
In einem ausführlichen Essay
geht Louis Menand anlässlich der sehr unterschiedlich geratenen Tagebücher des Pulitzer-Preisträgers
Arthur M. Schlesinger ("Journals: 1952-2000") und des Journalisten
Leo Lerman ("The Grand Surprise") der Frage nach, warum wir
Tagebücher lesen - und warum sie überhaupt geschrieben werden. Er bietet
drei Spontantheorien dafür an: Ego-Theorie, Es-Theorie und Über-Ich-Theorie. "Die
Ego-Theorie besagt, dass das Führen eines Tagebuchs einen
Grad an Eitelkeit und Eigenbedeutung erfordert, der die meisten Leuten schlicht überfordert, um sie längere Zeit bei der Stange zu halten. Man ist gezwungen zu glauben, das Zeug, das einem passiert ist, sei des Aufschreibens wert, weil es
einem selbst passiert ist. Deshalb werden so viele Tagebücher schon um den 10. Januar herum wieder aufgegeben: sie fortzuführen, wird einem schnell klar, bedeutet etwas Schlimmeres, als für andere unerträglich zu sein - es bedeutet,
sich selbst unerträglich zu sein. Die Leute merken, dass sie sich nicht ernst genug nehmen können, um weiterzumachen. Sie mögen das bedauern, aber sie akzeptieren es und wenden sich anderen Dingen wie dem Briefmarkensammeln zu."
Weiteres: Hendrik Hertzberg
schreibt über die "
militärisch übertragbare Infektionskrankheit", die unter Bushs inzwischen ehemaligen Verbündeten grassiert, die einer nach dem anderen von ihm und seinem Irak-Abenteuer abrücken. Nick Paumgarten
porträtiert Eliot Spitzer, Demokrat und seit einem Jahr Gouverneur von New York. Sasha Frere-Jones
befindet, die Sängerin und Songschreiberin
Chan Marshall sei endlich erwachsen geworden. John Lahr
stellt Inszenierungen der Theaterstücke
"Cymbeline" von
Shakespeare, "A Hard Heart" von
Mark Lamos und "Rebel Voices" von
Rob Urbinati vor. Anthony Lane
sah im Kino die Ian-McEwan-Verfilmung
"Abbitte". Zu
lesen sind außerdem die Erzählung "Found Objects" von Jennifer Egan und
Lyrik von Charles Simic, D. Nurkse und Kevin Young.
Nur im
Print: ein von seiner Tochter geschriebenes Porträt des an Depressionen leidenden Schriftstellers
William Styron, eine Reportage über einen bösartigen Schädling oder eine Seuche in North Carolina und eine Betrachtung über die Folgen von
zu viel Pflege im Krankheitsfall.