, sondern aus der Computerwissenschaft. Auletta durfte bei einer Besprechung zuhören, wo einige Ingenieure die Verbesserung eines bereits existierenden Programms vorstellten. "Page sagte, dass die Ingenieure nicht ehrgeizig genug waren. Brin stimmte zu und fand die Vorschläge zu vage, zu vorsichtig. 'Wir wollten etwas großes', fügte Page hinzu. Stattdessen schlagt ihr uns etwas kleines vor. Warum seid ihr so zögerlich?' Der Kopf des Ingenieurteams erklärte, dass die von den Gründern vorgeschlagenen Änderungen zu viel Geld, Zeit und Ingenieurstalent kosten würde... In solchen Meetings sind Page und Brin ein engeschworenes Team, die ihre Angestellte dafür kritisieren, wenn sie eine 'hübsche' Lösung gefunden haben statt einer fundamentalen."

Weitere Artikel: Dana Goodyear besucht das Chateau Elysee, das so genannte Celebrity Center von Scientology, in Los Angeles. Ryan Lizza wirft noch einmal einen Blick auf den Caucus von Iowa und glaubt, dass Hillary Clinton mit ihrer "Nostalgietour" in New Hamsphire besser ankommen dürfte. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Wakefield" von E.L. Doctorow und Lyrik von Marie Howe und Michael Dickman.

David Denby widmet sich anlässlich des Erscheinens von zwei Biografien dem Werk des Regisseurs Otto Preminger, dessen tyrannisches Regime bei den Filmarbeiten legendär war und doch stets im Dienst von Toleranz und offenem Meinungsaustausch stand. Sasha Frere-Jones besichtigt das Phänomen des britischen Fräuleinwunders auf MySpace und stellt mit der Sängerin Kate Nash eine der Protagonistinnen vor. Und Anthony Lane sah im Kino den spanischen Horrorfilm "The Orphanage" von Juan Antonio Bayona.

Magazinrundschau vom 11.12.2007 - New Yorker

In seiner Rezension von James Flynns Studie "What is Intelligence?" (Cambridge) gibt Malcolm Gladwell einen interessanten Überblick über Probleme und Fragestellungen der Intelligenzforschung und ventiliert die Debatte über den Zusammenhang von Rasse und IQ. So hebe der heute gängigste Intelligenztest WISC (Wechsler Intelligence Scale for Children) "vor allem auf die Kategorie 'Ähnlichkeiten' ab, in der einem Fragen gestellt werden wie 'Worin sind sich Hunde und Kaninchen gleich?'. Heutzutage pflegen wir die, im Sinne der Intelligenztests, richtige Antwort zu geben: Hunde und Kaninchen sind Säugetiere. Ein Amerikaner des 19. Jahrhunderts hätte geantwortet: 'Man benutzt Hunde, um Kaninchen zu jagen.' (?) Unsere Großeltern mögen durchaus intelligent gewesen sein, hätten bei den heutigen IQ-Test aber jämmerlich versagt, weil sie die große kognitive Revolution des 20. Jahrhunderts nicht mitgemacht haben, die uns beibrachte, Erfahrung einem neuen Satz abstrakter Kategorien zuzuordnen. (...) Der IQ misst damit, in anderen Worten, nicht so sehr wie schlau wir sind, sondern wie modern."

Weiteres: David Sedaris schildert einen Nachtflug New York - Paris in der Business-Class. Unter der Überschrift "Rückkehr des Nativisten" porträtiert Ryan Lizza den Republikaner John McCain, der gerne Präsidentschaftskandidat werden würde, und den neuen "Anti-Immigrations-Rausch" der Republikaner. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The King of Sentences" von Jonathan Lethem und Lyrik von Frank Bidart und Henri Cole.

John Lahr stellt Inszenierungen der Theaterstücke "The Seafarer" von Conor McPherson und Mark Twains "Is He Dead" vor. Peter Schjeldahl schreibt über die Cranach-Ausstellung im Frankfurter Städel, die im Frühjahr nach London weiterzieht. Nancy Franklin erklärt, was sie in den Debatten der Kandidaten für die Präsidenschaftskandidatur auf CNN/YouTube über selbige gelernt hat. Und David Denby sah im Kino Paul Thomas Andersons Drama "There Will Be Blood", Jason Reitmans Komödie "Juno" und Marc Forsters Film "The Kite Runner" nach dem Roman "Drachenläufer" von Khaled Hosseini.

Nur im Print: die Geschichte der antiken Aphrodite-Statue, die zum Rauswurf einer Kuratorin des Getty-Museums führte, und ein Artikel zur Frage, ob der Tod von Malcolm Lowry wirklich Selbstmord oder doch Mord war.

Magazinrundschau vom 04.12.2007 - New Yorker

In einem ausführlichen Essay geht Louis Menand anlässlich der sehr unterschiedlich geratenen Tagebücher des Pulitzer-Preisträgers Arthur M. Schlesinger ("Journals: 1952-2000") und des Journalisten Leo Lerman ("The Grand Surprise") der Frage nach, warum wir Tagebücher lesen - und warum sie überhaupt geschrieben werden. Er bietet drei Spontantheorien dafür an: Ego-Theorie, Es-Theorie und Über-Ich-Theorie. "Die Ego-Theorie besagt, dass das Führen eines Tagebuchs einen Grad an Eitelkeit und Eigenbedeutung erfordert, der die meisten Leuten schlicht überfordert, um sie längere Zeit bei der Stange zu halten. Man ist gezwungen zu glauben, das Zeug, das einem passiert ist, sei des Aufschreibens wert, weil es einem selbst passiert ist. Deshalb werden so viele Tagebücher schon um den 10. Januar herum wieder aufgegeben: sie fortzuführen, wird einem schnell klar, bedeutet etwas Schlimmeres, als für andere unerträglich zu sein - es bedeutet, sich selbst unerträglich zu sein. Die Leute merken, dass sie sich nicht ernst genug nehmen können, um weiterzumachen. Sie mögen das bedauern, aber sie akzeptieren es und wenden sich anderen Dingen wie dem Briefmarkensammeln zu."

Weiteres: Hendrik Hertzberg schreibt über die "militärisch übertragbare Infektionskrankheit", die unter Bushs inzwischen ehemaligen Verbündeten grassiert, die einer nach dem anderen von ihm und seinem Irak-Abenteuer abrücken. Nick Paumgarten porträtiert Eliot Spitzer, Demokrat und seit einem Jahr Gouverneur von New York. Sasha Frere-Jones befindet, die Sängerin und Songschreiberin Chan Marshall sei endlich erwachsen geworden. John Lahr stellt Inszenierungen der Theaterstücke "Cymbeline" von Shakespeare, "A Hard Heart" von Mark Lamos und "Rebel Voices" von Rob Urbinati vor. Anthony Lane sah im Kino die Ian-McEwan-Verfilmung "Abbitte". Zu lesen sind außerdem die Erzählung "Found Objects" von Jennifer Egan und Lyrik von Charles Simic, D. Nurkse und Kevin Young.

Nur im Print: ein von seiner Tochter geschriebenes Porträt des an Depressionen leidenden Schriftstellers William Styron, eine Reportage über einen bösartigen Schädling oder eine Seuche in North Carolina und eine Betrachtung über die Folgen von zu viel Pflege im Krankheitsfall.

Magazinrundschau vom 27.11.2007 - New Yorker

Bill Buford, Literaturkritiker, der bei einem Dante zitierenden toskanischen Metzger in die Lehre ging (hier sein Buch darüber), stellt drei "Kochbücher für Fleischfresser" vor: "The River Cottage Meat Book" des Briten Hugh Fearnley-Whittingstall, "Au Pied de Cochon" des frankokanadischen Kochs Martin Picard und "Pork & Sons" des französischen Kochs Stephane Reynaud (Villa 9trois). Alle drei Bücher enttäuschten ihn in einem einzigen Punkt: "Was alle drei ignorieren und vermutlich erst kurz vor der Veröffentlichung ihrer Bücher entdeckten: Es gibt keine allgemein gültige Zerlegepraxis, vielmehr ist sie immer national und manchmal regional festgelegt, deshalb gibt es auch kein allgemein gültiges Metzgervokabular, das sich von einer Sprache in die andere übersetzen ließe. Insofern sind Fearnley-Whittingstalls Anleitungen zum Zerteilen eines Lamms am Ende die sinnvollsten: Die einzige Methode es zu lernen, besteht darin, unerschrocken hineinzuhacken und der Sauerei zu trotzen."

Weiteres: Michael Specter berichtet über eine evolutionäre Entdeckung bezüglich Viren, und geht der Frage nach, warum Forscher deaktivierte Retroviren wieder zum Leben erwecken. John Updike rezensiert den Roman "A free Life" des aus China stammenden Amerikaners Ha Jin (Pantheon). Alex Ross resümiert den Auftritt der Berliner Philharmoniker unter Simon Rattle beim New Yorker Festival "Lights in Berlin" in der Carnegie Hall. Und David Denby sah im Kino "The Diving Bell and the Butterfly" von Julian Schnabel und die Komödie "The Savages" von Tamara Jenkins. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "The Visitor" von Marisa Silver und Lyrik von Gerald Stern, James Richardson und Richard Kenney.

Magazinrundschau vom 20.11.2007 - New Yorker

Ryan Lizza nimmt den möglichen demokratischen Präsidentschaftskandidaten Barack Obama und seine neu gestartete Kampagne mit dem Slogan "Harte Wahrheiten" unter die Lupe und geht der Frage nach, ob er damit seine Konkurrentin Hillary Clinton noch überholen kann. Er zitiert Obama unter anderem mit dieser Aussage: "Ich glaube, Hillary hat sich auf einen viel konventionelleren Ansatz festgelegt. Ich glaube, dass wir unkonventionellen Bedrohungen gegenüberstehen, und das erfordert ein Maß an persönlicher Diplomatie des Präsidenten, die den Schaden ausbügeln kann, den George Bush angerichtet hat. Ich denke, das bedeutet, dass der Präsident direkt an Gesprächen mit unseren Feinden beteiligt sein sollte - und nicht nur mit unseren Freunden. Er sollte sich weniger um Konventionen scheren, Sie wissen schon, mit wem treffen wir uns, Gesandte welche Dienstgrads werden geschickt und so weiter."

Anthony Lane sah im Kino Todd Haynes' von Bob Dylan inspirierten Film "I'm Not There" und Frank Darabonts Stephen-King-Verfilmung "The Mist". Über letzteren spottet er: "Der Satz 'Da ist was im Dunst' ist eine direkte Übernahme des Satzes 'Da ist was im Nebel', der vor 27 Jahren in John Carpenter's 'The Fog' gesprochen wurde. Er zeigt uns, dass diese Filme keine Meditationen über die Tragödie der menschlichen Selbstüberschätzung sind. Sie sind Wetterberichte. Ist das nicht schaurig genug?"

Weiteres: Nora Ephron glossiert einen Fall restlos verwirrender Vermischung von Filmhandlungen und literarischer Vorlage. James Wood bespricht eine Neuübersetzung von Tolstois "Krieg und Frieden" ("War and Peace", Knopf). Gary Giddins porträtiert die brasilianische Bossa-Nova-Sängerin Rosa Passos, die als "weibliches Pendant von Joao Gilberto" gilt. Nancy Franklin stellt die neue TV-Serie "Gossip Girls" über reiche Privatschüler an der Upper Eastside vor. Zu lesen ist außerdem die Erzählung "Alvaro Rousselots Journey" von Roberto Bolano und Lyrik von Adam Zagajewski und Louise Glück.

Nur im Print: eine Reportage über die Motorisierung Chinas und ein Porträt des Viertels "Little Colombia" alias Jackson Heights in Queens.

Magazinrundschau vom 13.11.2007 - New Yorker

Jon Lee Anderson berichtet aus dem Irak über "merkwürdige" neue Allianzen, die das amerikanische Militär eingeht, und fragt nach deren Kosten. "Die neue Strategie dient auch der Ebnung des Wegs für irakische Sicherheitskräfte, die die amerikanischen ersetzen sollen, und alle Joint Security Stations sind, wie der Name sagt, mit Amerikanern und Irakern besetzt. Allerdings gehören die Iraker nicht alle offiziellen Regierungskräften an. Mit amerikanischer Unterstützung übernehmen Hunderte bewaffneter sunnitischer Freiwilliger namens Ghazaliya Guardians schrittweise Polizeiaufgaben. Solche von den Amerikanern zugelassene sunnitische Einsatztruppen entstehen überall. Zum Entsetzen vieler Schiiten befinden sich unter ihnen viele ehemalige Rebellen. Ein Beamter einer der großen schiitischen Parteien sagte mir: 'Manche dieser bewaffneten Gruppen waren gestern noch feindliche Kräfte, die die irakische Regierung, Koalitionstruppen und jeden angriffen, der etwas mit der Regierung zu tun hatte. Sie galten als Terroristen. Was ist geschehen?'"

Weiteres: James Surowiecki kommentiert den Streik der amerikanischen Drehbuchautoren, einige Sätze könnten vielleicht auch den hiesigen Arbeitskampf Lokführer contra Bahn erhellen. Etwa: "Ein Streik ist nicht immer ein Fehler: manchmal erringen Arbeitnehmer einen großen Sieg. Doch wenn beide Seiten glauben, ein Streik diene ihrer Sache, muss sich mindestens eine von beiden irren." In einer Glosse erläutert Larry Doyle "warum wir streiken" und die damit verbundenen Forderungen. Als "Schläger, der gegen alles ausholte" charakterisiert Louis Menand Norman Mailer in seinem Nachruf. Außerdem zu lesen ist die Erzählung "Or Else" von Antonya Nelson und Lyrik von Michael Longley und Franz Wright.

Paul Goldberger besichtigt das neue Domizil des New Museum of Contemporary Art in New York vor, das das japanische Architekturbüro SANAA in der Bowery realisiert hat. Sasha Frere-Jones berichtet über einen neuen Punkrock-Boom in Los Angeles, in dessen Zentrum die Gruppe No Age steht. Dan Chiasson rezensiert Gedichtbände von Mark Strand ("New Selected Poems", Knopf) und Robert Hass ("Time and Materials", Ecco). Und David Denby sah im Kino das Irak-Kriegsdrama "Redacted" von Brian de Palma, Mike Newells Marquez-Verfilmung "Love in the Time of Cholera" und Noah Baumbachs Komödie "Margot at the Wedding" mit Nicole Kidman.

Nur im Print: eine Reportage aus Paris über den Aufstieg eines nicht näher bezeichneten berühmten Antisemiten, ein Artikel über den Streit unter Medizinern um das richtige Geburtsgewicht und ein Porträt von Orson Welles und Laurence Olivier als Shakespeare-Schauspieler.